Ein Topf für ein Bio-Huhn II

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„Zwischen den Jahren“ empfehle ich meiner Mitbewohnerin und noch mehr mir, „shoppen“ zu gehen. Wegen „Sale“. Haha, „Sale“. Ihr Spackos. „WSV“ heißt das. Dank eines ausgeklügelten Einkaufsplanes sollte der Einkauf nicht mehr als eine Stunde dauern und sich ausschließlich im „Kaufhof“ abspielen, Parken auf dessen Dach eingeschlossen. Und so wollten wir uns von oben nach unten durcharbeiten, wobei der Kauf eines Bio-Huhns sowie der eines Hantelsets ganz oben auf der Liste stand.

In weniger als einer Stunde. So, wie Männer eben einkaufen. Männer können sowas. Weil sie rational und logisch denken. Und wissen, was sie wollen.

Doch es sollte anders kommen. Der Suppenhuhn-Saga zweiter Teil. Hier geht es zum ersten Teil, an den wir nahtlos ansetzen.

Wir stellen also wie orientierungslose Idioten fest, dass es jenen Tunnel so nicht gibt, sodass wir wider Erwarten das Gebäude verlassen und ins Freie müssen. Hier stelle ich zum ersten Mal fest, dass der entspannte, einstündige Einkauf zu einem weniger entspannten, zweistüdingen werden würde. Denn wie würde das weitere Vorgehen nun aussehen? Erst das Hantelset kaufen, das rund 20 Kilo wiegen würde? Das anschließend wieder zum Auto bringen, um dann wieder zurück durch den nicht vorhandenen Tunnel in die Karstadt-Lebensmittelabteilung? Das scheinen mir zu weite Wege zu sein, sodass ich exklamiere:

„Wir kaufen erst das Hantelset und gehen dann zügig das Bio-Huhn bei Karstadt kaufen!“ Ein Mann, eine Idee! Darum sind es Männer, die die Welt ins Unglück führen.

„Du willst die Hanteln die ganze Zeit mit dir rumschleppen?!“, ungläubig meine Mitbewohnerin.

„Du schleppst ja auch ‚Suppentopf Casa‘ mit dir rum! Außerdem kann der Kauf eines Suppenhuhns so lange ja nicht dauern. Und gerade Hanteln kauft man ja gerade wegen des Gewichts.“

Logisch, rational und gut durchdacht. Einkaufen mit mir – ein Kinderspiel. Wir also raus aus Kaufhof und rein in „Karstadt Sport“, das sich im selben Gebäude, also gegenüber Karstadts befindet. Das ist so in Düsseldorf, das gilt es, nicht zu hinterfragen. Zielstrebig ins Untergeschoss, wo die Produkte für muskulöse Männer wie mich liegen. Astralkörper tummeln sich also im Keller, ich hebe mich nur leicht davon ab. Nach unten allerdings.

Kurzer Blick ins Angebot genügt, Entscheidung zügig getroffen, wie Männer das so tun, sodass ein Handlanger von uns angesprochen die Waren in Tüten verpackt. Hantelscheiben und Pastiktüten fügen sich den Naturgesetzen, sodass die Plastiktüte durch eine weitere Plastiktüte ergänzt wurde, damit sie nicht reißt. „Unsere Tüten halten das aus!“, sagt der Verkäufer und ich pariere:

„An den Plastiktüten kann es also nicht liegen.“

Er versteht nicht und ich bereue meinen Spruch auch bereits.

„Dass Karstadt zugrunde geht.“

Das will er aus gutem Grund nicht hören, drückt mir die 15 Kilo-Tüte in die eine und die 5 Kilo-Hantelstange in die andere Hand. In diesem Moment realisiere ich, dass aus dem wenig entspannten, zweistündigen Einkauf ein unentspannter, dreistündiger Einkauf würde.

