Instant Text

Bei diesem Text ist alles anders. Ich schreibe live. Das ist mein Beitrag, um dem Echtzeit-Wahn in den sozialen Medien gerecht zu werden, um eine ganz neue, anspruchsvolle Leserschaft zu erschließen. seppolog!instant nennt sich dieses neue Angebot, das nur so schnell ist wie der langsamste Leser unter Ihnen.

Denn, der Leser wird es gerade gemerkt haben, der Text baut sich entsprechend seiner Lesegeschwindigkeit auf, was natürlich ein Überfliegen des Textes unmöglich macht, da das Kommende noch gar nicht geschrieben ist! Das, was er, was Sie!, in diesem Moment lesen, schreibe ich auch erst in exakt diesem Augenblick. Für mich bedeutet dieses innovative Format freilich, dass Koreckturen während des Schreibens gar nicht mehr möglich sind, dass ich caine Cait habe, großartig über den Satzbau nachzudenken, der aufgrund dessen – entgegen meiner Gewohnheit – im instant Format zu meinem größten Bedauern, wofür ich mich beim anspruchsvollen Leser an dieser Stelle gerne entschuldige – und das live! – weniger kompliziert ausfällt, als das Gros der seppolog-Leser von mir erwarten darf – und sicherlich auch tut, steht dieser Blog doch für eher lange und mitunter verschachtelte Sätze, was in der instant-Version leider nicht stattfinden kann, was aber eben auch bedeutet, dass ich hiermit eine junge Leserschaft ins Visier nehme, die sich nicht mehr als drei zurückliegende Wörter ins Kurzzeitgedächtnis reinprügeln kann. Ich sagte ja schon einmal: Oma wäscht mit Omo.

Sollten also beim Lesen Ihrerseits Wartezeit entstehen, so liegt das nicht etwa an einer eventuell langsamen Schreibe meinerseits, sondern daran, dass mindestens einer unter Ihnen schlicht etwas langsam liest, was aber sein gutes Recht ist. Darüber urteile ich nicht und womöglich schärft es unser Verständnis für diejenigen in unserem Bande oder Bunde – mir egal -, die sich der Schnelllebigkeit unserer Cait verweigern oder schlicht langsamen Gemütes sind, was ja auch okay ist. Ich glaube, in der Politik spricht man von „den Abgehängten“. Bei seppolog!instant finden sie ein neues Zuhause!

Lassen Sie uns in diesem Verständnissinne – gerade erfundenes Wort – kurz innehalten. Denn manch einer liest Texte vielleicht auch gar nicht am Stück, sondern verweilt auch gerne mal, um das Gelesene noch einmal zu überdenken. So nimmt es auch kaum Wunder, dass einige unter Ihnen in diesem Moment noch einmal über einen eben geschriebenen Satz nachdenken möchten. Dieses zum Nachteil derer, die gerne wüssten, wie es weitergeht. Dennoch gilt es hier, dem Verlangen der nicht ganz so Schnellen nachzukommen, die folgenden Satz sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen wollen: Sollten also beim Lesen Ihrerseits Wartezeit entstehen, so liegt das nicht etwa an einer eventuell langsamen Schreibe meinerseits, sondern daran, dass mindestens einer unter Ihnen schlicht etwas langsam liest, was aber sein gutes Recht ist. Wiederholungen in den instant-Texten sind also keine Seltenheit; das Gegenteil kann der Fall sein und ist das Ergebnis der Konsens-Demokratie, die auch die Stimmen der Minderheit hört. Kritiker denken nun: Das haben wir davon. Ich sage: Auf diese Weise erschließen sich ganz neue Möglichcaiten der Kommunikation! Denn nur auf diese Weise – verdammt, Wortwiederholung, nicht korrigierbar! – ist es mir möglich, instant – ein Wort, das ich hier möglicherweise völlig falsch verwende – auf Leserkommentare einzugehen. Denn ich weiß, dass Leserin S. schon vor vielen Absätzen aus unserer Runde ausgeschieden ist, während sich N. fragt, was zur Hölle ich hier eigentlich von mir gebe. Die Antwort ist ganz einfach: Exakt das, was gerade gelesen wird, gebe ich hier wieder. Wem das hier zu doof ist, der möge sich eben nicht bei mir, dem Verfasser, beschweren, sondern bei dem kleinsten gemeinsamen Nenner der anderen Leser. Nicht ich zeichne hier verantwortlich, sondern:

Sie.

