audio Stimmungswechsel: Das Ende des Alleinseins II

stimmung

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Kürzlich schrieb ich über das Tragen von Frauenkleidern durch Männer. So etwas kann gewagt sein, denn obwohl ich es nicht einmal angedeutet hatte, bekam ich plötzlich E-Mails, die mich dazu beglückwünschten, dass ich dazu stehe, Frauenkleider zu tragen. Ich hab’s erst gar nicht richtig gestellt, es macht ja nur noch verdächtiger. Vielmehr ist es so, dass wenn ich Frauenkleider anzöge, sie sich kraft meiner derzeit kaum zu bändigenden Männlichkeit umgehend von selbst in muscle shirts verwandeln würden.

Dieser kleine, heitere Scherz fiel mir eben beim Laufen ein. Ich erwischte mich beim Auflachen darüber in absoluter Einsamkeit. Wenn man es dann niederschreibt, während der Serotoninspiegel schon wieder auf Normalniveau abgesunken ist, betrachtet man selber es dann doch etwas nüchterner. Aber ich muss ja irgendwie die Zeilen füllen.

Stimmungswechsel. Das Jahr ist so gut wie um, zumindest was die erste Hälfte dessen anbelangt, man könnte ja so etwas wie eine Zwischenbilanz ziehen.

Ende 2015 ahnte ich nicht, dass das Schicksal, an das ich ja irgendwie glaube, guten Freunden (Kollegen) und mir im laufenden Jahr einen Tritt versetzt, für den es etwa fünf Jahre lang ausgeholt hatte. Entsprechend schmerzhaft wurde dieser Tritt. Ich habe hier Artikel geschrieben, die schwerst unter dem Eindruck dieses Schmerzes standen. Es waren einige, zuvorderst aber

Abschied und Bunki, Butzi, Christopher, Emy, Natascha, Peter, Sabrina, Simon, Sophie,

wobei ich ersten in großer Weinseligkeit schrieb, wobei gar keine Rolle spielt, ob das Getränk oder der Vorgang gemeint ist.

Immer war mir klar, dass es wieder andere Caiten geben würde. Und so wie Unverhofftes im Negativen urplötzlich kommen kann, kann auch das Gegenteil unverhofft eintreten. Das macht Leben ja so interessant, mitunter aufreibend. Und nicht alles, was interessant ist, ist auch gut, aber manches wird dann eben doch überraschend gut.

Draußen herrscht gerade ein Wolkenbruch, den ich beim Laufen noch mitnahm, was ein sagenhaftes Erlebnis war, auch wenn ich mir als Sicherheitsfanatiker durchaus Gedanken über diverse Blitzeinschläge in mein Läuferherz machte, aber mehr als nach Hause zu rennen, konnte ich ja eh nicht tun. Innerlich aber scheint dann doch eher die Sonne. Meine Mitbewohnerin beispielsweise ist nach dreieinhalb Wochen des Urlaubs wieder heimgekehrt. Sie leidet unter einem Jetlag und ich leider als Co-Jetlagger aus unerfindlichen Gründen mit.  Kaum war sie hier, war ich ähnlich müde wie sie. Müdigkeit zieht sich derzeit durch meinen Alltag, was sich aber nur auf die körperliche bezieht.

Innerlich bin ich wacher denn je. Denn gute Dinge geschehen. Sind geschehen. Geschehen noch. Schlechte Dinge sind manchmal schwer zu begreifen, die guten aber auch. Sie können noch viel verwirrender auf einen einprasseln als die schlechten.

Wer mich kennt, kann Zeuge einer gewissen Zurückhaltung bei mir sein, was im seppolog und dort nicht unbedingt den Eindruck macht, wo ich mich gerne selbst überzeichne, was bereits im Privatleben zu Verwirrung geführt hat. Ich zahle da manchmal einen gewissen Preis, den aber sehr gerne. Mich selber überraschen diese zwei Facetten nicht, ich hatte sie auch schon, als ich 15 war; oder noch jünger. In sehr vertrautem Umfeld braucht es auch keine Kameras oder keinen Blog, um diese Facette raushängen zu lassen.

Manch einer tut sich mit Vertrauen eher schwer, was im Lebenslauf begründet sein kann oder einfach mal so ist. Doch möglicherweise trifft derjenige dann angeschoben durch das Schicksal auf Leute, bei denen das dann doch ganz schnell geht. So etwas fasziniert mich, haut mich nahezu um. Nein, nicht nahezu. Das tut es.

