BONUS zum 600. Artikel: Welttournee mit Klampfe (bislang unveröffentlicht)

Da das große Comeback von Jost Klampf kurz bevorsteht, wird dieser am 25. September 2015 verfasste Artikel, vom Leser verschmäht, als Bonus zum 600. Text des seppologs heute noch einmal – nur für kurze Zeit! – veröffentlicht!


Großer Andrang gestern am Düsseldorfer Flughafen: Schlagerrakete Jost Klampf ist zurück in Deutschland. Ich erzähle hier nichts Neues, wenn ich sage, dass der Leipziger Schlagergott und Mauerflüchtling ein Mega-Comeback hingelegt hat, von dem allerdings kaum niemand Notiz genommen hat. Ich hatte gestern Abend am Flughafen Gelegenheit, mit Klampf über seine Welttournee zu sprechen.

seppolog: Jost, für diejenigen, für die wenigen!, die Dich und Deine tragische Geschichte noch nicht kennen: Du bist einer von vielen Mauer-Flüchtlingen, die auf ihrem Weg in die Freiheit fast ihr Leben gelassen hätten.

Klampf: Ganz richtig. Im Oktober 1989 bin ich über die Mauer geflohen, da das SED-Regime Probleme mit meinen regierungskritischen Song-Texten hatte. Dabei wurde natürlich auf mich geschossen und nur meine Gitarre, die ich immer bei mir trug, fing die Kugel ab. In dem Zusammenhang ist es mir übrigens völlig unverständlich, dass sich heute allen Ernstes Menschen die DDR zurückwünschen. Da ist offenbar viel Dummheit im Spiel.

Hattest Du eigentlich schon immer diesen tollen Bart?

Ja. Als Schlagersänger brauchst Du so etwas wie ein Markenzeichen. Das ist bei mir die Gesichtsbehaarung. Deine Freundin findet den übrigens sehr toll!

Mitbewohnerin.

Und seit ich im Westen an alte Erfolge anknüpfe, kommt dank mir der Vollbart vorwiegend beim Mann ja wieder in Mode. Ein tolles Gefühl, mit einer zweiten Karriere noch Idol sein zu können.

Wir wollen gar nicht mehr groß darüber reden, welche Rolle heutzutage der Schlager noch oder wieder spielt, da ist alles gesagt, zumal die Neuauflage des Musikantenstadls, die „Stadlshow“ ja sensationell erfolgreich gestartet ist.

Ähnlich erfolgreich wie meine Welttournee. Ich bin gerade in kommunistischen Ländern und solchen, die es mal waren und bald unter Umständen wieder werden, sehr erfolgreich. In Nord-Korea werde ich verehrt, allerdings wollte Kim Jong un mich kurz vor Abreise hinrichten lassen, weil ich an seiner Unterwäsche geschnüffelt hatte. Aber das bitte nicht veröffentlichen.

In einem Deiner neueren Hits – „Kopfschuss“ – heißt es „Wer treffen will, muss zielen / Ein Ding der Unmöglichkeit bei Schielen“. Was soll uns das sagen?

Wenn Du wie ich komponierst, geht es immer um eine Sache: ums Reimen. Alte Schlagerweisheit: Reimen vor Inhalt. Was ich mit dem Lied ausdrücken will, ist völlig zweitrangig, zumal das ideale Publikum ein betrunkenes Publikum ist. Was in Nord-Korea übrigens nicht einfach war.

Lass uns über den privaten Jost sprechen. Es ist kein Geheimnis, dass wir uns sehr gut kennen. 1999 trafen wir uns das erste Mal auf meiner Abitur-Fahrt in Lloret de Mar. Du warst, ich kann das ganz deutlich sagen, damals ein Niemand, eine arme Sau. Du konntest an Deine Erfolge aus „Ein Kessel Buntes“, einer tollen Zonen-Fernsehshow, nicht anknüpfen.