Ich zu meiner Mitbewohnerin, die den „Suppentopf Casa“ nicht ohne Stolz trägt: „Ich kann damit nur zeitlich begrenzt einkaufen gehen. Wir müssen zügig das Bio-Huhn finden. Die Tüten sind doch recht schwergewichtig.“

Nun kommt wieder der Tunnel ins Spiel. Denn der verbindet nun tatsächlich „Karstadt Sport“ mit Karstadt. Und siehe da, sofort finden wir uns in der Lebensmittelabteilung wieder. Und siehe da, ich verliere sofort meine Mitbewohnerin, da ich offenbar in die Spielwaren-Abteilung abgedriftet bin, die sich direkt neben der Lebensmittelabteilung befindet. Ich suche Spuren meiner Kindheit. Aber ich finde das „Quizduell“ als Brettspiel und denke voller Zorn an jene „Hermine“, die derzeit wirklich jede „Quizduell“-Runde in der App-Variante gegen mich gewinnt. Inzwischen weiß ich, dass „Hermine“ 33 Jahre alt ist und von Rheinland-Pfalz aus spielt. Und ihren Spitznamen nicht ohne Grund trägt. Die Spielrunden gegen sie deprimieren mich so sehr, dass ich schon in Betracht ziehe, sie beim Spielen zu betrügen. Ich habe nicht den Hauch einer Chance gegen sie, ich bin der Frau nicht gewachsen und überlege, künftig nur noch gegen Lara zu spielen, eine Freundin von mir, deren Allgemeinwissen meinem nicht gewachsen ist. Derzeit habe ich noch eine Partie offen, bei der ich jetzt bereits feststellen kann, dass ich auf dem besten Wege bin, haushoch zu verlieren. Ohne die nette Chat-Funktion hätte ich die Sache schon beendet und mir einen weniger cleveren Spiel-Partner gesucht.

Ich versuche, meine Mitbewohnerin telefonisch zu erreichen, doch im Untergeschoss von Karstadt ist das nicht zu machen, kein Empfang. Zu allem Überfluss finde ich auch noch etwas bei den Spielwaren, das ich kaufen will, aber partout keine Kasse. „Sie müssen oben bezahlen!“, informiert mich eine gut informierte Angestellte und ich wäge ab, wie wichtig mir das zu kaufende Gut ist, um dafür die Etage zu wechseln.

Wichtig. Und oben erwartet mich eine unfassbar lange Schlange vor den Kassen und ich denke bitter an meine Mitbewohnerin, die nicht nur ein Suppenhuhn, sondern inzwischen vermutlich auch mich sucht. Eine Etage unter mir. Vielleicht direkt unter mir. Möglicherweise stehen wir in diesem Moment direkt übereinander und ahnen es nicht einmal.

Nachdem ich bezahlt habe, krieche ich mit nun mehr als 15 Kilo Gepäck zur Rolltreppe und verfluche meine Idee, das Hantelset mit zum Suppenhuhn-Erwerb zu schleppen. Zurück in der Lebensmittelabteilung stelle ich fest, dass meine Mitbewohnerin kleiner ist als die Regale. Ich sehe sie also nicht, als ich mit der Hantelstange die Fisch-Konserven umstoße. Ein Klassiker. Wer kennt nicht das Video im Netz, in dem ein hantelnder Halbstarker sein Aquarium zertrümmert? Ich mache das eben mit Konserven. Aber auch mit Fischen.

Es ist mir egal, es hat vermutlich niemand gesehen, ich suche weiter meine Mitbewohnerin. Und realisiere, wie albern es aussieht, dass ich eine Plastiktüte trage, als seien 15 Kilogramm darin. Nun, es sind ja auch 15 Kilogramm darin, aber von außen sieht es nicht so aus. Ich verharre am Thunfisch-Regal und beschließe eine Pause. In der mir etwas einfällt. Dass ich nämlich das Kalenderbuch bei Kaufhof nicht gekauft habe. Der eigentliche Grund für dieses Unterfangen, das sich so völlig meinem Plan widersetzt hat. Nicht der Plan ist schuld, das Unterfangen ist es.

Und irgendwo zwischen den Regalen, so Gott überhaupt will, verschollen meine Mitbewohnerin.

Finde ich sie an diesem Tag noch wieder? Finden wir überhaupt noch ein Bio-Suppenhuhn? Finden wir noch nach Hause? Die Suppenhuhn-Saga, sie schreit nach einem dritten Teil.


