Sprache ist mehr als nur das

deutsch

Vor Kurzem wurde mir von einer Art Leserin vielleicht nicht vorgeworfen, aber dann doch unterstellt, ich sei ein Grammatikposer. Sie müsse bei meinen Texten leicht würgen. Sprache sei ein Mittel, um komplizierte Zusammenhänge vereinfacht darzustellen.

Das stimmt. Aber Sprache kann noch mehr, was sich aber nicht jedem Kleingeist erschließen muss. Und nicht jeder muss Sprache zu mehr benutzen. Sprache ist demokratisch – was ich in Teilen bedauere, wenn ich mir das öffentliche Schriftbild so ansehe. Es verkommt, wie diese zwei Beispiele zeigen, die mich gestern sehr amüsiert haben, die eines Senders, der in einigen Teilen Nachrichten zeigt, unwürdig sind:

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Abgesehen davon, dass Regen lediglich in der Umgangssprache „aufhört“, hört er wohl kaum „immer mehr“ auf …

Eine halbe Stunde später besinnt man sich bei „N24“ eines Besseren, setzt aber ohne Not einen drauf:

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Nicht nur, dass es trocken bleibt – nein! -, es bleibt „zunehmend“ trocken! Physikalisch ein Wunder, was N24 da aufdeckt.

Nun kann man als Totschlagargument natürlich dagegenhalten, dass so zumindest ein jeder verstehe, was gesagt werden soll. Mit diesem Argument können wir sämtliche Artikel, ob bestimmt oder unbestimmt, streichen und uns auch dem Genitiv (!) endgültig entledigen.

Und der „Duden“ verfährt im Grunde so. Er schreibt nicht vor, sondern bildet lediglich ab, was gesprochen wird. Das erklärt, warum die seltsamsten Wortgeschöpfe dort Eingang finden, was natürlich auch damit zu tun hat, dass eine neue Auflage stets gerechtfertigt sein muss.

Sprache lebt eben und genau darum gibt es keinen Grund, sie mit Füßen zu treten. Zwei Dinge, die mich besonders aufregen, sind der Deppenapostroph, der sich nicht nur vor oder hinter einem S befinden muss, sowie der fehlende Bindestrich, der gerne von Werbetextern und -gestaltern getilgt wird, weil er grafisch irgendwie nicht ins Konzept passt. Ob das nun „Vollwasch Mittel“ ist oder bei „N-TV“ (gestern gesehen) der „Leuchtmittel Hersteller“. Das ist schlicht falsch. Es ist auch nicht „ein bisschen“ richtig. Das ist einfach mal falsches, beschissenes Drecksdeutsch und ich frage mich, welche Vollhonks da sitzen und diese Regeln, die ja einen guten Grund haben, derart anal zu vergewaltigen. Die Frage muss erlaubt sein: Sind die Urheber wirklich so doof? Und wenn ja, warum sitzen sie dann an den falschen Hebeln?! Sollte nicht der Produzent von Schrift und Text sein Handwerk beherrschen? Wenn ich Elektriker bin, vertausche ich auch nicht Anode mit Kathode.

Es geht hier nicht darum, über Menschen herzuziehen, die die Rechtschreibung nicht beherrschen. Ich sage auch nicht, dass ich sie vollumfänglich umsetze (Immerhin wird dieser Text gleich von meiner Lektorin korrigiert!). Ich behaupte auch mitnichten, besonders toll schreiben zu können. Doch ein „Regen hört immer mehr auf“ würde mir nicht einmal volltrunken unterlaufen.

Sprache ist, ich schrieb es schon oft, ein bisschen wie Musik. Jene Leserin mag offenbar Marschmusik. Klar, dumpf und laut, möglichst einfach. Ich hingegen spiele gerne mit Wörtern, strapaziere – meine Lektorin kennt mein „Historisches Präsens“ zur Genüge – auch die eine oder andere Regel. Ich schätze Füllwörter! Immer dieses Gerede, sie seien überflüssig! Dann wäre es das „Yes’n“ aus „Blowin‘ in the wind“ ja auch.

Ich habe an der Uni natürlich auch wissenschaftliche Texte geschrieben. Und klar, da geht es um die Darstellung komplexer Zusammenhänge. Und da sind Füllwörter fehl am Platz. Aber im Rahmen des seppologs oder auch von Romanen egal welchen Genres geht es doch um etwas anderes. Es geht um Lesefluss. Es geht um Lesevergnügen. Wer das hier nicht findet, der soll nüchtern weiterziehen. So wie ich vieles nicht gut finde und vieles dann doch. Wenn ich Ken Follett lese, und es ein bisschen zu simpel finde, rufe ich ihn auch nicht an, um ihm mitzuteilen: „Ken, du schreibst zu simpel. Ich lese jetzt was anderes.“ Der Mann weiß sehr genau, wie er schreibt.

„Grammatikgepose“ – weil ich einigermaßen die deutsche Grammatik beherrsche?! Weil ich mich mitunter geschwollen ausdrücke? Alter, wenn, dann ist es gewollt, dann ist es der Stil! Gebe ich hier an?! Wer das glaubt, projiziert das, was er bei sich für möglich hält, ja lediglich auf mich, was ihn wiederum entlarvt. Wer einmal Grammatikgepose lesen mag, dem sei Niklas Luhmann empfohlen.

Sprache ist nichts Technisches. Sprache hat Parallelen zur Mathematik, ist aber gleichzeitig eben etwas völlig anderes. Es ist eben kein Binärcode. Sie gibt uns unendliche Möglichkeiten. Wir können sie pflegen, wir können sie kultivieren. Aber natürlich auch absichtsvoll reduzieren auf Subjekt, Prädikat und Objekt und sogar degenerieren. Wer daran Spaß hat, dem sei das Konzept der „Leichten Sprache“ nahegelegt, das es tatsächlich gibt.

