Beziehungsfragen: Sieben Gründe, sich schnellstmöglich nicht von mir zu trennen – Teil II

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Der Düsseldorfer Blogger Manuel H., der wie 55 andere für die „Seppo Blog-Auszeichnung 2016“ nominiert ist, will sich derzeit offenbar von der Frau trennen, die in seiner Wohnung lebt. Anders ist es nicht zu erklären, warum er in einer Fortsetzungsreihe sieben Gründe auflistet, die jener Frau Grund genug zur „schnellstmöglichen“ Trennung sein sollten. Wir wünschen den beiden in ihrem neuen Leben als Single alles Gute. Die erste Zeit wird sicher hart, aber Manuel hat Recht, die Gründe, die er nennt, sind bestechend und lassen ihr keine andere Wahl als zu gehen.

Manuel hat auch Recht in dem Punkt, in dem er schreibt, dass Beziehungen zuvorderst aus weiblicher Sicht beschrieben und – vor allem! – kritisiert werden. Das ist okay, das zeigt ja wieder einmal nur, welches Geschlecht permanent unzufrieden ist, während der Mann seelenruhig es sich in einer Beziehung bequem gemacht hat, von der er nicht bemerkt, dass sie dem Tode geweiht ist, worüber sie schon seit Monaten nachdenkt. So läuft das Studien zufolge nämlich: Die Frau beschäftigt sich still, beziehungsweise er merkt es nicht, über einen langen Zeitraum mit der Beziehung und kommt möglicherweise zu dem Schluss, dass ein solcher auch für die Beziehung das beste wäre. Damit den Mann konfrontierend ist der dann völlig vor den Kopf gestoßen. Weil er die Zeichen nicht richtig oder gar nicht gedeutet hat.

In „Beziehungsfragen“ beobachte ich meine Beziehung aus meiner Sicht, die möglicherweise die eines Mannes ist. Mich würde aber auch nicht überraschen, wenn sich da weibliche Züge bei mir eingeschlichen haben. Ich will nur halt nicht völlig überrascht dastehen, wenn meine Mitbewohnerin mit gepackten Koffern die Wohnung verlässt. Und ich will ihr auch kein Kanonenfutter liefern, davon hat sie bereits genug, sodass ich wie im ersten Teil dieser Replik auf Dampfbloques Serie Manuels Gründe für eine Trennung umdeute in Gründe gegen eine solche.

Sieben Gründe, sich schnellstmöglich nicht von mir zu trennen – der nächste beiden.

 

3. Ich bin anstrengend

Spontaner Gedanke: Das sind Frauen auch. Und zwar alle. Zweiter spontaner Gedanke: nein, nicht alle. Meine Mitbewohnerin nicht. Sie ist da ein Phänomen. Nie, aber wirklich nie in irgend einer Form zickig. Das erleichtert mein Leben enorm, da ich mit

Ich suche ein Synonym für „Zickigkeit“ oder „zickig“, da es furchtbare Wörter ist. Die Ergebnisse der Suche sind niederschmetternd: „Kratzbürstigkeit“, „Zanksucht“ – und am besten: „hupig drauf sein“. Nie gehört. „Ey, bissu hupig drauf?!“ Weil Frauen Hupen haben?! Keine Ahnung.

mit hupigen Draufsein also massive Probleme habe, es vielleicht auch zu persönlich nehme. Das Leben wird aber unkomplizierter, wenn man nicht soviel Energie darauf verwenden muss, hupiges Draufsein, was natürlich deutlich besser klingt als „Zickigkeit“, irgendwie abzufedern oder zu vereiteln.

Ich schweife ab. Aber genau das wirft Manuel sich selber auch vor, er sei anstrengend, weil er um zu viele Ecken denke, was frau nicht immer nachvollziehen könne. Spontaner Gedanke: Frauen werden Manuel lieben, weil er in ihren Gedankenlabyrinthen mithalten kann. Männer denken meist etwas stringenter, als Frauen es tun, was auch der Grund dafür ist, dass es stets zu Missverständnissen kommt. Heißt: Die Frauen sind schuld. Mit Manuel geschieht das nicht, er denkt um Ecken.

