Ein exemplarischer Morgen II

Zum ersten Teil: 06.10 bis 09.30 Uhr.

2016-01-19-12.32.10.jpg.jpeg

10.45 Uhr

Ich trinke einen Hollunder-Ingwer-Tee. Ich behaupte ja steif, dass in diesem Tee im Grunde weder Hollunder noch Ingwer enthalten sind, lediglich künstliche Aromen. Politische Vorgaben in diesem Zusammenhang sind ein grober Witz, es braucht nur wenige Prozent an echten Inhaltsstoffen, damit der Hersteller „Hollunder-Ingwer“ darauf schreiben kann. Aber der Konsument weiß das. Man kann es überall lesen, er ist also selber Schuld. Aber Politik ist auch lasch. Nervt mich. Wir haben ein Kartellamt, das Monopole verhindern soll. Monopole sind immer schlecht, so es sich nicht um „natürliche“ handelt, wobei die auch schlecht sind. Die „Kaiser’s“-Übernahme durch „Edeka“ hat das Kartellamt zurecht untersagt. Aber unser Wirtschaftsminister erlaubt sie. Weil er als Politiker kurzsichtig denkt. Edeka-Kaiser’s bedeutet höhere Preise und weniger Auswahl. Dürfte es in einer Marktwirtschaft nicht geben. Und „Rewes“ Übernahme-Angebot wurde schlicht ignoriert. Oder „Google“: Hat Monopolstellung. Und man könnte behaupten, Google missbraucht sie. Der Konzern müsste also zerschlagen werden. Die „ProSieben“-Übernahme durch „Springer“ wurde verboten. Was im Nachhinein ein schwerer Fehler war. Aber Google und Co. lässt man unbehelligt. Das ist so klar wie ärgerlich. Zurück zum Tee: Ich brauche aber gerade lediglich etwas, das mich aufwärmt. Denn ich komme von einem Intervall-Lauf. Meinem miesesten Intervall-Lauf der vergangenen Monate. Diesen Umstand laste ich der Kälte an. Ein Intervall-Lauf besteht aus sich abwechselnden sehr schnellen und sehr langsamen Abschnitten. Wie man die taktet, ist relativ egal, ich takte sie eins zu eins. Der Trainingseffekt besteht darin, dass der Körper sich auf den schnellen Wechsel zwischen hohem und niedrigem Puls einstellt, um auf Dauer nach Anstrengung schneller in den Ruhepuls wechseln zu können, was schlicht die Ausdauer schult. Und diese Dinger machen Spaß. Ich stelle jedoch fest, dass bereits minus drei Grad einen nicht unerheblichen Einfluss auf meine Leistungsfähigkeit haben: Die schnellen Intervalle waren so schnell wie die langsamen im Sommer, ist mein Eindruck. Der Körper muss sich noch an die Temperaturen gewöhnen. Ein Tipp noch für Läufer: Das Laufen auf gefrorenem Sand (eines Spielplatzes zum Beispiel) schult ungemein die Fußmuskulatur sowie das Balance-Vermögen. Man kann sich aber auch recht schnell den Fuß brechen, da gilt es abzuwägen.

Überhaupt interessant, wie schnell sich die Hände an die Kälte gewöhnen. Bis Minute zwölf war ich der Meinung, dass Handschuhe vielleicht doch keine schlechte Idee wären. Danach jedoch sind die Hände relativ plötzlich (sofern man „plötzlich“ relativieren kann) sehr warm, während mir jedoch die Unterlippe leicht eingefroren ist, was aber kein Problem war, denn ich hatte ohnehin nichts zu sagen.

Mein frühes Aufstehen rührt vermutlich aus meiner Zivi-Zeit. Damals begann der Frühdienst um 05.30 Uhr, entsprechend früh stand ich auf. Ich fing damals auch damit an, auf das Frühstück zu verzichten, etwas, das sich bis heute gehalten hat. Ich habe schlicht keinen Hunger. Und dann können mir noch soviele Hobby-Ernährungsexperten sagen, wie wichtig das Frühstück ist. Da gibt es ’ne Menge Studien, die das beweisen möchten, aber eine Studie ist doch, auch wenn sie der Wahrheit letzter Schluss ist, kein Grund für mich, mein Verhalten zu ändern. Ich richte mein Leben nicht nach Studien aus, sondern nach mir. Das funktioniert seit 36 oder 37 Jahren und ich habe top Blutwerte. Es nervt mich geradezu, wenn mir gesagt wird: „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages“. Das sind so Weisheiten, die mich nicht tangieren. In zehn Jahren wird es eine Studie geben, die uns nahelegt, unter gar keinen Umständen zu frühstücken. Wer morgens Hunger hat, soll essen, wer nicht, darf es lassen.