„Die Leichte Sprache soll Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen über eine geringe Kompetenz in der deutschen Sprache verfügen, das Verstehen von Texten erleichtern. Sie dient damit auch der Barrierefreiheit“, weiß „Wikipedia“. Das ist ein ehrbares Ziel, gegen das nichts zu sagen ist. Doch einige ihrer Regeln schmerzen:

Beispielsweise wird vollkommen auf den Konjunktiv verzichtet. Wie zur Hölle soll man ohne ihn auskommen?! Man streicht damit nicht nur eine Form des Ausdruckes, sondern eine ganze Gedankenwelt. In die Kerbe schlägt auch der Verzicht auf Metaphern. In der Leichten Sprache darf man also in keinerlei Kerbe schlagen. Wie deprimierend. Und am besten gefällt mir „Bilder helfen, einen Text besser zu verstehen“. Damit nähern wir uns den Höhlenmalereien … Manch einer macht es sich wohl gerne auf einer geistig simplen Ebene gemütlich.

Um das deutlich zu machen: Wenn es um Barrierefreiheit geht, ist das ein akzeptables Konzept. Aber mir würde es schwerer fallen, mich derart, pardon, primitiv auszudrücken, als einfach normal und komponierend weiterzuschreiben.

Der Deutsche Bundestag erklärt sich selbst in der Leichten Sprache, hier nachzulesen und hier ein Auszug:

Bundestag ist der Name
für eine Gruppe von Menschen,
die in diesem Haus arbeiten.

Die Menschen in dieser Gruppe nennt man auch:
Abgeordnete.

Es gibt 630 Abgeordnete.
Es sind Frauen und Männer.

Neben dem Text sind entsprechende Bilder dargestellt. Geht es der Politik darum, auch für ausländische Mitbürger verständlich zu sein? Dann frage ich mich allerdings, für wie doof diese sie hält. Denn eine komplexe Sprache spricht man nicht nur in Deutschland. Ich glaube, wir können auch Zugezogenen unsere Sprache zumuten, vielleicht sogar mit Stolz.

„Er hat ‚Stolz‘ gesagt!“

Denn Deutsch spielte dereinst eine große Rolle. In Wissenschaft und in Musik beispielsweise. Das ruinieren wir uns gerade selbst.

Aber Sprache lebt. Sie wird zwangsläufig immer simpler, weil immer mehr Menschen überfordert sind, wenn sie auf einen Relativsatz stoßen. Ich nutze Relativsätze nicht um anzugeben, sondern weil sie sich hervorragend dazu eignen, komplizierte Dinge darzustellen. Wir vermögen es, aus nur 26 Buchstaben etwas derart Wortgewaltiges zu schaffen. Und das soll ich reduzieren auf einen technischen Vorgang?! So etwas macht mich so wütend, dass ich ausrufe

„Fick meinen Arsch!“


Puh, erstmal auf Facebook gehen und jemanden beschimpfen.

60 Kommentare

  1. Man möchte öfter als nur ein mal auf „Gefällt mir“ klicken!

    Es war mir gestern schon ein kleiner Dorn im Auge, dass Sprache lediglich ein Mittel zum Zweck sein soll. Ganze Berufsfelder wären somit entbehrlich. Dass unsere Kultur nicht nur ein abstrakter Begriff, sondern konkret auch an der Belletristik auszumachen ist, zeigt die Bedeutung von komplexer Sprache. Rein linguistisch ist Sprache tatsächlich nur ein Kommunikationsmittel. Wir denken aber nicht linguistisch. Wir denken emotional und legt man der Sprache lediglich das durchaus praktikable Modell der mathematischen Semantik zugrunde, wird sie schnell öde. Dann kann man nämlich komplexe Zusammenhänge mit rudimentärer Grammatik darstellen: Ein Mann aus einer Gruppe Menschen mit dem Merkmal „Mann“, eine Frau aus einer Gruppe Menschen mit dem Merkmal „Frau“, gegenseitige Liebe.

    Das sind komplexe Zusammenhänge im Sinne der Logik heruntergebrochen. Schön ist das nicht. Wer es so will, kann es gern so machen. Ich bevorzuge eine Sprache und eine Grammatik, die nicht nur zwischen den Zeilen sondern auch durch die Verwendung schon etwas aussagt.

    Dass dies heute nicht mehr praktiziert oder verstanden wird, sagt eine Menge über den Wert von Texten und korrekter Sprache aus. Zumal sich besagte Kritikkommentare durchaus selbst einer eher indirekten Sprache bedienten.

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  2. Ja, aus 26 Lauten kann man wunderschöne Dinge spinnen. 🙂 Danke, Seppo – Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin auch kein Fan von Marschmusik. 😉 Duden: Genauso ist es – wissen viele aber nicht. Deppenapostroph: ewiges Ärgernis. Und das völlig beknackte Wegfallenlassen des Bindestrichs zeugt auch nur von zwei Dingen: Schlamperei und Nichtvorhandensein des Gespürs für Sprache, die auch für mich wie Musik ist. Daher: Vielen herzlichen Dank speziell für diesen Beitrag hier! Und einen schönen Tag. 🙂

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  3. Die Vorstellung, Deinen – oder irgend jemanden anderen – Allerwertesten zu penetrieren, lässt mich ebenfalls leicht würgen.

    Dennoch: Punktlandung.
    Gerade die Billig-Massenmedien (Wie kommst Du dazu, N24 zu schauen? Sicher nur Recherche, tztztz … ) haben viele Angestellte, deren Sprachverständnis und Wortschatz denen eines Pennälers entsprechen. Und so entwickelt sich auch die Kosumentenmasse:
    „Das ist richtig so, ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Im Fernsehen. Bei N24 …“

    Vielleicht hilft eine „Fail-Gallery“ diesen Leuten etwas auf die Sprünge … SeppoFails

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  4. Über die Funktionen der Informationsübermittlung und Identitätsbildung (hier wir, die eine Sprache sprechen, dort die, die sie nicht verstehen) hinaus kann Sprache Spass machen.

