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Rund einhundert weitere Geschichten zum Hören bei Soundcloud und iTunes!


Kraftold Kramer. Wer kennt ihn nicht?! In der Medienbranche zählt er zu den erfolgreichsten Manageragenten, die sich nicht sicher sind, ob sie Agenten oder Manager sind. Wer sich in der Branche durchsetzen will, der geht zu Kramer. „Lass dich kramern“ ist eine geflügelte Aneinanderreihung von Wörtern, die man in diesem harten Mediengeschäft immer wieder hört. Kramer steht hinter solchen Persönlichkeiten wie Grubert Grampen, der derzeit mit einem deutschen Kinofilm Zuschauerrekorde einheimst oder Madeleine Manish, die bekanntermaßen alles im Fernsehen wegmoderiert, was nicht gerade Scholmann Maierhoff moderiert, den Kramer innerhalb nur eines Jahres zum erfolgreichsten Nachwuchsmoderator aller Zeiten aufgebaut hat.

Warum fehle nun ich in dieser Auflistung? Niemand verkörpert bescheidenes Auftreten mehr als ich, aber dennoch darf ich mir ja diese Frage durchaus mal stellen. Und ich stellte sie auch meinem Manager. Und der ist kein geringerer als: Kraftold Kramer.

„Kraftold, warum kennt mich keine Sau?“

„Vielleicht, weil du nicht on air bist?!“

„Aber ist es nicht dein Job, dafür zu sorgen, dass sich das ändert?! Oder muss ich erst mit dir schlafen?!“

„Dass Madeleine Manish mir einen geblasen hat, ist ein Gerücht!“

„Tolle Frau. Ich könnte doch mal was mit der zusammen wegmoderieren!“

„Nein. Die steht Klassen über dir. Du stinkst neben der ab.“

„Wozu bist du eigentlich mein Manager?! Du müsstest mich kramern!“

„Seppo, ich habe dir vor drei Monaten schon nahegelegt, dir beispielsweise endlich ’ne Homepage zuzulegen.“

„Ja. Ich weiß. Die Domain habe ich ja schon.“

„Ach?!“

Seppo.tv. Nur, was soll ich da online stellen?!“

Kraftold Kramer bricht in ein Lachen aus, das ich so bislang nur von Kraftold kannte: „Seppo, mein lieber Seppo! Du meinst Inhalte?! Brauchst du nicht! Sieh dir doch das Gros der Nachwuchsmoderatoren einmal an! Es ist ja nicht gerade so, dass sie mit Inhalten punkten! Schein ist alles!“

„Das grenzt ja an Gesellschaftskritik!“

„Pass auf, Seppo. Du brauchst lediglich ein paar Fotos von dir. Mit allen Gesichtsausdrücken, die es so gibt. Dann sehen die Leute, dass du wahnsinnig vielseitig bist!“

„Bin ich aber nicht!“

„Du sollst ja auch nur so tun. Machen alle. Guck‘ mal sehr ernst!“

Ich gucke also sehr ernst. Und Kraftold: „Sehr gut. Jetzt guck‘ mal freundlich.“

Ich gucke also freundlich. Kraftold: „Freundlich, Seppo. Was soll dieses grenzdebile Grinsen?!“

„Was?! Ich kann nur so freundlich gucken.“

„Das ist allerdings ein Problem. Wir müssen dich dann eben photoshoppen. Wir montieren dir das Lächeln von Grubert Grampen ins Gesicht. Das könnte gehen. Jetzt guck‘ mal nachdenklich.“

Ich gucke also nachdenklich. Doch Kraftold: „Hm. Schwierig. Das nimmt dir auch niemand ab. Du hast keine sehr telegene Fresse, Seppo.“

„Und was ist mit meiner Augenbraue?“

„Was soll mit der sein?!“

„Ich kann sie hochziehen!“

„Glückwunsch. Das ist deine einzige Gesichtsregung, die du beherrscht. Nicht massentauglich. Es sieht ein wenig so aus, als hättest du einen Schlaganfall.“

Kraftold schießt dennoch spontan einige Fotos von mir und murmelt dabei einen Satz, den ich bisher nur von Heidi Klum kannte:

„Photoshop kann nicht alles. Bisschen was muss auch von dir kommen. Biete mir mal was an!“

Ich winke ab und suche ein paar Fotos auf meinem Handy, die ich später auf meine Homepage hochladen will. Kraftold staunt nicht schlecht:

„Ziemlich viele Selbstporträts, die du da hast. Schon ein bisschen egozentrisch? Aber genau so muss es sein. Auf deiner Homepage bist du der Mittelpunkt. Du musst davon ausgehen, dass die Menschen dich so toll finden, dass sie deine Homepage besuchen. Ich manage Leute, die das sogar tatsächlich glauben! Nur, wir müssen es irgendwie hinkriegen, dich menschlich erscheinen zu lassen. Das ist bei dir nicht unbedingt einfach. Du bist im Grunde ein Härtefall. Deine Arroganz kommt nicht immer gut an.“

„Meine Arroganz?! Das ist nur eine Rolle!“

„Die du bedenklich gut spielst. Du musst dich verstellen. Du musst bei der Oma ankommen, aber auch bei den Teenies. Sag‘ mal ‚Gönn dir‘!“

„Gönn‘ dir.“

„Hm, klappt nicht.“

„Ich bin fast 39!“

„38.“

„Achja. Haha, dass ich mir mein eigenes Alter nie merken kann. Aber ich verweigere mich jedem Anbiedern. Ich hasse Blenden!“

„Und Blenden hassen deine Mimik.“

Ich gratuliere Kraftold zu diesem Wortwitz und beschließe, mich umgehend an die Arbeit meiner neuen Homepage seppo.tv zu machen. Ein paar Fotos, bisschen Bewegtbild. Ganz wichtig: Eine Vita. Oder nennt man es inzwischen „Bio“?!

