Duschen im Nichts

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Aus einem unerfindlichen Grund fallen mir die besten Dinge beim Duschen oder auf der Toilette ein. Und da ich jeden Tag krampfhaft nach einem Ideenerguss suche, betrete ich die Dusche bereits mit einer gewissen Erwartungshaltung, was der Kreativität ein vorzeitiges Ende bereitet. Das ist heute geschehen. Der Duschvorgang zog sich in qualvolle, Wasser verschwendende Länge hin (in Deutschland ist es an sich unmöglich, Wasser wirklich zu verschwenden) und sauber war ich längst. Bringt mich übrigens zu einer Frage: Wie duscht Ihr? Jeder hat da so sicherlich seine Rituale. Ich beginne immer mit dem Shampoonieren des Kopfes, da ich ja davon ausgehe, dass hernach verschmutzes Schaumwasser an meinem Astralkörper herunterläuft und ihn beschmutzt, sodass also eine Wäsche von oben nach unten angezeigt ist.

Allerdings beginne ich nach dem Kopf, während die Spülung meiner Mitbewohnerin einwirkt, mit dem Schambereich. Penis und Hoden werden wohlig mit Duschgel bestrichen und ein verschämter Griff in die Analfalte tut sein Notwendiges. Um Rückstände zu vermeiden, kommt dann der Duschstrahl körpernah zum Einsatz. Las letztens noch, dass Frauen sich auf diese Weise übrigens am häufigsten befriedigen, aber ich will mir da kein Exklusiv-Wissen anmaßen.

Nun ist der Torso an der Reihe, angefangen bei den Armen und dann eben der Rest. Rücken ist schwierig, ich tue mein bestes, verzichte aber auf den Einsatz einer Rückenbürste, da ich die derzeit für die Toilette benutze.

Im nächsten Schritt wird alles von Haar-Spülung und Schaum befreit. Nun kommt eine Innovation von Beiersdorf zum Einsatz, die Nivea-Indusch-Body-Lotion. Man ist nass und cremt sich gewissermaßen unter der Dusche ein. Spült es wieder ab und fragt sich vielleicht nicht ganz zu Unrecht, wie denn nun die runtergespülte Lotion überhaupt ihr Werk verrichten konnte. Beiersdorf erahnte wohl diese Befürchtung und druckt daher extra eine passende Erklärung auf die Rückseite der rutschigen Flasche, die ich hier nur aus der Erinnerung wiedergeben werde. Man erklärt dem Käufer, dass nasse Haut die gespendete Feuchtigkeit schneller aufnehmen könne. Und übrigens, dass man die Duschwanne nach dem Säuberungsvorgang noch mal bewässern sollte, da der nächste Dusch-Kandidat auf Rückständen der Lotion unglücklich ausgleiten könnte.

Meine Bilanz der Indusch-Body-Lotion ist die, dass ich tatsächlich nach dem Abtrocknen noch Rückstände im Handtuch auffinde, was zumindest beweist, dass sich nicht alles runterspülen lässt. Wie viel des Produktes sich aber nach dem Trockungsvorgang noch auf der Haut befindet, kann ich nicht mehr beurteilen, zumal ich ohnehin behaupte, dass dieses Eincremen völliger Überfluss ist. Und: Beschneidet Nivea nicht die eigene Produktpalette der Outdusch-Body-Lotionen? Oder ist es möglicherweise ratsam, sich – nur zur Sicherheit! – nach dem Abtrocknen mit herkömmlicher Lotion einzureiben? Man weiß es nicht.

Zurück zur ursprünglichen Frage mit der Ergänzung, dass, während die Indusch-Lotion in meine Haut eindringt, ich die Füße sowie Unterschenkel wasche. Da ich Läufer bin und meine Füße sich täglich in entsprechend verschwitztem Milieu aufhalten mit der Gefahr, einem Fußpilz anheim zu fallen, benutze ich dazu so einen Waschhandschuh von „DM“ oder „Rossmann“, zwei Ketten, die ich partout nicht auseinanderhalten kann. Dem Konflikt konnte ich vor einigen Jahren noch durch den Besuch von „Schlecker“ ausweichen.

Mich interessiert letztlich, wie Eure Rituale aussehen und ob mein Duschverhalten in Euren Augen effizient ist.

Meine heutige Ideenlosigkeit zieht sogar einen Kreis bis in die USA, wo bei einer Schoko-Milch, nein, bei einem Kakao, diverse Ergüsse von mir via Facebook-Messenger vielleicht sogar freudig erwartet werden, heute aber ausbleiben. Zeit für S., durchzuatmen.

Aber: Wenn man vor dem Nichts steht, warum nicht über das Nichts schreiben, das man sich möglicherweise „dunkel“ vorstellt. Tue ich in diesem Moment, da ich zu allem Überfluss tatsächlich im Dunkeln sitze und auf eine Eingebung während des Schreibprozesses warte. Der kam auch, und zwar die Dusch-Nummer, die ich diesem Textteil voranstellte, was das Ganze ins Absurde führt.