    Oder wie Faust sagt: „Schönes Fräulein, darfs ich wagen, Arm und Geleit Euch anzutragen“ wo ein anderer eben: „Leg Dich hin“ gesagt hätte. Oder der Deutsche Bundestag, der erklärt, dass die 630 Abgeordneten Männer und Frauen sind, und uns im Ungewissen lässt, ob alle oder jeder einzelne.

    Vielen ist die deutsche Sprache einfach nur Pflicht, ein Stahlhelm, den das Schicksal ihnen aufgestülpt hat. Lieber schwiege man und würfe mit Perlenbacher Bierflaschen aus Plastik nach den Politikern auf dem Fernseher, die man nicht mag, oder spräche die Muttersprache, die eine andere ist.

    Man kann sie irgendwie verstehen, wo es um das Werfen von Bierflaschen geht, tut sich sprachverliebterweise jedoch schwer, sich ihnen anzuschliessen.

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  5. Lieber Seppo! Ich würde Dir gerne noch mehr „Gefällt-mir-Sterne“ geben! Geht aber leider nicht! Ich liebe meine Muttersprache. Was wären wir nur ohne Genitiv! 🙂 Ich stoße schon auf Augenrollen, wenn ich anmerke, dass in der deutschen Sprache die Dinge einen Sinn HABEN und nicht MACHEN! Nein, für mich ist das kein Gepose. Es ist ein respektvoller Umgang mit unserer Sprache!
    (Natürlich kann auch ich ganz anders schreiben.)
    #sirovio

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  6. Zitat: “ … und uns auch dem Genitiv (!) endgültig entledigen.“

    Auch wenn es jetzt den Anschein haben mag, als wenn ich zum Klub der Ameisenficker gehöre, muss ich in Bezug auf die Grammatik des Satzes auf einen Fehler aufmerksam machen. Richtig ist:
    „… und uns auch des Genitivs (!) endgültig entledigen“.
    Siehe dazu auch das Buch „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ von Sebastian Sick.
    https://www.amazon.de/Dativ-ist-dem-Genitiv-sein/dp/3462034480

    Im Übrigen ist es aber wieder einmal ein sehr lesenswerter Beitrag geworden – typisch Seppo!

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      • lieber Seppo,
        da du mal auf meinem Blog vorbeigeschaut hattest, bin ich auf dich aufmerksam geworden. Ich lese hier gelegentlich mit Freude, weil ich deinen Humor schätze. Daher habe ich auch glatt das (!) hinter der entsprechenden Formulierung als Humor wahrgenommen.
        Es wundert mich allerdings, dass du den Witz in den Aussagen des Wetterberichtes nicht als solchen erkannt hast.
        Jemand der schreibt: „Der Regen hört immer mehr auf!“ oder “ Es bleibt zunehmend trocken“ meint damit doch nichts anderes als: Der ewige Regen kotzt uns alle an, nun wird es langsam besser, das Wetter!
        Nichtsdestotrotz hast du die Gelegenheit wunderbar genutzt, um dich mal wieder ( wenn auch diesmal künstlich, für meine Wahrnehmung) über etwas dermaßen zu erregen, dass du es aufgeschrieben hast.
        Das kenne ich natürlich bei mir auch😉
        Konjunktionaladverb hierhin denkend, sende ich herzliche Grüße

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  7. Lieber Seppo, wie immer mir aus der Seele gesprochen. Nebenbei habe ich erst vor ein paar Tagen Ähnliches (allerdings zur Rechtschreibung) in die Welt posaunt. Einen kleinen Einwand habe ich allerdings. Zitat: „Sprache sei ein Mittel, um komplizierte Zusammenhänge vereinfacht darzustellen. Das stimmt.“ Nein, Keulen auf Köpfe hauen, Höhlenmalereien oder Grunzlaute sind Mittel, um komplizierte Zusammenhänge vereinfacht darzustellen. Die Sprache lässt uns die Wahl. Wir können Einfaches kompliziert (aber humorvoll) darstellen (Seppo) oder Kompliziertes einfach (viele Andere). Auch Einfaches einfach und Kompliziertes kompliziert. Oder man kann einfach falsch mit Sprache umgehen (N24)…
    Und wie möge man sich Sprache ohne Konjunktiv vorstellen?

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  8. Grammatik ist Sprache, nicht Pose. Sprache ist nun mal die wichtigste Grundlage eines Erfolg’s Blogs.

    Die englische Dichterin Kate Tempest beschreibt die immer mehr zunehmend sprachlose Gesellschaft so:

    “Construct a self and psychosis
    And meanwhile the people are dead in their droves
    But nobody noticed,
    Well actually, some of them noticed,
    You could tell by the emojis they posted.”

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  9. Was die leichte Sprache angeht:

    Erstens: Ich finde sie verhunzt und auch nicht so hilfreich wie sie sein sollte. Da ist einiges im Konzept falsch, meines Erachtens nach, das könnte besser und hilfreicher gehen. Nein, ich habe auch keine ad-hoc aus dem Hut zu zaubernde Lösung. Und ich bin auch nicht hundertprozentig sicher in Grammatik.

