Vom Schwachmaten zum Läufer – Teil 1

seeeeee(Quelle: Google Maps)

Inspiriert von einer Heldin des Alltags und meine eigene Vorgabe, nicht im Übermaß über mich selber zu schreiben, weiterhin ignorierend, gibt’s wieder ’nen Laufartikel, denn machen wir uns nichts vor: Anders als mein Nachbar Pavel ziehen sie eher Leser an. Pardon, Pavel!

Denn für mein eigenes Leben war 2002 die Entscheidung, einen simplen Sport auszuführen, nicht unerheblich. Es nahm seinen Anfang am „Steinersee“, der eigentlich „Hiltruper See“ heißt. Wir sehen ihn auf obigen Bild von oben. Recht unansehnlich, sofern man das über Seen sagen kann. Sein Umfang beträgt bei richtiger Erinnerung 2,8 Kilometer. Oder 1,8. Das wäre natürlich jetzt schön zu wissen. Im Netz lese ich lediglich, dass er maximal 4,50 Meter tief ist, was für das Laufen unerheblich war und vermutlich noch ist.

Ein erster Gedanke zu sportlicher Betätigung, die ich konsequent bis zu jenen Tagen abgelehnt hatte (obwohl ich Schwimmer und Ruderer war, eher halbherzig), kam mir auf der Zugrückfahrt vom Zivi-Lehrgang. Sowas gab es damals. Rückfahrten. Irgendwo in Niedersachsen, ich glaube, Göttingen, musste ich einen überraschend pünktlichen Anschlusszug erwischen, was mir im Schritttempo nicht gelingen sollte, sodass ich rannte. Den Zug hatte ich dann tatsächlich auch erwischt (Ich wusste erst nach zehn Minuten, dass es der falsche war; aber ich hatte ihn erwischt!), allerdings für den Preis der körperlichen Kapitulation. Schweratmend wie ein Kettenraucher beim Schuhezubinden saß ich dann vor der Zug-Klotür und sah ein Best-Of meines Lebens an mir vorüberziehen. Szenen wie die Enttäuschung Weihnachten 1983, als ich statt eines funkferngesteuerten Autos ein kabelgebundenes Auto bekommen hatte, passierten mein geistiges Auge. Entgegen meiner Einschätzung allerdings konnte ich mein Leben fortsetzen mit der klaren Zielvorgabe, etwas für meine Kondition zu tun.

Keine Ahnung, wie wiele Wochen noch ins Land gegangen sind, bevor ich mir bei Tchibo (!) eine Laufhose gekauft habe. Und ich weiß auch nicht, wie lange es bis zum ersten Tragen brauchte, denn trotz aller Notizen, die ich mir so mache, ist nur überliefert, dass ich irgendwann im März oder April des Jahres 2002 das Laufen begann. Erst 2004 setzen meine ausführlichen Laufdokumentationen ein. Gott, wer will das wissen?!

Nun hatte ich also neben meinen Schulsport-Schuhen, die vielleicht 20 Mark gekostet hatten, eine spärliche Laufausrüstung. Es war noch die Zeit, als ich ohne Kontaktlinsen oder Brille laufen konnte! Und irgendwann kam dann wohl die Initialzündung wirklich loszulaufen. Allerdings fuhr ich mit dem Auto los, und zwar zu jenem Steinersee, der sich tatsächlich für Laufanfänger eignet – sieht man mal von den Senioren-Walking-Gruppen ab, zu denen auch meine Eltern gehörten (kann mich also nur hinter ihrem Rücken lustigmachen, obwohl ich natürlich weiß, wie sinnvoll Walken sein kann).

