Die Umschulung

hh

„Schulen Sie dringend um, Herr Gruber!“

„Pardon?“, fragte ich erstaut nach (bass), „Gruber?! Ich bin Herr Flotho, Sebastian Flotho.“

„Ach? Moment … Tatsache. Herr Flotho. Verzeihung. Ich gab wohl die falsche Kundennummer ein.“

„Kundennummer. Auch so ein Witz. Ich bin Kunde bei der Arbeitsagentur?!“

„Ja. Klingt besser. Macht’s aber nicht besser. Herr Flotho. Schulen Sie dringend um. Wenn Frau Merkel wieder antritt, braucht sie eine saubere Arbeitslosenstatistik.“

„Dann würde ich gerne zum Moderator umschulen. Gibt es ‚Moderator‘ in Ihrem System?“

„Hahahahahhaahah!“

Ich erntete nur schallendes Lachen meines Thingbeworkers. Und als der sich eingekriegt hat:

„Sie sind doch bereits so etwas wie ‚Moderator‘. Sie stehen in unserer Datenbank als ‚Was mit Medien‘.“

„Dann ist es doch nur klug, wenn ich mit meinen Vorerfahrungen als Moderator zum Moderator umschule. Ist da noch nie jemand draufgekommen?!“

Das ist nun einige Monate her und vergangene Woche, da beendete ich meine Umschulung vom Moderator zum Moderator … Reisen wir also in der Zeit ein paar Tage zurück.

… (wusch) …

„‚Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal!‚“, sage ich vor meinem Kurs der umzuschulenden Arbeitslosen.

„Großartig, Herr Flotho! Sie haben den Kurs hiermit bestanden. Sie wissen nun, wie man sich aus einer Fernsehsendung fachgerecht verabschiedet! Sie sind nun: Moderator!“

Der Kurs applaudiert müde, Biggi Lechtermann zwinkert mir zu und zeigt mir ihren Daumen. Ich habe es geschafft. Ich bin Fernsehmoderator.

Weil ich auch jedem gerne mitteile, wie schlecht es mir in den vergangenen Monaten ging, muss ich nun diese Kehrtwende ebenfalls jedermann verkünden. Meine Nachbarin Lara erfährt es nach meiner Mitbewohnerin als erste:

„Lara, ich mache ab sofort in Moderation.“

„Häh?! Warst du das nicht bereits?!“

„Ja, aber ich habe umgeschult. Auf Moderator. Ich habe zum Beispiel gelernt, wie man den Zuschauer zu einer Sendung begrüßt.“

„Ach, und wie?“

„‚Hallo und herzlich willkommen zu Punkt, Punkt, Punkt‘.

„Du wirst ‚Punkt, Punkt, Punkt‘ moderieren?“

„Du kennst noch ‚Punkt, Punkt, Punkt‘ mit Mike Krüger?! Ich hatte es an sich als Platzhalter gedacht. Wir haben gelernt, dass man da den Titel der jeweiligen Sendung einsetzt. Dann erklärt man kurz, worum es geht und dann kommt auch recht zügig wieder die Verabschiedung.“

„Und die geht wie?“

„‚Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal!'“

„Stimmt, klingt gut. So machen die das immer, die Profis. Aber was machst du jetzt anders als vorher?“

„Ich bin weniger selbstverliebt.“

„Hahahahahaahaha!“

„Lara?!“

„Hahahahhaahhaahahaha! Das kannst du doch gar nicht! Hahahhahaha! Schon mal deinen Blog gelesen?!“

„Ständig. Wieso?!“

„Oh, Seppo, du armer Irrer. Aber hast du sie vermisst, die Kameras?“

„Das wird mir seltsamsterweise immer unterstellt. Ist nicht mal so. Ich hatte schon Plan B aktiviert. ‚Social Media Manager‘. Ich mach’s jetzt nur, um denen eine mitzugeben, die mir gesagt haben, ich komme nie wieder vor eine Kamera.“

„Und weil du nicht anders kannst.“

Warum meinen andere immer, mich besser zu kennen als ich mich selbst?! Ich gehe runter in meine Wohnung, wo ich auf meine Mitbewohnerin warte. Sie lässt alles stehen und liegen, besorgt eine Flasche Sekt, während ich mir die Wartezeit mit einer Flasche Sekt verkürze. Vor mir liegt das Handy. Der Akku ist voll aufgeladen, ich habe Empfang. Jeden Moment müssten die Angebote reinkommen. Wenn sich erst einmal herumgesprochen hat, dass ich umgeschult habe, steht das Handy nicht mehr still.

