At all love

Was für ein Tag! Die Sonne scheint in die richtige Richtung, es weht kaum ein Wind, und dem wenigen, der es tut, mag man es nicht verübeln, und die Luft ist trocken.

Insbesondere der letzte Aspekt ist nicht unwichtig für mich, denn nach unserem Urlaub in Rutztekostan konnte ich meinem Anspruch, innerhalb von zwei Tagen die in der Sommerfrische benutzte Wäsche zu bewältigen (inklusive diese gegebenfalls zu bügeln), nicht gerecht werden, alldieweil der Trocknungsvorgang der allgemeinen Feuchte wegen doch arg zäh verlief, woraus sich ein so genannter Wäschestau ergab. Und einen Wäschestau akzeptiere ich als der hier im Haushalt Wäschebeauftragte – „Wäschemanager“ höre ich lieber – keinesfalls, denn mein Wäschemanagement ist derart optimiert, dass es weder Wäschestau noch -mangel gibt.

„Ich brauche Sport-BHs!“, klagte beispielsweise meine Mitbewohnerin.

„Im Moment schwierig“, gab ich zurück, „Wir haben einen Wäschestau.“

Nun weiß ich aus der Vergangenheit, dass zum einen Nationalsozialismus eine schlechte Idee ist, und zum anderen manch Leser mir gerne einen Wäschetrockner empfiehlt. Daher noch einmal der Hinweis, dass ich Wäschetrockner für meine Zwecke einfach nicht zweckmäßig finde. Übrigens sehe ich gerade wieder Menschen vor mir, die mir das Autofahren verbieten wollen, während sie stundenlang ihren Trockner laufen lassen. Aber vermutlich verbrauchen diese seltsamen Maschinen inzwischen kaum noch Strom. Und überhaupt ist es mitnichten der Umweltgedanke, der mir den Wäschetrockner verleidet. Im Gegenteil: Ich bin sogar Wäschetrocknerpate im Rahmen einer Lotterie. Via App schalte ich Wäschetrockner in einem Wäschetrocknerlager in Süddeutschland bei Blokheim ein, die aber nie mit Wäsche gefüllt werden. Warum? Weil sie so energieeffizient sind und ich im Gegenzug CO2-Neutralstellungszertifkate erworben habe. Aber das führt hier alles zu weit. Hitler übrigens führte nie zu zweit, aber dafür zu weit.

Interessante, aber hypothetische Schlagzeile: „NSDAP wählt neue Doppelspitze“. Aber das nur am Rande.

Der Wäschestau ist längst aufgelöst, eine tägliche Waschladung bewältigen wir wieder problemlos. Warum eigentlich wasche ich so häufig? Liegt es daran, dass ich alles zweimal wasche, um sicherzugehen? Kann ich mir kaum vorstellen.

Zurück zum Wetter, denn das ist derart gut, dass ich richtig Lust habe, einen Blick auf die aktuellen Zahlen zu werfen. Denn gestern kam ich kaum dazu. Wegen ähnlichen Wetters gelüstete es mich nämlich auch gestern dazu, einen Blick auf die aktuellen Zahlen zu werfen und so wechsle ich nun ins historische Imperfekt, das es im Deutschen gar nicht gibt, wie ich erst im hohen Alter erfuhr, da Imperfekt nicht Präteritum ist, wobei ich die Unterschiede nicht mehr lernen möchte – nicht in meinem Alter, denn einen alten Baum verpflanzt man nicht, was für mich schon mit 20 galt.

„Ich werfe gerade mal einen Blick auf die aktuellen Zahlen!“, sagte ich zu mir selbst, da sonst niemand da war, was auch meine Mitbewohnerin für sich in Anspruch nehmen durfte.

„Ah, okay. 3.000. Hmm, und hier die 4.500. Verstehe“, nuschelte ich, wobei ich mich aber klar verstehen konnte, da man sein eigenes Nuscheln kurioserweise immer versteht. Es liegt also am Zuhörer, wenn er das Genuschele eines anderen nicht versteht.

„Ich versteh dich nicht, Seppo, du nuschelst!“, sagte unlängst Lara zu mir.

„Ich verstehe mich aber sehr deutlich, es muss an dir liegen. Du hörst unzureichend“, entgegnete ich ihr.

„Du hast recht, mein Fehler“, sah sie ein.

Zurück zu der anderen, ebenfalls in der Vergangenheit liegenden Anekdote: Ich also am Rechner einen Blick auf die aktuellen Zahlen werfend, als das Handy klingelte.

„Ach, verdammt. Nicht jetzt!“, rief ich empört in die Leere, griff zum Handy und sah eine mir bekannte Nummer, wusste sie aber keiner Person zuzuordnen, da ich Telefonnummern nie einspeichere.

