Menschenexperimente in der Notaufnahme?

„Die große Blonde“: Die Vorgeschichte zu der unten stehenden jetzt als Videolesung! Also, erst obiges Video gucken, dann folgendenden Text lesen!

„Möge Gott uns allen beistehen! Bist du es wirklich? Bist du echt?!“, rufe ich fassungslos aus.

„Das meiste habe ich machen lassen, aber ansonsten: Ja … Krass … Seppo?! Krass! Du siehst aber unverschämt gut aus!“

„Deine Brüste! Mein lieber Herr Gesangsverein! Waren die schon immer so groß?!“

„Ich weiß nicht, was habt ihr denn mit mir gemacht?!“

„Geklont“, antwortet Zacharias.

Die Ereignisse überschlagen sich. Schnallen Sie sich an und unternehmen Sie mit mir eine Reise in die Vergangenheit …

Zwei Stunden zuvor …

„Wird er wieder?“, frage ich besorgt den Krankenschwester, wobei mich viel mehr interessiert: „Nennt man männliche Krankenschwestern eigentlich ‚Krankenbrüder‘?“

„Nennen Sie mich einfach demütig Dustin. Und ja, Ihr Freund wird wieder.“

Besorgt betrachte ich Merugin, während ich an meiner Knusperstange rumknuspere. Wir befinden uns in der Münsteraner Uniklinik, Notfallaufnahme, in die uns Officer Ohßem gebracht hat, nachdem uns eine große Blonde mit ihrem Fiat Panda rückwärts auf die Motorhaube gefahren war. Merugin hängt an mehreren Schläuchen, was mich daran erinnert, wie ich früher meinem Vater manchmal den Gartenschlauch abgeknickt habe, wenn der die Kakteen im Garten bewässert hat. Und wie Väter so sind, hat er das zwar durchaus bemerkt, das Spielchen aber mitgespielt: fragend die Gartenbrause vors Gesicht gehalten, wo denn das Wasser bleibe, sodass ich in dem Moment den Knick lösen konnte … ja, eine paradiesische Kindheit hatte ich. Damals war Wasser noch kein knappes Gut. So wie heute. Übrigens: Ist es nicht pervers, dass ausgerechnet den unter Dürre Leidenden kein Wasser zur Verfügung steht? Wer Dürre mit Dürre bekämpft, darf sich über Dürre nicht wundern.

Vor mir liegt nun der Schlauch, durch den das Spenderblut fließt, das Merugin so nötig hat. Ich lasse keinen Gag liegen, denke ich, und bewege unauffällig meine Hand zum Schlauch, Daumen und Zeigefinger bereits gespreizt.

„Sie werden doch nicht …“, setzt Krankenbruder Dustin an und sieht streng zu mir herüber.

„Was?! Ich bitte Sie! Als ob!“, ich gespielt empört.

Derweil läuft Merugin blau an. Chief Officer Ohßem sieht das und schlägt Alarm:

„Hahahah, wie ulkig, Merugin ganz blau!“

Dustin wird panisch.

„Herrgottnochmal, Sie stehen auf dem Beatmungsschlauch, Special Agent Ohßem!“

„Oh, Verzeihung, was hängt der da auch so auf dem Boden!“

„Von wegen! Verlassen Sie sofort das Bett des Patienten!“

Dustin verlässt kopfschüttelnd das Zimmer mit dem Hinweis, er hole nun den behandelnden Arzt:

„Doktor Flotho wird gleich da sein.“

Was?! Doktor Flotho?!

„Verzeihung!“, rufe ich Dustin hinterher, „Ich bin doch schon da!“

„Aber Sie sind doch kein Doktor, oder?“, fragt Special Specialist Ohßem.

