„Terror“ in Münster

Beatrix von Storch ist eine wunderschöne Frau. Ich liebe an Frauen, wenn diese ein immer strahlendes Gesicht mit sich herumtragen. Es gibt solche tatsächlich. Man sieht ihnen in die Augen und weiß irgendwie, ja, das ist ein guter Mensch. Ich meine nicht etwa ein Dauergrinsen, nein, ich meine wirklich aus der Seele strahlende Augen.

Beatrix von Storch ist natürlich nicht wunderschön, in ihren Augen sehe ich nur Groll, Hass und eine deftige Portion Doofheit. Aber dafür ist sie biodeutsch. Und das wird, wenn es schlecht läuft, ein bald wieder sehr gefragtes Attribut. Obwohl ich bei dem Begriff kotzen möchte.

Ich hatte Bio und Deutsch als Leistungskurs. Zu einer Zeit, als ich glaubte, die Deutschen hätten das Schlimmste überstanden und stünden zu ihrer Verantwortung. Ich rede nicht einmal von Schuld, denn meine Generation beispielsweise hat keinen Juden vergast. Aber meine Generation trägt wie jeder andere Mensch auf dieser Welt eine gewisse Verantwortung. Und da wir in unserem Lande ziemlich genau wissen, wie schnell Irre einen Weltenbrand entfachen können, haben wir eine besondere Verantwortung, der wir derzeit nicht gerecht werden. Nur ein Beispiel: Vier von zehn Schülern können mit dem Begriff „Auschwitz“ nichts anfangen. Ich habe keine Ahnung, wer da versagt, erinnere mich aber gut, dass ich die ersten KZ-Bilder in der vierten Klasse der Grundschule zu sehen bekam. Solche Bilder scheinen nun zu verblassen. Was geschieht nur, wenn der letzte Zeitzeuge diese Welt verlässt? Wenn das Grauen nur noch eine verschleierte Erinnerung ist, die von nicht wenigen auch noch geleugnet wird?! Mich belastet weder dieses Wissen, diese Erinnerung aus Erzählungen, noch belastet mich ein Schuldvorwurf. Ein „Irgendwann muss ja mal gut sein“ kann es nicht geben. Es ist doch wirklich nicht so, dass diese historische Verantwortung uns erdrückt. Lächerlich. Das Gegenteil ist der Fall. Die Deutschen sind vielen anderen Völkern Vorbild in der Aufarbeit dunkler Geschichte. Darauf übrigens kann man als Deutscher stolz sein. Denn das ist – anders als das Biodeutschsein – eine Leistung!

Ich weiß nicht, welche Bilder schlimmer sind. Jene KZ-Bilder aus dem Grundschulunterricht oder ein Konterfei von Frau von Storch, die schneller als N-TV auf den Terroranschlag in meiner Heimatstadt Münster reagiert hatte. Blöd nur, wenn sich dann herausstellt, dass es gar kein Terror im derzeit klassischen Sinne war. Sofern man dem Glauben schenkt, denn in der Echokammer Facebook war vielen geistig Abgedrifteten relativ schnell klar, dass die Behörden einfach nicht zugeben wollten, dass es sich um Terror gehandelt hat, zumal der Lügenpresse ohnehin nicht zu glauben sei. Und wenn es dann eben ein Biodeutscher war, dann habe er halt nur das nachgemacht, was Frau von Storch, die angehende Miss Bundestag, jedem Flüchtling ohnehin zutraut. Also so oder so, der Nichtbiodeutsche ist irgendwie schuld. Und Frau Merkel sowieso.

Das sind Nazi-Methoden. So durchschaubar wie leider auch fruchtbar. Trixi muss es selbst ja alles gar nicht glauben, es genügt, wenn eine kleiner, dafür umso lauterer Biodeutschmob es glaubt, denn leider verhält es sich so, dass die Radikalen immer lauter sind als die vernünftige, aber schweigende Mehrheit. Die Nazis wussten das schon immer: Die Unterstützung der Masse braucht man gar nicht, ein radikalisierter Teil genügt vollkommen.