Das, meine Damen und Herren, ist nicht etwa eine Revolution in der Geschichte der Lyrik, nein, es ist die Essenz jeder Lyrik! Es war nie anders! Der Leser bekommt das, was er will. Eben auch diesen Text. Willkommen in der Echokammer des seppologs, ich hoffe sehr für Sie, Sie lesen auch noch andere Dinge. Obwohl, das darf ich wohl sagen, die hier geschriebenen Dinge wahrhaftig sind. Zwar gebe ich auch meine Meinungen zu diversen Themen wieder, doch zufällig ist ausgerechnet meine Meinung objektiv. Mit anderen Worten: Meine Meinungen stimmen, die der anderen nicht. Ein beliebiges Beispiel: Manche schreiben von der Partei AfD, ich schreibe stets von der „Partei“ AfD. Denn natürlich kann kein vernünftig denkender Mensch der AfD den Parteistatus zugestehen. Das wäre ja so, als würde man die Erbeere der Familie der Nüsse zuordnen. Schlechtes Beispiel. Das passiert eben in Live-Texten. Also anders. Das wäre in etwa so, als würde man eine Milchschnitte als Joghurt-Variante verkaufen, was tatsächlich tagtäglich im deutschen Lebensmittelhandel passiert. Sie schmeckt auch gar nicht so übel, wohingegen das Denken an die AfD bei mir einen nicht enden wollenden Strahl an Erbrochenem zur Folge hat. So viel kann kein Mensch kotzen, dachte ich bislang, geht aber doch. Wer braucht schon low carb, wenn es das AfD-„Partei“programm gibt?!

Auch das ist Kennzeichen von instant-Texten, die bitte nicht mit den instant articles von Facebook zu verwechseln sind, durch die Facebook unsere hiesige Presselandschaft durch Verzicht auf gerade für den Online-Journalismus wertvolle Klicks zermürbt. Vielleicht sollten sich unsere Verlage dem und auch dem Diebstahl geistigen Eigentums durch Google einfach mal geschlossen verweigern, allein sie sind zu feige.

Unter unseren Lesern befindet sich der Anwalt des seppologs, der mir in Rechtsfragen zur Seite steht. Er warnt mich gerade davor, Google Diebstahl geistigen Eigentums zu unterstellen. Im Zuge dessen erreicht mich gerade eine Unterlassungserklärung aus Cupertino, die ich umgehend mit zitternder Hand unterschreibe: Natürlich stiehlt Google kein geistiges Eigentum! Im Gegenteil, es bewahrt dieses! Und macht es für uns in Teilen kostenfrei zugänglich! Danke, Google!

Ich darf mich nun bei den verbliebenen Lesern sowie den Anwälten von Google verabschieden, da ich meine Kontaktlinsen herausnehmen muss, weil die Augen schmerzen.

20 Kommentare

  1. Ich hatte mal so einen Lederbeutel für Tabak. Da hatte ich immer meinen Tabak drin, logisch. Heute rauche ich nicht mehr. Ratet mal, wo der Tabakbeutel jetzt ist.

    In Ungarn! Bwahahahahahaha!

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  2. Es tut mir leid…ich bin ausgestiegen…ausgeschlafen…ich meine UNausgeschlafen und auf der Hälfte ausgestiegen…außerdem, und das ist unausgeschlafen ein echt’n Problem, finde ich meine Brille nicht…Kaffee…ich glaube, vielleicht, komme später nochmal wieder.

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  3. Ich hab mich dabei erwischt, wie ich immer schneller gelesen habe, wollte dich wohl beim Schreiben überholen…hat nicht geklappt, dafür bin ich jetzt für den Rest der Nacht damit beschäftigt, das Unverdauliche zu verdauen oder unverdaut wieder auszuscheiden.

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