Transkribiert: Bettkantengeschichten

Dieses transkribierte Gespräch mit meinem sicherlich besten Kumpel und Nachbarn Pavel ereignete sich am vergangenen Samstag. Also gestern. Ein anderes findet Ihr hier!

wpid-2015-08-23-18.22.26.jpg.jpeg

Seppo: Pavel, Du findest ja oft Erwähnung im seppolog, aber wusstet Du, dass Deine Existenz bereits angezweifelt wurde?

Pavel: Nein! Welch‘ Grundes?

Keine Ahnung. Möglicherweise, weil so vieles erfunden ist, was hier so steht.

Ist es das? Konnte ich bislang nicht feststellen.

Nein, also tatsächlich ist es so, dass Tatsachenereignisse lediglich etwas unterfüttert werden, um sie in irgendeiner Form interessant zu machen. Aber darüber sprechen wir kommende Woche anlässlich des 100. Beitrages. Heuer soll es um meine Alterssimulation gehen.

Womit Du mich seit drei Tagen belästigst. Wird es nicht besser?

Nein, kurioserweise nicht. Ich hatte mein Krafttraining umgestellt, es ist jetzt dezent intensiver geworden. Und ich habe an Stellen Muskelkater, von deren Existenz ich nicht mal wusste.

Aber von Deinem Arsch wusstest Du doch, oder?

Spätestens seit meiner letztwöchigen Enddarm-Untersuchung weiß ich ihn zu schätzen. Ich habe einen tollen Enddarm, wenn man das überhaupt so sagen kann. Mal sehen?

Also Du hast Muskelkater am Arsch?

Ja, und zwar enormen. Ich kann nicht mal sagen, welche Kraftübung genau dazu geführt hat. Aber Sitzen ist ein nicht zu unterschätzendes Problem. Und man sollte sich schon vor dem Hinsetzen überlegen, wie man wieder hochkommt.

Darfst Du überhaupt trainieren mit Deinem Leistenbruch?

Ja, so ganz weiß ich das gar nicht. Also da ich nahezu nackt bin während des Trainings, habe ich die Beule immer im Blick und ich versuche, keinen Druck auf die gebrochene Leiste auszuüben.

Wen magst Du mehr, mich oder Deine Mitbewohnerin?

Eindeutig sie. Ich habe „Squads“ mit Hanteln gemacht. Ich glaube, die heißen so. Eine Art Kniebeuge nur eben mit Hanteln. Seitdem brauche ich morgens immer ein bisschen, um mich aus dem Bett zu erheben. Und wir haben schon so ein hohes, das sich ältere Menschen, wie beispielsweise meine Eltern jüngst, anschaffen, um besser rauszukommen.

Aber ist es nicht deutlich gefährlicher jetzt, aus dem Bett herauszufallen? Fällst Du nicht sehr tief?

Ich meide es, aus dem Bett herauszufallen, obwohl es mir ein Rätsel ist, warum das nicht im Schlaf öfter passiert. Wie Dir!

Ja, damals als Kind im Hochbett. Das war aber etwas anderes. Ich träumte damals, ich sei auf einem Schiff oder Boot und wollte eine Leiter herunterklettern. Im Schlaf kletterte ich dann die Bettleiter runter.

Du klettertest an der Leiter vorbei!

Ja, und ich brach mir mehrere Rippen.

Damit warst Du aber wochenlang ein Held in unserer Klasse! Jedenfalls falle ich nicht aus meinem Bett, ich renne nur gelegentlich dagegen. Das zum Beispiel ist ein weiteres Rätsel der Menschheit: Warum rennt man immer entweder mit dem kleinen Zeh oder dem Knie gegen das Bett? Es gibt kein größeres Möbelstück, man kann es nicht übersehen und dennoch nimmt man die Kurven zu früh. Und unser Bett ist kniehoch, sodass ich direkt mit der Kniescheibe gegen die Kanten stoße.

Hast Du Dir dabei vielleicht den Leistenbruch geholt?

Nein, das ist Folge eines überlasteten Samenstranges.

Führt Samenstau zu Leistenbruch?

