Bustrip nach Valletta

Ich hatte mich hier auf Malta schon sehr an diese Tage am Strand gewöhnt. Pendeln zwischen Meer und Sand, zwischen Schwimmen und Liegen. Das ist mein Verständnis von Urlaub. Um jedoch die Fresserei in irgendeiner Form zu kompensieren, bedarf es hier und da einer gewissen Bewegung und auch Kultur steht bei Urlaubsseppo (TM) hoch im Kurs. Und genau das bietet Maltas Hauptstadt Valletta.

Der ÖPNV hier auf Malta ist spottbillig. Wir verließen also das Hotel gen Bushaltestelle, als ein Handwerker den dritten Stern am Hoteleingang abmontiert. Für nur einen Euro 30 erklärte sich ein Busfahrer bereit, meine Mitbewohnerin und mich nach Valletta zu bringen. Und für einen weiteren Euro würde er sogar Tempo dabei machen. Auf dieses Zusatzangebot verzichteten wir, da der Busfahrer, ein deutscher Auswanderer, uns erklärte, es sei heute sein erster Arbeitstag im Linksverkehr. Somit keine Tempo-Zusatzoption, es ging gemütlich voran:

Im Bus geriet ich ein einen moralischen Konflikt. Da es weniger Sitzplätze als Mitfahrende gab, freute ich mich, dass mein Rucksack und ich einen Platz ergattert hatten. Rucksack? Ich meinte Mitbewohnerin. Eine Familie, die auch in unserem Hotel wohnt, stand im Mittelgang und blickte uns nach einer Stunde Fahrt vorwurfsvoll an. Der Vater erhob das Wort:

„Gutes Hotel, oder?“

Und ich konnte endlich anbringen, was ich schon immer sagen wollte:

„Ja, und so sauber!“

Das ist natürlich eine Anleihe bei Loriot, aber es brannte mir seit drei Tagen auf der Zunge. Der ordentliche deutsche Tourist eben, der überdies unter keinen Umständen seinen Sitzplatz im Bus räumen würde. Ich setzte meine Sonnenbrille auf, um mich wie ein kleiner Junge unsichtbar zu fühlen. Meine Mitbewohnerin war schlauer, sie stellte sich schlafend. Oder schlief wirklich, sie kann das täuschend echt. Das Schnarchen, das Sabbern …

„Du beschreibt gerade Dich!“, wirft sie gerade ein. Und hat Recht dabei.

Nach eineinhalb Stunden im Bus schmerzte mein Arsch, was ich im Bus auch kundtat; die wenigsten hier verstehen Deutsch.

„Gott, mein Arsch!“

Das war etwas kurzsichtig von mir, denn aus Sicht der nach wir vor im Mittelgang ausharrenden Familie, die durchaus des Deutschen mächtig war, war das ein Luxusproblem. Und ich schenkte mir das „Aber besser noch als stehen zu müssen.“ Außerdem war ich der Meinung, dass die beiden Söhne, vermutlich um die zwölf Jahre alt, nicht früh genug lernen konnten, dass man für ältere Menschen (in diesem Fall also für mich) eben im Bus stehen muss. Und dass man bei einer Vollbremsung des Fahrers dann eben mal ruckartig Richtung Fahrersitz kracht, wenn man sich nicht vorschriftsgemäß am Vordermann festhält. Dennoch kamen wir alle heile an in der Hauptstadt Maltas, sieht man von meinen Anal-Blessuren einmal ab.

Das seppolog ist kein Reise-Blog, nichts stellt sich hier mir in den Vordergrund. Daher sei über Valetta nur soviel gesagt: absolut sehenswert, ich mag diese Stadt-Optik sehr, nur mit den Wegweisern tue ich mich schwer.

Malta ist insgesamt eher hügelig, was es optisch fraglos sehr ansehnlich, Fußmärsche jedoch anstrengend gestaltet. Da wir in unserem Hotel nur miesen Kaffee bekommen, ist der erste Akt des Tages immer das Irgendwo-einen-Kaffee-trinken. Leider habe ich nie Bargeld dabei. Das ist schon in der Heimat der Fall, im Urlaub ebenso. Also müssen wir zunächst einen Geldautomaten der „BOV“ suchen, der „Bank of Valletta“. Meine Mitbewohnerin hat das schwer genervt, das entging mir nicht, da sie immer stiller wurde. Nach einer Stunde des Automaten-Suchens hatten wir bereits die gesamte Stadt gesehen, wie auch die Sehenswürdigkeiten, die wir uns für den Tag vorgenommen hatten.

