„Ich aß ein ekeliges Schnitzel in Emmerich.“ UPDATE (2)!

Schweineschnitzel

Update unten!

Hier kommt nichts mehr. Aber mir gefiel der Titel. Wäre es mir passiert, würde hier ein 1.000-Wörter-Artikel kommen. Aber da ich nicht viel mehr um die Umstände dieses Schnitzel-Vorfalls weiß, kann ich nur spekulieren.

Emmerich am Rhein ist erstaunlicherweise eine Hansestadt am unteren rechten Niederrhein mit läppischen 30.000 Einwohnern. Allein hier wird deutlich, dass bei so wenig Menschen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schnitzel-Meister darunter ist, als eher gering einzuschätzen ist.

In meinem Heimatort Hiltrup (25.000 Einwohner), zu Münster gehörend, gibt es ein Restaurant, das kurz vor seinem Ende stand. Dann kamen aber die „Küchenchefs“ von „Kabel 1“, „RTL II“ oder „Vox“. Ganz Hiltrup sah sich im Fernsehen an, wie aus der „Dicken Eiche“ die „Schnitzelmanufaktur“ wurde. Was für ein einzigartiger Name!!!! Darauf kommen auch nur Fernseh-Köche. Nun kann man in der „Dicken Eiche“ also vermeintlich tolle Schnitzel essen. Ganz Hiltrup atmet auf und geht möglicherweise dennoch weiterhin woanders essen. Aber der Name! „Schnitzelmanufaktur“! Klingt entweder nach Schnitzel-Fabrik oder nach handgemachten Schnitzeln. Und da ich heimattreu bin, gehe ich davon aus, dass Hiltrup die besseren Schnitzel im Vergleich zu Roland Emmerich am Rhein macht. Denn wie ich höre, gibt es dort ekelige Schnitzel. In Emmerich.

Was das Schnitzel dort so eklig gemacht hat, weiß ich nicht. Ich könnte nachfragen, aber so wichtig ist es dann doch nicht. Ich spekuliere. Möglicherweise war es eines dieser Fertigdinger, die kurz in die Friteuse kommen, wonach die Pomade immer noch künstlich aussieht. Oder aber es war schlicht mit Fett durchzogen, was das Kauen der Speise zu einer Herausforderung gemacht hat.

Meine Mitbewohnerin und ich (aber in umgekehrter Reihenfolge) sind große Schnitzel-Freunde. Wir machen sie nahezu komplett selbst, wobei wir das Schlachten einem Fachmann überlassen. Und nein, wir essen nicht nur Fleisch aus der Region. Wir lassen es einfliegen aus Asien. Damit auch unsere Nachkommen wissen, dass wir einen großen CO2-Fußabdruck beim Schnitzelessen verursacht haben. „Ich esse ja nur Fleisch aus der Region.“ Ich lehne diese Gutmenschen ab. Man kann es tun, sollte es sogar, aber man muss es nicht bei jeder Mahlzeit dem anderen auf das regionale Butterbrot schmieren.

Unser Geheimrezept besteht darin, dass wir die Schnitzel klopfen. Und zwar solange, bis man sie als Gardine vor die Fenster hängen kann, sie also durchsichtig sind. Hernach kommen sie in eine Pfanne, die randvoll mit einem selbst gewonnen Öl gefüllt ist. Kurz braten, kurz wenden, fertig.

Das Klopfen der Schnitzel ist ein für die Ohren sehr anspruchsvoller Vorgang und obliegt mir. Lang und kräftig, lautet die Zauberformel und mindestens ein Nachbar muss sich über den Lärm beschweren. Der wird dann abgefertigt mit einem sauber geklopften Schnitzel und geht wieder seines Weges.

Unsere Schnitzel sind mitnichten eklig, aber dennoch sehe ich von einem Verkaufsstand in Emmerich ab. Denn ich halte es für möglich, dass in Emmerich eine Schnitzel-Mafia am Werk ist, die neuer Konkurrenz ablehnend gegenübersteht. Vermutlich ist das der Grund für die ekeligen Schnitzel dort. Da wird man nichts machen können. Nun sollten Leser aus Emmerich aber davon absehen, sich beim nächsten Schnitzelklopfen bei uns über den Lärm zu beschweren, in der Hoffnung, ein Schnitzel von uns als Entschädigung zu bekommen. Das läuft nicht, das Angebot gilt nur für Nachbarn und eventuell für diejenige, von der der Ausspruch stammt:

„Ich aß ein ekeliges Schnitzel in Emmerich.“

(Irgendwo schrieb ich statt „Panade“ „Pomade“. Da ich die Stelle nicht mehr finde, wird es nicht korrigiert.)

 

Update

Inzwischen fühlte sich der ein oder andere von Euch berufen, auf den Satz „Ich aß ein ekeliges Schnitzel in Emmerich“ zu dichten. Hier die ersten Ergüsse:


Ich aß ein Schnitzel in Emmerich
es war eklig und schmeckte ganz fürchterlich
fetttriefend und sehnig
und das nicht zu wenig
das eklige Schnitzel aus Emmerich

unigenita


Es liegt daran:

… und von dem grausigen Schnitzel
hing im Mund noch ein Fitzel
zwischen seinen Zähnen.
Die Freundin sah es beim Gähnen.

