Über Seppo

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„Alles ist komisch, selbst der Tragik ist Komik inne und macht diese für den Menschen erst erträglich: Komik ist mehr als nur Lachen, Komik ist Trost.“


Wenn alles nach Plan läuft, wird dieser ausgesprochen kluge Ausspruch in den Literaturwissenschaften posthum untrennbar mit meiner Person verbunden sein. Ich halte diese Aussage für wahrhaftig und unterziehe sie in diesem Blog, dem SEPPOLOG, seit 2015 unentwegt einer Überprüfung.

Moinsen!

Ich bin Seppo, geboren im Todesjahr Heinz Erhardts und ein klassischer Münsteraner. Da es menschenunmöglich ist, auf seine Herkunft stolz zu sein, bin ich nicht stolz, ein Münsteraner zu sein, wohl aber stolz auf diese Stadt, mit der ich mich mit jeder Faser meines Körpers identifizieren kann. Und dennoch unterlief mir im Jahre 2008 ein Fauxpas: Ich zog nach Düsseldorf.

Das war aus zweierlei Gründen schmerzhaft: Zum einen bedeutete es freilich den Abschied aus der Heimat, zum anderen den Beginn einer Wochenendbeziehung mit der anderen Liebe meines Lebens (wobei ich die Reihenfolge offenlasse …), mit meiner Mitbewohnerin, inzwischen Frauhau. Und weil Wochenendbeziehungen ziemlich beschissen sind, verschleppte ich meine Frauhau 2012 in den Düsseldorfer Slum nach Oberbilk, wo insbesondere sie gelernt hat, sich mit Fäusten in den rauen Gassen des Viertels durchzusetzen. Sie ist Kampfsportlerin und seit einiger Zeit auch Trainerin.

In einer früheren Version dieses Textes schrieb ich 2015 dieses:

Ich lebe seit 2008 in Düsseldorf und überzeuge meine Mitbewohnerin, diese Stadt ebenfalls zu schätzen, und es macht ihr Mut, dass ich selbst lediglich sieben Jahre dafür gebraucht habe, was der ein oder andere Seitenhieb in meinen Texten auf diese Landeshauptstadt andeutet.

Seit September 2018 leben wir beide wieder in Münster, womit wir uns einen Traum erfüllt haben, auf dessen Verwirklichung wir und besonders ich sehr stolz sind, dessen Bedeutung für mich gar nicht überschätzt werden kann. Und abermals darf ich meine Version aus dem Jahr 2015 zitieren:

Münster [ist] doch schlicht die bessere Stadt. Das ist mitnichten subjektive Meinung, das ist Fakt. Eine Rückkehr nach Münster steht also bevor.

Diese war zwar für das Rentenalter geplant, doch das Vorziehen des Rückzuges wurde irgendwann im Jahr 2017 zu unserem Projekt, dessen Ziel wir im Oktober des Folgejahres erreicht hatten. Doch was tat ich eigentlich in Düsseldorf?

Ich arbeitete dort als Fernsehmoderator und -redakteur, wobei es mich gelegentlich auch nach Berlin-Spandau verschlug, nachdem ich bombastische Erfolge auf dem weltweit reichweitenstärksten Regionalsender aller Zeiten, NRW.TV, als einer von mehreren Moderatoren des Erfolgsformates „NRW live“ gefeiert hatte, bevor der Sender in eine Schieflage … also in finanzielle Schwierigkeiten … völlig unverschuldet … geriet. Dort fiel ich gelegentlich mit langen Textpassagen auf, sodass ich den Teil meines Wirkens doch besser ausgelagert habe, um mir nicht den Unmut der Kollegen zuzuziehen. Und so startete ich damals diesen Blog, dem es gar nicht darum geht, Blog sein zu wollen, sondern lediglich eine Plattform für meine Texte. Als „Blogger“ würde ich mich daher auch gar nicht bezeichnen. Erst kürzlich fasste ich den Mut, mich „Autor“ zu nennen. Es geht somit um Textlastigkeit im Allgemeinen und Textüberlastigkeit im Besonderen und mir ist natürlich klar, dass ich mir eine Frage immer stellen muss:

Wer will das lesen?!