Allerdings greife ich gleich zu einer Suppe. Denn ich entschlacke. Hintergrund ist eine Gewichtszunahme von fünf Kilogramm über Weihnachten. Das passiert mir jedes Jahr, soweit so normal, dieses Jahr legte ich den Grundstein bereits während meines Leistenbruches im Herbst. Konnte nur liegen, dafür aber sehr gut essen. Nun werden einige mich vor dem „Jo-Jo-Effekt“ warnen. Seit zwanzig Jahren warnt man mich davor und wenn es ihn bei mir gäbe, müsste ich bereits mehr als 100 Kilo wiegen. Dem ist nicht so, ich liege bis auf Weihnachten konstant bei 70. Magersucht wurde mir ebenfalls schon unterstellt, was ein Schlag ins Gesicht wirklich Magersuchterkrankter ist. Jemand, der Magersucht hat, wiegt nicht dauerhaft 70. Es gibt einen schönen Loriot-Sketch mit dem Zitat „Ins Essen gequatscht!“. Es wird zuviel über Essen geredet. Es wird vor allem zuviel von dem, was man so liest, unkontrolliert nachgeplapppert. Gut, dass ich gerade nicht übers Essen rede … Ich kenne jemanden, der über Jahrzehnte sich mit gesunder Ernährung seinen Darm ruiniert hat. Die Erkenntnis, dass Vollkorn nicht nur gut ist, kam für ihn zu spät.

Ah, da fällt mir eine Anekdote ein. Offenbar bat ich während des Leistenbruches um die Aufnahme in eine Facebook-Gruppe, die Leistenbruch zum Thema hat. Ich hatte das bis vergangene Woche völlig vergessen, als ich plötzlich nach Monaten aufgenommen wurde. Das erste, was ich dort las, waren Betroffenen-Berichte von Leuten, die kurz nach der OP bereits einen neuen Leistenbruch hatten. Die Rückfall-Quote bei Leistenbruch ist leider ungeheuer hoch. Auch ich weiß, er wird wiederkommen, nur möchte ich gerne, dass bis dahin noch ein paar Jahre ins Land ziehen, noch zu klar ist mir die Erinnerung an den Post-OP-Schmerz. Und was ich nun auch völlig ablehne, sind Vollnarkosen. Weil ich da absolut peinlichen Schwachsinn von mir gegeben hatte. Also habe ich die Gruppe zügigst wieder verlassen, zumal ich nach wie vor Schmerzen in der Leiste habe, die aber kein Problem darstellen. Es gibt Schlimmeres.

Ich starte nun Vorhaben Nummer 3 dieses Morgens, während mir eine Kollegin gerade schrieb, dass sie möglicherweise heute nicht kommt. Was nicht schön wäre. Kraftsport.

