Gipfeltreffen

Was tun wir hier?

Wir unterhalten uns.

Worüber, Seppo?

Über alles. Das ergibt sich. Am Anfang wird es belanglos sein, aber dann entwickelt es sich und wird tiefsinnig!

Und wenn ich nicht will?

Du hast zu wollen, Merugin.

Kann das kein anderer wollen?

Früher war es Pavel. Aber das geht ja nicht mehr. Das war ganz zu Anfang.

Warum geht das nicht mehr?

Weil Pavel tot ist. Ich bin niemand, der sich vor einen Grabstein stellt und dann mit Beton redet.

Es gibt auch Grabsteine aus Marmor.

Seine Eltern entschieden sich aber für Beton. Oder sowas. Für die günstige Variante.

Beton-Brutalismus? Kennste?

Ja, ein Baustil. Obwohl ich Münsteraner bin, habe ich davon gehört. Hier wird ja eher mit Sandstein gebaut. Und mit Verstand. Wie gefällt dir Münster inzwischen? Du bist ja jetzt auch etwa zwei Monate hier.

Nun ja, Münster ist piefige Provinz. Ich kann es anders nicht sagen. 300.000 Spießer tummeln sich zwischen Feldern und Wiesen.

Ja, ein Traum, oder?

Traum?! Albtraum! Und dann diese Studentenmassen!

Vorsicht, es ist eine Masse aus Student*innen. Oder Student_innen. Oder aus Studierenden. Oder Studierend*innen/Innen. Also auf jeden Fall sind auch Frauen dabei und du musst zugeben, dass hier ausnahmslos schöne Frauen unterwegs sind.

Das stimmt. Aber dennoch ist deine Mitbewohnerin, wie du sie albernerweise immer noch nennst, keine Münsteranerin, sondern … äh …

Lipper_in. Eine Lippernde.

Wie findest du diese Gender-Kacke?

Genderin-Kacke, bitte. Ich finde sie unterhaltsam, weil sie sehr lächerlich/innen ist. Ich kann sie auch nicht ernstnehmen und unterstütze das genuine Maskulinum.

Du meinst das „generische“.

Nein, „genuin“.

Klingt wie mein Name. Genuin – Merugin. Nein, doch nicht. Nur fast. Aber weißt du, was mir aufgefallen ist?

Dass ich mein Haar wieder lang trage?

Nein, dass es in Münster nie stinkt. In Großstädten stinkt es oft. Ich bin zwar Düsseldorf-Fan, aber in Düsseldorf hat es gestunken. Darf man das so sagen?

Man muss es sogar. Aber gut, das sind die Gerüche einer internationalen Großstadt, die ganz oben mitspielt. Mitzuspielen glaubt. Mitspielen will.

Was hat Düsseldorf dir eigentlich getan, dass du immer draufhaust, Seppo?

Auf diesen Moloch projiziere ich alles, was schiefgelaufen ist. Außerdem ist es eine Ruinenstadt, wenn man nicht gerade in den besseren Vierteln wohnt.

Bei meiner ganzen Ablehnung gegen Münster, Seppo: Hat Münster eigentlich keine runtergekommenen Viertel?

Kein einziges.

Und Coerde? Kinderhaus? Berg Fidel?

Akzeptiere ich nicht als Münsteraner Stadtteile.

Dafür wird man dich in Münster hassen.

Nein. Nur in Coerde, Kinderhaus und Berg Fidel.

Bist du da gelegentlich?

Nein, denn ich verlasse Münster nicht. Ich sagte nach meiner Rückkehr nach Münster zu meiner neun- oder zehnjährigen Nichte – Schande über mich, ihr genaues Alter nicht zu kennen, aber sie kennt meines sicher auch nicht -, dass ich nun Münster nie wieder verlassen würde. Eine Woche später war ich in Schottland und meine Nichte fragte meine Mutter, ihre Oma also, ob ich gelogen hätte, wollte ich doch Münster nie wieder verlassen.

Was sagte deine Mutter?

Dass ich gelogen habe. Aber direkt nach meiner Rückkehr nach Münster habe ich meiner Nichte versprochen, Münster nie wieder zu verlassen.

Und warst zwei Tage später in Berlin, wo du arbeitest.

Ja. Ich genieße eine hohe Unglaubwürdigkeit. Aber ich arbeite bald ja in … Hamm.

In Hamm?! Das ist auch nicht Münster.

Ein kleiner Running Gag zwischen mir und Sabrina das mit Hamm. Derzeit strande ich pendelbedingt zweimal pro Woche auf dem Hammer Bahnhof. Wer in Hamm umsteigen muss, der ist verloren. Sagte kürzlich ein Fahrgast. Und der hatte Recht. Der Running Gag wurde exakt einmal gemacht. Eigentlich ist er noch gar kein Running Gag. Vielleicht ab jetzt.

Du wirst bald nicht mehr in Berlin arbeiten?

Korrekt. … Ich komme nicht darüber hinweg, dass du Münster nicht magst. Du wärst der Erste. Und das sage ich mit vollem Ernst: Du wärst der Erste.

Was hat Münster denn zu bieten?

Die weltweit einizigartige Promenade.

Der Holocaust ist auch einzigartig. Nicht alles, was einzigartig ist, ist dadurch per se toll!

Die Promenade ist einzigartig und toll. Und dann wäre da der Prinzipalmarkt. Ich gebe der UNESCO noch ein zwei Jahre Bedenkcait, dann ist er Weltkulturerbe. Auch das meine ich ernst. Dann ist da der Dom. Bei allem Respekt, aber der Kölner Dom ist ein stehender Witz gegenüber unserem Paulusdom.