Das Gros meiner Leser ist weiblich, ich sollte also zumindest in diesem Abschnitt von Leserinnen sprechen, um dem gerecht zu werden. Dabei fühlen sich alle Altersklassen angesprochen; es lesen die junge und die ältere Generation. Die Leserinnen (und auch die Leser) verfügen über ein gehobenes Bildungsniveau, schreiben meist selbst gerne und schätzen die Kulturtechnik des Lesens auch längerer Texte. Solche Leserinnen, die mich über einen längeren Caitraum konsumieren, verfügen über ein gewisses Humorverständnis, das ich auf diesen Seiten zweifellos vorausetze.

Seit Anfang Mai 2015 bestücke ich das SEPPOLOG, ein Wortspiel übrigens aus meinem Rufnamen und „Monolog“, was sich leider kaum jemandem erschließt. Doch so verstanden trifft der Name den Inhalt des Blogs, dessen Charakter sich nach inzwischen mehr als 800 Beiträgen herauskristallisiert hat. Ziel war es von Beginn an, nicht als narzisstischer Selbstdarsteller aufzutreten. Ich kann bilanzieren, dass mir das gründlichst misslungen ist: Es geht hier im Wesentlichen durchaus um mich und nach wie vor frage ich mich, wen es interessieren sollte, was in mir so vorgeht. Und nach wie vor denke ich, dass es einen ganz bestimmt interessiert, nämlich mich. Für einen Blog reicht das nicht, darum versuche ich, in jedem Text mich nur als Aufhänger für ein gewisses Drumherum zu missbrauchen, da ich meine, das in der Tat am besten zu können (von dem, was ich überhaupt kann). Und dabei ist es der Alltag, der tatsächlich sehr viel Kurioses zu bieten hat. Und ich beziehe mich dabei auf das einleitende Zitat: Vielleicht kennt Ihr ja die Situation, wenn Euch etwas richtig Mieses widerfährt, Ihr aber in Gedanken in der Lage darüber zu scherzen seid, die Situation von außen zu betrachten und ihre Komik zu erkennen. Ein Beispiel aus – Überraschung! – meinem Leben:

2004 tat ich in einer Samstagnacht das, was jeder vernünftige Münsteraner tut: Ich setzte mich randvoll nach einer Party auf mein Fahrrad, um nach Hause zu dengeln. Durch eine Verkettung ungünstiger Umstände übersah ich das Rot einer Ampel, das mir empfehlen wollte, die Straße nicht zu überqueren, worüber ich mich allerdings hinwegsetzte. Und nachdem mich das Auto erfasst hatte und ich wieder bei Bewusstsein war, war mir der Ernst der Lage sehr schnell bewusst. Und dennoch, um es zu ertragen, versuchte ich, die Situation von außen zu betrachten und sah einen dämlichen Radfahrer, der betrunken bei Rot die Straße kreuzt – nachts um zwei Uhr – und ausgerechnet das einzige Auto Münsters erwischt, das überhaupt noch unterwegs ist. Ich sah einen betrunkenen Idioten, der zunächst auf das Autodach kracht, um dann qualvoll langsam über die Motorhaube wieder auf den Asphalt zu gleiten, der übersät ist von einer Melange aus mehreren „Bifi“-Varianten, die er sich vorher bei der „Aral“-Tanke gegenüber des Preußen-Stadions geholt hatte. Dazu gab es eine Pressemitteilung. Die ist echt, nicht von mir ausgedacht:

