Unerwartungen

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Ich las vor einiger Zeit einen Artikel über die Frage, welche Rechte der Mensch eigentlich habe. Fröhlich gehen wir ja davon aus, dass wir ein naturgegebenes Recht auf alles haben, das in unserem, wie ich finde, großartigen Land so selbstverständlich ist. Der Autor, dessen Namen ich vergessen habe, gab zu bedenken, dass wir erst einmal gar keine Rechte habe. Von wem auch gegeben? Wir sind ja hier, weil sich Zellen teilen können. Alles, was dann kommt, entspringt ja unseren eigenen Regeln, keinen vorgegebenen, sieht man von den physikalischen Gesetzen einmal ab. Dennoch haben wir Erwartungen an das Leben. Wenn ich mich nun frage, welche Erwartungen ich an das Leben habe, weiß ich gar keine Antwort. Das klingt nun sehr deprimierend, aber so meine ich es gar nicht. Ich finde es eher etwas überheblich, mit Erwartungen aufzuwarten, letztlich muss man sich alles selber erarbeiten. Als Individuum und als Kollektiv. Irgendwie bin ich eher voller Unerwartungen. Ewige Gesundheit? Unerwartbar. Ich frage mich eher, wann es mich trifft. Ich gehe mitnichten davon aus, dass es so komfortabel für mich bleibt, wie es derzeit ist. Das lähmt mich keineswegs, aber ich werde nicht den Überraschten spielen, der sagt: „Warum aufgerechnet ich?“ Ja, warum denn ausgerechnet ich nicht?! Ich unerwarte also das Erwartbare und erwarte das Unerwartbare.

Menschen mit Unerwartungen kommen erwartungsvoll derzeit nach Deutschland. Es deprimiert mich, dass dieses Land die Erwartungen der von vielen Deutschen leider unerwarteten Menschen, nicht erfüllen kann.

„Die Zeit“ macht gerade mit der Frage auf, wer eigentlich die Verrückten sind: Wir Deutschen, die jeden Flucht suchenden hereinlassen „oder der Rest der Welt, der keine Flüchtlinge aufnimmt“? Die Frage bedarf keiner Antwort, die liegt auf der Hand. Und die Frage löst dieses Problem recht simpel. Natürlich müssen wir jedem Zuflucht bieten, der da kommt. Kein Platz? Albern. Platz genug. Als ob es am Platz scheitert. Ich war nie CDU- oder Merkel-Fan. Aber sie ist derzeit eine der wenigen PolitikerInnen, die auf die große Show verzichtet und sich nicht beirren lässt und möglicherweise wirklich mal einer Überzeugung folgt. Das werfen wir der Politik doch immer so gerne vor, dass sie das Parteiinteresse in den Vordergrund stellt, dass sie kurzfristig handelt. Merkel tut das gerade nicht (auch wenn sie möglicherweise in Teilen derzeit einknickt). Diese schnöde und völlig unspektakuläre Art, die sie an den Tag legt, ist in solchen leicht unruhigen Zeiten, die auch wieder vergehen, genau das Richtige. Ein Seehofer versucht wie auch Gabriel mit Populismus dem Populismus der beispielsweise unerträglichen „AfD“ zu begegnen. Das funktioniert nicht mehr. Im Gegenteil, es macht den Populismus dieser gefährlichen „AfD“-Bewegung erst salonfähig. Es gab mal Zeiten, da haben wir hier über die „Tea-Party“-Bewegung gelacht. Haben geglaubt, den Rechtsruck, den die Franzosen sich gerade eingebrockt haben, hier nicht erleben zu müssen. Mir vergeht derzeit das Lachen. Es ist mir unbegreiflich, wie man tatsächlich auf die Begrifflichkeiten der rechten Seite reinfallen kann. „Lügenpresse“. Ich kotze. Staatlich gesteuerte Presse? Lächerlich. Adenauer hat’s mit dem ZDF versucht und ist weitestgehend gescheitert.

Aus dem AfD-Milieu ist zu hören, Flüchtlingskinder in Schulen zu isolieren, da sie ein Infektionsrisiko darstellten. Öffentliche Schulen mögen doch separate Toiletten für sie einrichten (Die Zeit 5/2016). Sowas wird offen gefordert und ich höre gar keinen Aufschrei! Demnächst dürfen sie in öffentlichen Verkehrsmitteln nur hinten sitzen? „Als sei längst vergessen, dass Apartheit und die Herabwürdigung von Fremden zu Bazillenträgern typische Kennzeichen des Faschismus waren“ (ebd.). Krass. Wie kann eine solche Partei auf zweistellige Prozentwerte kommen?! Wer ist hier unverbesserlich? Der Deutsche oder der Mensch an sich, der schon immer irrational wurde, wenn er Angst vor dem Fremden bekam?