Nein. Samenstau gibt es nicht. Irgendwo las ich mal, dass Sperma permanent produziert, aber irgendwo auch wieder abgebaut werde, wenn nicht nach außen befördert. Weißt Du noch, wie wir uns mit 13 oder so unsere erste „Coupé“ gekauft haben? Oder war es „Das neue Wochenend“?

Ja, es war beides. Im Kiosk nahe unserer Schule gekauft und es stellte sich heraus, dass die Besitzerin eine Freundin Deiner Mutter war und ihr dann brühwarm erzählte, der Pavel und dein Junge haben sich Sex-Magazine bei mir gekauft!

Ja, etwas peinlich. Aber nicht so peinlich wie das, was wir damit gemacht haben.

Das bitte ich, nicht zu veröffentlichen!

Nein, das bleibt unsere Leiche im Keller. Wir sind jetzt auch vom Thema abgekommen.

Das war doch die Zeit, als wir eine Münze an den berührungsempfindlichen Schalter einer Ampel geklebt hatten, damit die Ampel immer wieder auf Rot springt.

Ja, kann sein. Damals erwischte uns „Enna“, der Eisdielen-Mann dabei und der fand das gar nicht lustig. Wir trauten uns danach nicht mehr, bei ihm Eis zu kaufen. Aber zum Muskelkater. Wir dürfen hier den Faden nicht verlieren, ich muss den ganzen Scheiss morgen abtippen. Ich habe den Kater also überall und überwiegend im Podex. Muss ein massiver Muskel sein.

Ich frage mich ja nur ungern, warum Du gezielt Deinen Arsch trainierst! Gab es da mal Kritik?

Nein! Tu ich ja nicht gezielt. Ich habe so ein Trainingsprogramm zusammengestellt bekommen. Da ist Arsch wohl inklusive. Ich kann morgen nicht die ganze Zeit „Arsch“ schreiben …

Du bist Arschloch.

Fresse, Wichser.

Mir gefiel Dein Artikel über das Fluchen beim Parkplatz suchen. Meiner Freundin wiederum nicht, da sie den Begriff, den Du dabei immer verwendest, absolut ablehnt. Ist Dir sowas egal, wenn Du das öffentlich schreibst?

Ja. Also zurück zu meinem Muskelkater.

Niemanden interessiert Dein Muskelkater im Arsch.

Doch. Mich. Das genügt. Ursprünglich wollte ich auf Folgendes hinaus: Jede Bewegung inklusive das Sitzen auf dem Klo –

… was ja keine Bewegung ist.

Mehr ein Zustand. Übrigens, das kann ich Dir sagen: Mit ’nem Leistenbruch ist der Toilettengang keine erfreuliche Veranstaltung. Man traut sich ja überhaupt nicht, Druck auszuüben, da man immer fürchtet, die Ausbuchtung an der Leiste explodiert.

Trinkst Du deshalb den Pflaumensaft?

Ich trinke keinen Pflaumensaft.

Ich weiß, ich will nur wissen, ob Du das auch veröffentlichst. Wenn ich Dich jetzt hier beschimpfe, schreibst Du das dann auch mit?

Das kommt auf das Niveau an.

Arschlochhurensohnfotze.

Das werde ich auf jeden Fall übernehmen, da Deine Freundin sich dann über das F-Wort freuen kann.

Gut, das ging nach hinten los. Nimm es bitte raus.

Versprochen.

Also, Dein Arsch tut weh und daher hältst Du Dich für alt?

Nein, aber wenn jede alltägliche Bewegung wehtut, kann man sich doch in etwa vorstellen, wie ein sagen wir mal 80-jähriger sich fühlen muss. Der morgens Minuten braucht, um in die Senkrechte zu gelangen. Wo das Anziehen der Hausschuhe am Bett vielleicht schon ein Problem darstellt.

Möglich. Aber es gibt dafür extra so Zangen. Greifarme. Und ich glaube, man rutscht da so Schritt für Schritt rein in diese chronischen Beschwerden. Bei Dir kamen sie jetzt von einen auf den anderen Tag. Das unterstreicht den Kontrast.

