Ein ganz klassischer Sonntag

Das habe ich vermisst: das Läuten der Kirchenglocken am Sonntagmorgen, diesen Benachrichtigungston der hiesigen Sakralbauten als Form einer altertümlichen Push-Nachricht. Allein in Münsters Innenstadt steht eine atemberaubende Anzahl an Kirchen: 248 Stück! Dazu kommen noch die aus den umliegenden Stadtteilen, sodass man in der Summe auf rund 24.000 Gotteshäuser kommt!

Bevor ich das seppolog dichtmache, möchte ich noch eine seltsam erfolgreiche Serie zum Ende bringen, nämlich die der Sonntagsartikel. Ich hatte schon damals, als ich sie begann, nie verstanden, warum ausgerechnet die so gut ankamen, da sie sich vor allem durch absolute Inhaltsleere auszeichneten. Ich schrieb einfach auf, was ich gerade so im Kopf hatte – und das ist eben nicht immer viel, zumal ich in der Regel gerade erst wach geworden war, was übrigens auch heute wieder der Fall ist: Wie es sich für einen klassischen Sonntagsartikel gehört, sitze ich noch im Bett, trinke meinen Kaffee (warum auch den anderer Leute?!), während um mich herum die Zeitungen ausgebreitet sind, die ich bis zum Mittag hier im Bett verweilend noch lesen muss. Und nun wird mir klar, das sind sie, die Aspekte, die die Sonntagsartikel damals so erfolgreich machten: Sie transportieren das gemeine Sonntagsgefühl, das auch ich ganz persönlich beim Lesen der Sonntagszeitung verspüre: Sonntagszeitungen, in meinem Fall die F.A.S., sind nicht ganz so inhaltsschwer; ihre Texte kürzer und vor allem mit mehr Bildern garniert. Ich beginne stets gern mit dem Medienressort. So habe ich es schon vor 20 Jahren getan, als der „Spiegel“ seines noch nicht abgeschafft hatte. Vollidioten.

Die sonntägliche Zeitungslektüre ist also eine eher leichte: Man möchte wenigstens ein Mal in der Woche vom Weltenungemach verschont bleiben. Und genau das vermochten auch immer die Sonntagsartikel dieses Blogs; bloß nicht zu überfordern.

In Düsseldorf waren die Sonntagmorgen ebenfalls entspannt. Statt Glockengeläut lauschten wir den Martinshörnern der Polizei-Mannschaftswagen, die mehrmals pro Woche den Lessingplatz in Oberbilk geräumt haben. Doch hier in Münster-Neutor herrscht friedliche Stille. Das Fenster ist geöffnet und ich vernehme die Rufe der Nachbarskinder, die vor dem Fenster auf der Fahrradstraße mit Kettcars unterwegs sind. Sie spielen „Überfahren“: Ein Kind läuft mit einem kleinen Vorsprung vorneweg, während ein anderes im Kettcar sitzend die Verfolgung aufnimmt und den Punkt macht, wenn es das Voranlaufende überfährt. Achja, Kind müsste man wieder sein. So unschuldig.

Nie sind sich Leser und Autor so nahe wie in eben diesen Sonntagsartikeln. Weil auch er womöglich noch im Bett oder doch zumindest am Frühstückstisch verweilt und vielleicht diesen Text liest. Und ich behaupte einfach, auch bei ihm scheint gerade die Sonne, die einen warmen Tag in Aussicht stellt. Und da wir beide wissen, dass es womöglich einer der letzten warmen Tage ist, nehmen wir uns vor, ihn besonders intensiv auszukosten. Zumal es der letzte Tag vom Wochenende ist, was bei mir zwei unterschiedliche Effekte haben kann.