Der Ärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery betont in der „Welt“, dass die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge „übernormal gesunde Menschen“ seien und im Übrigens eine höhere Impf-Bereitschaft zeigten, als der so supi aufgeklärte Deutsche derzeit tut. Mein Gott, das sind keine Neandertaler, die hier Zuflucht suchen, das sind zivilisierte Menschen. Und das attestiere ich dieser braunen laut gröhlenden Masse so gar nicht. Warum werden immer die gehört, die am lautesten rufen?! Beobachte ich auch im Alltag. Die Lautesten haben immer Recht. Dabei lehrt die Geschichte, dass das Gegenteil der Fall ist. Las ich mal einen Artikel drüber, es ist ein psychologisches Phänomen, mensch neigt dazu, dem lautesten zu glauben, während der eher leise, der tatsächlich meist richtig liegt, sich nur schwer Gehör verschaffen kann. Der Aufgeklärte schreit nicht. Das ist irgendwo auch sein Problem. Und alles schreibt derzeit über einen möglichen Kanzler-Sturz. Ja, warum eigentlich?! Das überrumpelt mich völlig. Was hat denn Merkel getan, dass man gleich ihren Sturz herbeischreibt?! Wer schreit denn gerade? Merkel oder Seehofer?! Der Blick zurück zeigt allerdings, dass immer die Kanzler „gestürzt“ wurden, die sich beharrlich für eine Sache eingesetzt hatten. Schröder wurde nicht gestürzt, aber er stürzte über die lang verschleppte Modernisierung des Landes, die sicher hier und da etwas holperig verlief und Schicksale einforderte, die uns aber bis heute eine nicht ganz unbequeme Position ermöglicht. Während wir natürlich gerade die nächste Modernisierung verpassen.

Ich kriege das kalte Kotzen, wenn ich Bürger im Fernsehen sehe, die betonen, man sei ja weltoffen, aber die Grenzen müsse man bitte dichtmachen. Ich kann mir sowas gar nicht ansehen, ich will sofort wegschalten, weil mir ernstlich schlecht wird. Offene Grenzen sind moralisch geboten und führten zu einem ungeheuren Wohlstand, der dem braunen Demonstranten erst die Freizeit ermöglicht, die er nutzt, um zu demonstrieren. Ich gucke nur noch mit einem Eimer neben mir Nachrichten, um nicht auf den frisch gewischten Boden kotzen zu müssen. Ich fürchte, für den nächsten Fackelzug gibt es wieder genug Menschen, die mitmarschieren würden. Wie Frühmenschen, die gerade das Feuer für sich entdeckt haben. Biedermann und die Brandstifter. Immerhin spricht niemand mehr über die Maut.

Arsch Pegida-Wichser vergewaltigen wöchentlich den Begriff der „Montagsdemo“, der doch eigentlich für das Gegenteil dessen steht, für das sie demonstrieren. Obwohl vermutlich die dort mitmarschierende Masse gar nicht weiß, wofür sie gerade marschieren. Einfach mal Maul aufreißen. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Versinkend in der anonymen braunen Pampe.

An einen großen Teil der Deutschen habe ich wirklich nur Unerwartungen. Kein Volk dürfte doch besser wissen, wohin das alles führen kann. Dabei ist unsere junge Geschichte doch ein historischer Orgasmus. War doch sensationell, als die Mauer fiel. 25 Jahre danach gelingt es noch immer nicht, den entsprechenden Nationalfeiertag, der etwas unglücklich auf den 3. Oktober gefallen ist und nicht auf den 9. November oder 17. Juni, angemessen zu feiern. Die Deutschen sind einfach zu phlegmatisch; manchmal denke ich, sie können nur eines besonders elanös: hassen. Wie ist das möglich, dass das noch in so vielen drin ist?! Das frage ich ganz ernsthaft. Keine äußeren Feinde. Wohlstand bis zum Abwinken. Eine beispiellose Demokratisierung nach 1945. Was ist denn da los?!

