Seppofiktion

Brot ohne Laib

Aufstieg in den Litraturolymp: Ich erhalte den Bernhard-Black-Bücherpreis 2020!

Am sechsten Dezember wurde mir in Brankenhaus bei Bonn der Bernhard-Black-Bücherpreis 2020 verliehen. Ausgezeichnet wurde ich für das Gedicht „Brot ohne Laib“, das auf die Missstände unserer Zeit aufmerksam macht. Ich bin an sich nicht der Typ dafür, aber nach fünf Jahren des Schreibens hier im Blog war es auch einmal an der Zeit für eine offzielle Anerkennung, die ich heute gerne mit Ihnen teilen möchte.

Der Bernhard-Black-Bücherpreis wird seit 1933 verliehen und war ursprünglich ein Aufbäumen gegen die aufkeimende Nazi-Diktatur. Konkreter Anlass war die Bücherverbrennung im Mai 1933. Bernhard Black, ein in der Weimarer Republik lebender Brite, ist Schöpfer solcher Werke wie „Der Brite bedenkt Banales“, „Buhrufe beim Benimmkurs“ oder „Brecht bohrt Bretter“. Er gilt als einer der ersten großen Literaten, der auf die drohende Gefahr durch den Nationalsozialismus aufmerksam gemacht hat.

Da mein ausgezeichneter Vers „Brot ohne Laib“ bisher nur in der Fachlitaratur reüssieren durfte, mache ich ihn hier nun den rund 500.000 Lesern des seppologs bekannt, wobei ich auf meine mir eigene Bescheidenheit verweisen möchte. Doch ich habe selbst genug von ihr und viel zu oft mein Licht unter fremder Leute Scheffel gestellt. Der mit 100.000 Euro dotierte Preis ist die Anerkennung, für die ich lange gearbeitet habe, sodass ich auch keinen Cent davon spenden werde, sondern für einige Tage wie Gott in Frankreich leben werde.

Das Gedicht „Brot ohne Laib“ benötigt eine gewisse Atmosphäre. Ich fordere Sie also auf, nun für Stille in Ihrer Lesestube zu sorgen, damit Sie in die Welt von „Brot ohne Laib“ eintauchen können. Um es einmal klar zu formulieren: Diese Verse sind nicht massenkompatibel, es braucht schon ein bisschen Intellekt zum Verständnis. Den Bernhard-Black-Preis bekommt man auch nicht für Trivialliteratur, sondern für Texte mit einem gewissen Reifegrad. Für nichts, was man mal eben in ’ner halben Stunde hinschmiert, sondern für wirkliche Meisterwerke, wenn ich nun doch so unbescheiden sein darf. Ich möchte Sie daher nicht länger auf die Folter spannen und veröffentliche im Folgenden „Brot ohne Laib“.

Im Aschluss von „Brot ohne Laib“ lesen Sie die Laudatio, die kein geringerer als Bernhard Blacks Enkel Bert Black hielt. Danke dafür, das war eine riesen Ehre.

Brot ohne Laib
End ohne Zeit
Voll ohne Weib
Sommer ohne Kleid
Bauern ohne Maid
Mega ohne Byte
Not ohne Wendigkeit
Mit ohne Leid.

Es spricht: Bert Black.

Der Bernhard-Black-Bücherpreis, der „Bernie 2020“ geht an: Sebastian Flotho.

(Applaus, der einfach nicht enden will.)

Liebe Freunde, wer glaubt, was wir sooft hören, dass es große Weltliteratur in unseren Zeiten nicht mehr gibt, gerade nicht mehr aus Europa, der wird mit „Brot ohne Laib“ eines Besseren belehrt.