Sonntag, Variante I: Ich nehme mir möglichst wenig vor, damit der Sonntag nicht zu schnell an mir vorbeirrauscht. Leichtes Ausschlafen, was bei mir etwa sieben Uhr 30 bedeutet. Ich beuge mich dann zu meiner noch ruhenden Mitbewohnerin hinüber und starre sie an, wobei ich lauter atme als sonst, was jetzt etwas seltsam klingt, doch geht es mir darum, sie mit Geräuschen zu wecken, ohne wirklich vorsätzlich laute Geräusche zu produzieren, damit ich ihr nachher sagen kann, sie sei von ganz alleine wachgeworden.

„Oh, du bist schon wach!“, freue ich mich dann.

„Wie viel Uhr ist es?“

„Fast halb neun schon!“

Sie dreht und windet sich, greift zu ihrem Handy und stellt fest:

„Zwanzig vor acht!“

„Ja, so genau habe ich es jetzt nicht gewusst, aber gleich ist schon halb neun.“

Und bis halb neun habe ich sie dann auch besänftigt, sodass wir Variante I eines Sonntags in Angriff nehmen und möglichst wenig tun.

Heute allerdings steht mir ein Variante II-Sonntag bevor: Ich müsste im Grunde viele Dinge tun, die ich für sich genommen sehr gerne tue, die mir aber in ihrer Gesamtheit ein viel zu hohes Caitbudget in Rechnung stellen. Das beginnt bereits mit dem Schreiben dieses Textes, der vor elf Uhr online sein muss, damit ich den Leser noch erwische, bevor er in den Park geht, um mit Hölzern auf Hölzer zu werfen. „Wikinger-Schach“ oder so nennt sich das, habe ich mir sagen lassen. Also was man daran gut findet, ist mir schleierhaft. Ich weiß, ich mache mich jetzt bei so ziemlich jedem unbeliebt, aber ich verachte Menschen, die solche Dinge tun. Verachten Sie mich gerne zurück, dann sind wir quitt. Ich verachte auch Flohmärkte. Dort kaufen Menschen Dinge, die sie beim nächsten Flohmarkt wieder verkaufen. Dieses Schneeballsystem wird unsere Wirtschaft irgendwann einmal zum Kollabieren bringen. Gestern war wieder Promenaden-Flohmarkt in Münster. Grundsätzlich finde ich ja alles toll, was irgendwie mit Münster zu tun hat. Ich bin da leicht zu haben. Macht oder baut irgendwas und schreibt dann „Münster“ drauf: Mein Applaus ist Euch sicher, rufe ich den Münsteranern zu. Hätte die Atombombe statt „Little Boy“ beispielsweise „Münstergrüße“ geheißen, hätte ich sie viel sympathischer gefunden, als sie tatsächlich war. Auch oder gerade Atombomben brauchen ein gutes Marketing, da sie mit einem schlechten Image zu kämpfen haben.

Aber das ist alles viel zu negativ, Sonntagsartikel brauchen Leichtigkeit. Und mit der tue ich mich heute schwer, da ich nach diesem Schreiben noch einiges zu lesen habe. Und weil dann auch noch das Wetter so gut wird, muss ich dringend laufen gehen, obwohl ich mein Wochenpensum schon voll habe. Solche Überhangläufe notiere ich mir als „Bonusläufe“, die ich irgendwann einmal „abfeiern“ werde. Heute stoße ich laufend in ein Viertel Münsters vor, in dem ich das letzte Mal vor zwölf Jahren unterwegs war. So gesehen bin ich schon etwas freudig-aufgeregt und werde natürlich unglaublich nostalgisch-melancholisch werden, wenn ich dann auf alte Wegmarken treffe.

Dann muss ich allerdings noch weiteren Sport betreiben, was etwa zwei Stunden in Anspruch nehmen wird. Caitlich wird das also alles sehr eng, bevor ich dann für meine Mitbewohnerin und mich kochen werde. Die übrigens nimmt an diesem Sonntag nicht teil, ich bin alleine, was trauriger klingt, als es ist.