Nun denke ich trotz aller Unerwartungen ja im Großen immer positiv. Ich habe das bei meinem Vater immer gehasst. Waldsterben? „Alles nicht so schlimm.“ Ozonloch? „Wird schon.“ Er hatte Recht! Und so wird es auch mit dieser Nummer laufen. Das Land wird sich auf die neue Situation einstellen. Wir haben keine schlechte Migrationspolitik. Wir haben gar keine. Wir fangen erst an. Eine Million Flüchtlinge? 81 Millionen sind schon hier. Also alles noch im Verhältnis. Wir wollten doch Zuwanderung. Sind ja keine Idioten, die da kommen. Normale Menschen, die leider auf einige Idioten hier treffen. Natürlich bringt das Umwälzungen mit sich. Das Ozonloch führte auch zu Umwälzungen. Haarspray, das ich neuerdings auch nutze, ist nun eben FCKW-frei. Nun muss Deutschland halt nazifrei werden. Das Siegel „nazifrei“ sollte unser Ziel werden.

Bei allem finde ich es aber sehr erfrischend, dass der erste Reflex der Deutschen Nation der war, die Grenzen zu öffnen! Das hätte ich nicht erwartet.


Seppo_medien_Haare NRW_FB_T_W

65 Kommentare

  1. Das mit den Extra-Toiletten für Flüchtlingskinder finde ich ne gute Sache – ich hab mal die derzeitigen Toiletten auf der Schule meines Sohnes benutzen müssen. Das können wir den Flüchtlingen wirklich nicht zumuten (an den Wänden ist zwischen all den Schmierereien nicht mal Platz für ein kleines „Refugees welcome“).

    Das Problem ist wohl eher nicht „kein Platz“, sondern dass dieses Land für seine Bürger sorgen will. Auch und besonders für die, die nicht alleine für sich sorgen können. Das ist wie in einer Familie – in einigen Familien werden die Kinder liebevoll geleitet, bis sie auf eigenen Beinen stehen können, in anderen wird keifend (und möglichst noch vor einem fernsehglotzenden Millionenpublikum) erklärt, dass man die Schnauze voll habe und der Versager jetzt doch bitte verschwinden möge und sehen, wie er klarkommt.

    Ich weiß, zu welcher Familie ich gehören möchte…

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  2. Danke dafür! Es ist wirklich erschütternd, was derzeit abgeht. Heute auch die Nachricht von einer Handgranate auf ein Flüchtlingsheim in BaWü. Die menschliche Kälte und der Hass sind unerträglich. Genauso wie die Angst vor der Destabilisierung unserer Demokratie. Daher sind solche politischen Beiträge sehr wichtig. Liebe Grüße, Evan Julian

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  3. „Wer sind die Verrückten? Wir Deutschen, die jeden Flucht suchenden hereinlassen “oder der Rest der Welt, der keine Flüchtlinge aufnimmt”? Die Frage bedarf keiner Antwort, die liegt auf der Hand.“

    Die Frage bedarf keiner Antwort?

    Lieber Seppo, ich war bis dato eine sehr begeisterte Leserin deines Blogs.

    Warum sollte die Antwort auf diese Frage auf der Hand liegen? Ich empfinde die Frage als sehr ehrlich und kann nachvollziehen, dass sich viele Menschen eben diese Frage stellen. Stattdessen emfpfinde ich es als sehr fragwürdig, dass es hinsichtlich der Asylpolitik, in welcher Form auch immer es hier eine geben soll, nur eine einzige Meinung gibt, die ausgesprochen werden darf. Wir müssen dafür sein, ohne wenn und aber. Wer dagegen ist, nein, schlimmer noch, wer auch nur die geringste Frage dazu stellt, wird ohne Umschweife abgestempelt. Als Fremdenhasser, als Nazi.

    Dein Seppolog hat mir immer ausnehmend gut gefallen, vor allem aufgrund deiner diffenrenzierten Sicht auf die Dinge.

    Zumindest dachte ich das, bis ich diesen Beitrag gelesen habe.

    Anna

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    • ich finde, dass alle meinungen gut vernehmbar sind. in meinem blog tue ich meine meinung kund. ich stempele nicht jeden kritiker als afd- oder pegida-anhänger ab, sondern stempele nur afd- und pegida-anhänger als afd- und pegida-anhänger ab.

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    • Was ist denn deine Meinung, Anna?

      Es gibt natürlich auch Leute die nicht gerne hören, dass sie da rassistische und faschistische Gedankengängen pflegen und diesen zustimmen. Abwehren ist halt auch schön einfach als sich mit sich selbst kritisch auseinanderzusetzen und seine Denkgewohnheiten zu bedenken. Und im Nachhinein will es dann niemand gewusst oder vertreten haben. Natürlich sind alle nur „besorgte Bürger_innen“ gewesen. Ängste, Geiz, Kälte und Hass zu schüren, daran beteiligen sich viele. Aber die Mit-Verantwortung für Brandanschläge mag niemand übernehmen.