27.09.2004 – 11:36 Uhr, Polizei Münster
Münster (ots) – Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Fahrradfahrer und einem Pkw kam es am Sonntagmorgen (26.09.2004) gegen 02.10 Uhr. Der 25 jährige Radfahrer befuhr den Radweg der Hammer Straße stadtauswärts auf der falschen Seite. Schließlich wollte er die Geiststraße überqueren, mißachtete dabei jedoch die auf rot stehende Ampel. Als er die Straße nahezu vollständig überquert hatte, kam es zum Zusammenstoß mit dem Pkw eines 21 Jährigen, der die Geiststraße in stadteinwärtiger Richtung befuhr. Der Radfahrer wurde von dem vorderen linken Kotflügel am Bein getroffen und kam zu Fall. Er wurde leicht verletzt und zur Feststellung seines Blutalkoholspiegels auf die Wache gebracht.

Und so versuche ich Tag für Tag, in jeder Situation das Humorige zu sehen. Wer sich wie ich etwa einmal im Monat einen Krebs diagnostiziert, ist auf diese Sichtweise zwingend angewiesen, um zu überleben.

Darum soll es im Grunde hier gehen, was bereits mehr als 581.000 Leser (Stand: September 2024) interessiert, mitunter auch begeistert hat. In den ersten Jahren verfasste ich pro Monat im Schnitt rund 20 Artikel à 900 bis 2.000 Wörter, die sich mit vielfältigen Themen des Alltags sowie meiner Person und meinen Mitmenschen auseinandersetzen. Ironie, gnadenlose Selbstüberhöhung und Sarkasmus spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle und sind Teil des Spiels mit dem Leser.

Seit 2019 etwa schreibe ich nur noch sporadisch. 2022 nicht ein einziges Mal, 2023 ein bisschen und 2024 aufgrund neuer Umstände wieder. So ist das mit dem Schreiben: Auch wenn eigentlich alles schon geschrieben ist, lässt es einen nie so ganz los. Aber man verändert sich und damit auch seine Texte. Lese ich heute meine Texte aus den frühen Jahren, überkommt mich mitunter tiefe Scham. Aber das gehört dazu: 2024 bin ich ein ganz anderer Mensch als 2015: Beruflich endlich gefestigt – und Vater geworden. Ich bin, wie man so schön sagt: angekommen.

Aber eines bleibt: Ich vermische beim Schreiben meine Lebensrealität mit Fiktion, da ich ein sehr langweiliges Leben führe, das ich pimpen muss, damit es für den Leser interessant wird. Wichtig ist der Hinweis, dass ich die Langeweile meines Alltages forciere, sie für mich selbst gar nicht als Langeweile empfinde. Doch glaube ich, dass wenige andere Menschen mit meinem Leben viel anfangen könnten. Ich bin niemand, der an den Wochenenden paraglidet oder seltene Säbelzahnelefanten vor dem Aussterben bewahrt. Ich schätze das Vorhersehbare und verschicke zu meinem Geburtstag Ausladungen.

Gelegentlich überlege ich, ob die inzwischen doch beachtliche Fülle meiner Texte dazu eignet, meine Person kennenzulernen. Oder simpler gefragt: Kennt der Leser mich, wenn er hier regelmäßig liest? Er tut es nicht. Er kennt nur einen Teil von mir, der durchaus exemplarisch für die anderen steht, aber er kennt eben nicht den Menschen Seppo und ich möchte behaupten, den kennen auch im Grunde nur meine Frauhau und meine Trauzeugin. Mein privates Sein mit seiner massiven Fassade steht im krassen Gegensatz zu meiner Darstellung hier, widerspricht ihr aber keineswegs, was ein Widerspruch ist.

Es gab bislang einige Artikel, die im Grunde durch die Decke schossen, was sich mir in manchen Fällen überhaupt nicht erschließt. Umgekehrt kommt es auch vor, dass ich einen Text schreibe und hochgradig aufgedreht danach vorm Rechner sitze und ihn in der Überzeugung lese, dass mir da ein Meisterwerk gelungen ist (so viel Selbstüberschätzung darf sein), nur um dann festzustellen, vielleicht auch mit gebotenem Abstand, dass es der absolute Müll ist. Insofern überraschen mich Eure Reaktionen und die meiner schärfsten Kritikerin, meiner Frauhau, die hier auch allzu oft eine Rolle spielt, immer wieder, was die ganze Nummer zu einer spannenden Unternehmung macht!