    Zweitens: Es gibt aber tatsächlich Menschen, denen das hilft. Ist für Leute mit unserem Sprachniveau schwer vorstellbar. Aber nehmen wir jetzt mal gehörlose Menschen, keine Kinder und Jugendlichen, sondern welche etwa so alt wie du und ich oder noch älter. Denen kann das helfen. Warum? Die haben in den Schulen oft nicht richtig lesen gelernt und folglich mitunter große Probleme eine durchschnittliche Tageszeitung zu lesen geschweige denn Vertragsdeutsch. Dass sie nicht lesen gelernt haben liegt aber nicht daran, dass sie dazu zu blöd wären, sondern daran, dass man es ihnen nicht beigebracht hat, weil bis zirka zur Jahrtausendwende nicht Sachwissensvermittlung in den Schulen für diese Leute eine dominierende Rolle gespielt hat – also auch nicht lesen lernen -, sondern mit Stimme sprechen üben und Lippen absehen lernen. Das bedeutet viele haben die Schulen quasi als Analphabeten verlassen und können gar nichts dafür. Und wenn du dann als Erwachsener erstmals tauglich alphabetisiert wirst, dann hilft dir auch so eine verhunzte Sprache, weil du überhaupt nie gelernt hast Sätze zu bilden und irgendwo musst du anfangen. Wenn du dann offizielle Webseiten in dieser Sprache siehst, ist das tatsächlich ein winziges Stück subjektiv empfundende Barrierefreiheit, weil du keinen Vorleser, Erklärer oder Tutor brauchst um dich zu informieren.

    Und für Leute mit Lernbehinderungen, geistigen Behinderungen oder anderen Gründen aus denen sie als Kind und Jugendlicher nicht flüssig lesen gelernt haben ist das vielleicht auch so. Auch wenn es, weil diese Sprache so verhunzt ist, nur ein Anfang sein kann. Ich persönlich finde es äußerst schwierig sie zu schreiben und mache das auch nicht eins zu eins. Das heißt, wenn ich für die Gehörlosen, die ich kenne offizielle Papiere in für sie verständliches Deutsch „übersetzen“ muss, dann schreibe ich die Briefe nicht in dem was „Leichte Sprache“ heißt neu, sondern ich erkläre die schweren Wörter oder warum man dieses und jenes grammatikalisch so oder so macht.

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  10. Applaus! Applaus! Volle Zustimmung und many likes!

    Seien wir doch mal ehrlich. Sprache ist mehr, als nur eine Mischung aus Buchstaben und Satzzeichen. Sprache ist auch mehr als nur Worte. Sprache, richtig angewandt, ist Gefühl. Sie ist Ausdruck und ja… sogar Macht.

    Mit Sprache kann man beeinflussen, begeistern, lieben, verletzen. Sprache macht so vieles möglich. Wenn sie denn richtig angewandt wird. Aber genau das wird immer seltener.

    Da schimpfen viele über die Jugend und ihre neuen Wortkreationen. Und selbst? Vereinfachen sie die Sprache so weit, bis fast nichts aussagekräftiges mehr übrig bleibt. Da lob ich mir die jugendlichen Wortkreationen. Da lebt die Sprache zumindest noch.

    Und Du, mein lieber Seppo, bist mit Deinem Blog der beste Beweis dafür, was Sprache vermag. Du begeisterst, empörst, bringst zum nachdenken und die meiste Zeit auch zum schmunzeln. Ein großes Lob und Dankeschön dafür.

    Ein hoch auf die Sprache!

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  11. Wir leben in einer Zeit mit meist nicht mehr als moeglichen 160 Zeichen und Ziffern, begnuegen uns mit „Hdl“, „MfG“ & „AIDS“.
    Letzteres steht fuer „Angela ist die Schande“…
    …einst das Land der Dichter und Denker.
    Heute das Land der schlimmsten Dialekte und der schlechten Artikulation.
    …das ist Linguistik 2.0 !
    …lasst uns doch einfach mal darueber reden.

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  12. Ich bin für Lesevergnügen! Aber auch für den Deppen-Apostroph in meinem Blognamen, fand ihn einfach schöner. Dass die Sprache simpler wird, denke ich nicht, das ist mir dann doch zu simpel gedacht und widerspricht meinen fünf Jahren Linguistik-Studium (dann hätt ich ja nichts zu studieren). In diesem Sinne liebe Grüße von Berni’s Rummel 😉

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  13. Du bestätigst mich in meinem Motto:

    „In der Komplexität der Kompliziertheit liegt die Schwierigkeit der Einfachheit.“

    Sprache muss doch Spaß machen. Ich liebe es, Schachtelsätze zu verschachteln. Manchmal in – wie bei den Matrjoschkas – Schachteln in Schachteln umschachtelt von Schachteln. Verziert mit einem Schleifchen aus Genitiv, Akkusativ oder Dativ…

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  14. Schon vor Jahren stellte ein Kaufhaus in Stuttgart seine Hinweisschilder auf Piktogramme um – und ich fand mich nicht mehr zurecht.
    In fast allen Dingen gebe ich Dir recht, Seppo. Aber bei den Füllwörtern halte ich eine Beschränkung auf um die 5 % für sinnvoll. Was meint denn deine Lektorin dazu?
    Ich mag deine Texte und finde sie nicht zu kompliziert verfasst.
    Außerdem frage Dich mal, wer auf dem roten Teppich rumpost.
    Immer die, die im Mittelpunkt stehen.

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  15. Irgendwie ahnte und hoffte ich, dass es eine angemessene Reaktion auf den Vorwurf des „Grammatik-Geposes“ geben würde! 😉 Chapeau!

    Ich denke gerade darüber nach, den Text auszudrucken und an sämtliche Laternenpfähle Norddeutschlands zu kleben oder ihn als offenen Brief an „N-TV“ oder die papierne Rohstoffverschwendung mit den vier großen Buchstaben zu senden! Zeit hätte ich, ich habe gerade Urlaub … 🙂

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  16. Du hast ja so recht!
    Sprache ist eine Kulturtechnik, und daran, wie wir sie benutzen, erkennt man, was sie uns wert ist. Natürlich immer unter Berücksichtigung von Leserechtschreibschwäche, lückenhafter Schulbildung, Migrationshintergrund usw. Das Zielniveau sollte doch aber höher sein als die „Leichte Sprache“.
    Mir persönlich tut das Aussterben der n-Deklination sehr weh. Also wird es wohl in Zukunft Standard sein, Sätze wie „Der Lotse gab dem Pilot (statt: Piloten) ein Zeichen“ zu lesen/hören :-(.

