Strumpf-Fetisch

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Jeder hat ja so seinen Fetisch. Die einen gelüstet es nach Leder, anderen nach Urin und ganz Verwegene mögen es noch ’ne Nummer deftiger, wobei mir allerdings das Würgen kommt, worauf wiederum ganz andere stehen. Bei mir sind es Socken. Simpsons-Socken.

Ich war dereinst großer Fan der Simpsons, bevor die Serie ins Verderben geschrieben wurde und ihren sie eigentlich ausmachenden Charakter verlor. Und nun begab es sich, dass ich eine Freundin hatte, die auf völlig legale Weise an Simpsons-Fan-Artikel kam und mir zu jedem denkbaren Anlass irgendetwas simpsonslastiges schenkte. War anfangs nett, nur irgendwann fühlte ich mich zugeschissen (siehe Fetisch) mit nutzlosem Schrott und ich wurde den Eindruck nicht los, dass sie es sich etwas einfach mit dem Schenken machte.

Es begann harmlos mit einem Paar Socken. Darauf folgten die Simspons-Fußmatte, ein Simpsons-Schachspiel, dessen Figuren ich ihrer Rolle auf dem Felde nicht zuordnen konnte und diverse Handtücher. Achja, ein Kissen auch noch. Der Höhepunkt war aber dieses:

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Eine Grill-Ausrüstung. Das Bild zeigt mich begeistert im Jahre 2006 mit der zugehörigen Nasenhaar-Pinzette. Und: mit der Nicht-Ficker-Brille, wie sie mal irgendwie auch zutreffend bezeichnet wurde. Bis auf das Kissen gibt es von diesen liebevollen Geschenken nichts mehr; die Grill-Montur habe ich nicht einmal benutzt; lediglich die Kochmütze trage ich noch beim Feiern, weil Mädels immer wieder die Anweisung befolgen, wobei sie freilich nicht mich als Chef ausmachen.

Bei den Simpsons-Socken, bei denen bin ich allerdings geblieben. Aus einem Paar wurden zunehmend mehr, herkömmliche verschwanden nach und nach aus meiner Sockenschublade und da ich sie nicht beim Sex trage (zumindest nicht an den Füßen) ist der Begriff Fetisch hier nicht ganz korrekt, auch wenn er ja nicht ausschließlich in diesem Zusammenhang zu verstehen ist, aber wir tun’s doch alle. Sprechen wir also eher von einer Macke. Von einer Schrulle, die mich so liebenswürdig macht. Macken verteidige ich gegenüber meiner Mitbewohnerin immer wie folgt: „Du würdest meine vermissen, wenn ich mal nicht mehr wäre.“ Totschlagargument! Denn ich würde auch ihre vermissen. Hat sie welche? Verdammt, mir fällt keine ein. Wir werden darauf an anderer Stelle zurückkommen.

