Seppofiktion

Detektiv Doppel-OO: ein Münster-Krimi

Der Deutsche gilt – insbesondere unter Deutschen – als Krimifan. Das ist nicht weiter schlimm, denn noch vor einigen Jahrzehnten war er Fan von Völkermorden und industriller Massenhinrichtungen, sodass er sich in dieser Hinsicht und hinsichtlich seiner Hobbys deutlich verbessert hat.

Es gibt viele Sparten von Kriminalromanen wie auch -filmen, doch gibt es eine, die sich gerade in jüngster Zeit wachsender Popularität erfreut: die Gattung des Münster-Krimis, deren bekannteste Vertreter sicherlich die beiden Herrschaften vom Westdeutschen Rundfunk sind. Ein fast ebenso quotenträchtiger Straßenfeger ist der ZDF-Detektiv mit angeschlossenem Buch-Antiquariat in Münster, das es übrigens tatsächlich gibt.

Googeln wir aber einmal „münster krimi -tatort“, also schließen wir „tatort“ als Suchbegriff explizit aus, bietet sich eine enorme Masse an Kriminalfällen, die sich in jener Stadt abspielen, die flächenmäßig so groß wie München ist mit dem Unterschied, dass CSU und AfD in der Westfalenmetropole schlicht nicht existent sind, da der Münsteraner liberal, tolerant und freiheitsliebend ist.

„Das Wunder von Hiltrup“, „Außer Kontrolle: ein Münster-Krimi“, „Der Tod fährt Rad“ oder „Schatten der Vergangenheit“ heißen nur sieben der insgesamt 17.341 Werke, die zweifellos ein hochgebildetes und gut betuchtes Publikum ansprechen. „Der Glöckner von St. Lamberti“ war im Übrigen die Vorlage für das bekannte Pendant von Notre-Dame. Was bei Victor Hugo der Buckel ist, war beim Münsteraner Original ein Hirn-Aneurisma. Und die wenigsten dürften wohl wissen, dass das Vorwort zur Bibel in Münster spielt, das damals freilich noch Mimigernaford hieß, das die Keimzelle des heutigen Münsters war.

Als eifriger Leser und Kenner der Literatur- und Verlagsbranche wissen Sie zweifellos bereits von der Nachricht, die alles während der digital ausgerichteten Frankfurter Buchmesse in den Schatten gestellt hat, doch ich möchte es für die anderen Leser an dieser Stelle erwähnen. Der neu gegründete Buchverlag seppoversum:print hat im Septmeber die Rechte am Begriff „Münster-Krimi“ erworben. Bereits ausgelieferte Auflagen aller Werke, die sich mit diesem Labello schmücken, dürfen das noch weiterhin, wohingegen Neudrucke auf diesen Zusatz verzichten müssen. Inzwischen überschwemmen aus diesem Grunde zunehmend viele „Münsterland-Krimis“ den Buchmarkt – seppoversum hat hier bereits ebenfalls Kaufabsichten anklingen lassen und bereitet schon Abmahnungen vor.

Sechs Wochen lang hat die Branche spekuliert, was es mit diesem Coup auf sich hat. Anders als erwartet wurde das Geheimnis eben nicht auf der Frankfurter Buchmesse öffentlichkeitswirksam gelüftet, sondern:

hier im seppolog, dem Blog aus der Digitalsparte von seppoversum:analogmedia

Verehrter Leser, das seppolog wird schon bald einen exklusiven Vorab-Abdruck oder Vorabdruck,des neuen und einzig wahren Münster-Krimis veröffentlichen: Detektiv Doppel-O: Ordophob Ohßem in Der Ganove aus dem Grab. So der Name des ab sofort einzigen Münster-Krimis, der an Spannungsbögen, Wendepunkten und knisternder Erotik alles bislang Dagewesene in den Schatten stellen wird. In Hintergrundgesprächen wird das Werk jetzt schon als das „Citizen Cane“ der Literaturgeschichte gehandelt. Und als wäre das schon nicht genug, hatte das seppolog Gelegenheit, mit dem Autor des Meisterwerks zu sprechen, der zufällig aus Münster kommt, mit mir, mit Sebastian Flotho.


Herr Flotho, …

Aber ich bitte Sie: Nennen Sie mich gerne Seppo, auch ich bin trotz meiner monumentalen, literarischen Leistung weißgott ganz Mensch geblieben.

Okay, Seppo … Also das ist ungewohnt, einen so großen Mann, zu dem man natürlich nur aufsehen kann, einfach so beim Vornamen zu nennen, beim Spitznamen sogar! Aber ich werde es versuchen.

Entspann dich. Du wirst einige Minuten brauchen. Manche Menschen allerdings schaffen es nie, weil ihre Ehrfurcht einfach unüberwindbar groß ist. Verständlich. Aber vielleicht hilft es dir, dir das Unmögliche vorzustellen, während wir miteinander reden: dass ich ein Mensch wie jeder andere bin.

(lacht) Das ist wirklich kaum möglich, Seppo!

(lacht ebenfalls) Nein, das ist unmöglich.

(irritiert) Seppo, ich hatte Gelegenheit, das Meisterwerk in Auszügen schon vorab zu lesen und wusste nachher nicht mehr: Habe ich wirklich nur ein Buch gelesen oder habe ich das alles selbst erlebt? Dermaßen wurde die Handlung real und ich wurde Teil der Handlung. Es wird von ähnlichen Fällen berichtet, von Lesern, die ihren Verstand verloren haben, als sie dein Buch lasen.