In einer ersten Version nenne ich es „Seppo von hinten“. Finde das wahnsinnig lustig, fürchte aber, dass niemand versteht, dass damit der Blick hinter die Fassade gemeint ist, also der Blick auf die private Variante von mir. Und nenne es schließlich „Vita“. Aber wen sollte das interessieren?! Wer überhaupt sollte meine Homepage besuchen? Ob ich sie in meinem Blog bewerbe? So als cross promotion? Wäre ziemlich billig. Nein, das tue ich auf keinen Fall. Vielleicht erwähne ich mal unauffällig www.seppo.tv in einem Artikel, mehr aber auch nicht. Meine Leser sind überdurchschnittlich clever. Die würden diesen billigen Versuch durchschauen und nicht auf www.seppo.tv klicken.

Im Mai dieses Jahres unternehme ich den ersten Anlauf zum Homepage-Bau. Ein „Adobe“-Programm zum Erstellen von Seiten fragt mich als erstes, welche Auflösung ich will.

Und ich gebe auf. Überfordert.

Jetzt, drei Monate sind ins Land gegangen, habe ich gemerkt, dass es an sich gar nicht so schwer ist, sofern ich meine Ansprüche runterschraube. Ich sehe vom Plan ab, meine Seite zum „Seppo Entertainment World Universe“ zu machen und beschränke mich auf die Umsetzung Kraftolds Tipps. Ein paar Fotos, die alles andere als professionell sind, dafür aber eben nicht gestellt, lasse die Rubrik „Vita“ erst einmal frei von Inhalten, was ja auch eine Aussage ist, und bestücke meinen Youtube-Kanal, den ich dann verlinke. Ganze Nächte rattert mein Rechner durch, weil meine Upload-Geschwindigkeit Ausgeburt des Jammers ist. Und als ich Kraftold erste Ergebnisse zeige, sagt er nur:

„Seppo, Homepages sind out. Niemand geht mehr auf Seiten. Die User sind in den Netzwerken unterwegs! Stichwort instant articles! Landing pages! Das ist die Zukunft! Und strenggenommen die Gegenwart.“

Ich lasse mich nicht beirren und investiere weitere Nächte in den Bau der Seite. Ich mag diese Nächte, die man am Rechner durcharbeitet. Wenn man die Zeit vergisst. Es plötzlich vier Uhr nachts ist. Als das Grundgerüst schließlich steht, stelle ich fest, dass ich alles scheiße finde und gehe schlafen.

Am nächsten Tag finde ich es nicht mehr ganz so scheiße und bitte meinen Kollegen Christopher um eine Manöver-Kritik. Leider findet er sehr viele berechtigte Dinge, die nicht unbedingt optimal, also bedingt optimal sind. Dass das social media-Menü zu weit unten ist. Oder dass mir ein Schriftzug im header ins Ohr ragt. Ich vergrabe also mein Gesicht in meine Hände und weine. Denn ich bin an ein template gebunden, das mir ungefragt Kompromisse aufzwingt.

Als die Tränen getrocknet sind, bin ich dennoch zufrieden und stelle fest, dass etwas Wesentliches fehlt: Inhalt. Mache ich später. Und dann gewinnt der Wein die Oberhand, sodass ein weiteres Werkeln an www.seppo.tv sich verbietet. In einigen Tagen wird das Werk vollendet sein und Kraftold unter Zugzwang stehen.


Übrigens habe ich eine neue Homepage. Schaut gerne mal vorbei!Seppo_tv_Kappie

8 Kommentare

  1. Ich steh auch auf Content. Und deshalb muß ich mal hier an der Gestaltung des Seppologs rummäkeln. Seit einiger Zeit sehe ich in meinem Reader nur noch die immer gleiche Eigenwerbung für rund einhundert weitere Geschichten auf Soundcloud. Nichts, was mich wirklich motiviert, einen Seppolog anzuklicken. Heute tat ichs dann wieder nach längerer Abstinenz mit dem Vorsatz Diese Nörgelei hier in die Kommentarzeile zu hauen. Und dann handelt der Artikel komischerweise von Medienkritik und Öffentlichkeitsarbeit. Hab ich telepathische Fähigkeiten oder Du? Beeinflußt der Seppolog unsere Gehirnströme? Muß ich mir nen neuen Aluhut falten oder gleich das Nudelsieb aufsetzen…?

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  2. Squarespace empfiehlt mir die Podcastwerbung als Wundermittel, um Webseiten zu gestalten. Ich bin da völlig unbedarft, glaube aber alles, war mir da an Bombers, Casper und Mack Weldon angepriesen wird.

    Heisst die Werbung im Podcast überhaupt Podcastwerbung? Ich habe den Begriff mal analog zu Radiowerbung und Fernsehwerbung gebildet. Aber vielleicht ist er ja auch ganz anders.

    Gefällt 1 Person

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