12.00 Uhr

Eine Leserin mutmaßt im freundlichen Ton, wie ich betonen möchte, dass ich möglicherweise unter einer Sportsucht leide. Er ist nicht nur magersüchtig, sondern auch sportsüchtig. Ich gehe fünf Mal pro Woche laufen in unterschiedlichen Tempi. Allein dieses Variieren schützt vor dem negativen Trainingseffekt. Ich mache das seit 13 Jahren. Ich habe keine Gelenk-Probleme, ein Arzt riet mir kürzlich dazu, genau so weiterzumachen. Ich glaube Ärzten nicht alles, nur das, was mir gerade entgegen kommt. Seit etwa, ich weiß nicht, vier Jahren mache ich ein lockeres Krafttraining mit Hanteln und Eigengewicht, welches ja nicht schwankt ;), dazu. Dabei ist zu beachten, dass man jeden Muskel nur jeden zweiten Tag belastet. Heute Bizeps, morgen den Antagonisten, übermorgen wieder Bizeps. Also so völlig blind mache ich das nicht, zumal ich eine gute Lehrerin habe. Mein Ziel ist nicht unbedingt der sichtbare Muskelaufbau, der gerne kommen darf und hier und da natürlich zu sehen ist, sondern, im Alter, das in einigen Jahren, so Gott will, noch fit zu sein. Ich sitze ansonsten lang genug rum den lieben langen Tag. Und klar, hier und da verhebe ich mich mal wie gestern, als ich zu Boden ging, hier und da knackst es mal, aber das passiert eben bei Sport. Ich unterhielt mich kürzlich mit einem Kollegen darüber, wie oft Leute auf einen zukommen mit schlauen Sprüchen (die ich jener Leserin hier nicht unterstelle!), wie „Sport ist Mord“. Wenn man sich diese Leute dann ansieht, fragt man sich, warum sie ernsthaft glauben, Non-Sport sei besser. Mir ist klar, wie arrogant das nun wirkt, aber es ist Arroganz, die ich mir leisten kann 😉

12.40 Uhr

Sport endgültig für heute beendet. Und habe mit freudigem Interesse die Diskussion zum ersten Teil dieses Morgens verfolgt. An mir nagt ein Rechtfertigungsdrang, wie niemandem entgangen sein dürfte. Dadurch erhalten „Vorwürfe“ natürlich mehr Gewicht und wirken dadurch umso berechtigter. Ein Dilemma, denn ungern lasse ich Falsches über mich unkommentiert, tue das aber oft genug. Natürlich ist all dieses inhaltsleichtes Geplapper. Mehr soll es gar nicht sein, dem einen gefällt, dem anderen missfällt es eben. So soll es ja sein, denn auch mir gefällt nicht alles. Hinter diesem Geplapper steckt auch wahrlich keine Mühsal, es geht leicht von der Tastatur und macht zumindest Spaß. An manchen Tagen genügt mir das völlig. An anderen denke ich schwer nach oder es kommt durch Zufall etwas Gedankenschwangeres dabei rum. Das macht es aber für mich aus. Jeden Tag dasselbe?! Klar wiederholt sich im seppolog einiges, aber es kommen ja auch täglich neue Leser dazu. Ich freue mich schon, wenn ich im Mai anfange, ein Jahr alte Themen erneut zu beschreiben. Fällt kaum einem auf! Ich erfinde die Physik ja auch nicht neu, obwohl ich an der Widerlegung der Relativitätstheorie arbeite.

13.00 Uhr

„Telefonkonferenz“ mit meinem hochgeschätzten, langjährigen Kollegen. Wir planen, was wir heute tun. Die Themenlage ist dünn, was sie aber irgendwie immer ist, also wiederholen wir heute Themen. Merkt keiner. Wenn wir es nicht permanent betonen werden, was wir tun. „Linkshändigkeit“ wird heute ein Thema, da ich einem Blog für Linkshänder folge, das unter anderem Produkte für Achtung! Linkshänder testet. Wie beispielsweise die Saucen-Kelle für Achtung! Linkshänder. Und natürlich werde ich auch wieder laut pöbelnd den Spruch „Benutz‘ die gute Hand!“ unterbringen. Manches drängt sich derart auf, dass ich es natürlich nicht lasse. Meine linke Hand ist beim Tippen zuständig für die „Shift“-Taste und gelegentlich die Leertaste. Wenn man, wie ich jetzt, beim Tippen darauf achtet, vertippt man sich zwangsläsufig. Auber, dass die linke Hand jemals die Umlaute bedient, ist sehr unwahrscheinlich. Ich glaube, die rechte ist die die Tastatur beherrschende Hand.

Das Weniger-als-zehn-Finger-Tipp-System habe ich in der Prä-Heim-PC-Ära gelernt und verfeinert. An einer uralten „Triumph“-Schreibmaschine, die noch immer bei meinen Eltern rumsteht. Darauf hat schon mein Vater diverse Anträge abgelehnt. Ich werde sie erben. Besser, ich nehme sie schon vor seinem Ableben mit. Ich muss auf Nummer sicher gehen. Ein extrem schweres Gerät, ich weiß gar nicht, wo man noch entsprechende Farbbänder bekommt, die vermutlich ganz anders heißen. Das Tippen auf dem Ding beanspruchte massive Finger-Kraft und war überaus laut. Allerdings bei Weitem nicht so laut wie mein erster Nadeldrucker.

