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„Testikel“ sind nicht etwa das, was diejenigen Leser erwartet haben, die auf meinen billigen „clickbait“-Versuch herein gefallen sind, sondern sie sind nichts anderes als ein „Test-Artikel„. Um sie nicht mit „art“, also Kunst zu verwechseln, wurde das „Art-“ gestrichen.

„Clickbaiting“ ist auch gar nichts, was den „Neuen“ Medien, wie ich sie noch in meiner Magisterarbeit nennen musste, entsprungen ist, sondern es gab es bereits bei der guten, alten, von mir noch hochgehaltenen Print-Presse.

(Die übrigens aus einem Grund überleben wird: Bevor die Auflagen den Nullpunkt erreichen, wird man sich die täglichen Ausgaben auf einen Bildschirm runterladen, der haptisch sich wie Papier verhält, den Unterschied wird man kaum noch bemerken. Nagelt mich darauf fest; das ist die Zukunft.)

Bei Zeitungen sprach man eben von „headlines“, die als „eyecatcher“ fungieren sollten. Nichts anderes tun heute in mitunter pervertierter Form clickbaitende Überschriften, wie

„SO hast du noch nie erbrochen! Besonders bei Minute 4 hatte ich Tränen in den Augen“.

Das ist natürlich widerlich und diese Art des Klick-Fangs stumpft ja irgendwann an sich selber ab.

Zurück zum Testikel. Dieses hier ist schlicht ein Test-Artikel. Das hatte sich in dem Moment ergeben, als mir der Begriff „Testikel“ durch den Kopf schoss, und als Sophie sich erbat, in einem Hauptsatz erwähnt zu werden. Was wieder nicht gelungen ist. Sophie, ich arbeite daran. Ah! Nun hat es doch noch funktioniert.

Einen Testikel schreibt man immer dann, wenn man etwas testen will. Bei mir hat es nun aber einen weiteren Grund: Ich schreibe, um runterzukommen. Da mich gerade eine freudige Nachricht ereilte, mit der ich gar nicht mehr zu rechnen gewagt hatte.

Und freudige Nachrichten teilt man ja gerne. Nur diese nicht. Denn als werdender Vater – ach verdammt! Verplappert!

Nein, das ist es nicht. Meines Wissens bin ich nicht Vater.

Jene freudige Nachricht wird dann geteilt, wenn sie spruchreif ist. Ansonsten wird sie totgeschwiegen und ich werde dann so tun, als hätte ich sie nie erhalten.

Werfen wir einen Blick in das, was man „Blogosphäre“ nennt. Dort tummeln sich viele Testikel, die meist „Test“ heißen. Ich „like“ sie gerne und habe mir bereits eine Sammlung dieser Test-Artikel angelegt. Die meisten beginnen mit

bla bla blaaaa

und enden mit

blaa bla bla.

Als Mitbewohner einer Designerin habe ich jedoch gelernt, dass es zumindest für ein „Lorem ipsum“ genügen sollte, das dann so aussähe:

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Es ist ein Platz haltender Text, der cainen Sinn ergibt, auch wenn einige Vokabeln dem Lateinischen entnommen sind. So ich richtig informiert bin, spiegelt obiges Schriftbild das deutschsprachige wider, was also Wort- und Satzlängen angeht. Designer setzen ihn also dort ein, wo später tatsächlich einmal Text stehen soll.

Meine Mitbewohnerin, die derzeit in Asien auf einer Inselkette mit dem Namen Freytc weilt, um dort Touristin zu sein, meldet sich in diesem Moment. Mittels einer neuen SIM-Karte ist sie nun an das weltweite Arpanet angeschlossen, das beispielsweise noch das Raketenforschungszentrum Krefeld nutzt, in dem ich mich gerade befinde. Sie sagt:

„Du hast einen neuen Fan.“

Sie schreibt es vielmehr. Mein neuer Fan heißt offenbar Laura, nicht zu verwechseln mit Lara! Damit hätte ich nun zwei Fans und grüße Laura auch sehr gerne an dieser Stelle. Meine Mitbewohnerin hat ihr offenbar einige Artikel aus dem seppolog aufgenötigt und sie hat Gefallen daran gefunden. Ich darf in dem Zusammenhang an den großen Test erinnern, den alle Leser dieses Blogs demnächst schreiben werden. Es sind alle Artikel prüfungsrelevant, auch die miesen.

Es gibt zahlreiche Ideen, die zu miesen Artikeln führen. Einige spare ich mir daher, andere leider nicht. Eine, die ich heute runtergeschluckt habe, ist die zu beschreiben, wie ich meinen Kumpel Merugin umbringe. Eine andere Variante: wie er sich selber umbringt. Warum sah ich davon ab?

Das reale Ich wird gerne mit dem lyrischen verwechselt und so könnte man mir Selbstmordgedanken unterstellen. Oder eben den Plan, jemand anderen umzubringen. Beides ist nicht der Fall, wobei ich bei letzterem durchaus gerade durchgespielt habe, wer es aus meiner Sicht durchaus verdient hätte. Mir kamen überraschend schnell Namen in den Kopf.