      Liebe Grüße, Evan Julian

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  4. Ein wirklich gelungener Beitrag, der mir zutiefst aus der Seele spricht. Vielen Dank dafür!

    Leider habe ich zunehmend den Eindruck, dass man sich mittlerweile dafür rechtfertigen muss, wenn man eine solche Meinung vertritt. Das sieht man allein daran, dass angeblich ein großer Teil der Wählerschaft für ihren Rücktritt sein soll. Ja, weswegen denn?

    Auch ich bin nicht unbedingt ein Freund von Frau Merkel, geschweige denn ihrer Partei. Und erst recht nicht der sogenannten Schwesterpartei aus dem tiefen Süden! Aber da macht sie einmal – EINMAL – etwas richtig in ihrer langen Kanzerinnenschaft, und schon bekommt sie von allen Seiten Gegenwind.

    Traurig eigentlich!

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  5. … Ein toller Eintrag finde ich – mit diesem meinem neunen Lieblingswort „Unerwartungen“
    Was ich sehe, sind Menschen, die nichts gegen die Flüchtling haben, sondern eher gegen das Unkoordinierte, was damit in Zusammenhang zu bringen ist – im Moment- ( Mehrfachregistrierung etc.)
    Besonders gefällt mir der Absatz über das „laute Schreien“. Leider erlebe ich es fast jeden Tag und „sie“ kommen damit durch… Damit sie endlich aufhören zu schreien. Das ist ein Unding!!!!

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  6. Der Mensch ist Entwicklungsgeschichtlich ein Herden- bzw. Rudeltier. Und wir waren nunmal viel länger Tiere, als wir Menschen sind. Herden- und Rudeltiere hatten/haben immer Angst vor dem, was außerhalb ihrer sozialen Gemeinschaft passiert und vor allem dann, wenn etwas in die Herde kommt, dass da ursprünglich nicht drin war. (Die Schafe wissen erst einmal nicht, ob der Hund der da kommt auf sie aufpasst oder sie zum Mittagessen frisst.)

    Ob wir, die wir in der Menschwerdung schon ein Stück weiter sind, als jene, die noch im Herdentrieb feststecken, Recht haben, oder eben die anderen, wird erst die Geschichte zeigen. Wir können nur auf die Unerwartung setzen.

    Gefährlich wird es immer dann, wenn – ich bleibe mal bei dem Bild – die Herde ihre eigenen Angehörigen beginnt auszustoßen um dem Fremden mehr Raum zu geben. Wenn die Sicherheit der Herde vollkommen zur Nebensache wird. Wenn die Zäune, die die Herde bisher beschützt haben, nur noch für jene gelten, die sich in der Herde befinden (versuchen wir mal ohne Reisepass aus der EU auszureisen und wieder ein).

    Die rechten Parteien bei euch und bei uns hätten bei weitem nicht soviel Zulauf, wenn vom Rest der Politik – und der Gesellschaft – ausreichend Zeichen, Informationen, was auch immer, kommen würden, dass vernünftig mit der Situation umgegangen würde.

    „Refugees welcome“, ist eine löbliche Gesinnung, die ich nur zu gern unterstütze. Aber die Worte allein reichen nicht aus, um die Ängste und Bedenken so Vieler auszuräumen. Die als Idioten, Rechte, oder schlimmeres zu bezeichnen, die aus Angst nur dahin laufen, wo die Wölfe im Schafpelz warten, ist nicht die Lösung.

    Eine gesunde Gesellschaft kümmert sich nicht nur um die, die der gleichen Meinung sind – nicht nur um die, die ihrer Meinung nach Hilfe brauchen, sondern auch die, die anderer Meinung sind und Angst haben. Für uns mag diese Angst irrational sein. Aber das ist für mich die Angst vor engen Räumen, Spinnen, dunklen Kellern oder Herzinfarkt auch.

    Bitte mich recht zu verstehen: Dieser Kommentar ist keine Kritik an Seppos Post. Dem stimme ich durchaus zu. Es ist vielmehr ein Werben für Verständnis. Das gleiche Verständnis den Gegnern entgegenzubringen, wie denen, die zu uns kommen.