Facebook ist ein ideales Instrument, das die verqueren Ansichten einiger Menschen offenlegt: Sie haben nun ein Forum, innerhalb dessen sie sich selbst bestätigen. Vieles, was früher nur nach dem x-ten Bier ausgesprochen wurde, ist inzwischen salonfähig geworden, zumal das Ausland ebenfalls nach rechts rutscht.

Aber schweigt die Masse? Nein, das tut sie zum Glück nicht. Auf jeden irren Facebook-Kommentar, den ich am Samstagabend nach dem „Ereignis“, wie man es möglichst neutral nannte, folgte ein geraderückender Kommentar. Doch auch das macht mir Angst: Wir erleben eine tiefe Spaltung der Gesellschaft. Und auch ein solches Ereignis, das gar kein Terror war, nützt den neuen Nazis. Fakten spielen caine Rolle mehr.

Vor einigen Jahren noch hätten es die Eilmeldungen zu dem Vorfall am Münsteraner „Kiepenkerl“, in dem auch ich schon häufig saß, nicht bis in die BBC oder CNN geschafft. Inzwischen sind wir derart konditioniert, dass wir natürlich sofort an Terror denken, fährt ein LKW, der sich als Kleinbus entpuppte, in eine Menschenmenge.

Zunächst las ich am Samstag auf meiner Facebook-Chronik nur irgendetwas von Sperrungen in der Münsteraner Altstadt. Ich las nicht weiter, habe an eine Kneipenschlägerei gedacht. Denn ich muss leider wiederholen, was viele Münsteraner sooft sagten am Samstag: In Münster rechnet niemand mit so etwas. Aber das ist ja das Perfide dieser Art von Terror: Er kann überall zuschlagen. Es geht nicht um maximal hohe Opferzahlen; es geht um das Streuen von Angst, von Verunsicherung. Und es ist im Sinne der Terroristen, aber auch autokratischer Regime in und um Europa herum, dass rechtsnationale Parteien dadurch Auftrieb gewinnen und die westlichen Gesellschaften zersetzen. Eine aufstrebende AfD hat das Potenzial, dieses Land auf Dauer zu ruinieren. Zum einen sind sie regierungsunfähig – sie beherrschen schlicht das Handwerk nicht – und zum anderen baut ihre Macht darauf auf, die Deutschen zu Opfern irgendwelcher Sündenböcke zu stilisieren. Wer eine andere Meinung hat, der ist nicht nur politischer Gegner, der wird zum Feind stilisiert – die Gesellschaft wird vergiftet. Ein simples Muster, hatten wir schon, sieht man auch derzeit in Ungarn oder Polen. Leider funktioniert das immer wieder. Bis zu einem gewissen Punkt, denn Gutes ist daraus noch nie entstanden. Gibt den Anhängern natürlich nicht zu denken, denn Denken ist ihre Sache nicht.

Ich sage übrigens nicht, dass ein AfD-Wähler ein Nazi ist. Aber er wählt solche. Und ich sage durchaus, dass ein AfD-Wähler bei Lichte betrachtet nicht alle Latten am Zaun haben kann. Man kann gegen Merkel sein, keine Frage. Aber dann das Heil in der AfD suchen?! Bei aller Liebe, bisschen mitdenken!

Ich bin auch müde, mich immer und immer wieder darüber zu echauffieren. Ich tue es dennoch, weil sie setzen ja auf diese Strategie: auf das ständige Verschieben des Niveaus. Und natürlich verwunderte der Tweet von der hübschen von Storch nicht. Und natürlich spielt ihr Aussehen in einer Argumentation gar keine Rolle. Aber Fakten interessieren sie ja auch nicht.

