ende
seppolog_HÖRBAR – dieser Artikel als Podcast bei Soundcloud und iTunes!

Ein sehr cleverer Mensch hat einmal geschrieben, dass es ein Wort gibt, das einem selbst bei Wortfindungsstörungen stets verlässlich in den Sinn kommt: „Wortfindungsstörungen“.

Und derselbe weiß, dass wenn er mal nicht weiß, worüber er schreiben soll, er immer noch über eines schreiben kann: darüber, dass er nicht weiß, worüber er schreiben soll. Beide Phänomene fasst man unter dem Begriff des „Script Foramen“ zusammen. Und darunter leidet dieser Mann. Während seines 486. Beitrages.

Und er wollte doch die 500 noch vollmachen …

Reginald Rubis ist ein relativ bekannter deutscher Schriftsteller des 15. Jahrhunderts, der hier im Hause lebt. Seit Mitte dieses Jahres schreibe ich unter seinem Namen ein Buch. Er leidet unter einer Schreibblockade, während ich im Sommer dringend eine neue Einnahmequelle erschließen musste. So kam es zu diesem Deal. Ich bin im Grunde Rubis‘ Leihmutter. Und wie das oftmals so ist mit Leihmüttern: Manch eine möchte ihr Kind dann doch nicht weggeben. Und so verhält es sich nun auch mit dem Buch, das ich bald vollendet haben werde. Es ist zu gut geworden, als dass nicht mein Name darauf stehen sollte.

Doch die Genialität, die für das Buch draufging, fehlt nun für das seppolog, sodass ich mit dem Gedanken schwanger gehe, diesen Blog hier zu beenden.

„Mach’s doch wie Howard Carpendale! Tritt ab und komm dann fulminant zurück!“, rät mir Kommentar-Konstanz, der Teil der seppolog-Redaktion ist und die Leserkommentare unter meinem Namen beantwortet, da ich mit dem Leser möglichst wenig zu tun haben will.

„Die Idee ist gar nicht so übel! Ich verabschiede mich und verweise auf meine Präsenz an anderer Stelle und komme dann mit einem Bombenartikel zurück, in dem ich zum Beispiel Lara an die Wand tackere!“

„Katerstimmung an der Ericusspitze“ liest man immer, wenn es beim „Spiegel“ mal nicht so rund läuft, was es leider seit Jahren nicht mehr tut, also rund laufen. Nun wird man lesen „Katerstimmung in Oberbilk“, denn dort sitzt gewissermaßen das seppolog, wo es also – wie beim Spiegel – Entlassungen gibt.

Soeben habe ich meine Lektorin über die Situation informiert.

„Oh, wie kommt’s?“, fragt sie und ich verweise auf mein Zeitbudget, das nun auch deutlich knapper als zuletzt werden wird. Außerdem steht der Dezember bevor, ein traditionell klickarmer Monat, den ich ohnehin mindestens zur Hälfte pausieren würde, was meine Werbekunden natürlich nicht goutieren würden. Ein Pizzahersteller mit Doktortitel beispielsweise ist außer sich:

Hallo, Herr Flotho!

Auch wenn Sie schon lange keine Pizza unseres Unternehmens mehr in einem Ihrer Artikel platziert haben, würden wir mit Bedauern auf ein Einstellen Ihres Blogs reagieren, zumal es noch einen laufenden Vertrag bis Ende 2016 gibt, auf den wir hinweisen müssen. Gerne ist aber Herr Blabel bereit, Ihnen vorgefertigte Artikel zur Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen.

Mailte man mir gerade. Herr Blabel schreibt Texte für Publikationen, in denen auf redaktionellen Inhalt im Grunde geschissen wird, wo dem Leser also vorgegaukelt wird, er läse gerade einen objektiven Text. Jenes Unternehmen hat mir einen Beispieltext mitgeschickt, der morgen im seppolog erscheinen soll. Ein Auszug:

Und dann kam meine Mitbewohnerin herein und bat mich, eine dieser knusprigen Pizzen zuzubereiten:

„Die schmecken wie im Restaurant!“

Ich war bass erstaunt, ging zum Gefrierschrank und nahm eine Pizza der Sorte „Funghi“ heraus, schob sie in den Ofen, als es an der Tür klingelte.

