Der Fluch des Geburtstages

In der Sendung „NRW live“, bei der ich die Ehre habe, mitmoderieren zu dürfen, kam ich vor einigen Tagen in die Verlegenheit, über meinen eventuellen Geburtstag zu sprechen: Sendung vom 12.05.15.

Und tatsächlich sind mir die eigenen Geburtstage (auch die manch anderer) ein Grauen, aus dem ganz einfachen Grund, dass sie mich nicht interessieren. So habe ich selber nur Meilensteine wie den 18. und den 25. gefeiert. Aber warum sollte ich meinen anstehenden 36. feiern? Obiges Bild zeigt meine Begeisterung, als mir meine Freundin einen Partyhut zum 29. aufgesetzt hatte. Was sie damals nicht wusste: Es war gar nicht mein Geburtstag. Und bis heute weiß sie nicht, wann ich Geburtstag habe. Dazu später mehr, erst diese Anekdote:

Mir selber ist mein Geburtstdatum bekannt, ich kann es auswendig. 2004, ich wurde 25, habe ich ihn erstmals selber vergessen, erste Gratulanten erinnerten mich im Laufe des Tages daran. Am Tagesablauf änderte es nichts.

Nicht nur, dass mir der eigene Geburtstag egal ist, er ist mir auch unangenehm, sodass ich in der Regel versuche, mir an und um den Tag herum Urlaub zu nehmen oder stillschweigend arbeiten gehe. Im vergangenen Jahr wurde durch ein Leak mein Geburtstag fast öffentlich, sodass ich zu der Lösung griff, am falschen Tag zu feiern. 2014 hatte ich somit am 15. August Geburtstag, mein Sternzeichen war demnach „Löwe“, womit ich leben könnte. Ich lud, um die Illusion perfekt zu machen, für den Abend Kollegen zum Feiern ein. Denn gegen Feiern an sich habe ich natürlich nichts. Und so wurde ich auch in der Sendung NRW live reich beschenkt, diese Fliege sollte mich glücklich machen (Danke, N.), was auch gelang. Ich werde sie bei meinem Geburtstag im Juni tragen:

2015-05-14 14.22.54-1

Mit meinem Nachbarn Pavel, der aus der Ukraine stammt und gerade sehr froh ist, lediglich dort her zu stammen, dort aber nicht zu leben, habe ich gestern bei Unmengen Wein über diese Thematik schwadroniert. Er sieht es ganz anders als ich und lud mich bei der Gelegenheit zu seinem Geburtstag ein, wogegen ich natürlich nichts hatte, ohne ihm aber zu verschweigen, dass er auf die Gegeneinladung lange warten könne. Pavel wird wie ich 36. So langsam kommt man in das Alter, wo man kurz überlegen muss, wie alt man ist oder wird. Zwei Jahre lang hielt ich mich für 33, war aber nur das erste davon 33, das zweite 34. Da ich mir merken kann, wie alt Pavel ist, fällt es mir nun mit meinem eigenen Alter leichter. Pavel findet mich – hoffentlich nur bei diesem Thema – arrog- und ignorant. Das ist gar nicht meine Absicht; es ist nur einfach so, dass mir mein Geburstag egal ist, was nicht bedeutet, dass ich meine eigene Lebenszeit nicht zu schätzen weiß – das Gegenteil ist der Fall.

(Pavel war gerade kurz hier, es geht ihm sehr schlecht und möchte ab sofort nur noch Bier trinken. Ich bleibe bei Wein. Ich lud ihn ein, gleich mit mir laufen zu gehen, er lud sich direkt aus.)

Ich komme gar nicht zum Punkt. Was mag ich nicht daran, anderen zu erzählen, „Freunde, heuer ist mein Ehrentag!“?! Es sind die Umarmungen, die einen dann heimsuchen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Umarmungen, aber es ist doch sehr entscheidend, wer da in meine intime Zone eindringt, die bei mir einen Radius von etwa 100 Metern beansprucht. Da fallen einem plötzlich Menschen um den Hals, denen ich ansehe, dass sie es selber gar nicht wollen und die mir ansehen, dass ich mental für einige Sekunden in den Ruhezustand falle. Dennoch kommt es zur Vereinigung, die aber recht schnell über die Bühne gebracht wird. „So, ich muss dann auch mal wieder…“

Ich will hier aber deutlich machen, dass ich grundsätzlich nichts gegen Körperkontakt habe; ich bin da nur eher zurückhaltend.

Ich halte es zusammenfassend wie Herbert Feuerstein, der einmal schrieb, zu seinem Geburtstag verschicke er Ausladungen. Ich bin nicht allein.

Abschließend zu meiner Freundin, die noch nie meinen Personalausweis gesehen hat: Vielleicht weiß sie um mein Geburtsdatum, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht sollte sie mich prophylaktisch täglich feiern und beschenken. Aber tun wir das nicht sowieso jeden Tag, P.?! :)

8 Kommentare

  1. […] Geburtstage spielen bei mir keine sehr große Rolle, nicht mal wenn es meine eigenen sind, die jährlich stattfinden, womit ich mich in guter Gesellschaft befinde. Am Wochenende war es mal wieder soweit; viel geplant war nicht, alles im kleinen Kreise mit meiner Mitbewohnerin. Dennoch bleibt dieser Ehrentag in Erinnerung, da ich große Teile dessen in der Notaufnahme verbracht habe. Ein Jahr vor meinem ersten Geburtstag waren wir ja alle im Krankenhaus, sofern nicht in der häuslichen Badewanne oder einem Taxi mit überfordertem Taxifahrer. […]

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  2. […] und es macht einen gewissen Reiz aus, die Leute im Unklaren zu lassen. Schief ging das beim dem Geburtstagsartikel. Das ist der einzige Artikel, bei dem ich maßlos übertrieben habe. Für diejenigen, die es nicht […]

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  3. Also, dass du ausgerechnet an deinem 25. Geburtstag vergessen hast, dass du Geburtstag hast. Münster ist doch nun wirklich nicht weit vom Emsland weg. Und bis Münster sind wir mit unseren Traditionen doch nun wirklich schon vorgedrungen. Wenn ich irgendeinen Geburtstag, dank beinahe täglicher Erinnerung im Vorraus, nicht vergessen konnte, dann den 25. Zumal der Blick in die Zeitung dem Geburtstagskind an seinem 25. oftmals sehr genau aufzeigt, was da Abends oder am folgenden Wochenende passieren soll :D.
    Emsländer sein ist ein hartes Los….

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