Aldi weiß: Bloggen ist „in“

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Gute Nachricht am Samstagmorgen: Bloggen ist in. Zwar werden pro Tag Schätzungen zufolgen zirka vier Millionen Blogs geofflinet, während nur zwei neue dazu kommen, was ein bedenklicher Trend ist, der allerdings auf nicht belastbaren Zahlen beruht. Stimmen die Zahlen aber, gibt es schon Ende des Jahres kaum noch Blogs. Und das, wo das seppolog nicht nur knapp vor dem 300. Beitrag steht, was mich unter Druck setzt, sondern auch vor seinem ersten Geburtstag, was mich erstaunt. Den Geburtstag zelebriere ich, meinen eigenen allerdings verschweige ich. Auch irgendwie krank. Nun, wie dem auch sei, halten wir uns nicht mit diesen Nebensächlichkeiten auf, auch wenn der Trend den verbleibenden Blogs horrende Abrufzahlen bescheren dürfte!

Es ist etwas kurios. Gestern fiel mir aus dem Nichts heraus ein, dass ich als Kind eine Folge der Hörspielserie „Die Pizzabande“ hatte. Es ging da irgendwie um verschwundene Katzen, also es war ein sehr kindgerechter Fall, sieht man von der Fortsetzung „Die Pizzabande und das Katzen-Massaker“ einmal ab. Die haben meine Eltern mir nicht gekauft.

So war es eine Frage der Zeit, bis sich jemand „Die Bloggerbande“ ausdenkt. Nun ist das keine Hörspielserie, was meinen Vergleich zurecht in Frage stellt, aber es ist eben etwas, das auf „Bande“ endet. Ich war früher übrigens Mitglied in vielen Banden. Manchmal reichte es sogar zum Boss einer Bande bei mir. Eine Bande von mir nannte ich „Die schwarze Hand“ oder so ähnlich. Damals wusste ich aber nicht, dass es sich dabei um einen nationalistischen, serbischen Geheimbund handelt. Ich war da vielleicht zehn Jahre alt und hatte mit Terror nicht viel am Hut. Diese Eigenschaft habe ich beibehalten. Ich hasste Jugendcamps, was soll ich dann in Terrorcamps?! „Die schwarze Hand“, also meine Bande, traf sich bei uns im Keller, der als Geheimquartier der Bande herhalten musste. Dabei wurde dann das weitere Vorgehen gegen die Konkurrenzbande von Nachbarsjungen Thomas besprochen. Von „Krieg“ war die Rede. Bis dann die ersten Mitglieder meiner Bande in Thomas‘ Bande überliefen, im Gegenzug einige seiner Mitglieder meiner Bande beitraten. Irgendwann fusionierten unsere Banden und wir einigten uns auf eine Doppelspitze aus Thomas und mir bestehend.

Egal, nun also die „Bloggerbande“, über deren Existenz mich heute Morgen eine Frau mit einem gelben, absolut fahrtüchtigen Auto, das Augenlider hat, informierte. Urheber der Bloggerbande ist „Aldi Süd„. Die Bloggerbande besteht aus Celina, Finn, Antonia und Tarik. Das sind so die ganz klassischen Namen. Celina ist Kameramädchen, Finn weiß mit Skateboard umzugehen, Antonia schreibt schnell und hoffentlich auch gut, während Tarik die Fußballer unter den Lesern anspricht. Man kann sich dort die Profile in aller Ausführlichkeit durchlesen, was ich jetzt mal schnell tue, da mich interessieren würde, wem ich am nächsten komme. Tarik ist, da „Fußball-Held“, sicherlich schon einmal nicht mein Pendant. Finn als Skater ist auch raus. Verdammt, es bleiben nur die Mädels. Antonia mag zwar Fußball und Spinat – beides mag ich nicht -, aber sie schreibt immerhin, eine Gemeinsamkeit mit mir. Celina tanzt gerne. Ich nicht. Wenn ich Musik höre, passiert erst einmal gar nichts. Manchmal wippt ein Finger von mir mit, aber ansonsten herrscht Totenstarre bei mir, die nur eine raue Menge an Alkohol zu lösen vermag. Heute Abend wieder.