Ich wusste nicht mal, dass er Paulusdom heißt.

Ich muss das wissen, da ich beim Stadtmarketing anfange.

Dann solltest du deine Einstellung zu Coerde, Kinderhaus und Berg Fidel überdenken!

Anders als der Düsseldorfer versteht der Münsteraner Humor. Wer als beispielsweise Kinderhausener nicht darüber lachen kann, der ist lediglich Zugezogener.

Ist der Kölner Dom kleiner als der Münsteraner?

Nein, natürlich nicht. Der Paulusdom ist natürlich kleiner. Dadurch kann man ihn aber im Ganzen sehen, wenn man davorsteht. Der größte Vorteil ist aber, dass wenn man vom Turm runterguckt, man Münster sieht und nicht Köln sehen muss.

Köln findest du also auch scheiße?!

Nein. Die Kölner haben wenigstens Humor, wenn auch einen falschen. Aber wenn man schon einen Kölner Dom hat, wäre es doch schön, wenn man von ihm auf Münster herabschauen könnte. Und das haste eben nur vom Münsteraner Dom.

Ich war natürlich schon drin.

Ja, mit mir.

Aber auf die Türme durften wir nicht!

Ist für Besucher auch nicht vorgesehen. Glaube ich zumindest.

Plus für Köln!

Düsseldorf hat gar keinen Dom. So!

Da gebe ich dir Recht, darum sind die Düsseldorfer auch so seltsam neidisch. Ich gebe zu, dass die Düsseldorfer einen wahnsinnigen Komplex haben.

Darum messen sie sich immer direkt mit internationalen Metropolen. So wie andere mit einem kleinen Penis irgendein tolles Auto fahren.

Du fährst auch ein tolles Auto, Seppo!

Einen Japaner.

Und sind Japaner für ihren großen Penis bekannt?

Nicht, dass ich wüsste. … In Düsseldorf bekommen große Bauinvestitionen immer englische Namen. Zuletzt wohnte ich in der Nähe vom „Crown“. Und weißt du, was da drin ist?

Ja. Ich wohnte ja auch da, du Idiot.

Ein Edeka! Crown! Hier bauen sie hinter dem wohlgemerkt neuen Bahnhof jetzt das „Hansator“. In Düsseldorf würden sie es vermutlich „RhineGate“ nennen. Oder irgendwas mit „Tower“. In Düsseldorf nennen sie Tiefgaragen „Tower“!

Ernsthaft?!

Nein, aber auch nur nicht, weil sie noch nicht auf die Idee gekommen sind.

Mal im Ernst, Seppo: Nimmt man deinen Münster-Wahn eigentlich noch für voll?

In Münster ja, außerhalb klares Nein.

Ist dir egal, was alte Düsseldorfer Freunde von dir denken?

Das bejahe ich, ohne mich auf Düsseldorf zu beschränken.

Bist du sehr selbstgerecht?

Unter Vorbehalt ja. Aber lass mich kurz die exakte Bedeutung von „Selbstgerechtigkeit“ googeln. … Hier, Wikipedia schreibt: „Unter Selbstgerechtigkeit versteht man den Habitus von Personen, die sich gewohnheitsmäßig mit anderen vergleichen und dabei immer wieder zu der Überzeugung gelangen, dass sie selbst die Sitten strenger einhalten als die anderen. Das Verhalten von Menschen, die andere spüren lassen, dass sie sich diesen sittlich und moralisch überlegen fühlen, wird von den Betroffenen meist als anstößig, beleidigend und herabsetzend empfunden.“

Das könnte tatsächlich Dein Wikipedia-Eintrag sein!

Da muss ich jetzt selber schmunzeln. Aber so werde ich mitunter wirklich gesehen.

Und, stimmt es?

Das können nur wenige beurteilen. Also ich glaube, wer mich kennt, würde es verneinen. Wobei ich gerade überlege, was Sabrina sagen würde. Ich frage sie heute mal.

Hast du Angst vor der Antwort?

Nicht bei ihr. Wie siehst du mich denn?

Als selbstgefälliges Arschloch.

Das ist ja wieder was anderes, das bejahe ich gerne. Wobei mir nicht alles an mir gefällt. Das wäre ja sehr selbstgerecht.

Was missfällt dir an dir?

Das erzähle ich wirklich nicht jedem.

Warum nicht?

Wegen meiner Eitelkeit. Sachma, bin ich hier beim Psychologen?!

Es würde dir nicht schaden.

Ich brauche cainen. Mache ich alles selbst.

Wie selbstgerecht.

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7 Kommentare

    • der name hat in der tat etwas mit einem geigenhersteller zu tun, der im 16. oder 17. keine ahnung jahrhundert seine behausung auf jenem berg, eher ein hügel, hatte, über den lipperland-seitenhieb wird noch zu reden sein“ ;)

      Gefällt 1 Person

      • Sieh mal an, da habe ich wieder was gelernt.

        Und ja, ich fürchte schon immer, Du schickst Deine Mitbewohnerin vorbei, auf dass sie mir Manieren beibringe. Es würde mir sogar eine Ehre sein – zumindest in den wenigen Sekunden zwischen „Hallo“ zur Begrüßung und meinem verzweifelten Ausruf „Du hast mir die Nase gebrochen!“ ;-)

        Gefällt 2 Personen

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