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  17. Ich mochte nicht das Ende. Das hats für mich n Bisschen runtergezogen.

    Es ist schwierig. Einerseits ist es normal, dass Sprache sich ändert, wie du schreibst, dass sie einfacher wird. Dass wir nicht mehr in dieser Form reden: Phol endeuuodan uuorun ziholza, finde ich nicht so schlecht. Andererseits bietet sie so viele Möglichkeiten, die erhalten bleiben sollten, um das aussagen zu können, was man wirklich aussagen will. (Dafür müsste dann vielleicht noch das eine oder andere hinzukommen statt wegfallen.)

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  18. Lieber Seppo!

    Amüsiert, und hier und da in meinem Denken bestätigt, habe ich deine Zeilen gelesen.

    Ja, es ist in der Tat schade, dass die Verbindung von Sprechen und Hirn einschalten, so oft auf der Strecke bleibt. Warum? Dummheit, Bequemlichkeit, Ignoranz?! Das wissen wahrscheinlich nur die Verhunzer (Achtung, neue Wortschöpfung – oder doch nicht?!) der Sprache selbst. Dieser Schatz, der uns in die Wiege gelegt wurde, mit dem wir unsere Meinung kundtun (können), Geschichten malen und auch mal unsere Wut rauslassen, wird leider so oberflächlich und selbstverständlich hingenommen wie der Gang zum… (hier darf sich jeder etwas ausdenken).

    Bewusstes Einsetzen derselben – nicht immer erwünscht. Denn wer spricht, braucht Mut (doch, doch) und auch jemanden, der zuhört. Hört, was gesagt wird. Und schon beginnt der Kreislauf von Interpretation, Ignoranz und ganz vielen Missverständnissen. Mein Lieblingssatz der oft in diesem Zusammenhang fällt: Aber, das habe ich doch gar nicht so gemeint!!! Hm, WARUM SAGT MAN DANN NICHT KLIPP UND KLAR, was MAN meint?

    Beruflich „darf“ ich mich mitunter mit dem auseinandersetzen, was aus einem anderen Land für hiesige Leser geliefert wird – Hilfe. Aber es ist eben günstiger. Deswegen darf die Sprache (die haben dort schließlich Deutsch studiert!!!) ohne jegliches Sprachgefühl in die trögen Hirne der hiesigen Leserschaft fließen. Und da bleibt es dann hängen und einige wenige wundern sich…

    Insofern, all ihr Verantwortlichen und Medienschaffenden da draussen (vielleicht liest das ja einer von euch): Gießt fleißig Wasser auf die Mühlen der Sprachverwässerung. Denn wenn wir unsere Sprache nicht mehr haben, was bleibt uns dann?

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  19. Schöner Beitrag, Seppo! Mir ist schon öfter aufgefallen, dass du absolut korrekt und nach meinem Geschmack Kommata (gerne auch Komma’s genannt ) setzt. Ganz schön abartig, wenn das schon positiv auffällt. Ich mag deine Texte und du beweist mal wieder, dass differenzierte Sprache differenziertes Denken ermöglicht, das ist nun mal so. Wenn nur „Geil“ und „Scheiße“ im Wortschatz zur Verfügung stehen, ist es logischerweise auch etwas schwieriger, in feinen Abstufungen zu denken und zu bewerten.
    Also mein Lieber, mach weiter mit dem „scheiße geilen Grammatikgepose“, ich folge deinem Blog, weil er sich schön liest. Und du hast recht, Luhmann übertreibt 😉
    LG Elli

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  20. Grandioser Beitrag! Und der erste Blog-Text, den ich mich zu teilen verpflichtet fühlte.

    »Sprache lebt eben und genau darum gibt es keinen Grund, sie mit Füßen zu treten.«
    Sehr schöner Satz!

    »[…] welche Vollhonks da sitzen und diese Regeln, die ja einen guten Grund haben, derart anal zu vergewaltigen«
    Eben solche, die (wahrscheinlich) wissen, dass es 90% der Rezipienten gar nicht auffällt.
    Es wird neben den im Universitäts- und Sprachbereich-Tätigen nur ein kleiner Teil innerhalb der Gesellschaft sein, der über Sprache nachdenkt und sich ihrer voll bewusst ist. Aber ich bin dennoch guter Hoffnung, dass deshalb nicht zwangsläufig die Sprache verkommt (im Sinne des Reduzierens). Die Reichhaltigkeit einer Sprache lebt und gedeiht ja eh hautsächlich in ihrer Literatur.

    Nebenbei bemerkt: Man wird während des Lesens irgendwie den Verdacht nicht los, dass du (ein wenig) persönlich auf die Kritik reagierst (ich kenne jetzt den genauen Kontext nicht, aber „Grammatikposer“ klingt doch amüsant; vor allem, da du ja nicht erst über Nacht beschlossen hast, fortan die komplette zur Verfügung stehende Grammatik zu nutzen). Aber dem Lesen gibt das natürlich auch Würze, was vielleicht nicht ganz ungewollt war.