Ob etwaigen Mundgeruch besorgt,
entfernte sie es von diesem Ort.
Vergriff sich leider und zog ein bisschen zu fest.

Der Zunge entledigt, konnte er sich nicht mehr beschweren.
Sie kämen nie wieder dazu, zu verkehren –
er verstarb an Ort und Stelle.

Eine gewaltige Welle
enormen Mitgefühls nimmt Besitz von dem Wirt,
der Besitz von der Zunge nun nimmt und frittiert
bevor er sie dem nächsten Gast serviert.

auxkvisit


Ich aß ein ekeliges Schnitzel in Emmerich,
der Gastwirt wie stehts unverbesserlich.
Gar sehnig und fettig und daumendick,
der Fleischlappen gleich einem Zugunglück.
Panade nicht wellig und tot frittiert,
Hier hab ich zum letzten Mal reserviert.

Martin K.


Ich aß den Fraß und saß auf einem Aste.
Der Magen knurrte. Na? Hunger haste!
Doch kaum das Mahl gefressen,
wollt ich nie wieder etwas essen.
Im hohen Bogen spieh
ich’s aus das tote Vieh.

lysander2


Ich aß ein Schnitzel in Emmerich,
doch auf halber Strecke ekelt’ es mich.
Den Rest schickt’ ich zurück,
der Koch war nicht entzückt,
aber aufessen mocht’ er es ebenfalls nich.

HD

26 Kommentare

  1. Amen Bruder. 😉 Ich denke manchmal, meine eigenen, verbalen Ergüsse über die korrekte Zubereitung eines Schnitzels werden von meinem sozialen Umfeld mittlerweile als Missionarsarbeit für die fiktive „Kirche der erleuchteten Schnitzelkonsumisten“ mißinterpretiert.

    Ich konnte bisher offenbar niemandem die Glücksgefühle beim Verzehr eines gut geklopften Schnitzels vermitteln. Was ich schon an daumendicken Schuhsohlen in verschiedenen Lokalitäten gegessen habe, geht auf keine Kalbshaut mehr. 😉

    Ansonsten kommt mir dein Beitragstitel tatsächlich wie die Einleitung zu einem Gedicht vor. Nachdem hier schon zwei Leser ihr Glück versucht haben, will ich auch mein Scherflein beitragen. 🙂

    Ich aß ein ekeliges Schnitzel in Emmerich,
    der Gastwirt wie stehts unverbesserlich.

    Gar sehnig und fettig und daumendick,
    der Fleischlappen gleich einem Zugunglück.

    Panade nicht wellig und tot frittiert,
    Hier hab ich zum letzten Mal reserviert.

    Gefällt 4 Personen

  2. herrlich! hat mir gerade total gute Laune gemacht! Vielen Dank dafür. und auch ich hatte Bock zu reimen:
    einen Emmerich-Limerick…

    Ich aß ein Schnitzel in Emmerich
    es war eklig und schmeckte ganz fürchterlich
    fetttriefend und sehnig
    und das nicht zu wenig
    das eklige Schnitzel aus Emmerich

    Gefällt 2 Personen

  3. Es liegt daran:

    … und von dem grausigen Schnitzel
    hing im Mund noch ein Fitzel
    zwischen seinen Zähnen.
    Die Freundin sah es beim Gähnen.

    Ob etwaigen Mundgeruch besorgt,
    entfernte sie es von diesem Ort.
    Vergriff sich leider und zog ein bisschen zu fest.

    Der Zunge entledigt, konnte er sich nicht mehr beschweren.
    Sie kämen nie wieder dazu, zu verkehren –
    er verstarb an Ort und Stelle.

    Eine gewaltige Welle
    enormen Mitgefühls nimmt Besitz von dem Wirt,
    der Besitz von der Zunge nun nimmt und frittiert
    bevor er sie dem nächsten Gast serviert.

    Gefällt 1 Person

  4. Heute gibt es mal kein „Like“ von mir … als Veganerin ist mir eher schlecht geworden 😉

    Zitat: [… ]wobei wir das Schlachten einem Fachmann überlassen.

    Ihr würdet ansonsten wohl auch eher kein Schnitzel essen, oder?

    Mehr sage ich nicht dazu. Die Klappe halten konnte ich aber auch nicht 😛

    Gefällt 1 Person

  5. Peinlich … habe gestern im verspätet vom falschen Gleis abfahrenden RE5 nach Emmerich festgestellt, dass die Kommentarfunktion auf dem Klugscheißertelefon nicht richtig funktioniert. Oder ich sie nicht richtig bedienen kann.

    Was ich eigentlich wissen wollte: wie kriege ich die von seppolog verursachte Verknüpfung Emmerich = ekliges Schnitzel wieder aus meinem Hirn? Jedes Mal wenn in der Bahndurchsage Emmerich vorkommt muss ich erst lachen und mich dann schütteln. Muss ich bis zum Endhalt sitzenbleiben und dort ein Schnitzel essen?

    Gefällt 1 Person

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