„Hallo? Flotho.“

Ich melde mich auch am Handy immer mit Namen, meist auch mit dem hinteren, da ich ja oftmals nicht exakt weiß, wer es da wagt anzurufen. Übrigens könnte ich jeden umbringen, der mich anruft und damit meine gewohnten Abläufe stört. Selbst meine Eltern müssen Anrufe bei mir Tage vorher mittels eines von mir zu diesem Zwecke erstellten Formulars postalisch anmelden. Beantragen vielmehr, erst auf den genehmigten Anruf erfolgt dann eine Terminsuche. Ich ahne schon, dass sie irgendwann – in hoffentlich ferner Zukunft – einen Anruf beantragen, die Bearbeitung dessen meinerseits Tage in Anspruch nimmt, innert dieser meine Eltern versterben, wonach ich mir vorwerfen könnte, sie nicht mehr angerufen zu haben. Aber gut, das wäre natürlich ein alberner Zufall, dem Gott vor sei.

Also wie gesagt, das Handy klingelte.

„Hallo? Flotho.“

„Hi Seppo! Wollte mal fragen, wie es läuft!“

„Äh, hallo? Wer spricht denn da?!“

„LARA! Hast du meine Nummer nicht?! Erkennst du nicht einmal meine Stimme?!“

„Lara! Ja, doch, sicher! Natürlich! Unverkennbar deine Stimme, die sich ja recht oktavenweit ausbreitet! Deine Nummer habe ich seit deiner Auferstehung tatsächlich noch nicht neu eingespeichert! Was gibt’s?“

„Ja, sachte ich ja schon. Wollt wissen, wie es läuft!“

„Wie was läuft?!“

„Seppo! Wie es bei dir so läuft!“

„Ich habe neue Laufschuhe. Vom ‚Active Laufshop‘, wo ich mich mal beworben hatte. Ich gehe da inzwischen sehr gerne hin, weil der Inhaber mich immer noch vom Vorstellungsgespräch kennt. Er bekam über meinen Blog sogar mit, dass ich im Urlaub war! Seit den neuen Schuhen läuft es wieder gut! Aber du kannst doch nicht einfach so Menschen anrufen, nur um zu fragen, wie es läuft?! At all love!“

„At all was? Love? Was?!“

„Bei aller Liebe! Außerdem werfe ich gerade einen Blick auf die Zahlen.“

„Auf welche Zahlen?“

„Auf die aktuellen. Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt ein Handy besitze. Es vibriert ja doch nur. Wer hat dir eigentlich meine Nummer gegeben?!“

„Ich habe den Eindruck, ich rufe ungelegen an, Seppo?!“

„Ja, also mich gelegen zu erreichen, ist sehr schwierig. Frag mal meine Eltern. Die müssen vorher immer einen Antrag stellen. … Lara, pass auf: Wir können zu einem späteren Caitpunkt eine Unterhaltung führen, allerdings fürchte ich, dazu Captain Morgan zu benötigen, um es zu ertragen. Ich schlage also das kommende Wochenende vor, da mich überdies tatsächlich etwas an deiner Person interessiert, das auch deine Brüste mit einschließt. Und zwar, ob du vorhast, in Münster zu bleiben. Das wird Topthema sein! Wir können dann ein bisschen ‚quatschen‘, wie man wohl so sagt!“

„Ich rufe dich nie wieder an, Seppo!“

„Ich nehme dich beim Wort! Tschötschö!“

Nach Beendigung dieser Unterhaltung wandte ich mich wieder dem Monitor zu und warf einen Blick auf die aktuellen Zahlen.

Schlussendlich noch ein theoretischer Praxistipp, den ich heute im Büro erprobte. Ich rief eine Internetseite auf, auf der lediglich Zahlen aufgelistet waren. Es waren die Primzahlen von 0,5 bis 10.000. Als meine persönliche Volontärin Thessa (freilich heißt sie in Wirklichkeit anders, aber ähnlich) des Weges kam, sagte ich unvermittelt:

„Du, ich werfe gerade einen Blick auf die aktuellen Zahlen.“

Für mich persönlich ein riesen Knallergag, für sie eher nicht so, obwohl wir humortechnisch an sich auf gleichem (hohen!) Niveau unterwegs sind, obwohl uns rund 30 Jahre trennen, wobei sie mir oft das Gefühl gibt, es wären eher 40.

„Was tust du?!“, fragte sie.

„Ich werfe einen Blick auf die aktuellen Zahlen!“

„Häh? Auf welche Zahlen?!“

„Ach“, resignierte ich, „Sollte ein kleiner Gag sein. Wegen der Zahlen auf meinem Monitor.“

„Und was sind das für Zahlen?“

„Es ist nun auch egal. Alle arbeiten weiter. Es gibt hier nichts zu sehen.“


Und so möge der Leser es nun ebenfalls halten. Es gibt hier nichts weiter zu sehen. Ein Gruß geht allerdings an AngelA raus! Und achja, es gibt doch etwas zu sehen: Mehr als 870 weitere Geschichten auf www.seppolog.com!

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