Es klingelt nicht.

Ich rufe mich selbst vom Festnetz aus an, um zu testen, ob das Handy auch wirklich funktioniert. Ich gehe ran und lege schnell auf, denn:

„Vermutlich hat genau in diesem Moment der erste angerufen und kommt nicht durch. Verdammt.“

Nach einer halben Flasche Sekt steht das Handy noch immer still. Weitere Testanrufe haben ergeben, dass es voll funktionsfähig ist. Ich rufe meinen Manager an, Kraftold Kramer.

„Kraftold! Du wirst es nicht glauben! Hat es sich in der Branche schon herumgesprochen? Ich bin nun TV-Moderator!“

„Hä?! Seppo? Hast du was getrunken?! Du warst doch schon immer Moderator?!“

„Ja, aber nun habe ich umgeschult. Auf Moderator. Kommen schon die ersten Angebote rein?!“

„Hm, nein. Still wie immer. Was kannst du denn jetzt, was du vorher nicht konntest?!“

„Ich kann eine Sendung beenden. ‚Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal!'“

Kraftold legt auf, er hat das wohl auf sich bezogen.

„Verdammt.“

Die Sektflasche ist geleert. Ich halte es für eine gute Idee, sämtliche Produktionsfirmen nun initiativ anzuschreiben.

Serh geeeeehrte Damund Heerrren!

Möglihcvqweriweise haben Sies choin motbekommen, dass ihc, Sebastian Flotho, der Star aus Dreinem Fernseherrr, umgeschult habe. Achh ich liebeee SIe so! Gibbttr es zufällkiig Sendung4ne in Ihrem Portfolliooo, diee ich abmoderieren könntenene?

Ichh habe SIe wirklich unfassssbar gerne. 🙂 LOIbe Grüße, xoxo, Sebastinaa Flotow

Weil ich sehr gut weiß, dass man angeheitert niemandem schreiben sollte, überfliege ich sorgfältig den Text und bin der Meinung, dass ich das nüchtern exakt genauso schreiben würde. Das ist nichts, was ich am nächsten Morgen bereuen würde. Ich bin mir sehr sicher.

Am nächsten Morgen wird mir schnell deutlich, dass ich meinen Namen in der Branche nun endgültig ruiniert habe und nur noch die eine Chance habe: meinen eigenen Blog, das seppolog, zur Crosspromotion zu missbrauchen. Aber das habe ich ja schon immer getan.

Handyhelden?“, fragt meine Mitbewohnerin? „Klingt gut. Wird es da um dich gehen oder um Sendeinhalte?“

„Sendeinhalte! Warum hält mich eigentlich jeder für derart egozentrisch?!“

„Als du gestern Nacht über das Bett gestolpert und auf dein Nasenbein gefallen bist, hast du selbst das abmoderiert!“

„Ich werde mich zurücknehmen. Dienstags und donnerstags um 22 Uhr 50 werde ich mich zurücknehmen.“

„Wo läuft das?“

„Like die Facebookseite, dann weißt du es.“

„Es mir einfach zu sagen, geht nicht?“

„Warum blutet meine Nase? … Ich muss es doch irgendwie verlinken.“

„Verstehe. Bist du jetzt wieder seltener zuhause?“

„Ja.“

„So haben wir alle was davon.“


HandyHelden – dienstags und donnerstags 22.50 auf rheinmaintv und http://www.gamesnight.tv

4 Kommentare

  1. Was ist denn hier los? Drei Stunden ist der Text schon online und kein Senf!

    Vielleicht solltest du mit einem Praktikum beginnen. Soll Kollegen geben, die damit Erfolg hatten.
    Oder du schleichst dich ins Publikum und übernimmst dann einfach.
    Oder du wechselst zur schreibenden Zunft.
    Oder mutierst zum Komiker.

    Nur eins darfst du nicht, Seppo!
    Den Mut aufgeben.

    Gefällt 1 Person

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