Haupthaar

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Ich durfte heute ein technisch hochaufwändiges („Aufwändig“ komme von „Aufwand“, sagen die einen, der große Wolf Schneider allerdings, Wächter über Semantik (und das zurecht) setzt dagegen, „aufwendig“ komme eben von „aufwenden“ und sei damit mit „e“ zu schreiben.) technisches Verfahren erproben, das mir zumindest temporär das Tragen von Haupthaar ermöglicht. Volles Haar hatte ich das letzte Mal mit 17 Jahren. Ich sagte damals zu meiner Mutter, ich führe zum Frisör und lasse auf zwölf Milimeter kürzen. Eine meiner besten Ideen als Spätpubertierender, denn meine narzisstische Begeisterung danach kannte kaum Grenzen. Die meiner Mutter allerdings schon: Sie fand’s nicht so dolle. Sie ging davon aus, die zwölf Milimeter bezögen sich nur auf die Seiten. Aber es war zu spät. Mein damals bester Kumpel sagte „Sieht das scheiße aus!“, wurde dann aber fett, was mir Genugtuung schaffte. Ich bin da sehr einfach gestrickt.

Seitdem laufe ich also mit zunächst zwölf, dann neun, dann sechs und jetzt 0,4 Milimeter langem Haar herum. Und seitdem rennen mir die Frauen die Bude ein. Eine nach der anderen hatte ich damals, kaum dass das Haar ab war. Und das ist nicht mal gelogen. Ich hab aber auch alles genommen, was da kam. Nach zwei Wochen allerdings war die Phase dann auch beendet.

Warum wirken Männer mit ohne Haare auf Frauen, was umgekehrt tragischerweise nicht unbedingt gilt? Der Grund ist diversen Studien zufolge der, dass Männer ohne Haupthaar größer und autoritärer aussähen; Führungsqualitäten traue frau ihnen zu. Auch die seriöse „Zeit“ schreibt – und Karl Dall freut sich zu früh – „Kahl ist cool“. Da ich es schon lange aufgegeben habe, cool zu wirken, freut mich natürlich dieser Automatismus. Und obiges Foto zeigt ja auch den verzweifelten Versuch, das noch verbliebene Haar über die kahlen Stellen zu legen, als würde man dadurch ernsthaft behaarter aussehen. Man weist eher auf den vermeintlichen Makel hin. Und es macht um Jahre älter.

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Wer also scheiße aussieht (wie ich auf meinem Führerschein-Foto), dem sei das Abrasieren der Haare nahegelegt. Ich bin der festen Überzeugung, dass es bei den meisten eine Verbesserung bedeutet.

14 Kommentare

  1. „Warum wirken Männer mit ohne Haare auf Frauen, was umgekehrt tragischerweise nicht unbedingt gilt?“ Meine Theorie hierzu:
    1. Weil Frauen mit ohne Haare nachgesagt wird, per se lesbisch oder wenigstens asexuell zu sein, was Männer dazu bewegen könnte, es gar nicht erst bei der Frau zu versuchen.
    2. Weil Frauen mit ohne Haare Frauen sind, die eine andere Frisur haben als die Mehrheit der Frauen (nämlich lang), was sie zu von der Norm abweichenden Exoten macht, die den Männern zu kompliziert, exaltiert oder schlicht – rasiert erscheint.
    3. Weil man Frauen mit ohne Haare bei gewissen zwischenmenschlichen Leibesertüchtigungen nicht mehr männlich-dominant in die Mähne greifen und sie in die gewünschte Richtung treiben kann.
    4. Weil Frauen mit ohne Haare den Eindruck erwecken, sie seien ernsthaft krank, mitten in der Chemo und kurz vorm Abnippeln. Eigentlich perfekt für einen Quickie, angesichts der Punkte 1 – 3 aber ausgeschlossen.

    Meine 3mm-Haupthaar-Zeit war dennoch (oder gerade deswegen) die spannendste und für mein Ego bedeutsamste Zeit meines Lebens. Meine kurzen Haare funktionierten quasi als eine Art Asi-Abwehr-Schild, das fast alle Püppchen-, Tussi- und Prinzessinenlover sofort erschrocken zusammenzucken und das Weite suchen ließ. Was übrig blieb, waren deutlich weltoffenere, reflektiertere und interessantere Männer – nicht selten langhaarig. Aufgrund dieser Begebenheit würde ich sagen: Ein Mann mit ohne Haare kann besser aussehen als ein Mann mit Haare, geht aber genauso andersherum und übertragen auf das andere Geschlecht.

    Lange Rede kurzer Sinn: Dein Alle-Weiber-fliegen-auf-mich-Effekt könnte daher rühren, dass kurze Haare auf ästhetische Teile des Gesichtes aufmerksam machen, während lange Haare das Gesicht eher einrahmen, weswegen Hässlichkeit in diesem Fall etwas unpraktisch ist. In Deinem Fall waren’s wohl die linkischen Wiesel-Augen, die die Schädelrasur zum Glücksfall machten. Toller Beitrag!

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  2. Lieber Seppo, mir gefällt, was Du denkst. Bei mir ist es so, dass ich Männer ohne Haar attraktiv finde, weil sie Mut beweisen und authentischer wirken auf mich. Ich hatte noch keinen Mann ohne Haar. Vielleicht sins sie im Bett dann auch mutiger:-)) Stimmt das? LG Susann

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  3. Das Bild wiederum erinnert mich famos an einen Lehrer aus meiner Gymnasialzeit, der sich seine verbliebenen drei Strähnen quer über die sich immer weiter ausbreitende Glatze kämmte.
    Allerdings war es bei ihm schon wieder so dermaßen übertrieben, dass es fast schon Kult war. Lag aber wohl auch am Lehrer. Der wäre auch ohne Haare Kult gewesen („In meinem früheren Leben war ich ein Tyrannosaurus Rex!“; „Ach.. geht doch nach Hause! In dieser Anstalt sollte niemand so lange sein!“).

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