    PS: Meine Frau und ihr Team sorgen für 2 Flüchtlingsfamilien. Und ich unterstütze sie, wo ich nur kann. Ich kenne die Thematik also nicht, wie die meisten, nur aus den Medien 😉

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    • Danke für deine Sicht der Dinge K. Engelbert, der ich zustimme. Viele kennen das „Flüchtlingsthema“ nur aus der Presse und aus Fernsehberichten. Sie wohnen nicht in direkter Nachbarschaft zu Zeltstädten, Flüchtlingsunterkünften oder Erstaufnahmestellen. Wer kann es älteren Menschen verdenken, wenn sie überfordert sind mit dieser Situation. Wenn nicht offen über Bedenken oder Ängste gesprochen werden darf, kann das m.E. nur zu Situationen führen, die wir alle nicht wollen. Andere Länder lehnen Flüchtlinge einfach ab und machen Grenzen dicht. Warum regt sich darüber niemand auf? Wir hier dürfen noch nicht mal „Bedenken“ äußern.
      Übrigens wurden über 50 % der Flüchtlinge in in nur drei NRW (21 %), BaWü (13 %)und Bayern (16%) aufgenommen. Die restlichen 50 % verteilen sich auf die anderen 13 Bundesländer.

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      • Allerdings liegt diese Verteilung nicht daran, dass diese Bundesländer so gutherzig sind oder dass irgendwer sie ungerecht behandeln will. Die Prozentzahl der Flüchtlinge wird nach dem sog. Königsteiner Schlüssel berechnet und wird aufgrund der Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl der Länder festgelegt. Ich denke mal, dass ein Stadtstaat wie Berlin mit 5 % aller Flüchtlinge (2015 waren das 80000!) ein etwas größeres Problem hat als Bayern…

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        • Ich habe nirgends behauptet, dass diese Bundesländer „gutherzig“ sind. Freiwillig werden die drei Bundesländer sicher nicht die Hälfte aller Flüchtlinge aufgenommen haben, trotzdem sollten sie besser verteilt werden, weil weniger Menschen in einem Ort sich viel besser integrieren können als Hunderte und Tausende.

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        • Klar, am Besten alle auf’s flache Land ;.) Entschuldige, aber wie soll das gehen. In Dörfern gibt es oft nur kleine Schulen, oft sogar gar keine mehr und wer bitte soll dort mehrere Flüchtlingskinder betreuen? Es ist schon für Städte ein Problem, die Flüchtlingskinder alle in Schulen unterzubringen. Sie sprechen nicht Deutsch, müssen unterstützt werden. Wo sollen dafür denn die Lehrer herkommen in einem Dorf? Du nennst ständig nur Bayern! In Mecklenburg-Vorpommern ist auch viel Platz, da würden sie sich auch gut verteilen. Die großen Städte – nicht nur Berlin – haben alle viele Flüchtlinge aufgenommen. Nur hier können sie sinnvoll und gut betreut werden, um z.B. Deutsch zu lernen.

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        • Wie gesagt, der Schlüssel ist „Steuereinnahmen und Bevölkerungszahl“, womit erklärt ist, warum in Mecklenburg-Vorpommern nur 2% aller Flüchtlinge gelandet sind, obwohl M-P räumlich nicht so klein ist. Tatsächlich ist es aber so, dass sie dort (ebenso wie in Bayern – entschuldige, dass ich Bayern als Beispiel genommen habe, NRW wäre natürlich viel netter) in Dörfer gesteckt WERDEN, genauso wie in Niedersachsen, Schleswig Holstein usw.) Einfach weil dort Platz ist, nicht aus sinnvollen Erwägungen bezüglich der Schulbildung der Flüchtlingskinder heraus. Sumte in Niedersachsen ist ein Extrembeispiel dafür – 102 Einwohner hat das Dorf, und derzeit um die 600 Flüchtlinge, davon 189 Kinder. An die Schulbildung und die Hilfen hat man da sicherlich am wenigsten gedacht.

          Ich fand im übrigen einfach nur Deine Bemerkung, dass auf drei Bundesländer 50 % der Flüchtlinge kommen (mit dem Unterton, das sei ja nicht gerecht) ziemlich unangebracht. Man hat sich da schon Gedanken gemacht, was und wieviel jedes einzelne Bundesland stemmen kann. Der Schlüssel, der dazu verwendet wird, hat einen gewissen Sinn, wenn er denn nicht, wie im Fall Sumte, total blöd angewandt wird.

