audio 23044

Mit 10272 begann es.

ausweis

Hoerbar_haare
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Ich finde ja nirgendwo die Atmosphäre unangenehmer als im Bürgeramt. Da stinken alle anderen Ämter für mich gegen ab. Und kaum ein vergleichbares Amt ist immer dermaßen überfüllt wie zumindest das „Bürgerbüro“ in Düsseldorf.

Ich hatte bereits vergessen, dass ich vor rund vier Wochen einen neuen Personalausweis beantragt hatte, zumal mein vorläufiger Ausweis noch bis August gülte. Ich habe auch das Schreiben vergessen, das mich vor zwei Wochen bereits darauf hingewiesen hatte, dass mein neuer Ausweis mit Chip nun abholbereit sei.

Doch solche Schreiben landen bei mir in einer Ablage, in der stets wichtige Schreiben abgelegt werden, damit ich sie nicht vergesse und irgendwie hatte ich seit zwei Wochen das Gefühl, da ist noch irgend etwas, das ich tun müsste. Und wann immer mich dieses Gefühl heimsucht, werfe ich nach einigen erfolglosen Versuchen, es zu verdrängen, einen Blick in jene Ablage, wo man mich im Schrieb dazu drängte, online einen Termin zur Abholung auszumachen.

Den ich fast vergessen hätte. Aber eben nur fast, sodass ich heute gewohnt überpünktlich in der „Wartezone“ des Bürgeramtes saß und auf zwölf Uhr 50 wartete. Dann nämlich sollte meine Wartenummer „23044“ aufgerufen werden.

Mit geschätzten einhundert weiteren Menschen saß ich da nun, die alle wie auch ich auf ihr Handy starrten und den Blick nur dann davon abließen, wenn ein Signalton den Aufruf einer neuen Nummer bedeutete. Ich führte eine Facebook-Unterhaltung, in der ich schon darauf hinwies, dass ich es nicht ausschließe, in der falschen Wartezone zu sitzen. Um zwölf Uhr 52, also zwei Minuten nach meinem Termin, wurde ich – ganz meine Art – bereits nervös. Denn die Überpünktlichkeit, die ich an den Tag lege, erwarte ich auch von anderen. Leider auch von Ämtern. Für mich war klar: Ich bin hier falsch.

Ich gleiche also meine Wartenummer mit denen auf dem Monitor angezeigten ab und finde sie nicht. Blicke dann auf meine „Einladung“ zum Termin, wo ich lese, ich möge mich bitte im Foyer einfinden zur Dokumentenabholung.

„Foyer, Foyer. Was ist hier wohl das Foyer? Sieht hier nicht aus wie ein Foyer, wo ich sitze.“

Ich stehe auf, betont gelassen, damit niemand der Umsitzenden bemerkt, dass ich gerade die Kontrolle über mein Tun verloren habe, und schlendere betont langsam zum Eingangsbereich und ja, der sieht aus wie etwas, das man Foyer nennen könnte. Und da stehen Menschen vor einem Schild, auf dem „Dokumentenabholung“ geschrieben steht. Da finde ich mich irgendwie wieder, aber mir wurde ausdrücklich gesagt, ich müsse mein Dokument aus den Händen eines lebenden Menschen in Empfang nehmen. Doch die hier Wartenden warten vor einem Automaten, aus dem offenbar Dokumente heraus kommen.

Ich höre wieder den Signalton und hoffe so nebenbei, dass auf meinem Passbild ein Weichzeichner liegt, da das Original grottig aussieht und hoffentlich nicht die Realität widerspiegelt. Gedankenverloren, besorgt ob der eigenen Eitelkeit, sehe ich auf dem Monitor meine Wartenummer angezeigt mit dem Hinweis „Schalter 43“.

43?! Wie viele Schalter gibt es denn hier? 44?!

Ich gehe zurück dorthin, wo ich eben noch saß, denn da waren auch Schalter. Finde aber nur zehn Schalter. Frage also bei Schalter sieben nach, wo ich Schalter 43 finde.

„Für solche Fragen wenden Sie sich bitte an Schalter 34!“, sagt man mir.

„Wo finde ich Schalter 34?!“, frage ich.

„Schalter-Informationen bekommen Sie an Schalter 34!“, sagt sie.

„Ja, aber wo ist der?“

„Links am Foyer ist eine Tür, da durch, da ist dann auch Schalter 34. Und 43 übrigens auch“, leakt sie.

Ah, okay. Ergibt alles Sinn. Das ganze Gebäude ist offenbar gespickt mit Schaltern.

Es ist 13 Uhr. Nun bin ausgerechnet ich zu spät und denke an den Hinweis in jenem Schrieb, dass bei Verspätung der Termin verfällt. Nun versuche ich also nicht mehr, betont gelassen zu schlendern, sondern haste zurück ins Foyer, biege rechts ab und finde mich in der Betriebskantine wieder. Ja, war wohl links, denke ich und verfluche meine Rechtslinks-Schwäche, die mit einer Ostwest-Schwäche einhergeht.