Der Blog hat für mich zwei wichtige Funktionen. Zum einen die vordergründige: das Schreiben und das Gelesenwerden. Viel wichtiger für mich als für den Leser ist jedoch zum anderen die Erkenntnis, die ich beim Aufbau des Blogs mit seiner überdurchschnittlichen Reichweite gesammelt habe. Manchmal muss man die Ideen, die man hat, die aber im Umfeld belächelt werden, gegen alle Zweifel und Skepsis durch- und umsetzen. Denn wenn auch nicht immer, dann aber zumindest oft wird der dafür erforderliche Mut belohnt.

Das SEPPOLOG ist kein professioneller Blog, dennoch bedeutet die Umsetzung einer Textidee vom Schreiben bis hin zur Veröffentlichung inklusive Verbreitung enorme Arbeit, bei der das eigentliche Schreiben den kleinsten Anteil hat. Das nach mehr als 900 veröffentlichten Texten (Stand: September 2024) noch immer als Ich-AG bewältigen zu können, macht mich nicht ganz unstolz. Es lohnt, für seine Ideen zu arbeiten.

Mich zumindest hat das Schreiben in den vergangenen Jahren extrem bereichert – unabhängig von der literarischen Qualität, die ich hier biete und die ich nur in selbstironischer Weise gar nicht hoch genug schätzen kann. Das zum Beispiel war ein Scherz und genau so ernst meine ich auch vieles andere, was ich hier von mir gebe.

Und dafür habe ich offenbar studiert. In Münster an der Westfälischen Wilhelms-Universität, die jetzt nur noch schlicht „Universität Münster“ heißt. Von mir studieren ließen sich Politikwissenschaften, Wirtschaftspolitik – und, was ich hier erstmals öffentlich zugebe – Soziologie. Das hatte etwas damit zu tun, dass ich keinen Plan hatte. „Als Politikwissenschaftler werdet ihr Taxifahrer“, sagte uns unser erster Politik-Professor, womit er irgendwie auch die taxifahrende Zunft beleidigt und uns den Mut genommen hat. Heute kann ich ihm sagen: Ich sitze zwar gelegentlich (hinten) in Taxen, kriege es dann selbst aber nicht mehr mit. Stattdessen war ich beim Fernsehen. Falls es interessiert, findet Ihr auf meiner Homepage www.seppo.tv mehr dazu, auch wenn ich die Seite seit langer Cait nicht mehr pflege. [Update: Inzwischen habe ich die Seite offline genommen. September 2024]

Privat treibe ich einigermaßen viel Sport, wobei mir Mannschaftssportarten fernliegen, da ich im Umgang mit Geräten wie beispielsweise Bällen ein Vollversager bin. So landete ich im Jahre 2002 beim Laufen, das ich seitdem fünfmal die Woche ausführe wie andere ihren Hund. Seit Anfang 2016 habe ich mich zusätzlich dem Kraftsport verschrieben, der aus der teigigen Kartoffel einen strammen Max gemacht hat. Die Bedeutung des Kraftsportes mit Fremd- und Eigengewicht ist für mich eine enorme, bei der es nicht nur um das Formen des Körpers, sondern auch des Geistes geht, was von außen oft gravierend unterschätzt wird. Zwei bis drei Stunden Sport am Tag sind bei mir keine Seltenheit, sie sind die Regel. Und nein, das ist nicht zu viel, das ist nicht schädlich. Da ich mich umfassend auch mit Sporttheorie beschäftige, weiß ich sehr genau, was ich tue.

Mich interessiert aber auch stets Eure Meinung zu den Dingen, über die ich so sinniere, daher sind Kommentare unbedingt erwünscht und ich versuche auch, zeitnah meinen weiteren Senf dazuzugeben.