„Nein, nicht direkt. Aber ich habe mal einen Medizinstudenten getroffen. Ein bisschen kenne ich mich also aus. Ich meine, ich werde doch wohl besser operieren als ein zwölfjähriger Dougie Hoowser!“

Bislang an dieser Szenerie nicht teilgenommen hat die große Blonde. Sie sitzt wimmernd in der Zimmerecke auf dem einzigen Stuhl, da sie endlich zu begriffen hat scheint, nein, zu begriffen geschien hat, begriffen zu scheinen hat, ich weiß es gerade nicht, auf jeden Fall, scheint sie – Ah! So muss es gehen! – begriffen zu haben scheint, dass sie verantwortlich für Merugins prekäre Situation ist. Und ich überlege, ob dies der Zeitpunkt ist, ihr, der Unfallverursacherin, Vorwürfe zu machen.

„Das ist alles deine Schuld! Wärst du nicht gewesen, würde Merugin jetzt unbeschwert singend über eine Blumenwiese springen! Aber weil du geboren wurdest, droht Merugin nun aus dem Leben zu scheiden. Du bist der Flügelschlag des Schmetterlings in China, der sich hierzulande zu Kyrill auswächst! Ich will nichts dramatisieren, aber ohne dich wären alle Menschen, deine Familie eingeschlossen, besser dran! Aber dies ist nicht der Caitpunkt für Vorwürfe. Niemand wirft dir etwas vor. Wimmere gerne zuende. Ich brauche dich noch.“

„Wofür?“, fragt die große Blonde.

„Für meinen Blog.“

„Du bist einer dieser Blogger?“, will sie wissen.

„Ja. ’seppolog‘ heißt er.“

„Wer?!“

„Na, der Blog!“

„Heißt es nicht das Blog?!“

„Ich weiß es nicht. Geht beides. Allerdings heißt es das seppolog.“

„Kommt von ‚Seppo‘ und ‚Logbuch‘?!“

„Herrgott nein! Warum denkt das immer jeder?!“

„Vielleicht, weil es ein schlechter Name ist?! Und wozu brauchst du mich da?!“

„Ich baue derzeit wieder ein Figurenuniversum auf. Und ich muss wieder die Rolle einer sexy Blonden besetzen.“

„Musst du nicht!“, sagt plötzlich jemand, der den Raum betritt.

Die große Blonde, Doppelagent Ohßem und ich blicken erschrocken zur Türe.

„Grundgütiger!“, entfleucht es mir, „Zacharias!“

„Ganz richtig, Seppo. Zacharias Flotho. Doktor Zacharias Flotho!“

„Dein Bruder?“, fragt die große Blonde.

„Nein. Oder doch. Halbbruder. Oder Klon. Ich weiß es nicht mehr genau. Müsste ich im Blog nachlesen. Er ist mein ewiger Gegenspieler. Wenn ich Michael Knight wäre, wäre er Garth. Wäre ich K.I.T.T. …“

„Wäre er K.A.R.R., ich hab’s verstanden.“

„Wäre ich Jesus, wäre er Judas. Wäre ich Glyphosat, wäre er ein Herbizid.“

„Hab’s kapiert!“

„Wäre ich ein Selbstlaut, wäre er ein Umlaut.“

„Jaaah, doch.“

„Wäre ich Seppo, wäre er Zacharias.“

Wieder öffnet sich die Tür. Meine Mitbewohnerin kommt hereingestürmt – vom Klinikflur aus betrachtet kommt sie hineingestürzt.

„Wie geht es ihm?!“, ruft sie hektisch.

„Hallo! Achja, Gott, er wird wohl wieder. Doktor Flotho wird uns sicher jetzt aufklären!“

„Doktor Flotho?“, meine Mitbewohnerin bass erstaunt.

„Ganz recht“, sagt Zacharias und kommt geheimnisvoll hinter dem Fenstervorhang hervor.

Meine Mitbewohnerin läuft fahl an, wie sonst nur Herr Abendfahl.

„Ich muss mich setzen“, sagt sie mit ausdrucksloser Miene.