          Ich lebe übrigens in einem Stadtstaat, und wir sind inzwischen schlicht und ergreifend RÄUMLICH an unseren Grenzen angekommen. Es gibt seit Jahren schon zu wenig Wohnraum in Hamburg, und jetzt wird so schnell es geht billiger Wohnraum geschaffen – was einer Stadt mit einer so begrenzten Fläche nicht wirklich gut tut.

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        • Nein, ich war nur erstaunt über diese Verteilung. Ich wohne in NRW, komme aber aus BaWü. Sicher haben die „reichen“ Länder mehr Möglichkeiten, die Flüchtlinge gut unterzubringen und auch zu fördern, aber die Bewohner, die mit der Masse an Flüchtlingen konfrontiert werden, haben sicher nicht immer Verständnis dafür, dass in ihrer Nachbarschaft so viele leben, während in anderen Regionen so gut wie keine Flüchtlinge untergebracht werden. Dafür muss man auch Verständnis aufbringen!

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        • Glaub mir – wir in Hamburg bekommen „mehr“ Flüchtlinge zu sehen als die NRWler, obwohl wir in Prozent weniger aufnehmen. Allein hier im Bezirk Nord auf einer Grundfläche von knapp 58 Quadratkilometern (NRW hat über 34000 Quadratkilometer) gibt es 18 (wenn ich richtig gezählt habe) Standorte mit Flüchtlingsunterkünften. Unser Bezirk hat 285000 Einwohner – und 5080 Plätze für Flüchtlinge. Geplant sind weitere 9 Standorte mit über 5000 Plätzen. Und DAS ist nur der Bezirk Nord.
          Und wie gesagt, zu einem Drittel zählt auch die Bevölkerungszahl des jeweiligen Bundeslandes für die Verteilung mit. Theoretisch sollte es also möglich sein, dass man nicht mehr als andere mit einer „Masse“ an Flüchtlingen konfrontiert wird. Nur da die räumlichen Gegebenheiten für diesen Schlüssel leider völlig unter den Tisch fallen, haben unsere Stadtstaaten echte Probleme.

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        • Ich glaube dir das gerne, aber uns fragt ja keiner bei der Verteilung. Unsere Diskussion zeigt aber, dass auch du nicht zufrieden bist so wie’s läuft und dass irgendwelche Schlüssel völlig unzureichend sind, um das „Problem der Verteilung“ gerecht zu lösen.

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        • Nein, das hast Du falsch verstanden. „Zufrieden“ kann mit der Situation niemand sein – dass Menschen aus ihren Heimatländern flüchten müssen, weil dort ihr Leben bedroht ist, kann niemanden zufrieden machen. Ich bin schon aus ganz persönlichen Gründen, dafür, Menschen, die Schutz suchen, zu schützen. Alle Menschen.

          Womit ich wirklich, wirklich unglücklich bin ist, dass in der Presse, auf Facebook und weiß der Geier wo Fakten gestreut werden wie diese „ungerechte Verteilung“ oder „jeder Flüchtling bekommt soundsoviel Begrüßungsgeld“ und das wird dann einfach so hingenommen und nicht hinterfragt – selbst wenn die Zahlen stimmen, steckt doch nur allzu oft etwas ganz anderes dahinter. In diesem Fall ist das ganz bestimmt so. Leuten wie denen von der AfD wird durch solche Halbwahrheiten in die Hände gearbeitet und es wird kostenlos und sehr effektiv Stimmungsmache gegen die Flüchtlinge und damit gegen die Regierung (und somit natürlich für Parteien wie die AfD) betrieben.
          Ich sag nicht oft was dazu. Man kann nicht alle Menschen überzeugen.
          Manchmal tu ich es doch.
          Um EINEN Menschen zu überzeugen.

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        • Also ich wähle ganz sicher nicht AfD und gebe zu CDU gewählt zu haben,also Merkel. Vor kurzem fanden sie alle noch untragbar und jetzt ist sie die Heldin für viele.
          Nicht böse sein, aber nun ist genug diskutiert. Schönen Abend 😊

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      • um diesen Ängsten entgegen zu wirken gibt’s eine ganz einfache Lösung : einfach mal informieren , mit ehrenamtlichen Helfern reden , selbst mal Hilfe anbieten …. und wie kommst du darauf dass gerade ältere Menschen damit überfordert sind ? in meiner Umgebung sind es gerade die Älteren, die sich für Flüchtlinge einsetzen und Aufklärungsarbeit in Form von Café-Asyl und ähnlichen Projekten leisten. Kindergärten die einen Multikulti-Tag eingerichtet haben. Hier gehen Flüchtlingskinder mit deutschen Kindern in die selbe Klasse ganz ohne Fremdenfeindlichkeit.
        Gerade diese Leute die „Bedenken“ gegen Menschen äußern machen mir Angst!