Was ich übrigens gut finde. Die Tanzablehung. Bin mehr ein Mensch des Kopfes. Ich finde meine eher zweifelhaften Eigenschaften grundsätzlich erst einmal gut. Hadern bringt nichts. Nicht nach 36 oder 37 Jahren. Das hat einen sehr simplen Grund: Wenn 3,5 Milliarden Menschen Eigenschaft A besitzen, ist es doch nur gut, wenn 3,5 Milliarden Menschen auch Eigenschaft -A besitzen. Tanzen kann im Grunde jeder, was soll ich mich daran noch beteiligen?! Ich steche durch Nicht-Tanzen aus der Masse heraus. Und bin wie Antonia aus der Aldi-Bloggerbande. Antonia fotografiert gerne. Ich auch. Mich. Haha. Herzhaftes Lachen bei Sonnenschein. Schöner Samstag.

„Aldi“ klingt nach billig. Das ist gewollt. War gewollt, denn das Geiz-Zeitalter neigt sich dramatisch dem Ende entgegen. Was auch Aldi verstanden hat. Neue Aldi-Märkte können inzwischen durchaus den Vergleich mit einem „Edeka-E-Center“ standhalten. Gerade werden erste Kundentoiletten eingeführt, die Waren befinden sich nicht mehr in den nackten Kartons und die Abteilungen sind mit großen Schildern ausgeschildert. Back-Automaten, die bereits eine Revolution bei Aldi waren, werden nach und nach ersetzt durch große Back-Erlebniswelten. „Lidl“ zieht nach.

Was tut die Bloggerbande von Aldi? Sie bloggt, glaube ich. Der neueste Artikel bietet fünf Tipps gegen Langeweile in den Ferien. Der Artikel stammt von Celina. Sie empfiehlt das Schreiben von Geschichten. Sieh an, Celina, Schwester im Geiste.

Letztlich ist die Bloggerbande aber auch das, was meine „Pizzabande“ war. Eine Gruppe von Detektiven. Als Kind war ich auch oft Detektiv. Nur die Aufträge blieben aus, obwohl ich gerne den ein oder anderen Ehe- oder Einbruch aufgeklärt hätte, da ich entsprechende Ausrüstung aus den „Yps“-Heften besaß. Aber nun, mein Detektiv-Büro, einst Quartier der „Schwarzen Hand“, musste ich schnell wieder schließen, zumal mein Vater im Detektivbüro seinen Zweitfernseher hatte, auf dem er ungestört die „Sportschau“ gucken wollte, was er heute noch immer tut. Hoffen wir für ihn, dass die Sportschau nicht weitere Sportrechte verliert.

Die Bloggerbande erlebt also spannende Abenteuer in Buchform unterstützt von der „Stiftung Lesen„, die über keine sichere „https“-Verbindung verfügt, dafür aber über unseren Bundespräsidenten als Schirmherrn, was ein guter Ersatz ist. Übrigens, wo wir gerade nicht bei Eitelkeit sind: Das Regierungslager unter Merkel munkelt, Gauck sei zu eitel für eine weitere Amtszeit, da er am Ende dann 82 sei. Man befürchtet, so las ich eben, dass er das vermeiden wolle, als angehender Greis das Amt zu verlassen. Ich schlage mich als Bundespräsidenten vor, bin aber leider zu jung. Ich hätte aber ein tolles Geheimquartier!

Unternehmen mit Profitstreben gehören zu einer anständigen Marktwirtschaft. So gesehen ist Aldi toll. Zu einer sozialen Marktwirtschaft, wie wir sie allen Unkenrufen zum Trotz noch haben, gehört, dass sich diese Unternehmen sozial engagieren. In meiner Heimat Münster sind viele Parkbänke ein Geschenk der dort ansässigen „Provinzial“-Versicherung. Das ist Engagement. Und Aldi macht eben mit „Stiftung Lesen“ gemeinsame Sache. Ist ja auch nicht schlecht. Auf diese Weise bindet man die Kunden der nächsten Generation an sich, so wie „Bosch“ auch kleine Spielzeug-Akku-Schrauber verkauft, mit denen zum Beispiel mein Neffe gerne spielt. Klar, dass er auch als erwachsener Handwerker nur mit Bosch schrauben wird. Man kann das kacke finden, und ich tue das, aber letztlich haben wir größere Probleme, wenn uns demnächst ein AKW um die Ohren fliegt, weil ISIS den Haustürschlüssel des AKWs unter dessen Fußmatte gefunden hat.