Die Bundestagswahl 2017 war ein einigermaßen schwarzer Tag. Glücklich machte mich nur das Wahlergebnis der AfD in Münster: Meine Heimatstadt war der einzige der insgesamt 299 Wahlbezirke des Deutschen Reiches, in denen die AfD nicht über die Fünf-Prozent-Hürde gelangte. Das wird freilich nicht so bleiben, da ich grundsätzlich für unsere politische Landschaft schwarzsehe. Und da es mir gerade einfällt: Schimpfen auf die so genannten Altparteien, aber einem CDU-Urgestein – Alexander Gauland, 77 Jahre alt – hinterherrennen?! Dessen einziges Motiv doch darin besteht, es seiner ewigen Rivalin heimzuzahlen?! Da mangelt es doch massiv an Hirnmasse!

Später des Samstagachmittags schrieb mir Kollege Bunki bei Facebook. Was denn da in Münster los sei. Während mein Essen in der Mikrowelle stand, guckte ich also doch mal genauer in die Nachrichten und erfuhr so von dem LKW, der nie einer war und der in eine Menschenmenge gerast war.

Dann stellte ich fest, dass ich nun in die Verlegenheit kam, meine Eltern in Münster anzurufen. Währenddessen erschienen auf Facebook die ersten „Pray for Münster“-Nachrichten, was ich im Übrigen zum Würgen finde.

Mein Vater ging ans Telefon. Er wusste von nichts.

„Ich wollte an sich jetzt in den Garten“, sagte er.

Ich war beruhigt und überlegte, ob ich denn nun noch essen dürfe. Ich war leicht durcheinander. Ist es pietätlos, jetzt in Düsseldorf zu essen, fragte ich mich. Ein bisschen war mir auch der Appetit vergangen und ich schaltete N-TV ein. Wie es sich für einen deutschen privaten Nachrichtensender gehört, liefen dort aber Dokumentationen. Immerhin haben sie ein rot unterlegtes Laufband auf die Beine gestellt, in dem von einem LKW die Rede war.

Bei „Tagesschau24“, beim „Staatsfernsehen“, das die AfD durch AfD.TV ersetzen möchte, wurde ich schlauer. Ich sah die Bilder und dachte, dass es tausend bessere Orte für einen islamistischen Anschlag gäbe als die Gaststätte Kiepenkerl. Aber da auch ich konditioniert auf Terror bin, war für mich klar: Es ist allen Ernstes in Münster passiert.

Kollege Bunki schrieb mir derweil, dass gleich die Nazis aus ihren Ecken kriechen würden. Und natürlich, so kam es. Ich loggte mich aus Facebook zunächst aus, wollte mich nicht darüber aufregen müssen. Aber unsere Lügenpresse, die viele so nennen, weil andere, sehr laute Idioten es ihnen vormachen, stürzte sich sofort auf den dämlichsten aller Kommentare, auf den Tweet von der Frau, die jeden feuchten Traum im Handschlag trockenzulegen vermag. Ich bin im Zwiespalt: Sollte man solchen Äußerungen überhaupt eine Plattform bieten? Immerhin ist genau das ja ihr Kalkül. Auf der anderen Seite muss doch ein klar denkender Mensch diese Frau umgehend verdammen und nach derzeitigem Stand der Dinge ging die Nummer für sie auch nach hinten los, auch wenn ich fürchte, dass viele ihr Recht geben. Obwohl das völliger Bullshit ist, was sie da von sich gab. Die F.A.Z. schreibt:

Nicht allen in der AfD gefällt das. Am kommenden Freitag wird sich Storch nach Informationen dieser Zeitung im Bundesvorstand ihrer Partei rechtfertigen müssen. Der Vorwurf lautet, Storch habe der Partei geschadet, indem sie der Konkurrenz einen Punktsieg ermöglichte.

Was lese ich daraus? Dass der eigentliche Inhalt des Tweets nicht so das Problem ist, nur ihre Taktik nach hinten losging?!

Zu einer freien Gesellschaft gehört, offen sagen zu können: Ich finde die AfD scheiße. Der AfD gestehe ich auch zu, alle anderen Parteien scheiße zu finden. Diese Freiheit ist eine Errungenschaft. Aber es ist auch diese Freiheit, die schwer gefährdet ist. Der Nährboden ist da, die Aussaat des Hasses besorgen die neuen Nazis.