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  21. ‚tschuldige, daß ich jetzt völlig aus der Reihe tanze, aber:

    Das Artikelbild mit dieser strengen Sütterlinschrift, dieses Kochrezept, es interessiert mich die Schrift … Wo hast Du das her? Solche Sachen suche ich … (schreibe ich selbst doch so [ähnlich])

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  22. Lieber Seppo!
    Sehr freue ich mich, Anregung, sogar Thema eines Seppologs zu sein. Und zwar eines sehr gelungenen und energiegeladenen. Dass ich Dich dabei auch noch zu emotionalen Kraftausdrücken provozieren konnte macht mich Stolz. So muß sich ein Trainer fühlen, der jemanden zu 100 Burpees und Walking Lunges motiviert. Grund dafür war offensichtlich ein recht unachtsam hingeworfener kritischer Kommentar meinerseits.
    Ich gestehe nur ungern, er war sehr unpräzise geworfen, schlecht gezielt und ging völlig daneben. Wie ein Glas, das man Hinausgehen schlechtgelaunt vom Tisch fegt, dann gradewegs auf den Künstler zufliegt und dabei laut zerspringt. Du als Künstler nun reagierst verärgert, fühlst Dich in Deiner Ehre gekränkt und am Leib des ästhetischen Empfindens bedroht. Das war sehr ungezogen von mir. Aber da stehe ich zu und entschuldige mich nicht für. Denn ein verärgerter Seppo ist ein gut schreibender Seppo. Falls ich Deine Stimmung derart getrübt haben sollte, dass auch Deine Mitbewohnerin darunter litt, entschuldige ich mich bei ihr für die Unachtsamkeit. Falls sie diese Entschuldigung annimmt, würde ich für ihren nächsten Besuch in einem Ramen-Restaurant (nur Tagesangebot, nicht Karte) aufkommen. Ihr lebt doch in der Gebäudeansammlung um diese ausgezeichneten japanischen Imbißrestaurants nördlich von Köln?
    Natürlich hatte ich bei meiner Gehässigkeit Deine Verehrung für barocke Ornamentik in der Sprachgestaltung irgendwo im Hinterkopf. Was dem einen die in der Transportbox verdorbene Speise ist dem anderen eine Schmähung sprachlicher Schnörkel. Nachdem Du also so ein wortgewaltiges Glaubensbekenntnis zur altehrwürdigen, allein seligmachenden Formulierungskunst abgelegt hast, muss ich mich als Bilderstürmer zu erkennen geben, zum Wohle des einzig wahren Glaubens des reinen Wortes.
    Zwar plagt uns alle die Angst, das Bewusstsein sei nur zufälliges Produkt des gesellschaftlichen Seins, das verehrte schöne Wort nur beiläufige Ausdünstung des fressenden und fluchenden Körpers. Wenn wir dem aber ins Auge sähen, würden wir der Möglichkeit Raum geben, wir bräuchten gar nicht mehr Lesen und Schreiben, sondern sollten nur noch Messen und Zählen. Das wollen wir nicht. Also verteidigen wir unseren Glauben am besten, indem wir uns gegenseitig Ketzerei vorwerfen. Denn die Römer können wir erst vertreiben, wenn wir alle abweichenden Volksfronten auf Linie gebracht haben. Das macht Spaß und kann unendlich weitergehen, für Glaubensfragen gibt es ja zum Glück keine letztgültigen Beweise und der Glaube an Sprache ist nicht durch Religionsfreiheit und pietätvolle Rücksichtnahme geschützt.
    Ich erlaube mir, Deine orthodoxen Überzeugung die „Genetivschützer“ zu nennen, im Gegensatz zu von Dir als Marschmusikvereinfacher geschmähten Sprachprotestanten.
    Ich weiß nicht, ob Du es mitgekriegt hast, vor einiger Zeit wurde eine junge Wissenschaftlerin durch die Medien getrieben. Die hatte gewagt zu, behaupten, „Kiezdeutsch“ sei eine vollwertige Sprache. In den Kommentarspalten schäumten und heulten die Genetivschützer wie getretene Hunde. Ich prüfte nicht, ob die Wissenschaftlerin recht hatte oder Blödsinn redete. Ich ergötzte mich in sadistischer Freude am Geheul der Hochsprachenverehrer, weil sie sich aufführten wie Pilger, denen man erklärt, ihr heiliges Wasser käme aus dem Spülkasten des geschäftstüchtigen Pfarrers. Denn Ich glaube, wer die Sprache verehrt, sollten keine Amulette und Heiligenfiguren anbeten, seien das nun zweite oder dritte Fälle oder ungewollte Anglizismen.
    Ich glaube, die Genetivschützer sind zu einem Großteil daran Schuld, dass Deutsch nicht mehr international geachtete Wissenschaftssprache ist. Die Sprache wächst mit ihren Aufgaben, wird größer und schwerer, verknöchert schließlich und stirbt ab. Wie ein Baum, den man entweder rechtzeitig fällen kann um schöne Möbel draus zu machen. Oder man verehrt ihn noch 200 Jahre abergläubisch, bis er, innerlich hohl, bei einem Sturm umstürzt und etwas kaputtmacht.
    Der Vergleich von Sprache und Musik ist ein sehr schönes Bild. Ich glaube, die formale Regelhaftigkeit ist aber nicht ihr Wesen. Das Wesen sind Ton und Timing. Fingerfertigkeit, Triller, Akkordarpeggien, ja das sollte ein Musiker alles können, verehren und Stunden über Stunden üben. Aber auf der Bühne soll das sparsam eingesetzt werden, auch sollen gerne ein paar Lieder nur in ihrer reinen, unverzierten Melodie wirken.
    Ich glaube, es ist grundfalsch, zu glauben, die professionellen Sprachverwässerer und sogenannten Volksverdummer – als ob sich das Volk so einfach verdummen ließe – seien selber dumm. Dieser Vorwurf ist Kriegsgeheul und Pfeifen im Walde der Genetivschützer, zu ihrem eigenen Schaden, denn sie verkennen damit absichtlich die Stärke des Gegners. Über das Fernsehen weiß ich wenig, aber die Printabteilung eines gewissen Verlages, der auch Fernsehsender betreibt, ist besetzt mit hochintelligenten, perfekt ausgebildeten Leuten. Die arbeiten mit Fleiß und Engagement daran, aus unserer Sprache unter Zeitdruck ein hochkonzentriertes, bitteres, giftiges und berauschendes Destillat herzustellen. Und diese Tätigkeit können sie sehr gut, grade wer sie bekämpfen will, muß ihre Kompetenz anerkennen. Sie wollen nicht bilden und nicht erzählen. Sie versuchen, den Verstand zu umgehen, wollen direkt Herz und Hand der Leser erreichen, damit diese die Brieftasche zücken und Geld ausgeben. Das selbe Geld mit dem ein Salieri Notenpapier kaufte und ein Mozart seine Spielschulden beglich. Es findet dort nirgendwo eine Vergewaltigung der Sprache statt. Nein, die Sprache wird anschaffen geschickt. Es ist den Verlegern egal, ob sie betrügt, raubt, stielt oder sich tatsächlich prostituiert. Hauptsache, sie liefert pünktlich genug Geld ab. Falls wir die Zuhälter also tatsächlich einmal vor Gericht zerren können, sollten wir uns hüten, von Vergewaltigung zu reden. Denn dann würde so ein mühsam arrangierter Prozess bei der ersten Zeugenaussage in sich zusammenbrechen. Ich glaube, wir sollten es den Juristen gleichtun und unsere Sprache scharf und präzise halten, wie ein kleines, verborgenes Messer.
    Aber das sind mir eigentlich nur Spiegelfechtereien um die rechte Anbetung eines unbewiesenen Gottes. Was ich eigentlich bemeckern wollte waren nicht überdrehte Worthülsen. Als großer Fan des Surrealisten-Seppo hast Du mich ein wenig enttäuscht und echte Fans lassen es bei Enttäuschungen ja bekanntlich gern mal eskalieren. Das ist unser gutes Recht, vor allem wenn wir keinen Eintritt zahlen. Der fragliche Text also beschreibt, wie Pavel völlig Ergebnislos an Merugins Kehle und Hals herumgerundiviert. Für sich durchaus unterhaltsam und wünschenswert irrelevant. Vor dem Kontext allerdings, dass selbiges im laufenden Quartal schon einmal stattfand, aber in einem fahrenden Auto mit Leiche im Zustand nach autodidaktischer Hirnoperation im Kofferraum, war das doch ziemlich dünn, oder, wie Boulevard-Schreiberlinge zu sagen pflegen: breitgetretener Quark. Gemessen an den im Seppolog selbstgesetzten Maßstäben. Da sollte der Autor schon akzeptieren, daß mal ein Glas umfällt und ein paar Spritzer schales Bier auf dem Rockzipfel seiner hochverehrten Grammatik landen. Kein Grund, gleich die hoffentlich wohltrainierte Kehrseite zur kostenlosen Benutzung hinzuhalten.
    Ich wünsch einen fröhlichen und besinnlichen Reformationstag Dier und allen Deinen Lesern. Wer nichts zu tun hat, kann ja nebenher ein wenig die Sprache aufräumen
    Herzlichst Eure
    i. A. Bernadette Botox
    Redaktionsassistentin bei
    meinedrogenpolitik.wordpress.com
    Alice Wunder ist nach Diktat zum Drogentest verreist)