Ich muss jedes Mal, wenn ich mir geographische Karten betrachte, was ich sehr gerne tue, den Spruch „Nie Ohne Seife Waschen“ in Erinnerung rufen, um nicht Ost mit West durcheinander zu werfen.

Ich also abermals zurück ins Foyer, neu orientieren, links durch eine Tür, sehr hastig, sodass es für alle Beteiligten überraschend ist, als ich herein platze. Denn ich glaubte, hinter der Tür sei ein Treppenhaus oder ein Flur. Aber nein, ich stürze direkt in ein Büro hinein. Mit Schalter 43! Überlege kurz, mich nach Schalter 34 zu erkundigen, sehe davon ab, da ich aufgrund meiner Unpünktlichkeit nicht mehr in der Position bin, um alberne Scherze zu machen.

Es bedient Sie Frau … Keine Ahnung. Mich empfängt eine blonde Mittdreißigerin.

„Ich saß falsch“, begrüße ich sie. Was sie nicht interessiert, was wiederum mich nicht interessiert. Ich schmunzele innerlich, weil ich mir eine Loriot-Figur vorstelle, die im Amt sagt: „Ich saß falsch.“ Könnte mich jetzt noch wegschmeißen und tue es auch. Gebt mir ein paar Sekunden.

So. Wir beruhigen uns wieder. Jene Dame erkennt mein Anliegen, um sich dann mit ihrer Kollegin zu unterhalten, die ihr gegenüber sitzt. Die beiden machen sich (vermutlich vollkommen zurecht) über einen „Kunden“ lustig, der wohl vor mir da war.

Meine Blonde: „Warum kriege ich immer die doofen Kunden ab?“

Und ich denke: „Ich bin doch an sich ganz annehmbar.“ Überlege auch, das laut zu sagen, weil ich auch das wieder unfassbar witzig finde, aber ich will die beiden nicht im Gespräch stören. Hoffe aber, dass man sich meines Anliegens annehmen wird.

Was auch geschieht. Ich gebe ihr meinen Übergangsausweis und nehme meine neue Ausweiskarte in Empfang. Ich bin nicht so Freund dieses Kartenformates. Denn in meinem Portemonnaie brechen mir regelmäßig die Karten durch. Ob die EC-, die Post- oder die SeppoBonus-Karte. Sie brechen. Immer. Ich weiß nicht, vielleicht weil ich darauf sitze. Es ist nicht so gut. Und ein gebrochener Ausweis wäre auch mit viel Aufwand verbunden. Ich muss mir da etwas einfallen lassen.

Auf dem Weg zum Auto betrachte ich den Ausweis und erfreue mich des Weichzeichners, den sie offenbar wirklich verwenden, und fahre zur Post, um das neue Ausweis-Dokument direkt zu testen. Denn dort hole ich einige Dinge ab, die ich für mein „Ton-Studio“ des „seppolog_HÖRBAR-Podcastes“ benötige, das morgen gezimmert wird. Ja, ich bin – wie Jesus! – Zimmermann.


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16 Kommentare

  1. Hahahaha , Geschichten, die die Realität schreibt. Ämter, Kunden-Service-Stelle heißen einige in Hamburg politisch korrekt. Eine Arge, wo ich mal wohnte nannte sich Standort Bramfeld, oder ähnlich, irgendwie erinnerte mich das an einen Bundeswehr-Standort, aber die Service-Points sind immer wieder auch eine Geschichte wert, nur, dass ich diese immer wieder schnell vergesse, denn eigentlich assoziiere ich oft einen Fittness-Parcours, ich bin dann froh, dass ich wieder am Bus-Stop sitze.

    Ich muss ja nicht oft in solche Parcoursse, weil ich alles so organisiere, dass meine persönliche Anwesenheit eher unbliebt ist. Ich bin nicht nur der renitente Patient , weil früher die Sachbearbeiter beim Amt eher schikanös und unsympathisch waren. Heute ist das natürlich nicht mehr so, ich denke einmal, dass das auch an den vielen aus dem Ausland zugereisten „Kunden“ liegt, da ist man lieber zuvorkommend und freundlich, bevor es eine Dienstaufsichtsbeschwerde wegen Diskriminierung hagelt.

    Und hier sehe ich den eigentlichen Zugewinn auf dem Arbeitsmarkt hinsichtlich zugereister Personen. Man selbst wird nicht mehr so wie ein Ar*ch behandelt in gewissen Service-Points: Gleiches Recht für alle, aber das ist jetzt wieder eine andere Geschichte.

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  2. Du siehst auf deinem Perso richtig gut aus. Mein Ausweisbild ist dermaßen grottenschlecht, dass ich mich vor einigen Jahren sehr gewundert hatte, dass man mich in die USA hat einreisen lassen und nicht postwendend in den nächsten Flieger retour gesetzt hat. 😉

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