Ich habe Mitgefühl mit den Opfern und deren Angehörigen. Man kann es sich nicht ausmalen: Menschen wollen den ersten sonnigen Tag des Jahres genießen – und müssen ihr Leben lassen wegen eines Irren.


 

26 Kommentare

  1. Ich gebe dir in vielem Recht, auch was von Storch betrifft, of sie Bio-Deutsch ist weiss ich nicht, aus ihrem Adelsnamen kann man das nicht ableiten, vielleicht istes wie bei von der Leyen, sie ist angeheiratet und auch noch stolz auf etwas, was zu den Relikten vergangener Jahrhunderte gehoerte, sie es wie es sei, schoen ist von Storch nicht, dumm ist sie auf jeden Fall, was nicht in Kontradition zu ihrem Namen steht. ich denke man wird sich bald von ihr trennen, ein Schandfleck weniger.

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  2. Ich unterschreibe deinen Text absolut. Wir werden es noch erleben, dass wieder Nazis in der Regierung sitzen. Noch vor sagen wir drei Jahren hätte ich nicht für möglich gehalten, so einen Satz zu sagen.
    Einen Satz in deinem Text allerdings habe ich nicht verstanden : du schreibst, die AfD sei absolut regierungsfähig, beherrschten aber schlichtweg das Handwerk nicht. Sind sie nun in deinen Augen regierungsfähig? Oder steh ich auf dem Schlauch?
    Ich sehe diese Partei jedenfalls durchaus demnächst in irgendeiner Landesregierung. Locker.

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  3. Wahrscheinlich muss man in einer Demokratie auch solche Meinungen, na ja hat sie überhaupt eine, ertragen. Auch wenn es schwer, ja verdammt schwerfällt.

    Nur schade, dass es nicht einfach ist jemanden wie ihr, das Bundestagsmandat zu entziehen. Eine Schande für den Deutschen Bundestag ist sie, finde ich jedenfalls, allemal.

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  4. Ich möchte mir einreden, dass diese wiederholten geistigen Ausfälle mit der AfD-Spitze abgesprochen sind und man Frau von Storch und Herrn Höcke in dieser Partei nur hat, damit die potenzielle Wählerschaft Frau Weidel und Herrn Gauland vergleichsweise erträglich empfindet. Andernfalls wäre sie ja wirklich so dusselig, wie man eigentlich gar nicht sein kann …

    Und auch wenn die Masse nicht schweigt, so ist mein persönlicher Eindruck, dass der Widerspruch gegen ihre geistigen Totalausfälle schon mal höher war. Nicht umsonst musste sie mal behaupten, „von der Maus abgerutscht“ zu sein. Heute gibt es die obligatorischen Rücktrittsforderungen und Widerspruch – aber auch Zuspruch – bei Facebook, und dann geht man zur Tagesordnung über.

    Ich finde es übrigens auch bezeichnend, dass sie sich vor der Parteispitze nicht deshalb rechtfertigen muss, weil so offensichtlich hanebüchenen Unsinn verbreitet, sondern weil sie „der Partei geschadet“ habe, „indem sie der Konkurenz einen Punktsieg ermöglichte.“

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  5. Fakten sind schon lange nicht so wichtig wie das Gefühl, denn Fakten sind komplex. Ich glaube nicht, dass es prinzipiell neu ist, dass unter Ignoranz der Fakten mit Gefühlen und extremen Vereinfachungen Stimmung und Politik gemacht wird.

    Was aber neu ist, ist die sehr schnelle Verbreitung. Das gibt den Kräften, die mit extrem Vereinfachtem, selektiv Wahrgenommenem oder schlicht Falschem eine Freiheit ausnutzen, um gegen diese Freiheit zu arbeiten, eine neue Plattform – und Reichweite!

    Ich bin nicht sicher, ob die Leute das für meine Ohren so sagen, oder ob sie das wirklich denken – aber in meinem Umfeld gibt’s eine Menge, die das Ergebnis der AfD bei der letzten Bundestagswahl für einen „guten Denkzettel“ für die etablierten Parteien halten. In wie weit es sinnvoll ist, gegen Freiheiten und Grundsätze zu wählen, die man nutzt oder von denen man gar lebt, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Es ist schlicht dumm – und brandgefährlich.