„Da gehen wir heute auch noch hin … hier auch … dies ist die Co-Kathedrale, gehen wir später auch noch rein … das dürfte das Weltkriegsmuseum sein, machen wir später ebenfalls … ach, das hier sind diese Gärten, müssen wir rein …“

Und dann war da der Geldautomat, sodass wir an unseren ersten vernünftigen Kaffee des Tages kamen. Und freies W-Lan. Das verstehe ich wenigstens. Im Hotel gibt es dieses 15 Euro-Angebot: 2.000 Minuten Wi-Fi … naja, egal.

Kultureller Höhepunkt war die Co-Kathedrale Vallettas, hier nur ein optischer Eindruck:

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Eingangs der Kathedrale wurden wir mit einem elektronischen Führer ausgestattet, den wir mittels einer Zahlen-Eingabe an bestimmten Punkten in der Kirche aktivieren mussten, sodass eine freundliche Stimme uns über das entsprechende Gemälde oder was auch immer informieren konnte. Irgendwann stand ich vor einem Bild, auf dem irgendwer geköpft wurde, während mich mein Führer allerdings über eine Statue informierte. Führer und ich kamen irgendwie nicht zusammen. Dabei war ich mir sicher, die Zahl „19“ eingegeben zu haben, wie mir am Gemälde via Infotafel geheißen ward. Ich setzte meine Mitbewohnerin von dem Irrweg meines Führers in Kenntnis, die allerdings ebenfalls wild auf den Zifferntasten rumtippte und leise rumfluchte:

„Der erzählt mir hier gerade etwas über Gräber, während ich vor der Orgel stehe.“

„Vielleicht könnte das Ding mich ja aufklären, wie ich 2.000 Wi-Fi-Minuten innerhalb eines Zeitfensters von 1.500 Minuten verbrauchen soll …“, füge ich hinzu, wohl wissend, einen Augendreher meiner Mitbewohnerin kassieren zu dürfen. Aus verschiedenen Gründen hat sie derzeit einen blutunterlaufenen Augapfel. Ein schönes Farbenspiel, sieht man von der Ursache einmal ab. Der weiße Apfel und dazu das dunkle, leuchtende Rot – faszinierend und sehr anziehend. Was für eine Schönheit, diese Mitbewohnerin! Alles richtig gemacht.

Wir beschlossen, den elektronischen Führer Führer sein zu lassen und machten uns unseren eigenen Reim auf das zu Betrachtende, bevor wir die Co-Kathedrale verließen.

 

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Die Rückfahrt war lustig, denn erstmals in diesem Urlaub kam es zu einem Wetterphänomen, das die Einheimischen „rain“ nennen. Es war mein erstes Sommergewitter in diesem Jahr und es war heftig. Vor allem die Folgen. Wir konnten uns das Ganze aus dem Bus heraus ansehen, und zwar im Sitzen. Anders als jene Familie aus unserem Hotel waren wir halt wieder pünktlich, wohingegen die Familie es sich im Mittelgang gemütlich machen musste. Weil ich vom achtstündigen Durchwandern Vallettas körperlich gebrochen war und ein Führer mich irregeleitet hatte, sah ich mich dieses Mal moralisch auf der absolut richtigen Seite. Und ich wollte im Sitzen betrachten, was der plötzliche Monsun aus Vallettas Straßen macht:

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Da ich hier mit sehr langsamen W-Lan zu kämpfen habe, kann ich dieses Video von dem Regenfall hier leider nicht hochladen. Es zeigt jedoch eindrucksvoll, wie die Regenmassen die Hügel herunterstürzen, um sich am tiefsten Punkt der Stadt zu sammeln. Regenbedingt dauerte die Rückfahrt erheblich länger als die Hin-, aber das war uns latte, wir konnten ja immerhin sitzen. Inzwischen ist Freitag, beschrieben wurde hier der gestrige Tag. Heute, das Wetter ist wieder bestens, geht es an den Strand. Nach einem Frühstück mit vielen Toten; dazu später mehr!

3 Kommentare

  1. es ist ja schon phänomenal, dass selbst auf solch (relativ) kleinen Inseln das Wasser sich immer den untersten Punkt aussuchen muss, um dort dann, wie von Geisterhand, aus der Kanalisation wieder nach oben hin förmlich zu explodieren… Schwerkraft vermutlich. Dann wünsche ich Euch heute einen schönen Badetag (wie ich ja schon sagte, an den ‚unendlichen weiten Sandstränden‘ dieses Refugiums)… und hoffentlich wird das „mit den Toten“ nicht allzu tragisch….

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