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  7. Servus und Hallo Seppo
    Einen Applaus zu diesem Beitrag –
    —jeder *total-normal* frei denkende Bürger darf seinen Senf dazu geben – wir sind doch uneingeschränkt in unserer Meinungsfreiheit – oder ??? zumindest hier im Seppo Blog – erlaubt ist in unserem Sozialstaat so *ziemlich alles* – es bräuchte/müsste in Grunde genommen niemand hungern – haben alles – dürfen alles – sogar >>glücklich<< sein – die Mutti der Nation macht es uns doch möglich – und es wird trotzdem weiter gemotzt??? uuuuund – Terror im Lande – gab es schon weit vor der brisanten Flüchtlings-Krise – Fazit – es eskaliert inzwischen nun einzig und allein als angesagtes Problem der Menschlichkeit –

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  8. Gut, diese wichtigen klaren Worte zu lesen. Sie sind mehr als ein Sternchen wert. Nichts müsste selbstverständlicher sein als offene Arme und Herzen zu leben, zusammen zu rücken und die Grenzen im Kopf aufzuweichen.
    Ich habe seid einigen Wochen viele syrische Menschen in der Nachbarschaft und wünsche vielen Menschen diese wunderbaren Erfahrungen, die ich gerade mache. Ich kann nur jedem raten, sucht den Kontakt, klopft an fremde Türen an und lasst sie nicht mehr fremd sein.

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      • Dir entgeht möglicherweise was, so meine Erfahrung. Ich hab’s gemacht, einmal mit Kuchen unterm Arm zu einem Haus, in dem übergangsweise junge Menschen untergebracht sind. Das andere mal ohne Kuchen doch mit einem Willkommenswort in der Nachbarschaft, dort leben 17 syrische Menschen.
        Wenn es nicht die Türe ist, dann vielleicht ein Hallo oder ein Gruß, wenn du Flüchtlinge auf der Straße triffst. Oder zu zweit hingehen, vielleicht wird es dann leichter.
        Ich erlebe bereichernde Begegnungen, die ich jedem Menschen wünsche.

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  9. Ich gebe dir recht, es darf nur eine Antwort geben.
    ABER – ja, da ist es, das Wort, das sich heute schon niemand mehr in den Mund zu nehmen traut – ich finde es sehr bedenklich, dass man seine Bedenken nicht äußern darf.
    Die Political Correctness lässt viele Politiker als naiv erscheinen. Da wundert es mich nicht, dass viele Bürger sich den rechtsgerichteten Parteien/Vereinen zuwenden, die mit ihrer Kritik nicht hinterm Berg halten.
    Als Polizistentochter bekomme ich leider häufig Dinge zu hören, die mich nicht unbedingt glauben lassen, dass wir das schaffen.
    Grüße aus Bayern
    Tina

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  10. „Unerwartungen“ ist wohl das Gegenteil von Erwartungen? Ist dann das Gegenteil Hoffnungslosigkeit, Resignation oder vielleicht nur einfach nur „harren auf die Dinge, die da kommen“?

    Allerdings glaube ich nicht, dass die Menschen, die hierher flüchten nichts erwarten, im Gegenteil, sie erwarten ein besseres Leben, bessere Bildung für ihre Kinder, die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen oder in einem Beruf zu arbeiten; eine eigene Wohnung usw. usw. Es wäre schlimm, wenn sie keine Erwartungen hätten, aber ich denke auch, dass nicht alle Erwartungen in kürzester Zeit erfüllt werden können.
    Auch die Menschen hier haben Erwartungen, z.B. dass sie von ihrer Rente leben können, wenn sie ein Leben lang gearbeitet haben. Allerdings erhalten etwa die Hälfte aller Rentner 700 € und WENIGER.

    Das TASCHENGELD für Flüchlinge:

    In der Erstaufnahmeeinrichtung erhält ein erwachsener alleinstehender Flüchtling lediglich 143 Euro zur Deckung persönlicher Bedürfnisse – das sogenannte Taschengeld. Zusammenlebende Partner erhalten je 129 Euro. Für ein Kind bis zu sechs Jahren gibt es im Monat 84 Euro, im Alter von 6 bis 13 Jahren sind es 92 Euro. Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren bekommen 85 Euro. Dazu kommt Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidung, sehr oft kostenlosem W-lan und die Unterkunft kostet ja auch nichts.

