Der Hotdog und Feminismus

Zwischen obiger Photographie und diesem einleitenden Satz liegen drei Bissen, die den Umfang des Hotdogs geschmälert haben. Ich bin nicht ganz sicher, ob Hotdogs so schmecken müssen wie dieser von „Backwerk“, da ich eigentlich nur die „Ikea“-Hotdogs und selbstgemachte kenne sowie eine später zu erwähnende Variante. Schon dieser Käse ist mir supekt, doch gilt auch beim Hotdog:

Jedes Gericht kann durch ein Überbacken mit Käse verfeinert werden, selbst ein Käseauflauf sollte zur Sicherheit noch einmal mit Käse überbacken werden.

Backwerk ist – für diejenigen, die das Unternehmen nicht kennen – eine Art Bäckerei, was ein „echter“ Bäcker sicherlich anders sieht und vermutlich mit Recht. Backwerk ist der erste deutsche SB-Bäcker gewesen, eröffnete 2001 seine erste Filiale in – tja, was soll ich sagen – in Düsseldorf. Inzwischen jedoch schicken sich Schweizer an, das Unternehmen zu übernehmen, das für Mega-Ketten wie „McDonald’s“ zunehmend zum Problem und ernsthafter Konkurrent wird, auch wenn sich deren Angebote freilich unterscheiden.

Aber ich kenne noch den Hotdog von McDonald’s und muss sofort sagen, dass dieser, obige Hotdog um Längen besser ist, und natürlich unterstütze ich aus gesundem Patriotismus heraus natürlich das (noch) deutsche Unternehmen.

Wenn ich beispielsweise hungrig am Bahnhof stehe und vor mir tut sich zum einen ein McDonald’s und zum anderen ein Backwerk auf, fällt die Entscheidung immer zugunsten des Bäckers, der zwar (noch) keine Burger anbietet, dafür aber Schnitzelbrötchen. Davon abgesehen suche ich eigentlich so gut wie nie einen Bäcker auf, da ich weitgehend auf Kohlenhydrate verzichte, doch heute habe ich Gründe, mir diesen Hotdog zu gönnen, den ich aber durchaus als nicht ansatzweise nahrhaft einstufe. Macht man erstmal zwei Jahre lang „Lowcarb“, entwickelt man einen gewissen Ekel gegenüber (weißem) Teig, weil es außer Papier wohl nichts gibt, das noch weniger Nährstoffe besitzt. Und außerdem machen Kohlenhydrate fett.

Heute ist Nikolaustag. Früher waren es noch meine Eltern, die mir mitteilen konnten, wann ich den Stiefel vor meine Tür zu stellen hatte. Ich hatte viele Jahre Zeit also, mir diesen Zeitpunkt genau einzuprägen. Doch seit ich nicht mehr bei meinen Eltern wohne, stehe ich vor zwei Problemen:

Erstens. Was ist der Unterschied zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann? Beide kommen – je nach Tradition – in Rot daher (Übrigens schon, bevor „Coca“ ihn rot einfärbte.). Beide haben diesen weißen Bart, den ich in rund zehn Jahren auch tragen werde, wenn sich der Vormarsch meiner transparenten Haare in diesem Tempo fortsetzt, wozu auszugehen ist, was aber nur bei Frauen ein Problem ist, dessenthalben man sie in allen Lebensbereichen nach wie vor unterdrückt, benachteiligt und misshandelt. Männer mögen Frauen mit weißen Vollbärten nicht, aber letztlich ist es eine Geschmacksfrage und ich glaube, irgendwo bei „Pornhub“ wird auch dieser Fetisch bedient.

Zweitens. Ja, wie gesagt, wann kommt der Nikolaus? In der Nacht zu heute oder zu morgen? Ich hätte ja nun gedacht, zu heute. Doch Kollege Butzi, der hier immer häufiger Auftritte feiert, womit aber bald zuverlässig Schluss ist, stellt seinen Stiefel erst in der kommenden Nacht auf. Was zur Hölle ist denn nun richtig?! Abgesehen davon, dass kein Nikolaus ihn je befüllen wird.

Zur Sicherheit habe ich gerade per Facebook meine Mitbewohnerin befragt, wann der Nikolaus denn nun komme. Bei uns kommt er dieses Jahr gar nicht, da wir nun räumlich getrennt leben. Sie wartet zudem gerade auf den Mann von der „Telekom“, der das Internet freischaltet.

Gerade wollte ich den Kreis schließen und zurück zum Hotdog kommen, da antwortet mir meine Mitbewohnerin.

Merken Sie? Sie hält mich für blöd. Wenn ich wüsste, wann man die Stiefel rausstellt, wäre mir ja auch klar, wann der Nikolaus kommt. Aber ich gebe zu, Frage unpräzise gestellt. Und dass man die Stiefel vorher putzt, ist mir irgendwie auch neu. Dabei war ich noch in einen deftigen Hundehaufen getreten. Also in einen Haufen aus Hunden bestehend. Ein Menschenhaufen ist was ganz anderes als eine Menschentraube, obwohl es ja rein semantisch betrachtet dasselbe meinen könnte.