Ja, kann sein. Aber dieses Stöhnen, dieses angestrengte Stöhnen, das jede Bewegung begleitet, das kennen wir doch auch schon. Auch ohne Muskelkater.

Ja. Das ging bei mir aber schon mit 30 los.

Man signalisiert damit: Seht her, ich habe Schmerzen, aber ich bewege mich heldenhaft dennoch!

Nein, man signalisiert damit: Seht her, ich bin ein Schwächling! So wie Du mit Deinem Muskelkater!

Nein, ich find’s eher geil. Der wiederum signalisiert mir ja: Die Muskeln arbeiten. Reparieren kleine Risse und sind danach gestärkt. Dann hebt man wieder Gewichte und die Muskelfasern reißen erneut.

Ist das der Muskelkater? Ich dachte, man weiß es nicht so genau.

Ist wohl die derzeit gängige Theorie. Wer eigentlich ist zur Zeit Deine Freundin? Warum kenne ich sie nicht?, ich höre nur immer von ihr!

Sie ist sehr hässlich.

Du weißt, dass ich das auch schreibe!

Ja, aber sie liest Deinen Drecksblog nicht!

Und vermutlich ist sie nicht hässlich. Würdest Du Dich auf eine Frau einlassen, die Deinem Schönheitsideal nicht entspricht?

Nein, Du?

Schwierig. Wobei, hab‘ ich schon mal. Da war ich etwa 20 oder 21. Puh, das war in der Tat etwas unglücklich verlaufen.

War das Kerstin? Es muss Kerstin gewesen sein.

Ja. Und es spricht Bände, dass ich nicht ein Foto von ihr habe. Aber es spricht für mich, dass ich mich ihr hingegeben habe.

Nein, irgendwie spricht es nicht für Dich. Wie lange wart Ihr zusammen? Ein Jahr?

Zehn Monate nur, glaube ich. Ich habe ganz mutig per SMS schlussgemacht. An sich wollte ich Ihr nur schreiben: „Wir müssen heute Abend mal in Ruhe reden.“ Das hat sie blitzgescheit entschlüsselt und somit nahm eine SMS-Konversation ihren Lauf, die mit üblen Beschimpfungen bestückt war.

Ihrerseits?

Ja. Ich war eher sachlich. Meine größte Sorge war, dass sie vor einen Baum fährt. Als ich meine Sachen bei ihr abholte, schmiss sie mit Bildern und sogar Lampen nach mir. Als Mann ist man da gut beraten, nicht zurückzuwerfen.

Wobei Du ja nicht treffen würdest.

Ja, vermutlich richtig. Ohne zurückzuwerfen fuhr ich dann nach Hause und seitdem gab es keinen Kontakt mehr. Ich befürworte saubere Schnitte. Wobei, es gab noch ein, zwei SMS von ihr. Mit Beschimpfungen. Und: „Ich will Dich ficken“. Zurecht eigentlich. Ihre beste Freundin, die sich damals regelmäßig den Finger in den Hals steckte, verbreitete Gerüchte über mich. Ich sei chronisch fremdgegangen. Was nicht stimmte. Ich hatte ja gewollt, aber es wollte keine. Mein Erfolg bei Frauen war überschaubar. Aber es war schon nervig, dass das halbe soziale Umfeld einen danach schräg anguckte, weil es hieß, ich sei fremdgegangen. Aberwitzig. Gefährliche Frauensolidarität. Eine ihrer Freundinnen traf ich vor einigen Wochen in Münster wieder. Ich hatte sie in Erinnerung mit den Worten: „Für mich kommen nur Models als Freund in Frage“. Als ich sie traf, war sie aufgedunsen, schob zwei Kinderwagen vor sich her mit Kippe im Mund und neben ihr ein Typ, der Model für „Vorher-Fotos“ sein könnte, aber nicht für „Nachher-Fotos“.

Gegen Kinder ist doch nichts einzuwenden!

Keineswegs. Aber sie erfüllte ein unschönes Klischee. Du kennst sie übrigens. Zeig‘ ich Dir gleich. Ich muss schiffen. Ich trinke recht viel Wein.

6 Kommentare

Deinen Senf dazu!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s