Diese Technologie ist nicht ausgereift

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Der Mensch gibt sich sehr viel Mühe, um bald in der Lage zu sein, eine Landpartie auf dem Mars zu verbringen. Doch in Sachen Pfandautomat versagt er. Im Grunde ist die Nummer, dass wir recyclen, ja okay, aber ich würde sagen, wenn Trittin mal in hoffentlich erst sehr langer Zeit das Zeitliche segnen wird, beerdigen wir ihn in einem Pfandautomaten. Ich tue mich noch immer schwer, Dosen da reinzuschieben. Das fühlt sich falsch an.

Es ist natürlich selektive Wahrnehmung, wenn ich feststelle, dass jedes Mal, wenn ich mit zwei Jutebeuteln gefüllt mit Leergut in meinem „Kaiser’s“ ankomme, ich bereits beim Reinschieben der ersten Flasche in den Automaten mit einem Signalton konfrontiert werde, der an den Gewinn des Zonks erinnert. Ein Lämpchen am Automaten leuchtet rot auf und ich werde gebeten, nach Personal zu rufen.

Als ich mich heute dem Automaten nähere, kommt von links ein Kunde, der ebenfalls mit Leergut bepackt ist. Da er weniger hat, versuche ich erst gar nicht, schneller als er am Automaten zu sein, denn ich bin heute wahnsinnig entspannt – ich hab die Zeit. Bei der ersten Flasche, die er in die Kloake einführt, kommt der Zonk und es leuchtet rot auf. Wir gucken uns genervt an. In solchen Situationen ist man umgehend Bruder im Geiste, man sitzt ja im selben Boot.

Nach dem dritten Klingeln kommt eine Auszubildende, die sich das falsche Unternehmen ausgesucht hat angesichts der „Kaiser’s Tengelmann“-Krise. Sie strahlt etwas aus. Nämlich dass sie diesen Automaten noch nie geleert hat.

„Ich hab das noch nie gemacht, tut mir leid!“, erklärt sie uns ihr Achselzucken.

„Ich hab schon hundertmal zugesehen. Ich weiß inzwischen, wie es geht!“, sage ich und tatsächlich habe ich diese Dinger während meiner Studienzeit im Nebenjob regelmäßig geleert. Nichts aber hassen Angestellte so sehr wie solche Kunden, die glauben, kompetenter als sie zu sein:

„Ne, ich hole mal meine Kollegin“, wiegelt sie zurecht ab.

Ich beschließe, derweil meinen Einkauf fortzusetzen, was ich für kluges Zeitmanagement halte. Neben meinem Leergut habe ich nun einen Sack Kartoffeln im Einkaufswagen, alles, was ich an sich brauche, und kehre zum Automaten zurück, wo inzwischen zwei Kaiser’s-Mitarbeiterinnen die monumentalen Tüten unterhalb des Automatens auswechseln. Es stinkt. Es ist der Geruch des Sabbers der Menschen konzentriert in riesigen Tüten, der sich Bahn bricht.

Der Automat ist wieder einsatzbereit, mein Bruder im Geiste schiebt seine restlichen Flaschen hinein, erdrückt sich den Pfandbon und setzt seinen Einkauf fort. Ich bin an der Reihe und meine erste Flasche verhakt sich innerhalb des Automatens. Das Zonk-Geräusch ertönt, im Display der Maschine steht „Bitte wenden Sie sich an unser Personal“. Hinter mir steht inzwischen eine ältere Dame, die bewusst nicht damit hinter dem Berg hält, dass sie ungeduldig ist. Sie blickt mich vorwurfsvoll an und sagt:

„Mit dem Flaschenboden zuerst rein! Steht doch da!“

„Das ist sehr freundlich, dass Sie mir helfen, aber genau so habe ich es ja gemacht“, erkläre ich mit der Gelassenheit eines Bloggers, der mit ganzen Artikeln auf ihm unliebsame Kommentare reagiert.