29 Kommentare

  1. Vermutlich hört es sich komplizierter an, als es tatsächlich ist, aber kann es sein, dass Duschen bei dir eine ziemlich umständliche Angelegenheit ist? :-)
    Bis vor eingen Monaten hab ich ähnlich angefangen wie du. Auf den Kopf eine Riesenportion Duschgel, das dann richtig zum Schäumen gebracht und damit hab ich mich dann bis runter zu den Füßen eingeseift.
    Seitdem ich eine leichte Rosazea (https://de.wikipedia.org/wiki/Rosazea) habe, fange ich an Oberarmen/Brust an – einschäumen und runter. Haare und Kopf dann zum Schluss mit einem seifenfreien Waschgel, damit ich hernach nicht aussehe, als hätte mir jemand rechts und links ein paar gescheuert.

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  2. Bei deiner Beschreibung wird mir erst klar, woher das Wort „Duschen“ kommt… „Du scheen“, zumindest nach der ellenlangen Prozedur, die du beschreibst, sollte ja irgendwas schöner aussehen als vorher.

    Ich dusche nach der modifizierten „Ford“ Werkstattwerbung
    Raus – aus den Klamotten
    Drunter – Unter die Dusche
    Drüber – mit dem Duschgel
    Runter – mit dem Dreck
    Raus – aus der Dusche
    Rein – in das grosse Badetuch

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  3. Wenn man erst einmal anfängt, auch beim Deutschen zu analysieren wird es schnell rituell. So habe ich eine Weile lang immer exakt die selbe Handbewegung zum verteilen des Shampoo getätigt. . . Mittlerweile gehe ich unter die Dusche, bin für 5-15 Minuten brain-afk und steige – ähnlich wie du – inspiriert oder doch zumindest voller Gedanken aus der Dusche. Nur das ich mich zwischendurch gesäubert habe… irgendwie. Haare zuerst, dann Körper.

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  4. Als ich das eben gelesen habe, dachte ich das könnte ich sein. Zumindest bis zu der Stelle nach dem Torso. Aber witzig fand ich es allemal, ich meine Hallo!? Wir reden hier über den Duschprozess. Erschreckend wie einen die Neugier bei Laune hält :b

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  5. Lach, Danke für deinen witzigen Beitrag :D. Zwar habe ich keine Hoden und nen Penis, dafür wächst mir ja grad ne dritte Brust..aber erstaunlicher Weise unterscheidet sich dein Duschvorgang nicht wirklich von meinem. Ich bin da eine praktisch denkende Sparduscherin. :D Wenn man Student war, eignet man sich so manchen Sparvorgang an. Vergleichbar mit der Funktion einer Waschmaschine ^^. Denn, das Wasser wird beim einseifen natürlich ausgemacht :D, warum auch Wasser laufen lassen und währenddessen die Hälfte des Duschgels verlieren. Zum Schluss wird dann alles mit einem Rutsch abgeduscht. (Unsere Jahresrechnung 2Personenhaushalt sagt unser Verbrauch liegt knapp über dem Durchschnitt eines 1 Personenhaushalts.-Spart Geld). Eine Lotion für die Dusche ist wohl eine moderne Form des Placebo Effekts. Ich halte davon nicht viel. Klingt vielleicht gut, für Faule :D.. Eine Macke habe ich da natürlich doch. Wohl bekannt unter Frauen (vielleicht gibts ja auch Männer mit dem Phänomen).. wenn ich mal kein Bock zum Duschen hab, gibt’s ne Katzenwäsche mit Haarwäsche…. das geht da einem gewissen Herrn total auf den Keks XD Weil die Dusche wird dann am nächsten Tag dringend aber die Haare sind noch frisch. Aber das habe ich ja auch bald nicht mehr XD, dann glänze ich mit meiner prachtvollen Kugel ;-). bitchige Grüße ^^

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  6. Also, erstmal: Nach der Lektüre deines Eintrags habe ich heute zum ersten Mal im Leben eine Haarspülung gekauft. Ich bin wirklich gespannt. Aber es wird im Duschvorgang sicher zur Verwirrung kommen. Ich habe dieses morgendliche Frischwaschen derart ritualisiert, dass ich manchmal gar nicht mehr weiß, ob ich überhaupt schon geduscht habe oder die Haare zu waschen vergessen oder sonst was. Manchmal fällt mir unter dem Kunstregen was ein, manchmal auch brauchbares. Aber ich bin nicht so drauf aus, mir kommen auch sonstwo Ideen.

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  7. Es dauert natürlich länger, zweimal Schaum vom Kopf zu spülen (bzw. erst mal drauf zu verteilen), aber das Ergebnis ist ziemlich beeindruckend. Haarspülungen scheinen eine Möglichkeit zu sein, überfällige Frisuren über die letzten Tage zu retten. Ich würd‘ mal sagen, der Tipp war was wert: Danke!

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