Zurück zum Backwerk. Backwerk will die Nummer eins der Systemgastronomie werden, heißt also: McDonald’s schlagen. In Bochum steht der entsprechende Flagschiff-Laden, der demonstriert, wohin die Reise mal gehen soll, zur „ehrlichen Stulle“ eben. Kernzielgruppe: gesundheitsbewusste Frauen. Also nicht die dicken. Die anderen. Denn die seien die wahren Trendsetter. Was sie äßen, äßen in einigen Jahren auch die Männer. Mit anderen Worten: Die Frauen haben die Hosen an, wobei die eine oder andere aus mir unerfindlichen Gründen sogar zur Krawatte greift, einem Phallussysmbol. Sucht Euch Euer eigenes Vaginen-Symbol anstatt permanent auf dem Manne rumzuhacken!

Feminismus ist mein neues Lieblingsthema. Hintergrund ist eine Diskussion vergangene Woche mit Kollegen. Bei diesem Thema kann man sich wunderbar mit nur wenigen Worten die Finger verbrennen und eine aufgescheuchte Meute wilder Hühner gegen sich aufbringen. Das zum Beispiel war ein kleiner Scherz, ich wollte nur ein Klischee bedienen. Ich wurde mal auf dem Bauernhof meiner Oma von einem aufgescheuchten Hahn verfolgt, da sind aufgescheuchte Hühner ein Witz dagegen.

Frauen sind für mich keine aufgescheuchten Hühner, aber manch Protagonistin in diesem Diskurs gibt sich redlich Mühe, als aufgescheuchtes Nashorn in Erscheinung zu treten.

Es gibt Frauen, mit denen würde ich niemals über Feminusmus und/oder „#metoo“ sprechen. Ich würde einfach alles abnicken, was sie mir an den Kopf werfen. Und dann gibt es Frauen, mit denen ich durchaus über diesen Komplex, also Themenkomplex! (Achten Sie bei mir immer auf die Feinheiten, es wäre zu schade, entgingen Sie Ihnen!), sprechen kann, weil sie nicht sofort auf mich einschlagen, wenn ich den Mund überhaupt nur öffne.

Für mich ist es simpel. Natürlich sollten alle dieselben Rechte haben. Das gilt nicht nur für Frauen, sondern auch für Behinderte und Homosexuelle, unter denen ja auch Frauen sein können. Man muss es jetzt immer dazu schreiben, wenn man Frauen nicht explizit erwähnt. Und wer sich jetzt über den billigen Gag „Frauen und Behinderte“ nach dem Motto „Frauen und andere Minderheiten“ (obwohl sie freilich die Mehrheit stellen), aufregt, der erniedrigt imselben Atemzug Behinderte und hat sich damit selbst der Diskriminierung überführt, womöglich ohne es zu merken, was die ganze Dummheit an der Diskussion offenlegt. Viele Frauen werten im Diskurs automatisch Dinge ab, die Frauen ausmachen. Diese Dinge darf man dann als Mann auch nicht mehr erwähnen, weil sie als abwertend verstanden werden.

Frauen sollten auch nicht schlecht behandelt werden, es sei denn, es liegen gute Gründe vor. Das bloße Geschlecht ist kein Grund.

Frauen sind nicht nur Opfer, Männer nicht nur Täter. Tatsächlich sind Männer häufiger Opfer von Gewaltverbrechen, nämlich eineinhalbmal öfter laut der Kriminalstatistik des BKAs. (Hat vermutlich ein Mann gefälscht, hihiihihihhihihih!)

Aber gut. In diesem Moment ist mir das eigentlich auch egal. Ich bin großer Freund von Frauen und es gibt sogar Männer, die ich ganz gut finde. Ein Teil der Feminismus-Debatte hat erst in der Wahrnehmung dazu geführt, dass Frauen plötzlich irgendwie immer Opfer sind. Weil man es immer und immer wieder hört und liest. Und es gibt Frauen, die sich geradezu darin suhlen und gar nicht mitbekommen, dass sie gar kein Opfer sind.

Aber eines erwähne ich gerne: Ich habe es hautnah erlebt, wie Frauen in ihrer Gegenwart zum Sexobjekt degradiert wurden. Da blieb mir oftmals die Spucke weg! Ich habe mich in diesen Momenten sehr geschämt. Nicht für mich, für die anderen. Und für manch Frau, die da hemmungslos mitmachte.

Ich gebe zu, dass es etwas unglücklich war, vom Hotdog, einer Wurst immerhin, auf dieses Thema zu kommen. Aber das ist ja auch wieder so ein Punkt: Ein Penis ist nichts Schlimmes! Er ist der Deckel zum Topf.

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14 Kommentare

  1. Wer auf die Idee kommt, Hotdogs mit Käse zu überbacken, hat erst mal meine uneingeschränkte Sympathie. Wer aber seinen „Flagschiff-Laden“ in Bochum errichtet, muss sich nicht wundern, wenn er trotz seines innovativen Produkts dennoch auf ganzer Linie scheitert. :-)

    Übrigens erinnert mich der, nun, sagen wir mal „Handlungsverlauf“ Deines Beitrags – vom Hotdog, über den Nikolaus hin zum Feminismus – an die alten „Simpsons“-Folgen … ;-)

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  2. Hat dies auf FOBI Lilienstern rebloggt und kommentierte:
    Es scheint nötig, lieber Mitstreiter, mal nach New York zu fliegen und einen rrrichtig echten HOTDOG zu genießen – der Unterschied zum IKEA-Fake ist wie für Berliner zwischen CURRYWURST bei Konnopke und dem Rest der Welt (incl. Duisburger Kommissars-Kopie). Aber dennoch- Frau bleibt Frau !!!

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