    Mir persönlich ist Twitter mit seinem Zeichenlimit schon länger suspekt, weil man dort, selbst wenn man es wollte, oft keinen Platz für eine differenzierte Darstellung, für das Einbauen des „Wenn und Aber“ hat. Es ist aber nicht nur unsere demokratische, freiheitliche Ordnung, die von Verkürzung, Vereinfachung und Eliminierung des Zweifels gefährdet wird, sondern auch das wissenschaftliche Weltbild, das unsere moderne, von hohem Lebensstandard geprägte, technisierte Welt überhaupt erst ermöglicht, nicht zuletzt gewährleistet, dass so viele Menschen, wie derzeit auf ihr leben, überhaupt auf der Erde überleben können.

    Ich gleite ab. So richtig griffig zusammengefasst bekomme ich den Widerspruch in einem Weltbild, in dem sich Fremdenhass, Agitation, Abtreibungsgegnerschaft und Frau an den Herd (überspitzt gesagt, man nennt das wohl „klassisches Rollenbild“) auf einer Berufspolitikerin vereinen, im Moment nicht. Wenn man das Ganze aber konsequent zu Ende denkt, will Frau von Storch, dass wir viele Kinder kriegen, die „Übersexualisierung“ der Gesellschaft beenden und die Grenzen zumachen. Wenn man ganz böse sein will, könnte man sagen: Indem sie den Terror der Produkte restriktiv-erzkonservativer Gesellschaften nutzt und sogar in damit nicht verbundenen Ereignissen beschwört, will sie eine restriktiv-erzkonservative Gesellschaft bei uns errichten – nur halt mit Biodeutschen. Natürlich steht das im Gegensatz zum AfD-Plakat „Burkas? Wir mögen Bikinis“, aber widersprüchliche Signale zur Bauernfängerei sind zwar allgemein nicht atypisch für die Politik, in der maximalen Dreistigkeit sieht man sie dann aber doch öfter bei den Populisten.

    Kurzfassen ist so meine Sache nicht. Sorry für’s abgleiten vom Thema.

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  6. „Das sind Nazi-Methoden.“
    Die Bezeichnung der 2015-Migranten als Flüchtlinge ist sicher nicht als demokratisch zu bezeichnen. Es ist eine Art begrifflicher Betrug. Man bezeichnet ja Willkommenskritiker gerne als doof. Wie die 2015-Migration jenseits der Fluchtklischees einzuschätzen ist, wird allerdings von unserer ‚linksintellektuellen‘ Öffentlichkeit kaum angemessen behandelt.

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  7. Vielleicht sind die Vernünftigen zu leise und mischen sich zu wenig ein, vielleicht bringt eine Diskussion um Kinder, die in den Brunnen gefallen sind, auch nichts mehr. Und selbst wenn die nächste Generation zu wenig über KZs weiß, kann ich ihnen Respekt, Toleranz und eine vernünftige Streitkultur beibringen. Darauf setze ich.

    Und zum Vorredner: Der Beitrag ist etwas schwurbelig, vielleicht auch so gewollt. Ich arbeite seit 2015 in diesem Bereich und leider hat mich nie auch nur irgendein Teil der Bevölkerung gefragt, wie meine Einschätzung der Lage ist. Und so geht es ganz vielen, die wirklich tagtäglich Migration und Integration organisieren.

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  8. Dann will ich dass wieder mal erläutern. Ich bin seit 2015 zur ‚Mitarbeit‘ in der Sozialindustrie gezwungen, daher kenne ich Hunderte von 2015-Migranten.

