Hinter den Kulissen

zweiteslebenMAKING OF

Mein zweites Leben ist mit ihren bislang vier Teilen (I, II, III, IV) die erfolgreichste fiktionale Geschichte nicht nur des seppologs, sondern aller Blogs – weltweit. Nachahmer gibt es inzwischen genug, genannt seien an dieser Stelle nur „Sein drittes Standbein“, „Ihr viertes Déjà-vu“ und „Dein fünftes Bewerbungsgespräch“ – alle drei Blogger-Serien, die nach wie vor ihre Leser suchen.

Nicht so der Thriller aus dem seppolog. Wir treffen den Mann hinter der Fiktion, die so gut ist, dass er ihren vierten Teil kürzlich im Sommerloch verbraten hat, Seppo, zum Gespräch.

Seppo, sah ein Knab ein Röslein stehn?

Exakt das ist es, was ich meinen Lesern immer wieder zwischen den Zeylen unterjubeln möchte. Und natürlich stellt man mir immer wieder die Frage, wie ich zu dieser sensationellen Idee kam, die zu „Mein zweites Leben“ geworden ist. Und ja, auch der Hype um diese Geschichte ist inzwischen vielleicht wirklich zu so etwas wie meinem zweiten Leben geworden. Das ist die Ironie, da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Literaturkritiker zählen dich spätestens seit dem dritten Teil der Saga zum Weimarer Dreieck.

Das ist korrekt und mitnichten zu hoch gegriffen. Hier ist mir, das sage ich frei von Bescheidenheit, ein lyrisches Meisterwerk gelungen, was der ignorante Leser natürlich nicht erkennt. Doch innerhalb des Weimarer Dreiecks sind wir vier uns einig, dass Geschichten immer dann besonders gut sind, wenn die Leser genau das nicht merken.

Wie gut kommt Kritik am Leser beim Leser an?

Überraschend schlecht. Sehen Sie, der Leser, der so genannte Leser, ist ja immer nur dann Leser, wenn er liest. Was er darüber hinaus tut, macht den Leser nun wirklich bei aller Liebe nicht zum Leser. Daher haben wir im Weimarer Dreieck beschlossen, den Leser zumindest während des Sommerloches zu beschimpfen. 

Er könnte sich beleidigt fühlen.

Nur der beleidigte Leser ist ein Leser, der wiederkommt. Denn er möchte erfahren, wie ironisch die Beleidigungen gemeint sind.

Sind sie ironisch gemeint?

Natürlich nicht.

 

Seppo wird in dieser Woche seinen 400. Beitrag im seppolog veröffentlichen. Wie wir aus Weimarer Kreisen erfuhren, soll das seppolog verfilmt werden. In der Hauptrolle, sich selbst spielend: Seppo.

Doch treffen wir zunächst den Mann, der in der Erfolgsserie „Mein zweites Leben“ den Investigativ-Journalisten Rosonsko Rosenbaum spielt.

Herr Rosenstrauch, wie bereitet man sich auf die Rolle eines Investigativ-Journalisten in schriftlicher Form vor?

Verzeihen Sie mein Schmunzeln. (schmunzelt) Aber genau die Frage habe ich Seppo gestellt, als er mich gecastet hatte. Und er entgegnete mir: „Brasesko, mein lieber Poet, das Wort ‚Vorbereitung‘ spielt in meinem Leben keine Rolle. Das sollte es bei dir auch nicht.“

Inwiefern hat Ihnen das geholfen?

Verzeihen Sie mein Schmunzeln. (schmunzelt) Aber hinter Ihnen ist gerade was lustiges passiert. … Und es hat mir sehr nicht geholfen. Ich sage das hier zum ersten Mal: Ich habe mich akribisch als Praktikant bei der „Süddeutschen Zeitung“ vorbereitet, die ja bekannt ist für ihr Investigativ-Ressort. Mir gelang dabei die Dokumentation der Papua-Neuguinea-Papers, die aus Quellenschutzgründen dann als „Panama-Papers“ bekannt wurden. Im Zuge dessen lernte ich, investigativ zu journalissen und es eben anders zu machen, als die meisten Presse-Vertreter es tun: Ich habe einfach mal nicht bei den anderen abgeschrieben oder DPA-Meldungen nicht so weit umgeschrieben, dass man der DPA nichts zahlen muss.

Krawetta Krawatte stößt dazu. Sie spielt die rutztekische Agentin Noretzka, deren Nachname bislang noch nicht bekannt geworden ist.

Krawetta, im jüngsten Teil der preisungekrönten Saga wird der Leser mit einer einigermaßen harten Sex-Szene konfrontiert. Sie werden die Frage oft hören, dennoch: Wie ist das, sich mit „geöffneten Beinen“ der Leserschaft zu präsentieren?