„Hey, geht’s noch?!“, ruft empört die große Blonde, „Hier sitze schon ich!“

„Kann ich keine Rücksicht drauf nehmen. Es ist der einzige Stuhl im Raum. Wir müssen stapeln.“

„Es sind auch eindeutig zu viele Menschen hier im Raum!“, stelle ich fest, „Man weiß ja gar nicht mehr, wer eigentlich redet. Ab jetzt sagt jeder vorher seinen Namen, wenn er spricht.“

„Deputy Sheriff Ohßem. Wie geht es denn nun dem Unfallopfer, Herr Doktor?“

„Doktor Zacharias Flotho. Nun, der Mann ist zäh. Wir konnten ihn zweimal wiederbeleben. Nicht der eigentliche Unfall, das Aufprallen seines Kopfes auf dem Lenkrad war das Problem, sondern das anschließende Ersticken an einer Knusperstange.“

„Seppo. Hahahaha, typisch Merugin!“

„Große Blonde. Dann ist es gar nicht meine Schuld?!“

„Seppo. Das müssen die Gerichte entscheiden. Aber nun zu dir, Zacharias: Was zur Hölle treibst du hier?!“

„Zacharias. Nun, Seppo. Wie du siehst, bin ich jetzt Arzt. Chefarzt der Uniklinik Münster. Weil ich dich gesucht habe. Und ich wusste natürlich, dass du dich in Münster aufhältst, weil du es ja mehr als einmal erwähnt hast. Im Grunde redest du seit einem Jahr von nichts anderem mehr, was übrigens ganz schön nervt. Da ich aber nicht genau wusste, wo ich dich finden würde, dachte ich mir, es würde nicht lange dauern …“

Die große Blonde unterbricht: „Große Blonde. Entschuldigung, wer spricht gerade?!“

„Zacharias. Ich spreche. Ich hatte meinen Namen aber vorher gesagt.“

„Seppo. Das hat er wirklich.“

„Also …“

„Große Blonde. Halt! Halt! Jetzt hat er ihn aber nicht gesagt!“

„Zacharias. Also. Ich wusste, dass man dich, Seppo, früher oder später …“

„Große Blonde. Spricht jetzt Seppo?!“

„Seppo. Nein, Zacharias spricht!“

„Große Blonde. Aber ich habe doch ‚Seppo‘ gehört.“

„Seppo. Weil Zacharias von mir gesprochen hat!“

„Zacharias. Herrgott nochmal! Was ist denn das hier für ein kranker Haufen!“

„Krank? Bin ich krank? Wo bin ich?!“

„Seppo. Er nu wieder. Merugin, alles wird gut, wir sind gerade in einem Gespräch. Ich fass kurz zusammen, auch für den Leser: Du bist in Folge eines Auffahrunfalls an einer Knusperstange erstickt. Wir fuhren ins Krankenhaus, was im Übrigen meinen Überstundenplan im Büro ins Wanken gebracht hatte. Das ist kein Vorwurf, aber ärgerlich allemal. Du wurdest wiederbelebt und dein behandelnder Arzt ist Doktor Zacharias Flotho, mein Halbbruder oder Klon, der mich gesucht hat.“

„Zacharias. Und ich wusste, es würde nicht lange dauern, Seppo in der Notaufnahme zu treffen, da er sich ja regelmäßig Tumoren einbildet. Dass er aber nun aus anderen Gründen hier ist, ist glücklicher Zufall.“

„Und warum hast du Seppo gesucht?“

„Große Blonde. Das kannst du nicht wissen, aber du musst deinen Namen sagen, bevor du was sagst.“

„Merugin. Häh?!“

„Zacharias. Ich bin hier wegen … wegen Lara!“


Geschrieben am 26. September 2019.


Was für ein Cliffhanger, verehrter Leser! Wegen Lara?! Wegen der toten Lara, der einstigen Gallionsfigur des seppologs? Erfahren Sie schon bald, wie dieses Abenteuer weitergeht! Bis dahin lesen Sie die anderen mehr als 850 Geschichte auf www.seppolog.com!

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