Das ist korrekt. Mir gelingt das Einmalige, das Potenzial von Buchstaben und Schrift so auszuschöpfen, dass Fiktion und Realität sich für einen Moment nicht nur scheinbar, sondern tatsächlich vermischen. Physiker haben das beobachten und bestätigen können.

Mit anderen Worten: Deine Literatur wirkt nicht nur im Geiste des Lesers, …

… sondern sich auch physikalisch nachweisbar auf unsere Naturgesetze aus. Ein Beispiel: Wenn ich schreibe, es entstünde ein neuer Planet in quadratischer Form, kannst du davon ausgehen, dass dieser morgen in irgendeiner chilenischen Sternwarte auch tatsächlich entdeckt wird.

Daraus resultiert natürlich auch eine Verantwortung.

Natürlich, ich sollte am besten nicht (lacht) über den Weltuntergang schreiben.

(lacht nicht) Seppo, kommen wir zu diesem einzig wahren Münster-Krimi. Die Figur Ordophob Ohßem ist dem seppolog-Leser ja bereits bekannt. Warum hältst du nach all den Jahren an ihr fest, wo du doch sonst alle anderen Leinen gekappt hast?

Es gibt tatsächlich Figuren aus meinem Figurenuniversum, die ich regelmäßig ermorde, da ich sie selbst nicht ertragen kann. Nach nun zwei Jahren zurück in Münster sind viele derer noch Vertreter der inzwischen abgeschlossenen und schon verblassten Düsseldorfer Zeit, doch Ohßem liegt mir insofern am Herzen, als dass ich ihn noch nicht verbraucht habe. Außerdem gefiel mir das Wortspiel im Titel. Und warum Figuren ohne Not töten? Ich etabliere ihn als eine Münsteraner-Figur.

Es geht um einen Detektiv, der die Münsteraner Unterwelt in Angst und Schrecken versetzt. Münster und Unterwelt: Gibt es diesen Zweiklang überhaupt?

Nein. Tatsächlich hat Münster eine negative Kriminalitätsquote. Das bedeutet, dass manche Menschen sogar zuuuu freundlich sind. In solchen Fällen schreitet die Polizei ein und bittet um etwas weniger Freundlichkeit. Hier in Münster sitzen Menschen ein, weil sie penetrant freundlich sind.

Trotzdem musst du glaubhaft einen Detektiv in Münster installieren. Welchen Kunstgriff bedurfte es dazu?

Nun, selbst Münster kann nicht verhindern, dass nicht doch einmal sich ein Düsseldorfer in diese Stadt wagt. Und wenn der nun kriminell ist, dann ist genau das ein Fall für Detektiv Doppel-OO Ordophob Ohßem. Im ersten Fall geht es um den Ganoven aus dem Grab. Hier wird der Zentralfriedhof eine Rolle spielen, auf dem ein Reichskanzler liegt: Heinrich Brüning. Ich könnte mir vorstellen, dass es mit diesem Münsteraner Sohn ein Wiedersehen gibt. Obwohl ich mich damit in schwierige Gefilde wage …

Was unterscheidet Ordophob Ohßem von anderen Münsteraner Ermittlern, von denen es ja zuhauf gibt?

Er ist besser. In allem. Er ist ein Held. Aber – und das ist sicherlich eine Gemeinsamkeit mit mir – er ist Mensch geblieben, ein Mensch mit Herz, der andere Menschen liebt und unbefangen auf sie zugeht. Und überdies sollte doch wohl ein Ur-Münsteraner entscheiden, wer der einzig wahre Münsteraner Ermittler ist. Allen anderen wurde der Titel ja aberkannt.

Seppo, vielen Dank für das Gespräch, ich muss mir langsam mal was zu essen machen.

Ich habe zu danken. Dir und den Menschen da draußen.


Die erste Folge von Detektiv Doppel-OO Ordophob Ohßem lesen Sie ab morgen hier im seppolog.

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5 Kommentare

  1. hm. Der letzte Münsterkrimi wurde von mir stiefmütterlich behandelt, da zu der Zeit (oder Ceit??) mein Fernseher nicht mehr aktiv sein wollte (will er jetzt wieder, aber das würde zu weit führen zu erklären warum, is eh egal…), und so musste ich mir das meiste erzählen lassen und den Rest blöderweise per Internet anschauen, was es so nicht gebracht hat. War eh unrealistisch und komisch… Für mich ist das Schauen von Münsterkrimis mitunter unheimlich, da ich da mal „wohnte“ (wenn man das Wohnen nennen konnte, aber ich bin ja nicht elitär), und man hält sich beim Schauen ständig auf mit „oh, das kenn ich aber jetzt, nä, das kenn ich doch nicht, war da nicht gegenüber das-und-das, oder irre ich mich da?“ Ist irgendwie nicht zielführend, weil ablenkend. Und auch so gar nicht aufregend! Vielleicht machst Du es ja besser. :-) Dann geb ich mir die vielleicht wieder. :-P ach, bevor ich’s vergesse: ich wurde mal fast in Münster von einem Polizeiauto überfahren, die irgendwen gejagt haben, die haben sich ganz schön beschwert, dass ich vor ihnen die Straße überquert hab. War filmreif. Und das ist NICHT gelogen, mitnichten! Also Münster hat schon irgendwo eine Kriminalität, sie ist halt nur nicht so greifbar… lol. (wollte jetzt auch gar nicht witzig sein, ist ja ein ernstes Thema..)

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