Bis jetzt, bis zum 37. oder 38. Lebensjahr (sollte ich mal Fragen nach meinem tatsächlichen Alter und zu meiner Dioptrie-Zahl haben, weiß ich nun, wen ich fragen muss, -3,75 und -3,50) habe ich immer aufs Schicksal hoffen können. Das ging bis zum heutigen Tage gut und mir ist natürlich bewusst, dass sich das ändern kann. Aber da es die möglicherweise erste Lebenshälfte funktioniert hat, bin ich guter Dinge, dass es so weiter läuft. Ich habe da den ein oder anderen Deal gemacht und offenbar gutes Verhandlungsgeschick bewiesen.

Es ist auch immer eine Frage der Erwartungen, die man so hat. Ich bin der Meinung, dass man nichts zu erwarten hat. Es gibt kein naturgegebenes Recht auf Erfüllung. Man kann es sich erarbeiten und darauf bauen, dass es das Schicksal phasenweise gut mit einem meint.

Und es ist natürlich wirklich so, dass man das Gute nur dann zu schätzen weiß, wenn man die andere Seite kennt. Eine Plattitüde, deren Wahrheitsgehalt ich leider auch erst überprüfen musste, um sie zu verifizieren, was ich nun abermals getan habe. Die meisten werden das kennen und es bedeutet auch die Notwendigkeit ewiger Demut. Eine Gratwanderung, denn man sollte ob lauter Demut nicht vergessen, die guten Dinge zu schätzen, die aber eben nur Zufall sind und nicht selbstverständlich. Und bla, dass es nicht die materiellen Dinge sind, muss ich ja nicht auch noch erwähnen. Ich stehe auf Material, keine Frage, aber entscheidender ist Immaterielles. Zwar raste ich innerlich aus, wenn ich beispielsweise in den Genuss eines Dreimeterultrahd8kcurveduncurvedsmartfernsehers komme, aber ein wirklicher Freund wird er wohl nie. Tiefgehende Gespräche sind zwar möglich, aber doch eher einseitig und das Feedback lässt zu wünschen übrig.

Alle paar Jahre, habe ich festgestellt, geschieht etwas völlig Unerwartetes. Im Positiven. Etwas Großes. Das vergangene Mal liegt mehr als elf Jahre zurück und trat in Form meiner Mitbewohnerin in mein Leben. Nicht, dass es danach mau aussah, aber Vergleichbares geschieht eben nicht oft.

Ich bin jetzt schon gespannt, was geschieht, wenn ich auf die 60 zugehe, sofern mir das überhaupt vergönnt ist. Auch dem sehe ich demütig entgegen.

  1. Mein Bart wird dann schon lange weiß sein. Meine Mitbewohnerin realisierte gestern, was mir einige Tage zuvor auffiel: Die grauen Haare in meinem Bart scheinen sich durchzusetzen. Hm, das schrieb ich vorgestern schon, kann das sein? So klar bin ich derzeit im Kopf. Hatte ich auch erwähnt, dass wenn ich jetzt jedes graue Haar zöge, ich nur noch einen spärlichen Bart hätte? Tatsache. Erschreckend irgendwie.

Zum ersten Teil!


Eine gefüllte Obst-Etagere ziert derzeit meine Facebook-Seite.

9 Kommentare

  1. Ich verjage oft genug Menschen, weil ich nicht sofort vertrauen kann… ich beleidige die Menschen dann dadurch, aber durch Erfahrung bin ich halt ultravorsichtig geworden, das Risiko muss man eben in Kauf nehmen, aus Sicherheitsgründen. Daher gibt es in meinem Leben kaum Menschen. Aber damit muss ich leben. Geht nicht anders…

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  2. Vielmehr ist es so, dass wenn ich Frauenkleider anzöge, sie sich kraft meiner derzeit kaum zu bändigenden Männlichkeit umgehend von selbst in muscle shirts verwandeln würden.

    Das Täschchen, das du schottengleich drüber tragen würdest, müsste nur schwer genug sein. :-)

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  3. Ich bekomme innerlich immer spitze Fuchsohren, wenn mir unerwartet etwas Gutes widerfährt und halte in Panik Ausschau nach dem unschönen Rattenschwanz, der erfahrungsgemäß folgen wird. Pessimist sein ist doof. Ich glaube, ich lass das ab sofort sein. ;-)

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