audio Mein zweites Leben (II)

zweitesleben2

Hoerbar_haare
seppolog_HÖRBAR auch als Podcast bei iTunes und Soundcloud!

Mein Name ist Rosonsko Rosenbaum. Ich bin freiberuflicher Investigativ-Journalist und daher gezwungen, jeden noch so abstrusen Auftrag anzunehmen. Für den Blog seppolog, eine Ansammlung teilweise erschreckender Dokumente, die das Leben beschreiben, recherchierte ich im vergangenen Jahr eine Geschichte, die unser Land nachhaltig verändern wird, kommt sie ans Tageslicht. Ist die Regierung informiert? Weiß sie, was in dem harmlosen Städtchen Krefeld (NRW) vor sich geht? Schweigt die Bundeskanzlerin aus Staatsräson?

Im Juni des Augusts vergangenen Jahres kontaktierte mich Seppo. Er ist die einzige Quelle, die es wagt, mit einer Geschichte an die Öffentlichkeit zu treten, die alles bislang Dagewesene in den Schatten stellt. Einen ausführlichen ersten Bericht findet der Leser hier. Es geht um dieses:

„Ein Raketenforschungszentrum. Von der rutztekischen Regierung. Mitten in Deutschland. Und ich arbeite dort.“

Hier soll es um die genauen Umstände der Rekrutierung Seppos gehen, die wohl niemand besser erzählen kann als er selbst. Die Transkription einer unglaublichen Geschichte:

 

Es begann in einer dunklen Nacht vom 30. auf den 29. Februar 2014. Es war die Nacht der Sternschnuppen. Jene Sternschnuppennacht hatte ihr Perseiden-Maximum erreicht, ein Ereignis, das mir Sorgen bereitet hatte, sodass ich mich zurückzog. In eine Tiefgarage, die im Ernstfalle auch als Atomschutzbunker dienen soll. Dort fühlte ich mich sicher vor den Sternschnuppen, die unberechenbar sein können, befinden sie sich erst einmal im freien Fall. Ja, ich fürchte mich vor Sternschnuppen.

Seine Stimme bebt, als Seppo mir diese schier unfassbare Geschichte erzählt, seine Hände zittern mehr als sonst und seine Pupillen verdrehen sich auf eine hysterische Weise, alle drei blicken in völlig unterschiedliche Richtungen. Er sagt es nicht, doch ich höre heraus, dass er der Existenz von Sternschnuppen eine fremde Macht unterstellt. Was weiß dieser Mann?

Nach zwei Stunden des Ausharrens höre ich plötzlich Schritte in jener Tiefgarage. Und ich weiß, nun kommen sie. Jetzt kommen sie mich holen. Ich krieche, ja, ich robbe nahezu, unter ein parkendes Auto. Fühle mich sicher, doch parkt ausgerechnet dieses Auto plötzlich aus. Für jeden sichtbar liege ich nun auf dem Boden, auf einem Präsentierteller. Zwei Gestalten nähern sich mir, meine Lippen formen das Wort „Kacke“, doch aussprechen tue ich es nicht. Ich versuche, eins mit dem grauen Betonboden zu werden, doch Mimikry liegt mir nicht. Ausgerechnet in jener Nacht trage ich ein neongrünes T-Shirt und Turnschuhe, die permanent blinken. Die Leuchtrakete, die ich immer bei mir trage, zündet überdies in diesem unpassenden Moment, während mich zu allem Überfluss jemand auf meinem Handy anruft, das ich vergaß, lautlos zu stellen. Meine Tarnung droht massiv aufzufallen.

Seppo sitzt mir gegenüber, als er mir diese Dinge schildert. Ich schiele auf seine Hose und ja, ich sehe, er trägt auch an jenem Tag eine Leuchtrakete bei sich. Doch es ist nicht Paranoia, die ihn treibt. Es ist das Wissen um etwas, das diese Vorsichtsmaßnahmen notwendig macht. Die Menschen halten ihn für verrückt. Dabei weiß er viel mehr als sie.

Die zwei Gestalten tragen dunkle Anzüge, die im Dunkeln dunkeln. Das ist die perfekte Tarnung, denke ich bei mir und stelle mein neon-farbenes T-Shirt in Frage. Glaubte ich, dass doch gerade der Auffällige nicht auffalle. Diese Theorie stellte ich damals erstmals ebenfalls in Frage. Ich stehe vom Boden auf, will mich den Gestalten stellen. Stehe im Vorfuß auf, knicke dabei um. Krache zu Boden, wobei mein Panik-Pieper aktiviert wird. Das könnte meine Rettung sein, denke ich. Und ja! Eine der beiden Gestalten ist verunsichert, kann das ohrenbetäubende Piepen nicht einordnen. Ich sehe Tränen in ihrem Gesicht. Sie rennt weg. Doch was ist mit der anderen? Ich stehe wieder auf, gehe auf sie zu. Und hinke. Ich habe mich verletzt beim Sturz. Ob man mich von nun an den „Hinke-Mann“ nennen wird? Um die verbliebene Gestalt zu verwirren, beschließe ich, mit beiden Beinen zu hinken. Und tatsächlich, sie scheint irritiert, kann sich nicht entscheiden, auf welches meiner hinkenden Beine sie blicken soll. Die Gestalt schreit auf unter der Last dieser Entscheidung und ich merke:

Seppo schluckt an dieser Stelle. Was? Was merkt er?