„Dann würde es ja wohl jetzt nicht eine Störung geben“, sagt sie, „und Dosen gehören da schon mal gar nicht rein!“

„Doch. Darum heißt es ja ‚Dosenpfand‘.“

„Mein Mann hat noch nie eine Bierdose zum Pfand gegeben.“

„Ich kann Ihren Mann gut verstehen, aber ich kriege Ärger von meiner Mitbewohnerin, wenn ich die Dosen in den Hausmüll werfe.“

„Aber da gehören sie doch hin.“

„Nein. Da ist Pfand drauf. Zehn Mark“, sage ich inzwischen angepisst und zeige ihr das Pfandsymbol auf der Dose, um dann festzustellen, dass keines drauf ist.

„Ich sehe nichts“, erklärt sie.

„Gut. Diese Dose ist jetzt ein schlechtes Beispiel“, resigniere ich. Es ist eine Dose aus einem Getränkeautomaten. Aus Hürth. Da ist kein Pfand drauf. Ob es diese Getränkeautomaten überhaupt noch geben darf, weiß ich nicht, aber es ist, wie es ist, und die Dame fühlt sich bestätigt. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich greife in einen nahe stehenden „Aufsteller“ zu dem Getränk „Monster“, einem Energiegetränk mit viel Energie, und zeige ihr das Pfandsymbol.

„Da!“

„Ja, das trinkt mein Mann ja auch nicht. Der trinkt nur Bier.“

„Da ist aber auch Pfand drauf. Aber was soll’s. Sie haben Recht“, kapituliere ich, da ich meine Unart kenne, mitunter rechthaberisch zu sein. Obwohl ich in diesem Fall ja nun einmal Recht hatte. Was diskutiere ich überhaupt?!

Die Auszubildende kommt. Sie will schon mit den Achseln zucken, da sage ich:

„Ich weiß, dass Sie das können! Ich hab’s eben gesehen.“

Sie greift in die Kloake und schiebt die verklemmte Flasche an. Der Automat gibt abermals das Zonk-Geräusch von sich.

„Das klingt nicht gut!“, sagt sie.

„Ja, ungünstig. Wie sieht Ihr weiteres Vorgehen aus?“

„Ich hole mal eben meine Kollegin.“

Die ältere Dame hinter mir verzieht zum wiederholten Male ihre Mundwinkel. Ich:

„Ja, das ist ja nun nicht meine Schuld. Da klemmt was. Und zwar mit dem Flaschenboden voraus. Man kann es sehen. Ich bade in Unschuld.“

Die Trümmerfrau zieht von dannen, vermutlich hatte sie wie ich die tolle Idee, den Einkauf fortzusetzen, bis sich die Lage an der Front beruhigt hat.

Die zwei Mitarbeiterinnen kommen zurück. Sie sind ein eingespieltes Team. Nun greift die Erfahrenere von beiden in die Kloake und sagt:

„Der Trick ist, dass du, wenn du, also wenn ich jetzt hier an den Flaschenhals, du musst eben, na du schiebst es halt, du musst mit Gewalt … oder du ziehst von unten.“

Das rote Licht wird wieder grün und ich kann meine restlichen Flaschen entsorgen.

Auf dem Weg zur Kasse treffe ich auf jene Seniorin, die mich keines Blickes würdigt, obwohl wir ja schon zusammen debattiert haben. Ich sage im Vorbeigehen:

„Flutscht wieder.“

Während ich an der Kasse stehe – und ich lüge hier nicht aus dramaturgischen Gründen, sondern gar nicht – ertönt von hinten das Zonk-Geräusch. Und ich bin geneigt zu sagen

„Mit dem Flaschenboden zuerst!“


So, jetzt Kartoffeln schälen. Live auf meiner Facebook-Seite!
Gerne verweise ich auf meinen zweiten Blog,
die Laufeinheit!

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17 Kommentare

  1. Örks, mir wird gerade ganz flau im Magen. Die Beschreibung des Sabbers der Anderen führt dazu, dass sich bei mir sofort ein Würgereflex einstellt! Ich kann’s förmlich sehen und riechen! Du hast mich damit voll erwischt, also alles richtig gemacht! Ich geh‘ jetzt die die Porzellanschüssel anbrüllen! Danke!