Und ein Hinweis für alle, die bislang nur Blogs lesen: Ich kann das Schreiben als solches nur empfehlen. Man erlangt einen gewissen Rausch, einen der wenigen, die nicht in einen Kater münden. Versucht es mal! Und lasst Euch dabei nicht beirren, eine Erfahrung, die ich vor einiger Zeit gemacht habe: Gemeckert wird immer, Kritik ist selten konstruktiv und kommt teilweise von Leuten, die möglicherweise die Ideen anderer gar nicht begreifen können. Hält nur auf und ein weiser Modeschöpfer sagte jüngst, dass Demokratie der Tod von Kreativität sei. Er hat Recht. Seit vielen Jahren habe ich mir diesen Ausspruch zu eigen gemacht, so sehr ich Fan der Demokratie bin, hat er im Bereich der Kreativität nichts zu suchen. Wer Ideen hat, sollte alles daran setzen, sie auszuprobieren. Ich erlebe es oft, wie man von außen eher ent- als ermutigt wird. Das Ignorieren dessen ist dringend anzuraten!

Schönen Tag noch, zieht Euren Scheiß durch.

Seppo.

Diesen Text habe ich seit 2015 mehrfach auf den neuesten Stand gebracht, zuletzt im September 2024.

326 Kommentare zu „Über Seppo

  1. Hi Seppo: zum bloggen, die Frage ist nicht „Wer will das lesen?!“, sondern wichtiger ist, man – also Du – willst schreiben. Also hau mal in die Tasten.

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  2. Halli Hallo, ich danke sehr das sie (bzw. du) meinem Blog folgen (bzw. folgst) :D Ich wünsche alles Gute… :D Liebe Grüße sendet Kaivel

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  3. Ja dann… :-D
    Ich dachte immer, wir Theologen wären textlastig – bis ich dann… ähm… ist schon ein paar Jährchen her: bei den, pst: Soziologen im Seminar saß: bis zum heutigen Tag bin ich mir nicht sicher, ob ich nicht bei einem Gesellschaftsspiel namens ‚Du-musst-solange-reden-bis-du-dreimal-Max-Weber-gesagt-hast-und-nach-jeder-Nennung-das-Tempo-steigern‘ mitspielen sollte… ;-) Ihr gewinnt!
    Lieber Sepp, wir lesen uns. Liebe Grüße von hohesundtiefes

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    1. ich lehne allerdings die bezeichnung soziologe ab! ich habe keinerlei ahnung von dem fach und dennoch brilliert mit meiner abschlussarbeit. (für spätere arbeitgeber: ich bin fachmann auf dem gebiet der soziologie)

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  4. lieber seppo – beim fernsehen fährst du doch auch taxi. meistens realisieren und verfolgen journalistinnen und journalisten, was sie von andern, bzw. so auf die art: was andere dem taxifahrer journalist so alles erzählen… oder ist dies bei dir anders. ich bin / war als journalistin (über 40 jahre beim schweizer fernsehen – bis zur sogenannten pensionierung) jedenfalls eine art taxifahrerin. es kam auch vor, dass dieselben menschen bewusst mein taxi mehrmals wählten. in diesem sinne. alles gute beim leben als «taxifahrer» – barbara

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      1. Ein ganz wichtiges Phänomen! Eigentlich sollte das jede/r von uns haben als Individuum in der Zeit nach der Industrialisierung, doch leider gibt’s viele, die das nicht (mehr) wahrnehmen… Falls du interesse hast, mehr zu erfahren, kann ich dir gerne ein paar (literarische und auch historische) Empfehlungen zum Thema geben. Wie ich finde: Das spannendste Thema in der deutschsprachigen Literatur! :-)

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          1. Als erstes: Seit der Industrialisierung kann es keinen tragischen Helden mehr geben (Dramatheorie Aristoteles), weil das Individuum in der Masse verschwindet. Alles ist unübersichtlich geworden, der Einzelne hat keine Einflusskraft mehr. Es gibt keine Schuld des Einzelnen mehr, nur noch die kollektive Schuld: Entweder sind alle Schuld oder keiner. Das ist der Grund, warum etwas Neues hermusste: Der tragikomische Held. Er ist in seiner ganzen Tragik komisch, wobei die Komik zur Steigerung des Tragischen dient. Gut, davon gibt es jetzt in der Literatur ganz verschiedene Ausprägungen, die für mich interessanteste aber bei Autoren wie Dürrenmatt und Markus Werner.