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17 Kommentare

  1. Bitte Seppo, klär das Rätsel mal auf: Was kaufen Männer in der Spielzeugabteilung ? Ich platze fast vor Neugier ! Und das ohne Casa Topf…aber mir kam die Erinnerung an eine 13stündige Fahrt in den Urlaub mit der durch eine Hantelstange und Gewichte tiefergelegte Familienkutsche…der Kerl war aber noch nicht volljährig, der die mitschleppen musste ;-)

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  2. Karstadt und Kaufhof kann ich so schon immer nicht auseinander halten. In Bremen sind die in derselben Passage und auch direkt gegenüber. Das macht es nicht besser. In D’Dorf, wo mich das Shoppen eh überfordert, ob der gigantischen Anzahl an Shoppingmöglichkeiten, setzt das allem nur noch die Krone auf.
    Ich versuche also gar nicht mehr zu verstehen, was jetzt wo ist und wie miteinander verbunden, verfolge den Rest aber akribisch und erwarte dann mal Teil 3 😋

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  3. Die Fische sind ja nun schon tot. Schlimmer wäre es gewesen, die Tüte hätte nachgegeben und die Scheibe auf deinem Zeh gelandet. Ungebremst.
    Wenn das passiert wäre, würdest du allerdings jetzt nicht so locker berichten, sondern heulen.

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  4. Wie fies, dass der „neue“ Kaufhof (so heißt bei uns zu Hause der auf der Shadowstraße) keine Lebensmittelabteilung hat. Die hat natürlich nur der „alte“ Kaufhof (an der Kö) und eben Karstadt (auf der Shadowstraße). Dieses ungeschriebene Gesetzt ist mir bislang nie bewusst geworden, ist aber Tatsache. Da musste Seppo mit seinem knallharten Enthüllungsjournalismus mir erst die Augen öffnen. ;)

    Dabei liegt es auf der Hand. Ein perfider Plan der Kaufhausmogule um die männliche Einkaufseffizienz zu torpedieren. Und was passiert dann? Arglose „Beschaffer“ (so nenne ich die Effizienzästheten unter den Konsumenten, die sich komplett von den undisziplinierten und planlosen „Shoppern“ unterscheiden) kaufen Dinge in Spielzeugabteilungen, über die sie später nicht öffentlich sprechen wollen. Und warum? Wegen kognitiver Dissonanzen? Aus Schamgefühl? Wir werden es wohl nie erfahren. :-O

    Nicht auszudenken, wozu das führen kann! Noch vor kurzem wurde Seppo von finstersten, morbiden Gedanken gepeinigt. Was wenn diese Gefühle jetzt wieder aufwallen? Schuld daran tragen auf aber allein die Kaufhausmanager, nicht der in die Irre geführte Autor dieses Artikels. Ich bin der Meinung, dagegen muss man etwas unternehmen. Und dabei tritt in diesem Artikel nur die Spitze des Eisberges zutage. Habt ihr euch schon mal gefragt, warum auf einer Seite einer Kaufhausetage beide Rolltreppen immer nur entweder nach oben, oder nach unten, also in die selbe Richtung führen? Statistisch gesehen müssen dadurch 50% aller Konsumenten den beschwerlichen und äußerst ineffizienten Weg auf die andere Seite der Kaufhausetage auf sich nehmen. Dabei laufen sie Gefahr Dinge zu kaufen, die sie eigentlich gar nicht kaufen wollten. Ein Skandal!

    Wegen der Rolltreppen werden wir sie vermutlich nicht dran kriegen können. Ich bin mir aber sicher, dass man gegen die nicht vorhandene Lebensmittelabteilung eines Vollsortimenters kartellrechtlich vorgehen kann. Was anderes sollte es denn sein als eine rechtswidrige Marktaufteilung auf Kosten argloser Konsumenten, wenn das eine Kaufhaus eine Lebensmittelabteilung hat und das andere nicht? Obwohl andere Filialen der selben Kette über eben diese Feinkosttempel verfügen? „Beschaffer“ der Republik vereinigt euch! Nieder mit der Kaufhausaristokratie!! :P

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