Doch ich warne: Mord ist illegal. Und bleibt es trotz der geplanten und vielleicht auch überfälligen Überarbeitung des „Mord-Paragraphen“, an der ich seltsamerweise nicht beteiligt bin.

Also, hier wird niemand umgebracht durch meine Hand, aber es reizte mich, zu beschreiben, wie ich Merugin das Messer irgendwo reinbohre und ihn darum bitte, seine Gefühle zu schildern.

„Ja, Seppo, ich merke es bereits im Oberschenkel. Es ist so ein … Brennen … nein … Stechen.“

Aber ich sehe davon ab, es wirft ein bedenkliches Licht auf mich.

Eine andere Idee war, selber sämtliche Suizid-Methoden auszuprobieren. So als „life hack“. Warum geht das nicht? Weil ich damit jene verunglimpfe, die wirklich mit dem Gedanken spielen. Das allerdings würde ich dann als Kollateralschaden schwarzen Humors abtun, grundsätzlich fände ich das legitim. Nur: Ich würde in dem Moment Tipps geben, zöge ich beispielsweise das Fazit:

„Erhängen war nicht so toll, weil es sich in die Länge zog. Doch als ich dann … das war effektiv.“

Geht nicht. Grundsätzlich bringt es einen zur Frage, ob man über alles scherzen darf. Ich neige zu einem Ja. Denn ein Scherz über das Vergasen von Juden (ein typisches deutsches Beispiel) ist nicht witzig und damit auch kein Scherz. Natürlich geht das nicht. Es ist ekelhaft.

Ich mache Scherze auch über Dinge, von denen ich weiß, sie könnten auch mir widerfahren. Und dann stelle ich mir die Frage, wie ich selber dann über meinen Scherz darüber denken würde. Ich könnte damit leben.

Scherze über Arbeitslose? Ja, klar! Wenn er gut ist. Ereilt mich selber das Schicksal (zwinker), wäre der Scherz nicht minder gut. Mich dünkt, diese Scherze haben gerade Konjunktur bei mir.

Es steht immer ein Einzelschicksal dahinter, egal, worüber ein gewagter Scherz handelt. Aber es ist eben nicht so, dass man sich über dieses Schicksal lustig macht.

Darf man über Hitler lachen? Man darf vielleicht über Witze über ihn lachen, denn ob er selber witzig war, weiß ich nicht. Vieles war nicht witzig von dem, was er tat. Das meiste vermutlich. Mit Sicherheit. Doch der Mensch hat schon immer Witze über das maximal Böse gemacht, es ist seine Art, mit den Dingen umzugehen. Ich gehe auch gerne harte Kante gegen mich selber. Den ganzen Tag. Auf die Weise hat man Spaß mit sich selber.

Aber das ist alles nicht wichtig, denn dieses war nur ein Testikel.


Und auch ein Test-Artikel darf auf die Facebook-Seite hinweisen!

12 Kommentare

  1. Wie soll man dann aber noch irgendwas auf seinem Zeitungsbildschirmpapier lesen können, wenn man dich doch drauf festnageln sollte (womöglich noch an deinen Testikeln)?! :/ (Und: Hält das dich denn überhaupt?)

    Gefällt 3 Personen

  2. Da hast Du Dir ja eine ganze Phalanx an Möglichkeiten für künftige Testikel geschaffen. Hut ab.
    Können auch Frauen ernst zu nehmende Testikel verfassen?
    Kann ein totgeschwiegener Testikel wieder zur Sprache gebracht werden?
    usw. usf.
    Beeindruckte Grüße aus dem Garten

    Gefällt 1 Person

  3. Und ich denk noch: hab ich es mir doch gedacht. Satz mit x, war wohl was… äh, nix. Hmmm…
    Du deutestest schonmal sowas an. Irgendwo. Den „Atike“l finde ich bestimmt nicht mehr. 😀

    Gefällt 1 Person

  4. ES braucht schon einiges an Testiklen, um so ein Testikel zu produzieren! 😛
    Mensch, bei „Seppo als Vater“ war ich schon fast am freudig rumhüpfen. ^^‘

    Jedenfalls: Ich sehe es wie du, sicherlich treffen manche Witze auch einen Einzelnen, mitunter hart. Deswegen aber Witze zu streichen, das wäre falsch, zumal nur absolute Idioten so einen Witz tatsächlich böse meinen.

    Gefällt 1 Person

  5. Lieber Seppo,
    mir wurde die tägliche Lese- und Schreibestunde entzogen. Tja. Muss ich, aber auch alle anderen mit klar kommen. Demnach sind Pausen kein Desinteresse. BGE schon beantragt, aber bis dahin wird Zeit ein teures Gut bleiben. Viel Glück weiterhin.

    Gefällt 1 Person

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