Bis vor einigen Jahren hatte ich zumindest noch ein schlichtes, schwarzes Paar Socken für diverse Anlässe wie beispielsweise Beerdigungen, da man dort je nach Beliebtheit des Verstorbenen nicht unbedingt in Simpsons-Socken auftreten sollte. Meine Oma war sehr beliebt, als sie im vergangenen Jahr das Zeitliche segnete nach einem erfüllten irdischen Dasein, doch ihr Lieblingsenkel, zweifellos ich, stellte recht kurzfristig fest, dass jenes Paar schlichter Socken nicht mehr vorhanden war. Eine kurzfristige Ausleihe von Fremdsocken war nicht möglich – sie war auch eher kurzfristig dahingeschieden -, sodass ich es weitgehend vermied, mich auf der Beerdigung hinzusetzen. Denn das ist ja das Vertrackte an Anzügen und ihren Hosen. Kaum sitzt man und verschränkt am besten noch die Beine übereinander, rutschen die Hosenbeine hoch, sodass viel Socke zu sehen ist. Das nervt mich grundsätzlich, aber sooft komme ich nicht zum Tragen eines Anzuges bzw. kommt der Anzug bei mir nicht zum Tragen. Deswegen kann ich auch nie ’ne Krawatte binden. Obwohl, ich hab ’ne Schleife. Tolles Geburtstagsgeschenk aus dem vergangenen Jahr. Nicht zu toppen 😉 Meine Mutter sah dann bei der anschließenden Feier, die ja irgendwie keine Feier sein kann oder darf, meinen Mode-Fauxpas ihres 35-jährigen Sohnes, fast schon ein Mann, der ohnehin damals eine sich noch im Wachstum befindliche und unvollendete Vorform des Vollbartes trug, was der sehr katholischen Verwandtschaft misshagte. Und nun auch noch bunte Socken. Es rollten also die Augen meiner Mutter – Mamas Augen, die einst meinen Vater verzaubert hatten (es vielleicht noch tun) – mit einem mürrischen „Sebastiaaaaan, du wirst doch wohl schwarze Socken haben.“ Nein, habe ich nicht. Ich habe allerdings rund 40 Paar Simpsons-Socken. Das hat sie mir nicht geglaubt. „Oma hätte es so gewollt.“ Oma, die bei uns in Abgrenzung zur anderen Großmutter eigentlich „Omma“ gerufen wurde – nicht despektierlich! -, ahnte, dass ich über einen gewissen Humor verfüge, wenn ich das mal hier so sagen darf, verstand ihn aber nicht. Sie hatte es bei meinem Vater, ihrem Schwiegersohn, schon früh aufgegeben, ihn zu verstehen, denn mein Vater kommt in dieser Hinsicht ganz nach mir. Allein deshalb muss ich mich fortpflanzen. Selbstverliebtheit ist bei mir so ausgeprägt, dass ich im Grunde eine Junior-Variante von mir haben möchte. Puh, ganz schön unsympathisch, dieser Seppo. Der zum Glück nie von sich in der dritten Person reden würde. Hat der Mann nicht nötig.

„Omma hätte es so gewollt“, entgegnete ich also meiner Mutter, die, das sollte ich hier erwähnen, den Tod ihrer Mutter mit Fassung trug, da es eben ein seeeehr langes Leben war, das da zuende ging. Aber ja, man bleibt immer Kind und auch mir grault es vor dem Tag, der aber kommen wird, sofern wir die Reihenfolge einhalten. Blick gen Himmel. Omma hätte es natürlich nicht so gewollt, ich glaube, die Sockenfarbe wäre ich ziemlich egal gewesen. Dennoch habe ich mich ausreichend geschämt und mich im Stillen (beim Stillen) entschuldigt und in die Hölle komme ich bestimmt nicht wegen der Socken, sondern wegen anderer Vergehen.

Obiges Foto, also ganz oben!, zeigt einige Paar neuer Socken, die stellvertretend für eine Großlieferung von 19 Paar stehen, die mich heute in der Packstation beglückten. Und zuhause beim Auspacken fiel mir auf, dass ich ja schon gar nicht mehr weiß, wie sich qualitativ hochwertige Socken tragen. Denn ich kenne ja nur diese Billig-Ware. Die aber immerhin lange hält, ich würde mal sagen, die zerbersten erst nach zwei Jahren und ich trage sie auch lange noch mit Loch. Zuletzt allerdings trug ich mehr Loch als Textil, sodass ich einige Paar ausmisten musste. Und leider habe ich das super Angebot von „Kik“ verpasst, die Textil-Freunde und Freunde des Arbeitsschutzes zwinkerzwinker hatten kürzlich offenbar Simpsons-Socken im Angebot, worauf mich eine Freundin hingewiesen hatte. Ich hatte es nur leider vergessen, sodass ich wie immer bei Amazon orderte.

Mit knapp 36 Jahren und Todes-Wahn kümmert man sich natürlich bereits um seinen Nachlass. Ob das nun Passwörter sind für das seppolog oder Facebook oder Reichtümer erschreckenden Ausmaßes – eines darf eben nicht fehlen: die Verfügung, dass man mich in Simpsons-Socken verbrennt (nach dem Tod), sofern das zugelassen ist. Sind ja sicherlich giftige Stoffe enthalten, die bei Verbrennen freigesetzt werden. Vermutlich ist es eh wie beim Grünen Punkt, man wird nicht alleine verbrannt. Puh, das geht aber schon in eine seltsame Richtung hier, aber ich rede ja von mir.