Und so weiter. Sogar das „bass erstaunt“ hat Herr Blabel eingebaut. Aber meine Mitbewohnerin würde beim Vergleich einer Fertigpizza mit einer frisch zubereiteten sicherlich erhebliche Qualitätsunterschiede feststellen. Und wer sich eine TK-Pizza zubereitet, der will in dem Moment auch gar keine frische, sondern eben eine TK-Pizza. Wenn ich mir bei „McDonald’s“ einen Burger hole, dann will ich in dem Moment keinen richtigen Burger, sondern eben einen von McDonald’s. Das ist legitim. Aber eben doch ein Unterschied.

Also, um meinen Vertrag zu erfüllen, erscheint hier morgen ein mieser Artikel, der nicht aus meiner Feder ist. Aber diese Pizza, die ist wirklich toll … für eine TK-Pizza.

Vor etwa fünf Stunden habe ich der Belegschaft des seppologs gekündigt. Beziehungsweise sie „freigestellt“. Das läuft auf dasselbe hinaus. Sie alle wissen nun, dass sie sich Montagmorgen bei der Arbeitsagentur melden müssen. Vorbei am „Integration Point“ werden sie sich in eine Schlange stellen müssen, wo man sie „freundlich“ bedient (mit einer Kundenummer versieht) und dann vor ein „Terminal“ setzt, was nichts anderes als ein PC ist. Dort leisten sie dann eine Art Offenbarungseid, während sie gar keine Zeit haben zu realisieren, in welches Loch sie gerade fallen. Dann läuft ein anderer „Kunde“ an ihnen vorbei, der so etwas murmelt wie:

„Der hatte ’ne Hasenscharte von hier bis nach Wuppertal.“

Ein Autor aus dem Team will sich als Gastronom versuchen, hat er mir schon erzählt. Ich kann da nur warnen, denn gerade als Gnom hat man es in der Gastronomie nicht leicht. Hintergrund ist die traurige Geschichte, dass Kollege Gandoel vor einigen Jahren gnomifiziert wurde. Aber das ist nun wirklich etwas, das hier nicht hingehört. Obwohl? Wäre das nicht die Initialzündung, die das seppolog braucht?! Ich könnte doch einfach mal die Schicksale anderer hier ausbreiten! Weg von meiner Person, hin zu anderen. Zu Menschen, denen es schlecht geht. Weil sie gnomifiziert wurden. Zur Weihnachtszeit passt doch nichts besser! Das Ganze verbunden mit einem Spendenaufruf, der Leser zerfließt in Mitleid und gibt freigiebig sein Einkommen an mich weiter. In ’nem halben Jahr titeln die Gazetten dann:

„Irrer Blogger veruntreut Spenden auf Mallorca.“

Dann werde ich bekannt! Dann bekomme ich Klicks! Dann schreibe ich hier eine öffentliche, reumütige Entschuldigung und stelle mich danach als Justizopfer dar. Uli Hoeneß will wieder auf den Thron, habe ich heute vernommen …

Die 500 mache ich noch voll. Das lasse ich mir nicht nehmen. Mache ich es eben ohne die Redaktion, die gerade dabei war, einen Betriebsrat zu gründen. Jetzt muss ich an „Servus TV“ denken. Das seppolog auf dessen Spuren. Mir kommt doch kein Betriebsrat ins Haus! Der Betriebsrat bin ich!

Das seppolog wird besinnlich ausklingen. Weihnachten naht und ich freue mich schon auf den Kauf der Weihnachtsdeko. Das wird morgen geschehen. Dann kommt der Baum. Das wird auch frühzeitig geschehen, da der Baum bei uns immer sehr teuer wird, was meinem Verhandlungsungeschick geschuldet ist, und er sich somit über mehrere Wochen lohnen muss, bis ich das übergroße Ungetüm nicht schnell genug aus der Wohnung verbannen kann. Ich glaube, es wird das letzte Weihnachten in dieser Wohnung.


Und es wird auch in diesem Jahr akribisch auf meiner Facebook-Seite dokumentiert. Und vielleicht auch hier, wobei, nein, besser nicht:

15122959_236425900110702_2088450969200813618_o