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          2. Weil: Bei ihnen wird der Humor zur Distanzierung und als Mittel der kritischen Bewältigung eingesetzt. Z.B. bei Markus Werner: Der Held empfindet sein (subjektives) Scheitern als zutiefst tragisch, der Leser erkennt aber von aussen, dass die Situation objektiv betrachtet einfach lächerlich ist und eine Kleinigkeit, eine winzige witzige Episode im Leben. Das wirklich Tragische nimmt der Held jedoch gar nicht als so schlimm war, weil er ja auch alles andere tragisch findet.

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          3. Er hat einfach die Übersicht verloren. Grundsätzlich ist die Tragikomödie als Gesellschaftskritik zu verstehen, weil so vieles schief läuft, dass es schwierig ist, überhaupt noch die Übersicht zu behalten. Deshalb hat jeder sein eigenes teilweise total sinnloses Ordnungssystem. Zu empfehlen dazu wäre „Grieche sucht Griechin“ von Dürrenmatt. Und von Markus Werner: „Die kalte Schulter“.

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  5. Düsseldorf ist so lala. Da habe ich meine Frau in der Altstadt kennengelernt. Seitdem erforsche ich das soziale Verhalten meiner Geldscheine.
    Danke fürs Folgen! Ich folge dann auch mal.

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  6. Irrelevanzlieferant… finde ich großartig. Es gibt genug Irrelevantes, das die Welt ganz dringend nicht braucht. Bin ich voll dafür und mache es ähnlich.

    NRW.TV ist auch ganz großes Damentennis. Ich genieße entschleunigtes Fernsehen, dass auch mal nicht aalglatt durchkonzeptioniert wirkt. Würde ich auch gerne auf die Beine stellen. Fehlen mir leider die Connections. :D Für Rat und Ansporn bin ich offen. Wir brauchen in Berlin etwas äquivalentes.

    Weiter so! Ick find’s jut.

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  7. Irrelevanzlieferant gefällt mir und die Sache mit dem Tragisch-Komischen auch, letzteres kann nämlich nicht jeder – dafür komme ich gerne wieder…danke für Dein Interesse und dass ich dadurch Deine Texte fand ;)

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  8. Lieber Seppo, ich bin hocherfreut, daß Du meinem Blog folgst. Warum tust Du das? Mit Vergnügen stöbere ich durch Deine Beiträge, ich bleib dran… Grüße an meine Geburtsstadt D’dorf, hat sich zumindest städtebaulich sehr zu ihrem Vorteil verändert, seit ich da weg bin (1979! – meine Fresse, wo ist die Zeit geblieben ????). Gruß aus der Pampa! :-)

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  9. Ich bin mir nicht sicher, ob insbesondere das Tragische komisch ist, wie du schreibst. Mir kommt es so vor, dass andersherum wirklicher Komik, wobei nicht Slapstick oder Comedy gemeint ist, immer etwas Tragisches anhaftet. Ich glaube, ohne eine gewisse Tragik ist Komik lediglich albern. Mich interessiert neben dem Tragikomischen auch, wenn man so möchte, das Komiktragische. Vielleicht habe ich da aber auch nur Buster Keaton im Hinterkopf.