Die Simspons laufen zwar bereits im 63. Jahr, aber auch sie werden irgendwann ein Ende finden. Und dann steh‘ ich da ohne meine Merchandise-Socken. Ich wollte ja breits auf Family Guy-Socken umsteigen, aber die gibt es nicht. Da bleibt mir nur die Möglichkeit, jetzt schon einmal zu horten oder meine Mitbewohnerin in der kommenden Strick- und Häkelsaison auf eigene Kreationen anzusetzen. Im Gegenzug verschrotte ich heute ihren Rechner. Sie überlegt noch, ob Mac oder PC als Neuanschaffung. Schwiiiierig. Macht viel mit Grafik, schätzt aber ansonsten PC. Ihr habt da nicht zufällig Erfahrung? Ich gehe jetzt Socken bügeln. Tu‘ ich das wirklich? Ich würde es mir selber zutrauen. Aber eben nur „würde“. Wenn ich müüüüüssste.

39 Kommentare

  1. Das Simpsons-Socken-verbrenn-Problem hat mir jetzt keine Ruhe gelassen. Ich hab gegoogelt (das tue ich zu 90 Prozent der Zeit, wenn ich Probleme habe. In den anderen 10 Prozent hole ich neues Klopapier) und herausgefunden, dass es KEINE Simpsons-Särge gibt, nur welche mit Hello-Kitty. Möglicherweise wäre ein netter Simpsons-Sarg (oder eine Bart-Urne) die Lösung bei einem Sockenverbrenn-Verbot?
    Möglicherweise habe ich da eine Marktlücke entdeckt?
    Möglicherweise… öh… ich glaube, ich möchte doch lieber über Leder und solche Fetische reden. Ist kindgerechter…

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  2. WOW, das zieht einem doch glatt die Socken aus (leider nicht: glatt, denn das würde einem glatt das Glätteisen, also: Bügeln ersparen)! Noch besser, weil bizarrer: eatable socks (zu deutsch: essbare Socken. Würde einem sowohl das Waschen als auch das Bügeln ersparen. Tragen, essen, fertich ist der Fetisch!
    Merke: „Glücklich ist der Fetischist, wenn er seinen Fetisch isst! (c) Spitzfinder.

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  3. „Selbstverliebtheit ist bei mir so ausgeprägt, dass ich im Grunde eine Junior-Variante von mir haben möchte.“
    Dafür hast du doch die Socken erhalten. Jeder ist sich schließlich selbst der Nächste…
    Also die Juniorvariante voll ins Spiel bringen, denn `Wer nicht aus der Rolle fällt, dreht sich nur im Kreis´ (selbst).
    Gruß an alle
    PJP

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  4. Nix mac. PC. Den kannst du so bauen, dass er den Mac nass macht und die Programme gibt es nahezu alle mittlerweile auch für PC.

    Uns ein aufrüsten geht leichter und günstiger.

    Aber ich mag mac zusätzlich aus Prinzip nicht.

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  5. den Begriff Fetisch kann man ruhig weit fassen, finde ich *hüstel* und die Socken würd ich dann einfach in die Kleidersammlung tun. Aber wieso eigentlich, also ich mag Bunte Socken..allerdings auch lieber ohne konkretes Merchendise, lieber so grafisch bunt 😀 oder Selbstgestrickt, so als Wollfetischistin mit Farbtick 😀 Männer die nur schwarze Socken tragen..argh, och nöö, und ganz schlimm sind die mit den Tennissocken urgh…puhhh *schnell versuch an was anderes zu denken…

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  6. Hallo, endlich ´mal ein „Socken-Special“, in dem nicht die mangelnde Zusammengehörigkeit zweier (un-) passenden beschrieben wird (gähn!). Obwohl- bei soo vielen Simpsons-Socken das Zusammenführen sicherlich das abendliche Memory-Spiel ersetzt… Eine wunderschöne neue Woche, Nessy von den happinessygirls.com

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  7. Mein Mann trägt ausschließlich Ringelsocken, üblicherweise bunt. Für gediegene Anlässe – hm, na so gediegen war unsere Hochzeit nun doch nicht – gibt es dann noch schwarz-grau-geringelt. Seine Ringelsocken sind ihm heilig, aber dass ein Hochzeitsgast einen 50’s-Anzug mit grasgrünen Sneakern trug, das fand er dann zu schräg, O-Ton „unangemessen“.

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