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    • Zwei Dinge noch, dann klinke ich mich aus:

      1. *Genitiv (wenigstens das, bitte!)

      2. Die Studie der Wissenschaftlerin war unausgereift und bot in ihrer Durchführung zu viel Raum für Fehler/Fehlinterpretationen.
      (Sehr geringe Anzahl an Studienteilnehmern, Suggestion durch den Versuchsaufbau, etc).

      Vielleicht sollte man nicht immer nur die Kommentarspalten lesen. Da treiben sich oft allerhand merkwürdige Gestalten herum… 😉

      Grüße!

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      • Falsch und Falsch. Erstens ist der Genetiv männlich oder will zumindest dafür gehalten werden. Das merkt man leicht wegen dem sein langes Pimmelimitat, wo er sich immer vorn aus der Hose baumeln lassen tut, seim geschwollenen Hahnenkamm und das endlose beleidigte Rumgezicke wenn ihm mal einer Widerspricht. Von sächlicher Neutralität ist ihm da rein vom Charakter her gar nix zu anzumerken dem Genitalitativ. Und zweitens glaubte ich ausführlich erörtert zu haben, daß bei gewissen Medien nur die Artikelüberschriften ein Produkt hochwertigsten Textereibemühens sind, der Inhalt jedoch nährwertfreier Content und somit die Kommentare die einzig lesenswerte Geistesleistung darstellen. Wer jedoch den Inhalt Ernstnimmt und sogar prüfend validiert muß sich bald bei den Opfern der Boulevardmedien einreihen, die über jeden Schatten eines von diesen hingehaltenen Stöckchens springen.
        Jetzt hab ich keine Zeit mehr, ich muß noch nen Artikel über Globalisierung lesen.

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  23. Applaus, Applaus, Seppo! Am liebsten würde ich den Text ausdrucken und den Sprachvergewaltigern in meiner Firma unter die Nase halten. Die könnten Dir aber wahrscheinlich nicht folgen und bäten mich, ihn auf zwei Sätze einzudampfen, was unmöglich ist.

    Warum Vollwasch-Mittel? Oder Voll-Waschmittel? Meines Wissens schreibt man Wortzusammensetzungen ab zwei Substantiven mit Bindestrich. Vollwaschmittel enthält ein Adjektiv, ein Verb und ein Substantiv, wird demnach ohne Bindestrich geschrieben. Aber sicher bin ich mir nicht – wie so oft seit 1998. Ich war mal sehr sicher in der deutschen Rechtschreibung. Dann kam die neue deutsche (Un-)Rechtschreibung, die alles einfacher machen wollte oder sollte, aber alles verschlimmerte. Und nach Verabschiedung der Re-Reform (2006?) gab es noch mehr Kannbestimmungen als vor der Reform.