(Kleiner Nebenstrang: Es gibt wohl die Regelung, dass Läufer immer links am Wegrand laufen, eben nicht rechts. Zumindest am Steinersee damals. Ich widersetzte mich dieser Regelung, da sich meiner Meinung nach der Rechtsverkehr hierzulande bewährt hat. Und so kam es einmal zu einem Beinahe-Zusammenprall zwischen einer Walking-Gruppe und mir. Leise hörte ich sie auf mich zukommen, die gleiche Seite wie ich benutzend, nur eben andere Fahrtrichtung. Plötzlich rief jemand, ich möchte fast von Brüllen sprechen, „Liiiiinks!“ Ich hatte keine Wahl, ich musste ausweichen, denn gegen diese geballte Masse an Senioren mit ihren Nordic-Walking-Stöckern rechnete ich mir wenig Chancen aus; ich würde plattgewalzt werden. Große Aufregung bei mir, auch wegen des Adrenalins, und Re-Pöbeleien: „Hier gilt immer noch Rechtsverkehr!“ Der gute Deutsche kennt eben seine Regeln. Nebenstrang beendet mit einer politisch heiklen Aussage, die bitte nur scherzhaft zu verstehen ist.)

Mein Lauf, mein erster Lauf!, begann so, dass ich loslief. Das Grundprinzip war mir also klar. Nur nach weniger als zehn Minuten klappte es nicht mehr mit der Umsetzung dessen; ich war hinüber. Gehpause. Dehnübungen (Wir wissen, völliger Quatsch, wirkt aber verdammt sportlich!). Dann weiterlaufen. Und so hangelte ich mich um jenen See mit ungewissen Umfang. Nach einer Runde war dann natürlich schluss. 1,8 oder 2,8 Kilometer, die mich fertiggemacht hatten. Ich weiß nicht, ob ich stolz war, denn ich hab’s ja nicht am Stück geschafft. Aber irgendwie war mir klar, dass ich dranbleiben würde. Und schon da fiel die Entscheidung, dass es fünfmal pro Woche stattfinden müsse (Streng genommen lief ich alle drei Wochen nur viermal, was sich aus meinem Rhythmus ergab, zwei Tage zu laufen, einen Tag zu pausieren. Heute laufe ich stets fünfmal, manchmal am Stück, um mir das Wochenende freizuhalten, manchmal aber auch mit Pausentagen. Pausentage werden empfohlen, aber es kann natürlich auch anhand der Läufe variiert werden, um eben Überlastungen zu vermeiden.)

So oder so, erklärtes Ziel war, den See, an dem wir an jedem ersten Mai uns fürchertlich betrunken haben, laufend zu bezwingen. Ich darf nicht vergessen, mal zu schreiben, wie ich betrunken lief, um mein Wochenpensum zu schaffen. Freuen wir uns also auf Teil 2, wenn ich dem See die lachende Fratze des Bezwingers zeige und betrunken um einen anderen, den Aasee laufe. Wobei, es gab zwei betrunkene Läufe. Krank. Das wird ein heiterer Spaß nicht nur für den Autoren dieser Zeilen!

 

10 Kommentare

      • Gut das ich so etwas wie einen Filmriss nicht kenne ^^ Hatte ich vor 2 Wochen noch eine fast philosophische Diskussion darüber (in Zusammenhang mit einer latenten Menge alkoholischer Getränke)

        Gefällt 1 Person

  1. Hat dies auf diveintomyworld rebloggt und kommentierte:
    Ohja…das Abenteuer sportlicher und fitter zu werden….wobei bei mir wohl eher die Überschrift „Vom Schwachmaten zum Durchschnittsfitten“ passen würde…die Traumfigur und irgendwas was sich halbwegs ein Bizeps nennen kann ist bei mir jedenfalls weiiiiiiit weg.

    Gefällt 2 Personen

  2. […] Doch nicht meine zaghafte Leibesfülle war der Grund des Laufens, das mit einer “Tchibo”-Laufhose seinen Anfang nahm, sondern die Frage, wie beweglich will ich im Alter noch sein. Ich war 22 und dachte offenbar schon sehr weit. Oder ich hatte für mich festgestellt, dass ich für einen 22-Jährigen recht unbeweglich war, was ich hier schildere. […]

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