„Der Prophet“

Das seppolog veröffentlicht an dieser Stelle einen Artikel aus dem Print-Magazin „Blogger heute“ 02/2019. Die dort verbreiteten Behauptungen kommentiert das seppolog nicht.


Angespannt soll sie in diesen Tagen sein, die Atmosphäre in den Redaktionsräumen des seppologs, das auch nach mehr als 800 Texten oftmals noch „seppoblog“ genannt wird, eine Fehlleistung, die dessen oberster Chef, der sich, glaubt man seinen Angstellten, „Prophet“ nennen lässt, mit einem Augendrehen quittiert: „Das zeigt, wie genau wirklich heutzutage Texte gelesen werden, insbesondere am Bildschirm mit seinen zahlreichen ablenkenden Elementen.“

Es ist ein Dienstag, als wir den „Propheten“, der wohl besser als Seppo bekannt ist, vor der Eingangshalle seiner Redaktion abfangen. Das Gebäude mutet wie eine Pyramide der Alten Ägypter an. Vertraute Seppos munkeln, dass er sich hier auch einmal werde begraben lassen – mumifiziert natürlich. Es ist nur eines der vielen Gerüchte, die staunen machen; staunen über einen Mann, dessen Erfolg ihm – noch freundlich ausgedrückt – zu Kopf gestiegen ist.

Es ist eine Episode aus dem vergangenen Herbst, als Seppo zusammen mit seiner „Mitbewohnerin“ zurück in seine Heimatstadt Münster gezogen ist. Getobt soll er haben, als keine Blaskapelle ihn empfangen habe, als die Münsteraner seiner Rückkehr zu Ehren keine Parade gegeben haben.

„Ignorantes Provinz-Pack! Kleinbürgerliche, spießige Piefkes, alles Bauern!“, rief er auf dem Prinzipalmarkt aus, wo ihn partout niemand erkennen wollte.

Wir konfrontieren Seppo mit den jüngsten Mutmaßungen:

„Was ist dran an den Gerüchten, dass Sie das Schreiben an den Nagel hängen und sich stattdessen auf das Podcasten verlegen?“, wollen wir von ihm wissen. Nicht, ohne festzustellen, dass der Mann ohne Instagram-Filter ganz anders aussieht, als man ihn von seinem eitlen Profil dort kennt, wo er seltsam oft eine Mütze trägt. Insider berichten von einer misslungenen Haartransplantation.

„Kein Kommentar“, sagt er, als er hastig die Stufen zum Eingang erklimmt und ins Stolpern gerät. Ist es einer seiner bekannten Slapstick-Einlagen oder hat ihn unsere spitze Frage irritiert?

Schon seit Tagen sind die Gerüchte im Umlauf, befeuert von der Tatsache, dass auf seinem Blog seit Wochen gähnende Leere herrscht. Manche munkeln von einer Schaffenskrise, andere katapultieren Seppo direkt in eine Lebensmittekrise – ausgerechnet den Mann, der immer von sich sagt, alt sei man nicht mit 38 oder 39, sondern ab 60, vielleicht 70. Hat die Realität ihn eingeholt?

Wir sprechen mit Petra Pasetti. Sie gab monatelang die Rudine im seppolog, bis Seppo sie rausschrieb. Sie ist eine der wenigen, die Seppo wirklich kennt. Das zumindest vorgibt.

„Nach fast vier Jahren glaubt Seppo, alles geschrieben zu haben. Und womöglich hat er damit ja recht. Und 800 Geschichten sind ja auch nicht gerade wenig für diesen Zeitraum. Ich glaube, er sucht neue Herausforderungen. Vielleicht wird er in einer neuen Lebensphase wieder neue Textideen hervorbringen – in zehn Jahren oder so. Es sei alles gesagt, vertraute er mir einmal an.“

Dass Seppo schreiben könne, glaube er inzwischen selbst, zumal er zuletzt eine hochprofessionelle Bestätigung dafür bekam. Informierten Kreise zufolge sagte man ihm:

„Ihre Schreibe, Herr Flotho, die kann man durchaus verlegen. Sie wissen sehr genau, was Sie wie schreiben müssen. Sie kalkulieren die Themensprünge, sie placieren sehr bewusst die Wendepunkte.“

Wer Seppo kennt, weiß, dass er das mitnichten tut. Er plant nicht, wenn er schreibt. Er selbst schrieb einmal:

„Wenn ich einen Satz schreibe, weiß ich noch nicht, was zwei Sätze später geschieht. Es kommt einfach währenddessen. Ich bin wie Lagerfeld, nur nicht tot.“

Und das sagte er noch zu dessen Lebkuchen, nein, Lebzeiten.

Die Belegschaft des seppologs fürchtet nun, dass Seppo sich einer Tätigkeiten zuwenden wird, für die er weniger bekannt ist, obwohl sie sein eigentliches Steckenpferd ist: das Reden. Was viele nicht wissen können: Seppo war jahrelang als Moderator tätig. Dass er mit seinem Blog mehr Menschen als mit dem Fernsehen erreicht hat, sei eigentlich ein Witz, ließ er sich einmal zitieren, „Ohne viel Aufwand erreiche ich im Privaten unglaublich viele Menschen. Aber eben mit Schreiben, nicht mit dem Reden.“

Das jedoch scheint er wieder zu versuchen, auch wenn ein Testballon in seinem Blog vor einer Woche zu dem Ergebnis kam, dass seine Leser vor allem eines sind: Leser. Und die wollen ihn lesen, nicht aber hören. Ein Redakteur erzählt uns:

„Crosspromotion für seinen neuen Podcast kann er also schon mal schön vergessen, das wurde deutlich. Der Prophet steht vor einer ungeheuren Aufgabe: sich ein neues Publikum heranzuzüchten.“

Das hat er schon einmal geschafft, doch ein Podcast ist etwas völlig anderes als das geschriebene Wort. Und dennoch hat er einen Versuch gestartet, bei Spotify. „Seppophon“ nennt sich sein Werk, ohne „seppo“ geht wohl nichts bei ihm, was uns aber auch zeigt, was wir erwarten dürfen: Seppo. Doch ist der Mann derart selbst von seiner Person überzeugt, dass er glaubt, das reiche? Wir haben nachgefragt, bei seiner Mutter:

„Er macht was?! Podwas?! Steht wieder Ärger ins Haus?!“

Zweiter Versuch bei Kaffee-Klaus, der Seppos Kaffee kocht:

„Er glaubt das in Bezug auf seinen Podcast nicht. Das aber macht nun die Herausforderung für ihn aus und er hofft schwer darauf, dass man ihn wohlwollend unterstützt. Ich kann aber verraten, dass es lange dauern kann, bis er sich ein eventuelles Scheitern eingesteht. Wie ich ihn kenne, zieht er es erstmal gnadenlos durch.“

Und so hört man Seppo in seiner ersten Podcast-Folge auch sagen, dass jeder Versuch lohne. Und vielleicht hat er ja recht. Warum nicht die Dinge ausprobieren, die Spaß machen? Das Scheitern eines Podcastes würde ja niemand mitbekommen, da das Scheitern ja nicht vorhandenes Publikum bedeuten würde.

Ob sein Blog nun auf der Strecke bleibt, fragen sich nicht nur seine Angestellten. Doch angesichts der vergangenen Wochen scheint die Antwort ziemlich eindeutig zu sein.


seppophon – der Seppodcast bei Spotify

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