    Rechnen wir also mal zusammen und wir sind flugs bei 500 € bei einer Familie mit 3 kleinen Kindern – nur zur Deckung persönlicher Bedürfnisse.

    Wen wundert es da, dass viele gar nichts mehr öffentlich sagen, weil sie sonst des Neides, der Missgunst und sonst was bezichtigt werden. Aber auf die nächsten Wahlen darf man um so mehr gespannt sein. Ich hoffe, es gibt kein „böses Erwachen“.

    Mich beschäftigt dieses Thema auch sehr und ich diskutiere darüber viel mit meinen beiden Söhnen (26 und 28 Jahre). Einer davon lebt in Leipzig und ist immer bei Demos dabei gegen „Legida“, was ich unterstütze. Aber auch die beiden sind der Meinung, dass Deutschland nicht noch mehr und ungebremst immer weiter Flüchtlinge aufnehmen kann. Eine europäische Lösung muss her, aber die liegt in weiter, weiter Ferne. Leider!

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  11. Der erste Absatz entspricht ziemlich genau meiner Auffassung der eigenen Existenz. Das hat wenig mit Pesimismus zu tun. Vielleicht sogar ganz im Gegenteil, weil mir das Leben dadurch keine Angst bereitet. Das klingt pathetischer als es gemeint ist und verstanden werden sollte.
    Viel, viel wichtiger als der eigene Orbit ist das, was nach dem ersten Absatz kommt. SO sollte vernünftige Schimpfe klingen. Sehr viel Wichtiges, sehr viel Richtiges und sehr viel Gutes dabei. Vielen Dank.

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  12. Danke für den Beitrag 🙂 wir Österreicher bekleckern uns gerade auch nicht wirklich mit Ruhm, was die Menschlichkeit im Umgang mit Asylsuchenden betrifft, weder politisch noch von großen Teilen der Bevölkerung her. Überrascht mich leider überhaupt nicht, traurig und wütend macht es trotzdem…

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  13. Guter Artikel!
    Bin aus Wien und wir haben neben unserem Wohnblock ein Arbeiterwohnheim, wo aufgrund der vielen leerstehenden Räumlichkeiten, jetzt 80 Flüchtlinge ihre Unterkunft haben. Kannst dir vorstellen was da los war. 90% der Leute reden nur abscheuliches Zeug. Dabei sind sie so dankbar, wenn du auf sie zugehst und sie unterstützt. Aber wie wir wissen, sobald es auf die Gefühlsebene geht, blocken viele und das ist das Problem. Sie könnten eine Sympathie oder Mitgefühl entwickeln und das geht ja natürlich gar nicht.
    Aber zum Glück gibt es da draußen auch Leute, die nicht nur geradeaus schauen.
    Schönen Sonntag!

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  14. Es tut gut, eine Stimme der Vernunft zu lesen. Man könnte sonst verzweifeln ob der Kakophonie des Wahnsinns, der Angst, des Hasses und der Realitätsverweigerung, die derzeit den Ton angibt. Das ist in Österreich noch eine Spur schlimmer als bei euch und hat leider schon dazu geführt, dass unsere Tore halb geschlossen werden. Anstatt gemeinsam mit der deutschen Bundesregierung wirkungsvoll dafür einzutreten, dass die anderen EU-Länder auch endlich ihrer humanitären Verpflichtung nachkommen.

    Ich hoffe jedenfalls, dass Stimmen wie deine der nötige Rückhalt sein werden, dass nicht auch noch Deutschland einknickt. Das Signal wäre nämlich fatal und ich traue mich nicht zu prognostizieren, welche politischen Kaskadeneffekte das in ganz Europa auslösen könnte. Also, bitte: weiter solche Kommentare.

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  15. Danke für deine wahren Worte! Top Artikel.
    Die Welt verändert sich, Werte ändern sich. Das macht den Menschen Angst. Angst, sich „das Verdiente“ nicht mehr leisten zu können. Und jetzt kommen zu den Alten (mein Gott! So viele!) auch noch „diese Fremden“ dazu. Und anstelle Mitgefühl und Hilfe gibt’s Brandbomben und Schlagzeilen – Fuckomat, schämt sich dafür denn keiner der Schlagzeilen-Texter? Und aus dem Untergrund links und rechts wird dann ein Phrasendrescher kommen und die Masse begeistern.
    Hilft nur: helfen und nicht mit der Masse schwimmen. Und hoffen, dass doch ein Funke Verstand verblieben ist.

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