Dabei fällt mir unsere gestrige gemeinsame Sporteinheit ein: Bauch- und Schultertag. Ich sage für die Experten dazu, dass es ja nie isoliert um die Bauchmuskeln geht, sondern um den core, um die Körpermitte. Wir haben uns einen Zirkel aus zwölf Bauch-Übungen zusammengestellt: 45 Sekunden Training, 15 Sekunden Pause zum Wechseln der Stationen, die sich auf die gesamte Wohnung verteilten. Zwei Stationen standen etwas ungünstig nahe beieinander, sodass sie während einer Übung meinen Fuß im Gesicht hatte: Ich im L-Sitz auf dem Barren, während sie „Beineanziehen auf dem Pezziball“ vollzog. Bis mein Fuß zum dritten Mal in ihrem Gesicht war, war die Stimmung an sich ganz gut, doch der Fußvorfall war geeignet, einen Brand zu legen, der vollends entfachte, als sie sich zurecht drüber beklagte, dass ich die Matte an der „Dragonflag“-Station vollgeschwitzt hatte, da ich ja unbedingt oberkörperfrei trainieren wollte.

„Jetzt muss ich mich hier in deine Suppe legen?!“, fragte sie erbost.

„Ich musste schonmal Suppe von dir essen!“, gab ich gefühlt schlagfertig zurück, was nun ein Kriegsgrund für sie war. Zumal es ungerecht war, denn alles, was sie kocht, esse ich sehr gerne, sofern sie von exotischen Zutaten wie Zwiebeln, Pilzen und Schafskäse absieht. Und von Thunfisch. Von Fisch generell.

Des Weiteren muss ich heute meinen neuen Laptop einrichten, auf dem dieser Text entsteht. Vor einer Woche kramte ich meinen „Berlin“-Laptop wieder heraus, den ich bis vor einem Jahr immer beim Pendeln im ICE benutzte. Viele Blog-Artikel entstanden auf dem Gerät, das am Ende aber nicht mehr brauchbar war. Vergangenen Sonntag schmiss ich ihn aus dem Bett, weil allein das Starten von „Firefox“ ungelogene 15 Minuten gedauert hat. Das Aufrufen von WordPress zwang ihn dann in die Knie. Das Teil hatte auch nur 120 Euro gekostet und ja, neu aufgesetzt hatte ich es bereits. Damals, im ICE, habe ich diese Latenzen immer auf das W-Lan der Bahn geschoben, für dessen Unzuverlässigkeit die Bahn übrigens gar nichts kann. Wie dem auch sei, gestern kaufte ich kurzerhand einen neuen Laptop, auf dem ich das seppolog also abwickeln werde können. In diesem Moment installiere ich „Wolfenstein – The New Order“, um zu sehen, ob der Laptop das bewältigen kann. Wenn das der Fall ist, wird mein heutiges Zeitbudget noch empfindlicher als ohnehin schon strapaziert. Und darum sollte ich hier nun auch schließen und möchte Sie darauf hinweisen,

dass auch in den vergangenen zwei Tagen neue Artikel hier im seppolog erschienen sind, die Sie gefälligst lesen. Andernfalls schicke ich die Kettcar-Kinder bei Ihnen vorbei.

Der sympathische Soziopath von nebenan
Das entscheidende Vorstellungsgespräch

Darüber hinaus wird der Laptop eine große Hilfe sein, wenn ich Ihnen in gewohnter Tradition auch in den kommenden Wochen wieder aus meinem Urlaub berichten werde. Wo geht es wohl hin? Nach Rutztekostan vielleicht?

Ich wünsche einen angenehmen Sonntag!

2 Kommentare

  1. Angesichts der Tatsache, dass ich mich meine, erinnern zu können, dass neben „Wolfenstein – The New Order“ hier auch schon mal „Doom“ Erwähnung fand, ziehe ich die andernsorts kürzlich getätigte Aussage deinerseits, so gar nichts mit Gaming zu tun zu haben, etwas in Zweifel … ;-)

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