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  10. Danke für einige Minuten herzlichen Lachens! – In einer Zeit, wo sich immer mehr einbilden „weitsichtig“ sein zu müssen, wäre entsprechende Kurzsichtigkeit eher angebracht. Das FS3 meint damit, dass viele Menschen oft jene Dinge versäumen, die einem direkt vor der Nasenspitze passieren. Wie etwa ganz normale Vollwaschmaschinenunfälle. Und nur DAS ist das wirklich Interessante in unserem Leben.

    Außerdem überfällt uns mit zunehmendem Alter sowieso eine gewisse Presbyopie. Womit sich das vorweg einphantasierte Problem eigentlich ganz von alleine löst. Ganz ohne beamtete Bestimmung, Gesetz oder entsprechendem Formular mit Stempel..

    Chapeau!

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  11. Irrelevanzlieferant – sehr schön, das gefällt mir gut. Humor scheint hier gesichert und ich hoffe Du versüsst mir ab und an den Tag :-) Lieben Gruß Andrea

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  12. Quer gelesen und gedacht: klingt alles schön schräg im Seppolog. Wie zum Teufel kommst Du in so kurzer Zeit auf so viele Follwer?? Ab heute noch einer mehr. I follow you. Viel Spaß!

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  13. Hallo Seppo, ein gut zu lesendes, hier und da „verqueres“, vielleicht aber auch einfach gescherztes Blog … :D Jedenfalls, schön Dich kennenzulernen! Und redest Du eigentlich auch so, wie du schreibst? :) Liebe Grüße, Claudia

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  14. Ein schöner Beitrag, wenn ich das mal so scheinbar absolut äußern darf. „Alles ist komisch, insbesondere das Tragische ist komisch (…)” – insbesondere, das ist ganz genau so. Dein Satz erinnert mich außerdem an ein Spiel, das Dazai Osamu in seinem Roman „Gezeichnet“ (im Japanischen eigentlich: „als Mensch disqualifiziert“) erwähnt. Es besitzt die Raumlosigkeit von „Wer bin ich?“ und besteht darin, über jedweges Wort nachzugrübeln, ob es „tragisch“ oder „komisch“ sei. Natürlich widerspricht das deinem klugen Satz, aber auch Gegensätzliches mag ja wahr sein. Der Protagonist und sein Freund gehen allerdings so weit, Theaterstücke und Romane auf jedes Wort hin zu überprüfen und verdammen diese, sollten sie auch nur ein Wort enthalten, dass sich von allen anderen in ebendieser Eigenschaft unterscheidet. So müssen ihrer Beurteilung nach alle Wörter in einer Schrift von gleicher Art sein, damit man sie künstlerisch ernst nehmen kann… Dann viel Spaß also ;) (tolles Buch übrigens, eindeutig: tragisch).

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  15. Hallo Seppo, dank deines Besuches folge ich dir nun. Was ich hier bisher von dir gelesen habe, macht mich neugierig :-) Liebe Grüße aus Dortmund in die Stadt mit dem schönen Fluß, um den ich dich sehr beneide

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  16. Hallihallo:) ich arbeite („arbeite“) mich gerade wacker durch deinen Blog und komm aus dem Grinsen kaum noch raus; deine Artikulationsfährigkeit gefällt mir schwer und macht diesen (für mich) trüben, superheissen Hochsommernachmittag zu etwas besonderem.
    Ich kann nur sagen, weiter so & ich geniesse deine Literaturkulinarik mit Freunden noch etwas weiter!

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  17. Wer will das lesen?! Wenn Du Dich das fragst bist Du Werbefutzi, Versicherungsvertreter oder Politiker. Die wirklich spannende Frage: Wer will das schreiben? Mach es, weil Du es sowieso machen musst – und falls es irgendjemand gefällt, ist das natürlich nett. Aber eigentlich spielt das keine große Rolle. Oder ist streng genommen einfach Latte. A man ’s got to do what a man ’s got to do…

    cu

    Stefan

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  18. Danke für das Folgen meines Blogs.
    Drei Anmerkungen: Ich bin auch entheimateter Münsteraner und möchte unbedingt wieder dorthin zurück..
    Meine Blogs sind auch durch Textlastigkeit ausgezeichnet. Insbesondere der andere.
    Und ich stimme Ihnen zu: lesen alleine ist schon was. Aber erst das Selber-Schreiben vollendet den Denkakt und bringt einen weiter. Ein wenig Selbstverliebtheit in die eigene Textproduktion gehört dazu.