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  2. Allerliebster Gentrifigurativ! Sehr danke ich Dir, denn Deine Worte erlösen mich von einem lange schwärenden, soziomedialpolitischen Trauma, ganz so wie eine antike Tragödie dem Zuschauer zur erlösenden Katharsis verhilft. Denn meine jugendlichen Augen und Ohren wurden dereinst vom Telegucker mit dem selbstzufriedenen Abbild des Trittin belästigt, welcher da verkündete, Pflaschenfant und Mülltrennung seien technisch überflüssig, die entsprechenden gesetzlich vorgeschrieben Einrichtung würden jedoch beibehalten, um das Bewußtsein der Menschen zu verändern. Sehr erzürnt war ich, glaubte der Weise wolle sein LSD für sich behalten und den Untertanen sich am Pflaschenfant bewußtseinsverändern lassen. Allein, Dein kunstsinniges und vertracktes Drama heute verdeutlicht mir mit bewundernswerter Klarheit: Wir müssen uns den fantpflaschenbeladenen Supermarktkunden als glücklichen Menschen vorstellen! (Im Gegensatz zum Flaschensammelnden Rentner, der es tut, weil er’s muß und nicht weil er darf.)
    Kulturinteressierte Grüße
    Deine Alice Wunder

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  3. He he ich glaub ich hätts gerufen 🙂
    Aber eigentlich wollte ich nur kommentieren – allerdings mal wieder nicht „da oben“ – weil ich nach wie vor nicht viel Lust auf Diskutieren habe … Ich wundere mich wie man sich über etwas wundern (um nicht ärgern zu sagen) kann und es dann trotzdem liest und mit verworenen Kommentaren …. kommentiert (?) …

    Gefällt 3 Personen

  4. ich hab ,da mittlerweile selbst „ältere Dame“, das Problem eleganter gelöst : da Kinder pfiffiger sind als wir delegiere ich das Einlösen der Pfandflaschen auf meine Enkel …( 11 J. und 12 J.) die bekommen von mir 50 Cent und freuen sich wie Schneekönige wenn sie mein Leergut entsorgen können ….. und Alice Wunder , glaub mir nicht jeder Rentner „muss“ Flaschen sammeln , ich kenne einige persönlich die machen dass damit die * Asozialen* ( Obdachlose z.B. ) sich keinen Schnappes davon kaufen können ….
    schönen Abend noch wünscht die wolfskatze 🙂

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  5. Klasse. Nicht nur ein typisches Problem bei ALDI, sondern auch bei LIDL und REWE, Kaufland – wobei es bei REWE immer (aus meinen Erfahrungsschatz) die größere „Zonkquote“ gibt. Dann die Schlange der genervten Abgeber vor und hinter Einen… Sehr viele Leute dabei, die „so reich“ sind, um ihren Einkauf ausschließlich durch Pfandguthaben zu tätigen (kenne ich von mir selber auch aus früheren Zeiten). Wirklich – treffender kann man es nicht beschreiben!

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  6. Man könnte ja mal eine wissenschaftlich hinterlegte Qute aufstellen in welcher Food-Kette es öfters zum „Zonk“ kommt.
    Ich persönlich halte schon den Erwerb von dieser Art an Pfandgut für fragwürdig. Ist doch bloß wieder Augenwischerrei, wo sich Leute daran verdienen, mit Müll Geld zu machen. Ich sage nur „die gute alte und vor allem bewährte Pfandflasche“.

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  7. Jedesmal wenn ich vor dem Ding stehe, sage ich ganz laut: „Ich habe den Trittin nicht gewählt.“ Und dann habe ich seine seltsame Stimme im Ohr. Und dann bin ich kurz ganz deprimiert, weil die Gesetzesvorlage ja schon von der damaligen Vorgängerregierung erarbeitet wurde. Aber irgendwie tut es dem liberalen Herzen besser, auf Herrn Trittin den ganzen Zonkkloakenfrust abzuladen.

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