Ich erinnere mich gut. Du warst damals, wie es sich für eine Abifahrt gehört, fünf Tage am Stück randvoll und sahst nebenbei erwähnt auch so aus. Und jeder aus Eurer Stufe schlief mit jedem.

Das stimmt nicht ganz, denn mit mir schlief leider niemand. Nicht einmal der schwule Thomas.

Der wiederum nicht die Finger von mir lassen konnte. Ich hatte damals meine Klampfe dabei …

Das muss man kurz erklären: Du hast eigentlich nach Deiner Mauerflucht die Gitarre nicht mehr angefasst wegen eines Traumas, nachdem die Gitarre die Kugel abfing, die für Dich bestimmt war. Die „Bravo“ schrieb damals: „Mauerschützen wollten Gitarre treffen, nicht Klampf!“

Ja, angeblich, weil sie meine Musik hassten. Ich bin mir sicher, die Kugel war für mich bestimmt. Ich habe danach die Gitarre nicht mehr angefasst, bis ein Therapeut mir dabei half, mich dem Instrument wieder anzunähern. Das ging im Sommer ’99 gut – ich schrieb damals auch „Summer of ’99“, was ein Mega-Flop war, dann aber erfolgreich gecovert wurde, aber in Nord-Korea gut ankam -, aber als ein betrunkener Tourist mit einer Bierflasche nach mir warf, fing die Gitarre die Flasche noch gerade so ab, sonst hätte sie meinen Kopf getroffen. Allerdings löste das das alte Trauma wieder aus.

Zurück zu unserem Zusammentreffen. Ich saß damals gnadenlos verkatert vor einer Palette Paderborner Pilsener in Dosen und wurde von Mitschülern gezwungen weiterzutrinken.

Dann kam ich rein mit meinen abgewrackten Freunden, die ich unterwegs kennengelernt hatte, später meine Band, wollte Euch was vorspielen und Du schriest: „In meinem Zimmer wird nicht geklampft!“

Ja. Zurecht auch, ich stehe da nach wie vor zu, weil ich es absolut hasse, wenn plötzlich Leute an zum Beispiel einem Lagerfeuer meinen, ihre Gitarre rausholen zu müssen, um zu klampfen.

Manche Menschen finden das sehr romantisch. Hast Du Angst vor Deinen Gefühlen?

Ich geb‘ Dir gleich Gefühle.

Außerdem war in Deinem Hotelzimmer kein Lagerfeuer. Jedenfalls hattest Du derart laut geschrien, dass ich samt Gitarre den Raum verließ.

Mitsamt den Mitschülerinnen, die natürlich den Gitarrenspieler aus dem Osten ganz toll fanden.

Ja. Als Schlagergott hat man es leicht bei den Frauen. Du ja nicht, scheint Dein ewiges Trauma zu sein.

Jedem sein Trauma. Kann ja nicht jeder von einem Mauerschützen verfehlt werden. Und schon gar nicht so kurz vor der Maueröffnung! Und abgesehen davon hast Du oder hat Deine Band die Mädels aus meiner Stufe ganz schön verarscht. Irgendwann wart Ihr weg und wie der Zufall es wollte, fehlten einigen EC-Karten und Reiseschecks! Ihr hattet uns bestohlen!

Ja. Aber auch das ist doch romantisch. Eine Musik-Kombo, die von Land zu Land zieht und dabei Touris bestiehlt. Irgendwie mussten wir uns ja durchschlagen.

Ich muss ja sagen, ich war etwas schadenfroh. Der tolle Gitarrenmann, den sie alle anhimmeln, beklaut sie! Fand ich groß. Noch größer, dass man seine PIN auf die EC-Karten schreibt. Sprechen wir aber über Deine Welttournee. Wie viele Konzerte in wie vielen Staaten?

Zwei Konzerte in drei Staaten. Das tollste Erlebnis hatte ich in der Mongolei. Nicht ein Zuschauer.