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  19. Lieber Seppo,
    ich will das bitte lesen. Unbedingt. Ich danke dir von ganzem Herzen, dass du ein Gefällt mir auf meinem Blog http://www.vintageinwien.com hinterlassen hast. Deswegen bin ich auf deine Seite gestossen und werde mich am Wochenende mal begeistert durch deine Texte lesen. Ich liebe es jetzt schon. Muss jetzt spazieren gehen, das Wetter in Wien ist enorm heiss … aber was sag ich, bei Euch (da oben) ist es ja noch wärmer. Ganz liebe Grüße Elisabeth und Kurt

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  20. „Irrelevanz“ – ein schönes Wort. Allerdings doch eher ein Label, das ihm Aufmerksamkeit einbringt, als eine ernsthafte Kategorisierung dieses Blogs. Aber das ist jemandem, der so genau beobachtet und sich so präzise ausdrücken kann (nicht immer tut), sicherlich bewusst. Denn was könnte relevanter sein als genau beobachtete und beschriebene Geschichten?

    Ein sehr interessantes Blog lieber Seppo! Und danke dass du an meinem offenbar auch Interesse hast. Schönen Sonntag und liebe Grüße aus Bielefeld

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  21. Sehr erfrischend – dein Schreibstil! Kurzweilig zu lesen und überraschende Themen – siehe Krüm(m)el. Einem Thema, mit dem ich mich bisher nicht befassen musste. Meine Bettgenossen haben niemals gekrümelt. ;-)
    LG Sigrid

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  22. Dein Blog bekommt in einer Welt der Emoticons und 128 Zeichen-Sätzen eine unabdingbare Notwendigkeit des Lesens! Die Komplexität hier ist erfrischender als ein Poolbesuch und dein Monolog reichhaltiger als die meisten Dialoge im Netz. Danke!

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  23. Hallo Seppo,

    dein Zynismus entspricht genau meinem Stil. Mach weiter so. Ich egge meist mit meiner Meinung auch überall an, besonders wenn ich zynisch bin. Lass dich nicht beirren. Mein Lebensmotto ist: Madness rules the world.
    Was übersetzt heißt der Wahnsinn regiert die Welt. Es sind immer die Spinner, die etwas in Bewegung gebracht haben. Am Anfang belächelt. Später in die Geschichte eingegangen.
    LG Odie.

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  24. Ähm ja und bevor ich es jetzt wieder vergesse möchte ich dir auf diesem Wege nochmal herzlich danken. Ich konnte mir ja gar nicht vorstellen, wie schön es ist Artikel von solch sprachlicher Eloquenz zu lesen. Und auch deine Nutzung von „schwierigen Worten“ und langen Sätzen macht total wuschig. Ich dachte wirklich schon im Zeitalter der Blogs herrscht nur noch das „Frei nach Schnauze“-tippen. Aber dein Blog ist da endlich mal die Ausnahme der Regel. Und ausserdem: Deine Selbstsicherheit mit der du deinen Narzissmus völlig ungeniert rauslässt ist grossartig. Ich muss zwar schon häufiger mal schlucken, wenn du die ganzen „Pfuiwörter“ wie auf Schnur gezogen rausknallst, aber das ist nunmal mein persöhnliches Problem.
    Gesamtbild aber absolut stimmig und einzigartig. Danke das du meinen Blog gefunden hast und ich darüber deinen.

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  25. Jo alla, jetz verfolg isch än blog vun äm Düsseldorfer aus Münschda. Ob der misch verschdehe dud wees isch jo ach ned, awa Spaß macht ma des jo schunn. Servus

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