Es ist eine Frau, die da vor mir steht. Und sie besinnt sich wieder. Zeigt mir ihre Oberschenkel und ich Narr! Ich falle darauf rein, starre gebannt auf die zarte, nackte Haut und vergesse um die Brisanz meiner Situation. Mit voller Absicht hat sie ihre optischen Reize eingesetzt, um meinen Verstand auszuschalten. Doch da hat sie die Rechnung ohne mich gemacht. Mit dem rechten Auge starre ich weiter auf ihren Rumpf, während das linke Auge zu einem Schlag ausholt, mit dem sie nicht gerechnet hat. Und denke noch dabei, toll, du schlägst eine Frau in einer Tiefgarage, das könnte dein Image massiv in eine Schieflage bringen.

Doch der Schlag durch ein Auge hat praktisch keine Auswirkungen. Nicht einmal wahrgenommen hat sie den Versuch meines Angriffes. Cool sagt sie:

„Sie sind Seppo? Der Hinke-Mann?“

„Ja.“

„Ich bin Noretzka von der rutztekischen Regierung. Sie müssen mitkommen.“

„Aber die Sternschnuppen! Perseiden-Maximum!“

„Die Sternschnuppen, Seppo, sind in dieser Nacht das geringste Problem Ihrer Landsleute. Sie werden mitkommen müssen.“

„Schöne Schenkel übrigens!“

„Vielen Dank. Aber das Licht einer Tiefgarage schmeichelt auch ein wenig.“

Wie aus dem Nichts kommt plötzlich ein Auto herangefahren. Ich erkenne das Modell nicht, sehe den Schriftzug „Kravtmob“, scheint rutztekischer Produktion zu sein. Wir besteigen die Luxus-Limousine, wo man mir …

Seppo windet sich. Drückt sein Gesicht in meine Hand. Schreit laut auf. Weint sogar. Und er ruft „Wieso? WIESOOOOOOOOO?“

Wir brechen das Gespräch ab. Ich reiche ihm Müller-Thurgau zur Beruhigung. „Den trinkst du doch so gerne“, flüstere ich ihm zu. Er macht ein Bäuerchen und schläft den Schlaf der Unschuldigen. In meinen Armen. Und ich weiß, als Journalist hätte ich die Distanz wahren sollen. Doch bei diesen Ereignissen geht es nicht mehr nur um eine gute Geschichte; es geht um das Schicksal der

Menschheit.


Die dramatischen Ereignisse werden fortgesetzt. Bitte folgt mir unbedingt auf meiner Facebook-Seite. Für die Menschen.

21 Kommentare

  1. Das tröstet mich gerade. Du schaffst das immer. Wäre ich immer traurig, ich würde immer Seppo hören.
    Wir haben nämlich Freitag, den 13. Das hat mir nur niemand gesagt. Wir existieren bestimmt in einem anderen Universum, da heißt Freitag der 13. anders. Vielleicht auch Februar der 30. Klingt ja eh so ähnlich. Aber ich muss zugeben, dass ich nicht weiß was ich rede, ich habe das mit dem Februar jetzt nicht so verstanden weil ich nicht soo gut zugehört hab. Aber das es wohl lustig ist sagen mir ja schon die Kommentare. Dann muss es ja stimmen. hihi.
    Siehst Du, schon kichere ich hier schon wieder. Tolle Leistung! Dafür dass wir – ich wiederhole es- eigentlich Freitag den 13. haben. So. Jetzt wissen es alle.

    Gefällt 1 Person

  2. Gut, dass Rosonsko das geklärt hat: Ich wollte nämlich schon darauf hinweisen, dass mich bei oben angezeigtem Foto das Rohr zwischen deinen Beinen ja nach wie vor sehr irritiert. Aber nun ist mir klar, dass es sich dabei um eine Leuchtrakete handeln muss; eindeutig zu meinem Erkenntnisvorteil, dass der Rosenbaum dich live und in Farbe erlebt, dir auf die Hose geschielt und somit die Leuchtrakete als solche identifizieren konnte!
    Ich hätte nun ansonsten fast behauptet, du hättest dich auf einem Brunnenkonstrukt platziert, dass die angezeigte Stange zu diesem zugehörig sei und ich nur der optischen Täuschung, das Rohr könne aus deiner Hose ragen, erlegen bin, aber dass du auf einer Raketenkanone sitzt, ergibt doch natürlich deutlich mehr Sinn!

    Gefällt 3 Personen

Deinen Senf dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s