    Um das Schriftwesen innerhalb der Firma wegen der vielen Kundenkontakte zu vereinheitlichen, hat meine Firma – ein großer deutscher Konzern – bestimmte Schreibweisen festgelegt, die nicht immer die sein müssen, die der Duden empfiehlt. Das führt dann auch zu absurden Schreibweisen: Substantiv mit drei gleichen aufeinanderfolgenden Buchstaben werden mit Bindestrich geschrieben, als Verb aber zusammen – Still-Legung einer Produktionsstraße, eine Produktionsstraße stilllegen. Das Marketing ist bei seinen kreativen und sehr eigenwilligen Wortschöpfungen selbstverständlich ausgenommen und schreibt wie es will (es würde „VollWaschmittel“ schreiben). Und die Techniker auch, die testen nicht, sie vertesten. Die Techniker mache ich oft sprachlos, wenn ich laut sinniere: „Ich schreibe, das ist gut. Wenn ich mich verschreibe, ist das schlecht. Ob das mit Testen und Vertesten auch so ist?“

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  24. Bravo, Seppo!
    Auch wenn ich selbst nicht frei von Fehlern und Unsicherheiten bin (muss immer wieder mal im Duden was nachschlagen) – die Verhunzung und Dilettanz (huch, neues Wort?) in Beruf und Alltag regt mich ebenso auf wie Dich.

    Beispiel: ein Imbiss-Laden in Hamburg.
    Sicher hat er mehr Geld übrig als nur für eine simple Kreidetafel vor der Tür.
    Über dem Eingang hängt also ein zweifellos teures, von innen beleuchtetes Schild über die gesamte Gebäudebreite. Ein Fachbetrieb hat die einzelnen Buchstaben auf das Spezialmaterial gebrannt.

    Nun steht dort riesengroß, für die ganze Hansestadt und auch noch von der Hochbahn aus, riesengroß zu lesen:

    CROQUE-PAVILLION.

    … I L L I O N !!!

    Da fehlen einem doch sämtliche Worte.

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  25. Naja…
    Als Germanist kenne ich eine Vielzahl von Kommunikationsmöglichkeiten. Gegenwärtig arbeite ich sehr viel mit Bilder – ja, auch das ist Deutsch – in einem Alphabetisierungskurs für Flüchtlinge!
    Ansonsten ärgere ich mich zeitweilig auch über die neue Flapsigkeit im Umgang mit Sprache. Aber es wundert mich nicht mehr, nachdem ich weiß, wie lange z.B. der Konjunktiv in der Schule geübt wird, bzw. wie gern schon der Dativ statt des Genitivs von meinen Kollegen akzeptiert wird…
    Und über das Denglisch rege ich mich inzwischen gar nicht mehr auf. Dafür habe ich die Sprache zu lange unterrichtet. Auch Fremdwörter haben im Deutschen schließlich ihre Berechtigung.
    Aber: Sprachkritik ist leider gegenwärtig Mangelware. Daher: Bitte weiter so!
    Reinhard

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  26. Manchmal lohnt sich Geduld (wie im Stau übrigens… Musik an, Sitztanzen, Fertig!).
    Mir juckte es vorhin schon in den Fingern, aber einen alten Kommentar zu kommentieren ist noch sinnfreier, als einen alten Artikel. Die Antwort hast du ja aber auch selbst gegeben.
    Ich kann mich jetzt aberallerdings getrost nochmal allen Vorkommentatoren anschließen: Die deutsche Sprache ist etwas wunderbares und mit ihr zu spielen erst Recht!
    Du bist ein Grammatik-Poser? Da hat jemand deine ernsteren Texte noch nicht gelesen!
    Es kommt, wie du es schon schreibst, auch immer auf den Inhalt und den Zweck eines Textes an, ob er für Wortspielereien geeignet ist, oder ob eine einfachere Schreibweise nicht sinnvoller ist um die dahinter steckende „Botschaft“ zu transportieren.
    Und bei dem kritisierten Text hätte eine einfachere Sprache definitiv das Lesevergnügen getrübt. Was wäre denn dann noch geblieben? Tja.. Geschmäcker sind verschieden.

    Grammatik-Poser sind im übrigen für mich eher Diejenigen, die andere ununterbrochen klugscheißend korrigieren. Das kann durchaus unhöflich sein und nicht jeder muss die deutsche Sprache in all ihren Feinheiten perfekt beherrschen.
    Meine Mutter hasst es zum Beispiel in ihrer „wie/als“- Schwäche ständig korrigiert zu werden. SIe ist da durch das hiesige Platt geprägt, das wird sich auch nicht mehr ändern. Ich grinse mittlerweile dazu nur noch, sie weiß es dann schon, dafür kassiere ich dann meistens den Ellenbogen ^^.

    Gefällt 1 Person

  27. Eine sehr weise Frau, die ich erfreulicherweise meine gute Freundin nennen darf, kommentierte meine Texte einstmals damit, dass es sei, als höre man Musik die klingt, ohne über gefinkelte Partituren, halbe, ganze oder geviertelte Noten nachdenken zu müssen… wenn sie meine Zeilen liest, sagt sie, dann klingen die Wörter, fügen sich aneinander wie Töne zu einem Lied und bräuchte sie die Augen nicht, um zu lesen, so würde sie sie schließen, um den Rhythmusklang des Geschriebenen einfach nur zu erspüren… zum Geburtstag schenkte ich ihr eine Kassette mit meinen Texten… besprechend gesungen von mir.

    Genau so lesen sich deine Zeilen… machen meine Augen schließen und klanginhalierend genießen. Danke!

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