(Applaus)

Bekannt eher für seine sarkastischen und narzisstischen Texte überrascht Sebastian Flotho zu Beginn dieses Jahres mit einem scheinbar beiläufig entstandenen Werk, an dem er, wie er selbst sagt, tatsächlich mehrere Jahre gearbeitet habe. „Brot ohne Laib“ sei Vers für Vers entstanden, immer präsent in seinem genialen Geiste gewesen und mit jeder Reifephase seines Lebens gewachsen. Es sei ihm ein stetes Bedürfnis, die Missstände unserer Zeit mit der scharfen Klinge der Sprache anzuprangern. Und wie ich meine, gelingt ihm das mit „Brot ohne Laib“ wie keinem Zweiten. Wie keinem Zweiten in der Gegenwart, in der Vergangenheit und vermutlich auch keinem Zweiten in der Zukunft.

(stehende Ovationen)

Ich weiß, wir warten alle auf den Großmeister des Wortes, aber gestatten Sie mir, die Laudatio, die er sich ja verdient hat, zuende zu bringen.

(heiteres Gelächter)

Liebe Literaturfreunde, ich weiß nicht, wie es Ihnen ging, als Sie die Zeilen von „Brot ohne Laib“ das erste Mal lasen. Wenn es Ihnen wie mir ging, ist Ihnen die Bedeutung der Verse nicht beim ersten Mal direkt bewusst gewesen, obschon Ihnen spätestens bei der Zeile „Sommer ohne Kleid“ diffus klar war, dass hier etwas Großes geschrieben worden ist. Ich las die Zeilen und spürte sofort das Schwindelgefühl, das Flotho selbst beim Schreiben oder beim „Wachsen“, wie er ja sagt, gespürt haben muss. Meine Damen und Herren, ich denke, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass wir erst jetzt wissen, was der Begriff „Überwältigung“ überhaupt meint. Mich jedenfalls hat Flotho mehr als überwältigt: Ich komme nicht umhin zu sagen, dass Flotho die Tradition der Schreibe meines Großvaters Bernhard Black nicht nur fortschreibt, sondern sie erst vollendet. Gestatten Sie mir den Scherz, dass ich davon ausgehe, dass der Bernhard-Black-Bücherpreis ab kommendem Jahr vermutlich Sebastian-Flotho-Bücherpreis heißen wird.

(lautes saalfüllendes Lachen, stehende Ovationen, Jubelschreie, Extase in den hinteren Rängen)

Nun ist es so weit, der Großmeister betritt die Bühne und ich darf um Stille bitten, denn er liest jetzt „Brot ohne Laib“!

(Gespannte Stille kehrt ein, Flotho betritt die Bühne und spricht.)

Brot ohne Laib.

Brot ohne Laib
End ohne Zeit
Voll ohne Weib
Sommer ohne Kleid
Bauern ohne Maid
Mega ohne Byte
Not ohne Wendigkeit
Mit ohne Leid.

(Kurze Stille, dann tosender Applaus, Tränen in vieler Augen.)

Danke … danke … Liebe Freunde … Vielen Dank … danke … bitte … Nehmen Sie ruhig Platz. Danke.

(Nach einigen Minuten …)

Vielen Dank. Liebe Freunde, ich muss Ihnen das wenig Überraschende mitteilen: Ich fühle mich wirklich sehr geehrt. Meine Bescheidenheit steht mir in einem Moment wie diesem jedoch im Wege. Schwer fällt es mir, das Offensichtliche anzuerkennen. Ja, „Brot ohne Laib“ erfindet die Literatur neu. Ordnet neu ein. Ist Goethe noch Goethe? Haben wir ihn vielleicht bis zum heutigen Tag zu Unrecht geehrt? Jetzt, wo wir wissen, was gute Literatur wirklich kann?

Ich möchte Sie nicht langweilen und kürze daher meine Dankesrede vom sechsten Dezember ab, die mich selbst zu Tränen gerührt hatte.

Wer ein solches Meisterwerk schafft, der überträgt sich selbst auch eine große Verantwortung, der ich in Zukunft gerechtwerden möchte. Ich werde daher die „Brot-ohne-Laib-Stiftung“ ins Leben rufen, die sich Dingen annimmt, den irgendetwas fehlt. Diesen Prozess werde ich hier im seppolog begleiten. Es wird Cait, dass ich etwas zurückgebe.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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