Europaletten als Thema in der Qualitätspresse, die Sex ausklammert

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„Sex“ in Überschriften zieht unglaublich. Und ich stand vor der Frage, weite ich mein gesamtes Sexleben im seppolog aus? Klare Antwort: auf jeden. Nicht aber heute, denn ich stehe unter dem Eindruck eines Situationskonstruktes, nämlich unter dem der Lektüre eines FAZ-Artikels des gestrigen „Technik und Motor“-Buches, dessen Umfang zu meinem Bedauern aus finanziellen Gründen arg gekürzt worden ist. Den noch vorhandenen Platz nutzen die Redakteure aber ausnehmend gut: Die erste Seite hielt ganzseitig für einen Artikel über die „Europalette“ her. Das muss man sich erstmal trauen. Und die Traute, das auch noch zu lesen, hatte ich. Und leider neige ich dazu, einen erst mal angefangenen Artikel auch zuende zu lesen, selbst wenn ich bereits ahne, dass es sich nicht auszahlen wird. Beängstigend genau wurde beschrieben, wie und wo der Gabelstapler mit seiner Gabel in die Palette einrastet, um sie dann anzuheben. Weiß eigentlich jeder, aber die FAZ wäre nicht die FAZ, würde sie das nicht nochmal für den Total-Laien beschreiben. Und da behaupte noch mal jemand, die FAZ würde den Leser überfordern.

Es war gnadenlos uninteressant, doch ich las weiter, gefangen in der Faszination, dass Gedrucktes sich noch Raum und Zeit nimmt, so etwas zu publizieren. Mehrere hundert Millionen Europaletten, die eigentlich „Europoolpaletten“ heißen, entstammen meist dem Unternehmen „Epal“ (jeder wird diesen Schriftzug schon einmal gesehen haben) und ist hundertmillionenfach auf dem Globus unterwegs. Und worüber ich wirklich nicht nachgedacht habe, ist die dann gegen Mitte des Artikels erwähnte Gefahr, dass sich sagen wir mal in Brunei Bakterien in das Holz einnisten, die dann im Hamburger Hafen (pardon, es ist ja in Hamburg kein Hafen mehr, es ist ja ein „port“ mit zugehöriger „port authority“) ihr Unwesen treiben und sich über ganz Europa hermachen. Aber der Nutzen der Europalette ist ungleich größer als der Schaden, den sie anrichtet. Das Unternehmen „Epal“ war so freundlich, diesen Artikel zu sponsern, nachdem mir Dr. Oetker gestern überraschend abgesprungen ist.

Nach Lektüre des überlangen, aber dennoch fesselnden Artikels, stelle ich mir für diesen Blog nicht mehr die Frage „Wer will das lesen?“, denn über Europaletten zu schreiben, liegt mir unendlich fern. Das wäre mir als Gegenstand zu langweilig. Obwohl mir da ein Ereignis aus der vergangenen Woche einfällt, als meinem mir Arbeit gebendem Unternehmen eine Variation eines Klaviers geliefert wurde. Das Annehmen von Paketen kann hier und da mal zu unangenehmen Umständen führen und so war ich dieses Mal konfrontiert mit einem Lieferanten, der sofort klarstellte, dass er nur bis vor die Treppen vor hiesiger Eingangstür liefern würde. Kein Problem, nehme ich es eben da an, denke ich, und sehe dann eine Europalette, auf der der Klavierverschnitt aufgebahrt war. Nun war mir natürlich klar, dass der Lieferant die Verantwortung möglichst frühzeitig mit seinem Hubwagen abgeben wollte. Da ich zu dem Zeitpunkt den FAZ-Artikel noch nicht kannte, der dem Leser sehr genau beschreibt, wie ein Gabelstapler sich mit einer Europoolpalette vereint, stand ich somit recht hilflos vor der Lieferung, der offenbar auch der Poststreik nichts anhaben konnte. Aber selbst wenn ich gewusst hätte, wie mit dem Gabelstapler die Palette anzuheben ist, hätte ich mangels Gabelstapler weiters vor einer unlösbaren Aufgabe gestanden. Mehrere Praktikanten waren letztlich dann die Lösung, denn Delegieren kann ich.

Ich habe mal in einem Supermarkt Regale eingeräumt. „Negativ-Konsum“ heißt das im Fachsprech. Der Arbeitstag begann allen Ernstes um sechs Uhr morgens, was für einen Studenten eine absolute Zumutung ist und über Menschenrechte in dem Zusammenhang wird erst gar nicht groß geredet. Erster Akt war ein körperlich sehr schwerer, der Transport der PET-Wasserflaschen (Sechser-Bündel, Ihr wisst, was ich meine …) in den Laden. Übermannhoch sind diese auf einer – na?! – Europalette gestapelt und mittels eines Hubwagens war das Ungetüm dann reinzukarren, was tatsächlich eine gewisse Kondition voraussetzte, die man sechs Uhr morgens nicht unbedingt hat und nach einer entsprechenden Party am Vorabend einen einem Kollaps sehr nahebringt. Da übrigens hätte ein Gabelstapler große Erleichterung gebracht.

So, morgen geht’s dann um Sex auf Bahnhofstoiletten. Der Klicks wegen. Und ein neuer Sponsor hat sich angekündigt. Ein Hersteller von Lustpumpen. Freut Euch auf den großen Produkttest! Außerdem: Fetisch Europalette – was ist dran am neuen Trend?

23 Kommentare

  1. ( überlegt gerade wie um Himmelswillen sie SEX in Ihre Überschriften einbettet ohne das es allzu sehr nach fishing for compliments…äh….Klicks aussieht 😏 )

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  2. Tja, über was so geschrieben wird… aber – du hast´s schließlich gelesen! Ich glaube, fasziniert ist man immer dann, wenn man kaum glauben kann, was man da liest/sieht! Mann möchte etwas Neues,Spektakuläres lesen! Sex? Ist doch nicht spektakulär! Aber wusstest du alles über Europaletten? Nein! Siehste! Erinnert mich daran, dass ich früher nach meinen Nachtdiensten immer den Verkaufssender angestellt habe… Über das neueste Gartenschlauchsystem habe ich auch nichts gewußt und war fasziniert davon, wie das Ding zusammenschnurrt. Zwar bin ich fast immer ziemlich bald eingeschlafen, aber vorher dachte ich immer: „brauchst du unbedingt“, obwohl ich gar keinen Garten hatte… Tja, da bin ich ganz auf deiner Wellenlänge! Warte schon auf deinen nächsten Artikel…

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  3. Vielleicht lesen genau dieselben Menschen solche Art von intellektuellem Dünnpfiff wie die, die einem „Feuchtgebiete“ als interessante (!) Lektüre nebenbei empfehlen. Als mir das von einer Bekannten (Stichwort Fingerknicken aus deinem neuesten Beitrag) tatsächlich ans Herz gelegt wurde, wusste ich, dass ich wohl für mein gesamtes Umfeld für immer ein Mysterium bleiben werde.

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  4. Ich beömmel mich regelmäßig bei Deinen Artikeln!! Köstlichen Humor hast Du da!! Wie wäre es mit einem Artikel über Wörter wie „beömmeln“, „belatschern“, „vollbrezeln“? Ach, egal, unwichtig! Schönes Wochenende.

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