    Von Afghanen hörte ich mehrmals, dass bei ihnen die Botschaft angekommen sei, Deutschland oder Merkel brauche sie. Viele 2015-Migranten aus dem ganzen Nahen Osten machten sich auf den Weg. Beim Übergang von der Türkei nach Griechenland setzten sie sich dann in die Boote, die sich dabei als in gefährlich schlechtem Zustand entpuppten.
    Also:
    Die Leute machten sich in der Tat v.a. aus wirtschaftlichen Gründen auf den Weg. Das ist ja auch normal. Nun behaupten aber viele Willkommens-Aktivisten, niemand, der nicht zur Flucht gezwungen sein, nehme die Risiken auf sich. Dabei wird übersehen, dass der einzelne 2015-Migrant gar nicht wissen konnte, worauf er sich einlässt. Mancher musste sein Gepäck über Bord werfen, um nicht unterzugehen. Das alles spricht jedoch nicht für Flucht.
    Ich habe die Gründe eigentlich schon korrekt in dem von einem Journalisten nach Monaten beseitigten Kommentar – schulterklopf – richtig dargestellt: https://cellediefreieseite.wordpress.com/2016/08/18/der-anlass/

    Ich pflege nun am liebsten zu Iranern Kontakt, aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen. Und dass so viele Iraner zur Kirche gehen, ist auch nicht unbedingt so einzuschätzen, dass sie verfolgte Herzenschristen waren. Richtig ist, dass sie sich vom iranischen Regime drangsaliert fühlten. Eine religiöse Überzeugung wird dabei jedoch oft mit verwechselt. Das ist alles menschlich, rechtfertigt aber keine dauerhafte Immigration.

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    • Also…. In „unserer Ecke des Landes“ sind überwiegend Syrer untergebracht wurden. Aus der Hand eines Deutschleheres für eben jene kann ich nur sagen, dass die meisten Flüchtlinge, die in unserer Gegend untergebracht wurden, durchaus einen politischen Grund hatten und ihnen schlicht ihr zu Hause unter dem Arsch weggebombt wurde.

      Selbst wenn es Wirtschaftsflüchtlinge wären: kann man es ihnen verdenken?
      Denn dann müssten wir auch heute noch fordern, dass alle Italiener, Türken, Russen, Polen, etc das Land sofort wieder verlassen, weil sie vor zig Jahren als Wirtschaftsflüchtlinge gekommen sind.

      Und das will nun wirklich keiner… Ich würde meine Kolleginnen schwer vermissen.

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      • Für IRGENDWELCHE Migrationsgründe ist Deutschland nicht zuständig. Migration ist erst einmal Privatsache. Jede Migration als Flucht zu verkaufen, macht allerdings Argumentieren über gebotene Hilfe oder nicht gebotene Hilfe schwer. Demokratie sollte auf öffentlichen Kriterien beruhen.

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  9. Mit Deinem wütenden Kommentar hatte ich schon gerechnet, als ich über einen Nürnberger Fan-Kollegen von dem Ereignis in Münster erfuhr und mir der Sieg gegen Heidenheim verhagelt war. Freut mich, dass er jetzt da ist! Ich habe beste Wander-, Konzert- und Theater-Erinnerungen an die Stadt. Der Kollege, den ich sogar kenne und schätze, schrieb auch sofort von „religiös verblendet“, obwohl noch gar nix klar war. Nixie-Trixie, es waren die verdammten Ausländer, und wenn sie es erwiesenermaßen nicht waren, hätten sie es aber sein können! Ein wenig „dududu“ von der Partei, und weiter mit Goebbels (Lügen so lange wiederholen, bis sie für Wahrheit gehalten werden) und Carl Schmitt (Freund-Feind, entweder-oder)… es ist echt zum Kotzen und traurig. Zur Störchin noch: Mein Bruder schrieb mir mal, dass sie zwar ungefähr so alt sei wie ich, aber mindestens fuffzehn Jahre älter aussehe. „Verbittert, verbittert, verbittert“, dachte ich nur. Freudlos, dabei tut sie in ihren Tweets immer so humorig. Und „biodeutsch“ kann ich echt nicht mehr hören. Alle bitte mal zum DNA-Test, gibt bestimmt sehr lustige Ergebnisse 😜

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  10. Wie immer unterschreibe ich den Beitrag blind, auch wenn ich ihn natürlich gelesen habe.

