Der Küchenfernseher

11119604_832257130142806_384084424_n

Ich erlebe immer wieder große Abenteuer mit einem famosen Angebot der Deutschen Post, der Packstation – in meinem Fall mit der Packstation 115. Das schönste Erlebnis ereignete sich im Dezember 2013, das ich anhand einer Facebook-Konversation schildern möchte, wobei ich natürlich nur meine Äußerungen hier zitieren werde. Die Geschichte ist somit einer Dame in den USA gewidmet, nennen wir sie „S.“, die damals großen Spaß hatte, als sie meine Nachrichten empfing.

Ich hatte in jenen kühlen Dezember-Tagen einen Fernseher für meine Küche bestellt. Bei redcoon.de, dem Online-Laden von Mediamarkt-Saturn. Dieser sollte mir in meine Packstation 115 geliefert werden (nicht der Online-Laden, der Fernseher) und es gehört zum Wesen dieses Services, dass er regelmäßig wegen Überfüllung der Paketfächer scheitert, sodass der Fernseher in die Packstation 137 am Düsseldorfer Hauptbahnhof geliefert wurde. Kursiv meine Facebook-Nachrichten an S., die sich keine Sorgen machen muss, dass an dieser Stelle zuviel veröffentlicht wird.

s., es ist soweit. ich bin ganz aufgeregt. der fernseher ist da. in der packstation 137! vorne am bahnhof! das ist deswegen sehr spannend, weil man da so schlecht mit dem auto hinkommt. mein verwegener plan: ich fahre mit dem auto von hinten an den bahnhof ran. und versuche, da irgendwo zu parken. und schleppe den fernseher dann eben ein stück. ich bin jetzt schon extrem nervös! leider ist beim fernseher keine wandhalterung dabei. ich war so naiv zu glauben, dass die immer dabei ist! ich werde heute abend berichten.

Was ich sehr ausführlich tat.

neuer plan: geht eh schief mit parken hinterm bahnhof. hole den fernseher zu fuß. das verspricht eine aufregende geschichte zu werden! wandhalter ist bestellt. den anzubringen mit bohren und dübeln wird ebenfalls eine knallergeschichte. vor nem jahr hab ich mal ein regal an die wand gedübelt. als ich es auf stabilität testen wollte, krachte es mir auf unsere hifi-anlage, die ich eine woche vorher bestellt hatte. P. musste dann das regal neu anbringen. seitdem hält es. beeindruckt frauen meine unfähigkeit? wohl kaum. ich muss andere qualitäten haben. jetzt bin ich nachdenklich. sobald ich auf meien qualitäten gekommen bin, teile ich sie dir mit.

Mir fielen keine ein und so blieb ich thematisch beim Fernseher.

schlimme nachricht: XY, der ja auch den fernseher bestellt hat, meint, meine wandhalterung könnte einen zu geringen abstand zum fernseher haben, sodass das antennenkabel hinten zu wenig platz hat. was ist zu tun? ich bin völlig außer mir. scheitert das projekt küchenfernseher? ich halte dich auf dem laufendem. schade, dass du nicht mehr da bist. wir könnten sonst zusammen in unserer küche fernsehen.

Was noch aussteht, aber vielleicht auch wenig reizvoll ist … Nach der Arbeit fuhr ich wie geplant hinter den Bahnhof, wo die Parkplatzssuche ausgesprochen schwierig ist. Ich fand schließlich einen, stieg voller Vorfreude auf das Empfangsgerät aus (da wusste ich noch nicht, dass mir die DVB-T-Antenne fehlt) und taperte zum Bahnhof. Fernseher rausgeholt und wieder zurück. Später schrieb mir J. via Facebook, sie habe mich wie einen Irren mit einem großen Paket durch den HBF rennen sehen.

ich bin durchgeschwitzt. und um es vorwegzunehmen: das war die letzte bestellung an eine packstation. ich hab mir ja viel ausgemalt. wie lustig das alles wird und wie ich dir eine tolle packstationbgeschichte mitteilen klann. aber diese grandiose scheisse hätte ich nicht erwartet. […] mein ursprünglicher plan war, das alles zu fuß zu machen. das paket war nicht schwer. stattdessen fahre ich falschrum in eine einbahnstraße. hätte mich doch mal wundern können, warum alle anderen autos andersherum parken. ich sah es aber erst, als ich von weitem das einbahnstraßenschild sah. da dachte ich schon „wie komme ich da raus?!“ wollte das ganze unternehmen da schon abbrechen. gehe also zurück zum auto, nur um festzustellen, dass es DOCH keine einbahnstraße war. iuch stand lediglich im absoluten halteverbot. ich wäre ja zu fuß gegangen, aber XY meinte eben noch zu mir „du kannst nicht mit nem fernseher durch oberbilk gehen, die rauben dich aus“. ich gehe also wieder zum bahnhof. von hinten. merke dfann: „du bist ja geschminkt“ [kam aus einer TV-Situation] also blick immer nach unten. aufs handy am besten. darum hab ich wohl auch J. nicht gesehen. der bahnhof kann sehr lang sein. an der packstation selber ging alles ganz schnell. paket unter den arm, durch den nebentunnel des bahnhofs wideder zurück. da sind sicher nicht soviele menschen. weit gefehlt, großes gedränge, seppo braungebrannt [weil völlig falsch geschminkt] mit ner kiste unterm arm. aber schweißgebadet. dann xxxstraße. alle verdächtig, mich ausrauben zu wollen. also schnellen schrittes zum auto. als ich da drin saß, war ich äußerst erleichtert. fuhr also los und VERfuhr mich dann in diesem seltsamen straßengeflecht. kam dann völlig unerwartet an der xxxxxsstr. raus. nun wird alles gut, dachte ich.

