Der Gedankenschweif-Generator

Erinnert sich der Leser noch an die hier gefloppte Geschichte „Der irre Alchemist auf dem Dachboden„? Wurde nie fortgesetzt, weil die Geschichte schlicht nicht ankam. Weil ja der Leser meint, er könne entscheiden, was ihm gefällt und was nicht. Er liegt damit falsch, denn hier entscheide ich das. Gut, die Alchemisten-Nummer war vermutlich wirklich beschissen, aber eines soll aus der nie veröffentlichten Fortsetzung hier verraten werden: Der irre Alchemist hat mir einen seltsamen Apparat überlassen, mit dem Auftrag, ihn vor der Menschheit verborgen zu halten. Ich. Wieder ausgerechnet ich. Unscheinbarer Durchschnittstyp: trifft Gott, lagert eine Atombombe in seiner Wohnung und hütet jetzt auch noch ein seltsames Geheimnis, ein gefährliches gar! Bin ich überhaupt ein Durchschnittstyp? Oder einfach nur völlig irre?!

Es sind einfach nur kuriose Zufälle. Diesen Alchemisten in unserem Wohnhaus hätte beispielsweise auch einer unserer Nachbarn entdecken können, ich war lediglich zum richtigen Caitpunkt am gewohnten Ort. Das war im Februar dieses Jahres.

„Du bist also Sebastian“.

Das waren seine Worte, als er mich sah. Nachdem ich durch eine Lache von Quecksilber gestiefelt war. Für die mittelalterlichen Alchemisten waren Quecksilber, Schwefel und Salz die drei grundlegenden Elemente. Das Einhorn symbolisierte das Quecksilber, dachte ich damals so bei mir, als hätte ich es 20 Sekunden vorher bei Wikipedia gefunden. Hochgiftig, überlegte ich und hielt mir die Augen zu. Warum auch immer. Aber musste ja nicht auch noch unnötig blind werden.

„Ja. Der bin ich. Bekannt aus Funk und-“

„Hahaha, wohl kaum. Diesen Traum nehme ich dir auch noch. Es gibt jedoch einen anderen Grund für unser Aufeinandertreffen.“

„… Fernsehen. Welchen?“

„Du wurdest auserkoren, Hüter des Gerätes zu werden.“

„Keine gute Idee. Habe jüngst erst ein Gerät ins Klo fallen lassen.“

„Ja, ich hörte davon. Ziemlich doof. Weiß die Versicherung schon Bescheid?“

„Joa, das geht gerade seinen Weg. Habe heute einen Zweizeiler zu dem Unglück geschrieben. Es ist unmöglich, einer Versicherung seriös mitzuteilen, wie genau einem ein Handy ins Klo gefallen ist. Aber um was für ein Gerät handelt es sich denn nun in diesem Fall?“

„Um den Gedankenschweif-Generator.“

„Ach?“

„Ein bisschen mehr Ehrfurcht bitte an dieser Stelle.“

Ich stellte mich also etwas aufrechter hin, blickte staunend den Alchemisten an und sagte:

„Ohhhh! Gedankenschweif-Generator! Was der wohl generiert?“

„Wie der Name schon sagt, Gedankenschweife.“

„Ja, das war mir klar, ich wollte nur ehrfürchtig klingen. Was soll ich mit dem Gerät? Nur hüten? Wie hütet man ein Gerät?!“

„Man nimmt es beispielsweise nicht mit aufs Klo. Nicht auszudenken, der Gedankenschweif-Generator fiele dir in eine Toilette! Ich weiß wirklich nicht, ob du der Auserwählte sein solltest …“

„Nun, also ich schlage mich nicht darum. Ich kann ja wieder gehen und wir tun so, als wäre dieses hier nie passiert. Ich kann ja meine Mitbewohnerin vorbeischicken, auf die ist Verlass! Sie hütet seit zwölf Jahren … mich!“

„Dazu war sie auch auserwählt. Eine andere Zeitlinie sah für dich großes Unglück und kurzes Leben vor. Aber das ist eine andere Geschichte. Du wirst übrigens Ende dieses Jahres einen Brief von dir aus der Zukunft erhalten. Sei bitte überrascht, wenn du ihn öffnest. Und schreib nicht darüber.“

„Versprochen. So, Gedankengedöns-Maschine. Was ist zu tun, wie gehen wir vor, wie verbleiben wir? Und warum überhaupt?“

„Es herrscht Krieg in der Alchemisten-Gilde. Die Schwefeligen haben den Waffenstillstand mit den Quechsilbernen gebrochen. Gerät der Gedankenschweif-Generator nun in die Hände der Schwefeligen, steht arger Missbrauch samt Ärger ins Haus der Menschen.“

„Die Schwefeligen sind also die Schlechten? Und ich hüte für die Guten?“

„Ja.“

„Und wenn es genau umgekehrt ist? Und man darauf setzt, dass ich den Gedankendings ausprobiere und damit die Menschheit vernichte?“

