Die Homestory (I)

Star? Legende? Ikone? Es ist schwierig, sich auf den einen Superlativ festzulegen, der TV-Moderator und Starautor am zutreffendsten beschreibt. Branchenkenner sprechen daher verkürzend vom Gottvater der Fernsehgeschichte, wenn sie Seppo meinen, der derzeit fünf TV-Formate gleichzeitig moderiert – mitunter gleichzeitig im Wortsinne! Dem Zuschauer fällt das gar nicht auf, die Produzenten jedoch freuen sich über die entsprechende Kosteneffizienz! Da nimmt es kaum wunder, dass sich die hiesigen Sendergruppen um ein Engagements Seppos streiten.

Unumstritten, populär und begehrt wie kein Zweiter – Wie kann ein Mensch da noch geerdet bleiben? Wie kann eine derartige Größe, ein wahres Unterhaltungsmonument, da noch ein Privatleben führen? Der bekannte Enthüllungsjournalist Rosonsko Rosenbaum hat Seppo einige Tage lang begleitet. Sein Fazit: „Was für ein einmaliger Mensch. Wenn es doch mehr von ihm gäbe!“ Lesen hier seine ganze Homestory.


Show-Dino und doch Mensch geblieben


TEIL III
DIE HOMESTORY (I)


Mein Name ist Rosonsko Rosenbaum. Bekannt wurde ich als Enthüllungsjournalist, verdingen tue ich mich als people reporter. Kaum eine Größe der deutschen Unterhaltungsindustrie, die ich noch nicht porträtiert habe. Lediglich Sebastian Flotho bildete eine Ausnahme; an ihn heranzukommen ist praktisch unmöglich.

Bis jetzt.

Etwa drei Jahre akribischer Vorbereitungszeit gingen dem Treffen voraus, das mir in den Wochen zuvor schlaflose Nächte bereitet hatte. Immer wieder wurden Termine vereinbart, immer wieder diese verschoben oder ganz abgesagt. Herr Flotho sei viel beschäftigt, sei gerade unpässlich oder habe derzeit seinen Kopf nicht frei: Das waren die häufigsten Absagen, die mir sein Manager Kraftold Kramer regelmäßig zukommen ließ. Doch völlig unvermittelt erreichte mich im April 2015 diese Nachricht:

„Herr Flotho ist bereit, sich im Mai 2017 mit Ihnen zu treffen. Er legt Wert darauf, dass ich Ihnen ausrichte, dass er sich sehr auf Sie freue.“

Ich sah mich bereits am Ziel meiner Träume, ahnte aber nicht, dass der steinige Weg jetzt erst vor mir lag. Seppos Management verlangte nach zahlreichen Ausweisdokumenten, nach Leumundszeugnissen und selbst ein polizeiliches Führungszeugnis sollte ich meiner Schufa-Auskunft beifügen. Diese Hürden genommen, stand ich schon vor den nächsten. Das Management übersandte mir eine Liste über Themen, die ich keinesfalls gegenüber Seppo ansprechen durfte. Auch gewisse Weggefährten des Star-Moderators durfte ich nicht erwähnen. Doch damit nicht genug. Es folgte eine Aufstellung über Vokabeln, die ich in seiner Gegenwart meiden sollte. Ich begann mich zu fragen, ob ich es noch mit einem intakten Menschen zu tun hatte. Und ich sollte mich noch wundern.

Vor unserem ersten Treffen verabrede ich mich mit Vertrauten Seppos, um im Vorfeld zu erfahren, womit ich es zu tun bekomme. Ein schwieriges Unterfangen, gibt es doch wenige Vertraute in seinem Umfeld und noch weniger, die wirklich etwas über Seppo sagen können. Mich beschleicht der Gedanke: Hier schottet sich jemand ab, gibt nichts von sich preis. Womöglich ist eben genau das der Preis für ein Leben, das sich vollständig der Gunst des Publikums widmet. Nicht zum letzten Mal sollte ich denken: Dieser Mann lebt nicht für sich. Er lebt für den Menschen. Oder irrte ich da etwa? Hat er sein Privatleben zum Schutz seiner Mitbewohnerin und der eigenen Person hinter einer massiven Mauer versteckt?

September 2015. Eine Eilmeldung bei einem Nachrichtensender schreckt mich auf:

TV-Liebling Sebastian Flotho: Not-OP!

Ich telefoniere mit seinem Management, das zunächst nicht sagt, wie schlimm es um Seppo steht. Erst im Laufe einiger Wochen wird deutlich: Woran schon viele Menschen gestorben sind, das überlebt er! In letzter Sekunde retten die Top-Ärzte Europas sein Leben, für das so viele Menschen ihr eigenes opfern würden, und operieren seinen Leistenbruch. Was für ein Teufelskerl!, denke ich. Nicht einmal ein Leistenbruch kann diesen Mann aufhalten! Ich erwische mich erstmals bei der Frage, ob Seppo wirklich nur ein Mensch ist.