    Das Internet zeigt in solchen Stunden leider immer seine Schattenseiten. Mutmaßungen machen zu schnell die Runde.
    Ich bin froh, dass ich erst einige Stunden später überhaupt von der Tat erfahren habe und beschäftigt genug war um mich erst dann zu informieren, als die Fakten schon klarer waren.

    Allerdings war auch mein erster Gedanke, dass der Terror gerade örtlich gesehen ekelhaft nah käme, wenn es wirklich ein Anschlag sein sollte.
    Gleichzeitig gewöhne ich mir bei den Eilmeldungen immer mehr eine gesunde Skepsis an und ein durchschnaufen und abwarten.

    Den Tweet der Storch habe ich erst gestern mitbekommen und hätte wohl kotzen können. Leider werden genau solche Stimmen lauter, umso wichtiger ist es, dass der differenzierter denkende Teil der Gesellschaft sich ebenfalls bemerkbar macht und die Idiotie der zu schnell gezogenen Rückschlüsse kenntlich macht.

    Es ist schwer…. Aber das ist offensichtlich gerade unser Los.

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  11. Ja, Syrer sind mehr oder weniger von Bomben betroffen. Aber 2015 sind Leute aus dem ganzen Nahen Osten gekommen. Es ist die denkbar schlechteste Lösung, Menschen aus dem ganzen Nahen Osten dahin zu bringen, wo es ihnen besser geht; v.a. wenn es um die jungen kräftigen Leute geht. Wenn das auch noch über das Asylrecht funktioniert, wird es früher ruiniert sein als ohne 2015. Ich habe in der niedersächsischen Provinz mit Kurden, Pakistanern, Afghanen, Iranern, Tunesiern zu tun – mehr als mit Syrern. Die Medien waren zu sehr auf Syrien fixiert.

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  12. „Dass jeder dahin, wo er hin gehn will kann laufen, kumpane darauf wollen wir noch einen saufen“, sang einst franz josef degenhardt. in diesem sinne setze ich mich zur sommerzeit auch weiterhin in biergärten in möglichst bunte runde – ich liebe nämlich die vielfalt. ich kann dabei übrigens nicht in den angstmodus verfallen, obwohl natürlich die gefahr besteht, von einem auto umgefahren zu werden. allerdings kaum im biergarten, sondern im alltäglichen straßenverkehr. die gefahr, hier von einem ganz alltäglichen verkehrsteilnehmer mit rädern unterm hintern erwischt zu werden, ist hunderttausend mal größer als die möglichkeit, dass einer aus terroristischen oder suizidgründen seine karre genau in den biergarten lenkt, in dem ich gerade mein pils schlürfe. angst ist nicht mein ding – und ich lasse sie mir von den afd schranzen auch nicht einreden. ich persönlich finde die übrigens tierisch langweilig mit ihren ewig wiedergekäuten sprüchen und wundere mich höchstens, dass deren zuhörer nicht längst eingepennt sind…

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  13. Es schaut der Mensch üblicherweise zwei Generationen nach vorne und denkt an seine Enkel und zwei Generationen zurück und erinnert sich an seine Grosseltern.

    Die Täter-Opfer-Generation des 3. Reiches, das sind die Urgrosseltern, die schon auf Grund der kognitiven Beschränkungen des Menschen aus dem Fokus verschwinden. Da nutzt auch der 2. Weltkrieg auf Dauerschleife auf Phoenix nichts.

    Dazu kommen die Veränderungen in der Bevölkerung. Vor vierzig Jahren hätte quasi jeder Schüler in Deutschland zumindest die fromme Legende wiedergeben können, die Grossvater und Vater von sauberem Krieg und persönlicher Unschuld gewoben hatten.

    Ali, Jewgenij, Günay, Pawel und Aristide haben natürlich diesen Zugang nicht mehr. Sie können ihn gar nicht haben. Irgendwo wollen sie ihn vielleicht auch gar nicht haben, weil sie mit dem Leben in zwei Kulturen genug zu tun haben, mit ihrer Pubertät und manchmal vielleicht sogar, weil sie ein bisschen auf diese umständlichen Deutschen herab schauen.

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