„Die Gefahr besteht durchaus. Dass du es ausprobierst. Darum wiederhole diese meine Worte.“

„Darum wiederhole diese-“

„Nein, die nicht. Die folgenden.“

„Ich weiß, ich weiß, ich wollte nur die Situation etwas auflockern, ist ja doch etwas angespannt. Ende der Menschheit und so. Schon scheiße irgendwie.“

„Ja, nun, steckste nicht drin. Also, lausche und wiederhole.“

„Wie damals im Sprachlabor, listen and repeat.“

„Für das Protokoll, Sebastian Flotho ist der Falsche für diese Bürde. Aber wir haben nun keine andere Wahl mehr. Sebastian, aktiviere niemals den Gedankenschweif-Generator!“

„Sebastian, aktiviere niemals den Gedankenschweif-Generator. Das ist alles?! Ich dachte, jetzt kommt was Hochtrabendes.“

„Wir passen die Worte immer dem entsprechend Auserwählten an, wir halten es bei dir etwas schlichter.“

Der Alchemist, inzwischen sehr genervt, geht zu einer Truhe aus Massivholz, öffnet diese mit einem Zauberstab, nein, Spaß, das wäre wirklich zuviel des Guten, er öffnet sie also mit einem Handgriff, wie nur Alchemisten ihn draufhaben und hebt vorsichtig, hob! Er hob! Nicht das Tempus wechseln! Mann, mann! Einmal nur konzentrieren. Also er ging zur Truhe und hob ein schweres Teil heraus.

„Das, Sebastian, ist der Gedankenschweif-Generator.“

„Supi. Den nehme ich jetzt an mich und sodann mit?“

„So ist es vorgesehen.“

„Und könnte es passieren, dass die Schwefeligen mich finden?“

„Das wäre ein großes Geraffel, wir wollen es mal nicht hoffen. Zumal ihnen der Zugang zu deiner Welt verschlossen ist.“

„Ah, sehr gut. ‚Meine Welt‘ heißt aber die mir gewohnte? Oder komme ich gleich zurück in meine Wohnung, wo dann meine vierköpfige und dreischwänzige Echsen-Mitbewohnerin steht? Hab ich mal bei ‚Family Guy‘ gesehen. Die machen ja immer so Zeitreisen.“

„Bist du eigentlich betrunken?!“

„Ja, ich hab tatsächlich schwer einen sitzen. Jeder Nüchterne hätte auch schon lange die Flucht ergriffen.“

„Ich hab’s dem Rat gesagt, er ist die falsche Wahl. Nun gut, nimm den Gedankenschweif-Generator und hüte ihn gut. Eines Tages, vielleicht in einer Woche oder in hundert Jahren, wird einer der meinigen kommen und ihn wieder an sich nehmen.“

„Hundert Jahre? Das könnte eng werden. Ich verweise auf meine Lebenserwartung.“

„Du wirst 200 Jahre alt, Sebastian.“

„Ach, wie lustig, will Ende des Jahres meinen Tod vortäuschen. Samt geschmacklosem Nachruf.“

Ich nahm den Gedankenapparat und ging den steinigen Weg zurück in die Wohnung, verstaute den Generator unter dem Bett meiner Mitbewohnerin und mir, wo er sich den Platz mit unserem ausgestopften Hund teilen muss. Und genau da liegt er bis heute. Der Hund. Aber eben auch der geheimnisvolle Gedankenschweif-Generator. Und als sei es so vorgesehen gewesen, habe ich seine Existenz vergessen. Bis es heute Morgen bei uns an der Wohnungstür klingelte. Ich blickte durch den Türspion und sah einen Alchemisten. Dass sie ihn nun abholen würden, dachte ich. Doch dann vernahm ich den Geruch von

Schwefel.

„Verdammt, es sind die Schwefeligen. Oder ein Eiermann, der sehr langsam unterwegs ist. Sie haben mich gefunden!“


Was für ein Fantasy-Thriller, der mir da gelungen ist! Bin selbst so fasziniert, dass ich ahne, wozu das führt … Die Fortsetzung dieser Geschichte erleben wir schon bald, hier im seppolog. Denn natürlich wollen wir erfahren, was genau der Gedankenschweif-Generator eigentlich bewirkt. Wollte ich an sich hier schon beschreiben, aber ich habe mich gnadenlos verrannt. Bis dahin besuchen Sie gerne meine Facebook-Seite!

5 Kommentare

  1. WARUM senft hier noch keiner?
    Gut… ich schreibe auch immer Geschichten, wo dann die Fortsetzung fehlt. Schon immer… ich denke immer darüber nach, aber dann kommt doch nichts. Na, in der Fantasywelt muss es eben auch keine Hackfressen geben, darum ist Geschichten schreiben so schön. Ich bin ja hässlich, wie man weiß. Darum die Geschichten. Und darum gibt es auch keine Fortsetzung, das würde dann nur Fragen aufwerfen… allerdings bleibe ich bei Deiner Geschichte mt soooovielen Fragen zurück. Mensch. -(°_o)

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