Die OP gerade noch so überstanden, ist Seppo in den Folgemonaten schwer gezeichnet. Unklar, ob er sich jemals wieder wird erholen, ob er wieder der Alte sein würde. Die Prognosen der Ärzte sind schlecht, zumal Seppo die ihm dringend empfohlene Reha verweigert. Erst später erfährt die Welt, dass er während seiner Bettlägerigkeit sein eigenes Reha-Programm erstellt hat. Dieses durchlaufen scheint er Anfang 2016 fitter als jemals zuvor; nicht wenige Ärzte kopieren inzwischen seine Reha-Maßnahmen – mit Erfolg: Weltweit steigt die Lebenserwartung des Menschen in eindrucksvollem Tempo. So ist er, dieser Mann, selbst am Boden vermag er die gesamte Menschheit zu retten. Erstmals fühle ich so etwas wie Ehrfurcht.

Eine Woche noch bis zum Treffen. Ich nehme Sprechtraining, schule meine Etikette. Seppo gilt als intolerant, was fehlendes Benehmen angeht. Es gebe kaum jemanden, der seinen Ansprüchen gerecht werde, tuscheln ihm Nahestehende, die hier namentlich nicht genannt werden wollen. Hat er sie eingeschüchtert? Oder sind sie aus Loyalität so verschwiegen?

Abends überkommt mich Übelkeit, nicht selten übergebe ich mich – die Nervosität übermannt mich. „Leichter würde mir ein Treffen mit Gott fallen“, notiere ich in jenen Tagen in mein Tagebuch. Meine Familie rät mir gar, diesen coup abzusagen, darauf zu verzichten. Ich verliere an Gewicht, ergraue am Kopf. Zu wissen, ich darf Seppo treffen, macht mich krank.

Er ist gekommen. Der Tag mit Seppo. Ich stehe um vier Uhr am frühen Morgen auf. Ich versuche mich in Morgengymnastik, will fit wirken, wenn Seppo mich in sein Haus herein bittet. Natürlich weiß ich, dass er auf jeden Fall fit ist. Ich kenne die Geschichten um seinen asketischen und geregelten Tagesablauf. Ich habe begriffen: Dieser Mann betrachtet seinen Körper als seinen Tempel. So berichtet mir ein Insider:

„Seppo leitet ein Gros seines Seelenheils aus einem anzustrebenden körperlichen Ideal ab.“

Das also ist seine Methode. Ist es gar sie, die ihn zu diesem Fels in der Brandung macht? Die ihn den übermenschlichen Ruhm erträglich macht? Auch diese Frage will ich bei unserem Treffen klären. Doch wurde ich gewarnt:

„Sie werden mit mehr Fragen wieder gehen, als Sie gekommen sind.“

Es ist so weit. Ich stehe an dem großen Tor mit seinen Initialen. Nein, mit seinem Initial. Dieser Mann braucht nur einen Buchstaben: S.

„S“ für „Superman“? Nein. Superman erblasst gegenüber der Gestalt, die mir gleich begegnen wird. Ich betätige die Schelle. Wer wird öffnen? Ein Handlanger? Er persönlich? Ich muss nervös auflachen, glaube ich letztes wohl kaum.

Ich höre eine Stimme:

„Ja?“

Eine Sprechanlage. Wessen Stimme ist das? Seine? Unmöglich!

„Rosenbaum. Ich komme wegen der homestory„, antworte ich verkrampft souverän.

„Ah! Rosonsko! Ich eile!“

Mein Gott, das war er selbst!


Wird Seppo auch höchstselbst die eiserne Haustür öffnen? Erleben wir es im nächsten Teil dieser Serie, deren bisherigen Folgen hier nachzulesen sind!

12 Kommentare

  1. mein lieber seppo , wenn ich nicht wüsste dass dir jegliche Überheblichkeit fern liegt dann hätte ich jetzt meine Schergen gerufen mit dem Befehl : IN DEN KERKER MIT IHM …. doch weil dem ja nicht so ist kann ich wiederum sagen : verwirrend und lustig wie immer …. eine arme wolfskatze versucht derweil den wahren Sinn des Ganzen zu ergründen ….. bis mir das gelungen ist verbleibe ich mit den freundlichsten grüßen die grinsende wolfskatze aus dem verregneten Sauerland …. 🙂

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  2. Ach du Schreck, Herr Flotho Also lassen Sie mich einfach vor der Tür stehen, wenn ich bei ihnen Klingele?

    Erzogen bin ich, ich mache nur gern mal Spaß, nur kein klingelstreich, sondern mehr ein kurzes hallo und wieder von Düsseldorf nach Frankfurt.

    Grüße Klaus Walter Riedel

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  3. Die Einzigartigkeit und kaum überschätzbare Achtungswürdigkeit dieses Mannes zeigt sich dort, wo auch der Teufel steckt: im Detail! Ein einfaches S als Namensschild: Welche Demut, mit nur einem Buchstaben sich zu begnügen! Welche Selbstbescheidung, die eigene Größe mit S(mall) zu benennen!
    Wunder über Wunder!

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