Und Du hast dennoch gespielt?

Musikerehre. Ist das Publikum noch so überschaubar, Du musst für die wenigen spielen, die da sind, denn sie erwarten es von Dir.

Auf Deiner Facebook-Seite hast Du ja viel bis gar nicht über Deine Tournee geschrieben und Deine 26 Follower auf dem Laufenden gehalten. Beispielsweise über Deine neue Liebe.

Ja, Ojuna, mein Herz. Es ist wirklich ein Wahnsinnszufall! Da treffe ich eine der wenigen, die zum einen unter allen Umständen in den Westen wollen – auch die Mongolei ist inzwischen demokratisch – und sich zusätzlich noch in mich verlieben!

Sprecht Ihr eine gemeinsame Sprache?

Natürlich. Chalcha-Mongolisch. Ich kann da den ein oder anderen Satz. Oder Worte vielmehr. „Ya“ bedeutet soviel wie „nein“ und „nayn“ bedeutet „ja“. Da kommt man oft durcheinander.

Greift man dann eher auf Nicken und Kopfschütteln zurück?

Ja. Um Missverständnisse zu vermeiden. Allerdings bedeutet dort Nicken „nein“ und Kopfschütteln heißt soviel wie „Schau mal dahinten, da braut sich ein Unwetter zusammen“. Ich hab‘ mal bei strahlendem Sonnenschein meinen Kopf geschüttelt, weil sie fragte, ob ich noch alle Latten am Zaun hätte („Haboda Latto crano Cauni?“) und sie rannte los und holte Regenschirme und Blitzableiter („Plicco-Apleyti“).

Wollen dort viele Frauen in wohlhabendere Länder?

Ein Drittel der drei Millionen Einwohner lebt noch in Armut. Wenn man sie als Deutscher fragt „Wollt ihr mitkommen“, erntet man stets ein „Ya“. Man weiß dann aber nie, meinen sie das mongolische „Nein“ oder meinen sie das deutsche „Ja“. Man dreht sich dann am besten um und geht. Bei mir und Arbesa war es aber Liebe auf den ersten Blick.

Hieß sie nicht „Ojuna“?

Achso. Ja, also ich nahm zwei mit, da ich sicher gehen wollte, dass nicht eine von beiden „Ya“ statt „Ja“ sagte. Es ist kompliziert. Die Liebe ist nicht einfach. Inzwischen weiß ich, dass Arbesa „Ya“ sagte, also gar nicht mitkommen wollte. Was auch die Kreischerei am Flughafen erklärte, die die Zöllner aus dem Koffer vernahmen. Ich hatte es missgedeutet, denn Kreischen kann in der Mongolei auch Ausdruck von Begeisterung sein. Wir leben jedenfalls nun zu viert in einer Kommune und sind glücklich.

Zu viert?!

Ja, denn Inara, die Schwester von Ojuna wollte mitommen. Es sei denn, sie meinte „Ya“.

Du hast aus Deiner eigenen Vergangenheit gelernt, merke ich, Du verstehst den Drang nach Freiheit. Jost, ich wünsche Dir alles gute für Deine Karriere auch in Deutschland, vielleicht sehen wir Dich bald wieder im Fernsehen!

Ich hab zu danken. Ich muss noch meinen Koffer holen. Sonst wird Inara unruhig.

11 Kommentare

  1. hahaha … das ist schräg … Jost Klampf, auch Schlageschatzi genannt, braucht in Sachen Blayback-Singsang noch Unterricht. Das mit dem Tanzen ist auch Verbesserungswürdig und ausbaufähig.
    Ansonsten würde ich einen Zahnarzt … am besten gleich Kieferorthopäden, empfehlen.

    Weiter so, Seppo. Dann klappt es auch blad mit der Künstlerkarriere als Schlagerfutzi – ohne Klampfe.

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