Das ist tatsächlich nicht so einfach, da ja eine gewisse Schamgrenze dabei fallen muss, egal, ob man nun Profi wie ich ist oder nicht. Mir hat natürlich sehr geholfen, dass Seppo mein Sexualpartner in dieser Eingangsszene war, die Literaturkritiker noch in hundert Jahren ignorieren werden. Es war nicht schwierig, meine Beine für Seppo zu öffnen, da wir privat oft miteinander schlafen. Ich habe selten einen so guten Liebhaber wie ihn gehabt.

Offene Worte einer Profi-Schauspielerin, für die es das erste Mal ist, dass sie nicht im Film, sondern im geschriebenen Wort ihr Debüt gibt, zumal genau das dem Debüt eigen ist, dass es das erste Mal ist.

Wir befinden uns am Set von „Mein zweites Leben“. Geschrieben wird die Szene, in der die Familie Husteneck eine beunruhigende Entdeckung macht. Die Mitarbeiter des seppologs sind seltsam still und starren auf einen Schreibtisch. An diesem Schreibtisch sitzt er: der Schöpfer dieser gigantischen Thriller-Epos-Saga, die den Namen „Mein zweites Leben“ trägt. Der ein Versehen ist, da eigentlich „Mein zweites Ich“ der Titel werden sollte, was der Autor im entscheidenden Moment selber vergessen hatte.

Seine Anhängerschaft lauscht seiner Feder beim Schreiben. Beim Schreiben eines Werkes, über das in tausend Jahren noch nicht gesprochen werden wird. Und auch wir beobachten den Meister bei der Entstehung eines Meisterwerkes:

Wir sehen, dass er viel Kaffee während des Schreibprozesses trinkt. Uns irritiert, dass er nur in Boxershorts am Tisch sitzt, wagen nicht, die umstehenden Schaulustigen zu fragen, was es damit auf sich hat. Jedem Meister seinen Spleen.

Er schreckt auf!

Ein Raunen geht durch die Menge.

Was ist passiert?!

Die Menschen tuscheln: „Er hat eine Idee gehabt!“

Und tatsächlich, Seppo beugt sich wieder über das Pergament und schreibt in einem Atem beraubenden Tempo weiter. Später sollen wir erfahren, dass ihm in diesem Moment die Szene in den Sinn kam, in der der lyrische Seppo versucht, sich als Betonboden zu tarnen. Mimikry at its best! Das kann nur einem wahren Genie (Seppo) einfallen.

Einige Umstehende fallen in Ohnmacht. Schon seit Tagen stehen die Menschen hier und beobachten ihren Meister beim Schreiben. Sind geblendet von seiner literarischen Schönheit. Er schwitzt, er wirkt aufgedreht. Wir ziehen uns zurück und sprechen mit Merugin, einem langjährigen Begleiter Seppos.

Wie kann es diesem Genius gelingen, Realität und Fiktion auseinanderzuhalten, wenn er das Universum mit fiktionalen Geschichten begeistert, die von ernst zu nehmenden Wissenschaftlern dafür verantwortlich gemacht werden, dass der Urknall überhaupt erst möglich geworden ist?

Wer sagt denn, dass er das noch kann?! Niemand weiß bei ihm mehr, was ist echt, was ist Fiktion. Und auch er weiß das schon lange nicht mehr. Klar, er wird hier bewundert, doch nur wenige wissen, dass hinter diesem genialen Kopf, und das ist untertrieben, ein gebrochener von den Menschen enttäuschter Mann steckt. Er schreibt nicht, er flieht. Er ist nicht bloß Autor, er ist sicherlich eine neuartige Form von Gott. „Gott zum Quadrat“, so will er seit einiger Zeit genannt werden.

Sollte man nicht einschreiten? Ihm helfen?

Die Redaktion des seppologs möchte noch möglichst viel aus ihm herausquetschen, was auch im Interesse des Herausgeberkreises ist. Erst wenn seine Qualität nachlässt, wollen wir ihm helfen.

 

Wir treffen Oberunteroffizier Kurt Kessel. Er spielt im noch zu schreibenden fünften Teil der Mega-Saga einen Nazi-Unteroberoffizier, der auf dem Mond lebt. Kurt Kessel verweigert jedoch jedes Gespräch mit uns, da er sich gerade in seine Rolle einfühlt. Kurt Kessel spielt sich selbst, den Oberunteroffizier Kurt Kessel. Exklusiv für die Serie „Mein zweites Leben“ hat Seppo ihn höchstselbst vom Mond geholt und damit die privatwirtschaftliche Raumfahrt auf ein neues Level gehoben.

Freuen wir uns also auf weitere Teile der Centologie, die vielleicht, nein, ganz sicher, die Geschichte der Menschheit rückwirkend umschreiben wird.


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