Es sollte anders kommen.

ich finde keinen parkplatz. ich fahre zwanzig minuten hier durch die gegend. schweißnass. meine gelassenheit war wieder verflogen-und ich habe so dermaßen geflucht im auto. und jetzt steht mein auto irgendfwo in unterbilk. m,usste also mit der bekackten kiste nach hause laufen. die pointe des ganzen: ich bin auf diese weise mehr KM zufuß gelaufen mit derm fernseher unter dem arm, als wenn ich einfach von der zzzzstr. [da, wo ich wohne]  zum bahnhof gegangen wäre. das ist das ganze drama! ich habe eine stunde gebrauicht, um den fernseher hier in die wohnung zu bekommen.-

Meine Essenz des Ganzen damals:

ich bestelle ab sofort immer in den sender. es ist vorbei. ich mache das nicht mehr mit. ich bin zu labil dafür. laufe ich mit der schjeiss kiste hier durch die gegend. nur weil XY meinte, ich werde ausgeraubt. auf diese weise hatten jetzt sehr viel mehr leute [die Chance], mich auszurauben. aber es hätte sich niemand getraut, weil ich hochaggressiv die kiste trug. aber ich freue mich ein wenig, dass daraus immerhin eine schöne geschichte wurde. jetzt muss ich sie J. auch nochmal erklären. ein irrer mit ner kiste und dunkelbraunem teint rast durch den bahnhof. ich baue nun den fernseher auf. und wenn er kaputt ist, weil er mir natürlich einmal aus der hand rutschte, stelle ich ihn zu dem backblech im keller und verliere nie wieder ein wort über diesen abend.

Das Backblech ist nebenbei eine andere Packstationsgeschichte. Bestellt und abgeholt, um festzustellen, dass es einen Millimeter zu groß für meinen Backofen ist, steht es heute noch in unserem Keller.

so. das gerät steht, alles funktioniert. nur will ich jetzt nicht in der küche fernsehen. ich muss jetzt im wohnzimmer entspannen. ich gucke mir einfach noch ein zwei stunden den weihnachtsbaum an. und singe dabei.  ich wünsche einen angenehmen tag, bin froh, dass er hier bereits endet.

Ich bin mir des Informationsgehaltes dieses Artikels bewusst, aber vielleicht konnte S. noch einmal ein wenig darüber schmunzeln, womit er seine Funktion schon erfüllt hätte. Ich bestelle übrigens nach wie vor in die Packstation und ärgere mich regelmäßig darüber. Eine Hass-Liebe.

11 Kommentare

  1. Meine Güte, wir haben auch schon mal über eine Packstation nachgedacht, weil die immer so früh kommen von der Paketpost. Wir sind Langschläfer.
    Also ganz zu Fuß wäre alles viel schneller über die Bühne gewesen, sehe ich das so richtig?

    Gefällt mir

  2. Bestelle grundsätzlich zur Arbeitsstelle, schmeiße dann alles ins Auto, parke maximal 20 Meter vorm Haupteingang und schleppe es dann vier Treppen hoch. Im günstigsten Fall bequatsche ich jemanden, der mir hilft. Die Packstation und andere Läden der Annahmeserie sind nicht ideal gelegen oder der Parkplatz immer voll und überhaupt viel zu umständlich, jedoch wohnen im Aufgang Rentner, die nehmen gerne Sendungen an. Nach 18 Monaten wohnen hier, weiß ich das im Notfall zu schätzen.

    Gefällt 1 Person

  3. ich hab mich eigentlich und uneigentlich auch nur über die Aussage mit dem Informationsgehalt gewundert. Meiner Fair-Wunderung gebe ich hiermit Ausdruck. Okay, auch Eindruck bei allen die das ungefragt lesen müssen. Weil im weg. So weit so gut, oder eben nicht nur dem Herrn Newton mit dem Actio = Reactio geschuldet.

    Gab es da nicht mal so eine Theorie, von wem auch immer, sie sagte sinngemäß, das der Inhalt nicht wichtig ist wenn die Kommunikation stattfindet.

    Ist damit dann jetzt auch das Internet wichtig, und nicht die Leute die es benutzen. Oder ist das jetzt umgekehrt linear?

    Viel Spass aus San Sebastian am Fluss des Januar

    Gefällt 1 Person

Deinen Senf dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s