Bin aber nun auch ich anstrengend? Ich rufe in die Küche, wo meine Mitbewohnerin frühstückt:

„Bin ich anstrengend?“

„Jahaaa.“

Sie musste nicht überlegen, was mir aber klar war. Ich weiß, dass es im Umgang mit mir zu Problemen kommen kann. Ich fürchte, ich habe zu viele Eigenarten, „verschroben“ hörte ich zuletzt, die mich schwer fassbar machen könnte. Ich muss jetzt „verschroben“ googeln. Oh, hahaha:

[…] mit einem seltsamen Verhalten, das oft aus Einsamkeit resultiert und auf andere Menschen befremdend wirkt.

und, etwas klarer bei „Wictionary„:

Partizipialadjektiv im Sinne von verdreht, absonderlich, wunderlich (18. Jahrhundert), zu verschrauben in dessen älterer Bedeutung verkehrt, falsch schrauben, verdrehen, das wie das zugehörige Simplex (siehe unter schrauben) im Niederdeutschen und Mitteldeutschen stark flektierende Formen angenommen hat.

Klingt jetzt erst einmal nicht so positiv, aber irgendwo trifft es zu. Ich würde sogar behaupten, diese Eigenschaft an mir zu mögen. Und meine Mitbewohnerin tut das auch, sonst würde sie hier nicht wohnen. Vielleicht ist es das Einzige, das mich ausmacht, so gesehen Glück gehabt, diejenige gefunden zu haben, die drauf steht.

„Es sind diese vielen Macken, die dich etwas anstrengend machen.“, ergänzt meine Mitbewohnerin. Und ich schenke mir die Frage, um welche Macken es sich denn wohl handeln würde. Denn ich kenne sie ja. Da ich sie pflege. 😉 Ja, klingt schon irgendwie verschroben.

Wie auch Manuel glaube ich aber nicht, ein wirklich schwieriger Mensch zu sein. Oder irgendwie doch. Schwierig. Ich neige nicht zur Suche nach Konflikten, ich bleibe meist ruhig, wo andere ausrasten, sieht man von der abendlichen Parkplatzsuche einmal ab, die für meinen temporären Bluthochdruck verantwortlich sein könnte. Ich neige nicht zur Gewalt, betrunken schon mal gar nicht, sondern verteile ungefragt Liebesbekundungen an Frau und Mann … das klingt alles wirklich verschroben. Welch‘ Selbstoffenbarung gerade. Oh, meiner Mitbewohnerin ist noch etwas eingefallen. Ich habe offenbar die Büchse der Pandora geöffnet:

„Dass du nicht Müll trennen kannst, das nervt!“

Ja, also das ist ein Problem zwischen uns. Wir haben einen Nachbarn, der tatsächlich den Müll kontrolliert. Und das nervt einfach. Allein deshalb versucht meine Mitbewohnerin, den Müll wirklich ordentlich zu trennen. Und sie ist der Meinung, dass ich ihr die Trennung stets zerschieße. Das Problem begann bei mir schon vor Jahren, als ich der Meinung war, dass in die Gelbe Tonne bzw. in den Gelben Sack nur Verpackungsmaterial gehört, dem ein Grüner Punkt aufgedruckt ist. Mir erscheint das auch jetzt noch logisch. Alles ohne Punkt kam in den anderen Eimer (In diesem Bezirk wird Bio- nicht von Restmüll getrennt.). Dem ist wohl nicht so. Inzwischen bin ich so verwirrt und stehe unter einem massiven Druck, wenn ich etwas in den Müll werfen will, dass meine Hände schon anfangen zu zittern, wenn ich mich mit ihnen in Richtung Abfalleimer bewege. Begleitet von Schweißausbrüchen entscheide ich mich grundsätzlich für den falschen Behälter, was ich dann abends zu hören bekomme. Wenn meine Mitbewohnerin anwesend ist, vermeide ich inzwischen, Müll zu produzieren. Teilweise esse ich deshalb Verpackungen von Lebensmitteln einfach mit.

Aber sie ist nicht anstrengend. Wirklich nicht. Sonst ginge es auch nicht. Nur in der Müllfrage, aber da steckt ja der Nachbar dahinter.

Als Mann empfiehlt es sich grundsätzlich auf die Männer in anderen Beziehungen aufmerksam zu machen und diese schlecht zu reden:

„Guck‘ mal, wenn du mit Axel zusammenwärst zum Beispiel, wär‘ doch kacke. Ich mag ja meine Fehler haben, aber ich glaube, Axel schlägt auch gern mal zu. Mach‘ ich ja nicht. Auch schon mal viel wert. Oder Thomas beispielsweise. Sieht toll aus, gebe ich zu, ist auch sehr charmant. Aber die Nummer, wie er sich den Hamster hinten rein …“

Man muss also permanent für sich werben. Wie bei vergleichenden Werbekampagnen, in denen das Konkurrenzprodukt schlechtgemacht wird. „Pepsi“ gegen „Coke“ ist ein Klassiker. Auf die Schwächen des anderen hinweisen. Ich bin aber eher der Fanta-Typ.