Schau hin!“ macht bei der Bloggerbande mit. Eine Initiative, die Eltern nahelegt, genau zu beobachten, welche Seiten ihre Kinder im Netz besuchen und was sie sonst noch so mit Medien treiben. Schwieriges Unterfangen. Meine Eltern konnten nicht verhindern, dass ich früh an Baller-Spiele geriet („Wolfenstein 3D“, ein absoluter Klassiker, der heute noch Fortsetzungen findet!), aber mein gesundes Umfeld konnte verhindern, dass ich das im Spiel auf der Burg Wolfenstein Gelernte an meiner Schule qua Massaker umsetze. Ist ja auch albern, dieser Zusammenhang zwischen Ballerspiel und Amoklauf. Denn ich habe auch „Commander Keen“ gespielt, der lediglich Schnecken betäubt hat und aus Gründen der Sicherheit einen Helm trug.

Leider kam das Internet erst im Jahr 2000 in meinen Genuss, die Verbreitung begann damals erst so richtig, aber zu den Pionieren gehörte ich sicher nicht. Die ersten Pornos lud ich mit mit „emule“ runter, was ein langwieriges Unterfangen war, da ich nicht einmal ISDN hatte. Die Pornos waren eine ganz neue Welt im Vergleich zum „Schulmädchenreport“, samstags um 23.10 Uhr auf „Sat.1“. Die Porno-Nummer ist ’ne miese, wenn Heranwachsende vor ihren ersten eigenen Erlebnissen mit Fremdkörpern Bilder sehen, in denen die Frau eine eher dingliche Rolle spielt. Aber ich finde „Schulmädchenreport“ für die Entwicklung eines Kindes bedenklicher als einen ehrlichen Porno.

Bei mir war die Reihenfolge noch umgekehrt, so gesehen blicke ich da auch eine gesunde Entwicklung zurück und würde mir natürlich nie mehr Pornos ansehen. Nur Pornos für Frauen. Mit Handlung. Ich guck’s nur wegen der Handlung. Den Sex spule ich vor.

Hm, von Bloggerbande auf Pornos. Es ist eben ein gedankenschwangerer Samstagmittag geworden. Ich mache es nun wie Antonia und lese wieder. Und zwar korrektur.


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13 Kommentare

  1. Bis auf den Spinat habe ich da – ich habe mir das mal angeschaut, Atelier-Kind ist im möglichen Zielgruppen-Alter, außerdem war ich früher Bibliothekarin – glaube ich nichts gemeinsam mit irgendwem. Ja, gut das Schreiben, aber Antonia sieht schon so altklug aus. Na, besser nicht… 😉

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  2. Die YPS-Detektivausrüstung hatte ich auch. Und auch bei mir blieben die Aufträge und Abenteuer aus. Seltsam, oder? Wenn man nach dem TV-Programm ging, waren in jedem Ort so einige Detektive nötig.

    Vielleicht bin ich daher zum Schreiben gekommen?

    Nun, später hatten wir zwar keine Bande aber so etwas wie einen Umweltaktivistenclub.

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  3. Die Bloggerbande ist mir so an sich aber sehr supekt. Celina ist die Hübsche, Antonia muss als Schreibende unbedingt eine große Brille (und die Haare zu) tragen, Tarik ist der Quoten-Migrant (der selbstverständlich Fußball und nicht etwa ein ausgefallenes Instrument) und Finn hat als Skater natürlich auch das passende Klischee-Outfit. Ich denke, das geht besser, Aldi.

    Ach so: Wolfenstein. Wegen Wolfenstein: The New Order darf ich jetzt an der Doom-4-Beta teilnehmen. Bisher hat mein Team aber nur auf den Sack bekommen.

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  4. ich glaub diese Kinder- Clans sind in allen Generationen geradezu ein Muss ! unsere war die rote Hand ,spezialisiert auf * Nachbarschaft * entnerven … ( Klingelmännchen , mit Ölkreide in gelb die Fassaden ‚verschönern‘ )… die Bloggerbande erinnert so an fünf Freunde des 21.ten Jahrhunderts. alles schon mal dagewesen , mehr oder weniger PR -wirksam um irgendwann wieder in der Versenkung zu verschwinden …. 🙂

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