Dieser Artikel hält mich von Vorhaben Nummer 4 ab: Das Vorbereiten der Arbeit. Ein Teil geschieht also im heimischen Büro, das ich so natürlich nicht habe. Während das seppolog meist am „Chromebook“ in der Küche Form annimmt, geschehen andere Dinge am Rechner im Wohnzimmer. Nun bin selbst ich der Meinung, dass das hier in absolut irrelevantes Geplapper ausufert, sodass ich unverzüglich dem Ganzen ein Ende


Seppo_medien_Hut NRW_FB_T

 

 

20 Kommentare

  1. Kaum auf facebook sehe ich, dass du den 2. Teil deines Vormittags ausführlich beschrieben hast. Was mir allerdings s o f o r t auffiel, Holunder schreibt man niemals nicht mit zwei „l“ – das nur mal so nebenbei und dürfte so auch nicht auf der Packung stehen. Falls du Ingwer aufgrund seiner Wirkungsweise zu dir nimmst und nicht nur aus geschmacklichen Gründen, dann solltest du morgens einfach ein Stück roh essen oder in jede Suppe raspeln. Ich esse ihn täglich klein gewürfelt auf meinem Marmeladenbrot als „Topping“ oder im Smoothie. Gute Appetit!

    Gefällt 2 Personen

  2. Genau! Man kann Ingwertee wunderbar selbst machen.

    Kein Marathon mit Seppo, nur der Weihnachtsspeck, der weg muss. Ich würde trotzdem mal bei Laufwettbewerben mitmachen, denn da kommen keine dummen Kommentare, sonderen Applaus. (Der von Dir sicher willkommengeheißen würde.)
    Und Thema für heute ist doch wohl klar: Glenn Frey. Ich hoffe, das Sterben hat jetzt erst mal wieder ein Ende!

    Gefällt 2 Personen

  3. Lieber Seppo! Ich fühl mich schon geschmeichelt, wenn ich mal ernst genommen werde. Aber Du brauchst Dich für nichts rechtfertigen. Geh ruhig mit verspanntem Rücken bei Frost den Trainingsplan abarbeiten. Da beneide ich Dich tatsächlich für Deine Disziplin. Und wir Leser profitieren nur, wenn Du dann krank im Bett liegst, dich von der Nachbarin pflegen lässt und mit schlechtem Fernsehprogramm den Tag rumbringen musst.

    Gefällt 2 Personen

  4. Ich meine mich zu erinnern, dass der morgendliche Kaffee vor wenigen Jahren noch offiziell nicht als Flüssigkeitsaufnahme gezählt wurde, weil Koffein eher entwässere. Mittlerweile ist man der Ansicht, dass Kaffee doch zur Flüssigkeitsaufnahme tauge. Studien belegen ja alles Mögliche. Ein Grund, sie gelegentlich einfach zu ignorieren.

    Oh, und auf meiner Tastatur herrscht die linke Hand. Armbanduhr rechts, stärkeres Bein ist links, stärkerer Fuß rechts. Manchmal bilde ich mir ein, dass das etwas besonderes ist. Dann sehe ich meine Handschrift und verwerfe den Gedanken.

    Gefällt 3 Personen

  5. Ich hab durchaus Inhalt drin gefunden. Gerade beim Thema Essen! Ich bin auch ein Fast-nie-Frühstücker. Irgendwann hat ein Doc mal festgestellt, dass meine Insulinproduktion erst später am Tag so richtig in die Gänge kommt. Sprich: Frühstück kann ich nicht gut verarbeiten; dass ich morgens nicht recht essen will, macht mein Körper aus gutem Grund. Daher: JA, jeder wie er will!
    Und auch ja: Zuviel Gerede über Essen. Wie hat mal einer so treffend festgestellt: Frauenzeitschriften bestehen zu 50% aus „akzeptiere Dich so wie Du bist! Du bist genau richtig! Du bist wunderschön!“ – und zu 50% aus den neuesten Diäten! -.-

    Gefällt 1 Person

Deinen Senf dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s