Manuel schreibt:

Auch wenn ich sehr viel Wert auf die Fähigkeit lege, eigenes Handeln zu reflektieren, bin also auch ich gelegentlich verbissen und lasse mir in eine Sache nicht reinreden.

Ja, das kenne ich. Er ist stur. Mir wird immer gesagt, ich sei stur. „Stur“ ist offenbar negativ konnotiert. Nicht in meiner Welt. Denn ich nenne es „Prinzipientreue“. Ich sage:

„Ich bin nicht stur, ich habe halt Prinzipien.“

Und auf die lege ich Wert. Ich lasse mir in wenig reinreden. Entschlüsse werden ja deswegen gefasst, weil sie das Produkt von gereiften Überlegungen sind. Sie umzuwerfen hieße ja, die Überlegungen waren nicht ausgereift. Das sind sie aber bei mir. Ich denke viel, neige zum Grübeln, aber am Ende steht ein Prinzip. Ein Dogma. Man kann schlicht von Entschlossenheit sprechen.

Ich bin nicht anstrengend, ich bin wild entschlossen. So, wie ein Mann eben durchs Leben gehen sollte. Gut, manch Frau ist das zu anstrengend. Dann aber liegt es an ihr!


Nachdem wir das nun alle sehr ernstgenommen haben, verweise ich auf die Veröffentlichung des dritten Teils, der noch heute erfolgen wird. Darüber auf dem Laufenden bleibt Ihr auf meiner Facebook-Seite!

Knapp 60 Blogs wurden bereits für die „Seppo Blog-Auszeichnung“ 2016 nominiert! Eine meist aktualisierte Auflistung findet Ihr hier! Nominiert Euch gerne selber, was am besten hier funktioniert:

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24 Kommentare

  1. Das Problem der Mülltrennung sehe ich da eindeutig aber weder bei Dir noch der Mitbewohnerin, sondern eher bei Deinem Nachbarn, dem ich nahelegen würde, sich ausschließlich um seinen eigenen Müll zu kümmern! Sobald er sich daran hält, verschwinden auch die Panikattacken am Abfalleimer, Du wirst sehen. 😉

    55 Teilnehmer bis jetzt? Also eine statistische Chance von 1,82 %. Kann man diesen Prozentsatz nicht erhöhen? Vielleicht hätte die Jury ja Verwendung für einen neuen Schreibtisch nebst zugehörigem Sitzmöbel? 😉

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  2. Was Frauen immer nie verstehen, ist die relative Tugendhaftigkeit ihrer Männer. Gut, wir mögen ja nicht perfekt sein (wir sind es natürlich doch, ich sage das nur um der Diskussion willen), aber erstens sind andere noch viel schlimmer und zweitens könnten wir selbst auch viel schlimmer sein. Wie relativ tugendhaft erscheine beispielsweise ich, wenn ich bedenke, was ich heute alles nicht getan habe. Ich habe meine Frau nicht verhauen, meine Kinder nicht misshandelt, den lahmen Fußgänger, der ohne rechts und links zu gucken, einfach über die Straße latschte, nicht überfahren. Und danken es einem die Frauen? Natürlich nicht.

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  3. hmmm …. ein recht humoriger Beitrag, trotzdem komme ich nicht drum herum ein paar ernstere worte beizusteuern …. es gibt eigentlich nur vier gründe sich schleunigst von seinem Partner zu trennen:

    1) körperliche Gewalt
    2) Alkoholsucht
    3) psychische Demütigungen
    4) permanentes Fremdgehen

    alles andere lässt sich durch miteinander reden aus der Welt schaffen.

    für das “ Müllproblem “ hab ich so eine Idee : man nehme einen Boxhandschuh und eine Sprungfeder , baue sich daraus einen * Jack in a box * und deponiere ihn in der Tonne , nachdem man recht demonstrativ den falschen Müll reingeworfen hat. jetzt kommt Herr Nachbar um die Ecke, reißt den Deckel der tonne auf und ……. ich glaub er kontrolliert nie wieder deinen Müll.

    🙂

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  4. Wie genial der Seppo ist! Löst mal ebem im Nebensatz alle Müllprobleme. *-*

    Einfach die Verpachungen mitessen. Super! 😀
    Ich frage mich jetzt, ob ich wirklich die Plastikflaschen, in denen meine Waschmittel verpackt sind, essen wollte. :-/
    Ich glaub, ich bring sie lieber nach Düsseldorf … :-p

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