Ruhe in Frieden II

Hier beschließen meine Mitbewohnerin und ich, unsere Nachbarin Lara zu ermorden. Der seppolog-Thriller geht weiter …

lara2

Per Facebook-Messenger kündige ich Lara, die zwei Etagen über uns wohnt, unseren spontanen Besuch an. Selten habe ich meine Mitbewohnerin derart unter Strom erlebt, nahezu aufgedreht kommt sie mir im Flur entgegen und ich sehe etwas in ihren Augen, das mir vollkommen neu ist: blanken Hass. Es erregt mich.

Drei Minuten später …

„Das waren drei Minuten, Seppo!“

„Ja, Rekord! Krass, oder?!“

„Gehen wir hoch. Bringen wir es zu Ende.“

Was eigentlich? Wir haben ja noch nicht einmal angefangen! Wie bringen wir sie um?“

Genau diese Frage stellte ich auch meiner Lektorin, von der ich auf diesem Wege eine ganz neue, düstere!, Seite kennengelernt habe. Sie schreibt in Grau, ich in Rot:

km

Gut, KM ist mir in diesem Falle keine Hilfe, doch sollte ich mal jemandem foltern wollen, weiß ich ja, bei wem ich mir Anregungen holen kann.

Meine Mitbewohnerin und ich verlassen unsere Wohnung, sorgen aber schon einmal für unser Alibi vor. Jene drei Minuten, die hier nur schwammig angedeutet wurden (siehe oben), haben wir auf Band aufgenommen, welches wir in Schleife laut aufgedreht laufen lassen, damit es so wirkt, als seien wir noch in der Wohnung.

„Warum eigentlich haben wir noch ein Tonband-Gerät?!“, fragt sie nicht ganz zu Unrecht.

„Warum hat Deutschland kein flächendeckendes Internet?!“, gegenfrage ich zurück.

„Das kann ich dir erklären!“, antwortet sie.

„Es war eine rhetorische Gegenfrage!“

„Es hängt mit dem Technologievorsprung zusammen, den Deutschland beim GSM-Netz hatte. Nachzügler haben direkt in neuere Technologien investiert, sodass wir jetzt im Dings sind.“

„Im was?!“

„Dir fehlt gerade beim Schreiben das Wort.“

„Ja. Verdammt. Im Verzug!“

„Ja, das passt.“

Wir gehen endlich hoch und versuchen, uns völlig normal zu benehmen, bloß nicht aufzufallen. Dazu platziere ich ein Pfeifen auf meine Lippen, was ich nach 35 Jahren noch immer nicht so richtig kann. Meine Mitbewohnerin versucht es mit dem Aufsatz eines gleichgültigen Gesichtes, das sie immer aufträgt, wenn wir Lara treffen.

„Hör auf zu pfeifen. Kein Mensch pfeift so auffällig unauffällig. Außerdem kannst du es nicht!“, sagt sie mit betont gleichgültiger Sprechmelodie.

„Du bist auch nie so gleichgültig, wie du gerade tust!“, sage ich beleidigt, verfehle dabei eine Treppenstufe und krache auf die darüber liegende.

„Na toll! Jetzt wird’s aber mal so richtig unauffällig! Permanent fällst du Treppen hoch! Wie Heiligabend!“

Herr Fahrgescheit kommt aus der Tür, vor der ich mich gerade vom Sturz erhole. Er wirkt aufgebracht.

„Was ist denn los hier heute, dass alle fallen?!“, ruft er.

„Fallen denn alle?!“, will ich wissen.

„Meine Frau! Eben! Im Wohnungsflur! Mit dem Unterkiefer auf die Kommode! Zertrümmert!“

„Man bekommt so ’nen Kiefer wieder hin, keine Sorge!“, tröstet meine Mitbewohnerin.

„Die Kommode! Es geht mir um die Kommode!“

„Die kriegt man auch wieder hin!“, tröstet meine Mitbewohnerin abermals.

„Bin ich Meister Eder?!“, ruft Herr Fahrgescheit aus, dreht sich um und sagt etwas, dass er nur sagt, damit auch jeder Leser versteht:

„Ich habe Sie hier zu diesem Zeitpunkt im Treppenhaus gesehen. Sollte sich etwas Ungewöhnliches hier im Hause ereignen, werde ich Sie verdächtigen. Seltsam, dass ich das sage, da es ja nicht außergewöhnlich ist, hier auf Hausbewohner zu stoßen. Und warum bin ich nicht bei meiner Frau im Krankenhaus?! Gibt es hier kein storyboard?!“

„Armer Irrer“, flüstere ich meiner Mitbewohnerin zu, während Herr Fahrgescheit wieder in seine Wohnung verschwindet. Und dann fällt mir ein:

„Er war ja nun auch im Treppenhaus! Er wäre damit also auch verdächtig, sollte hier etwas Ungewöhnliches sich ereignen!“

Meine Mitbewohnerin: „Du hast Recht! Wir schieben es ihm in die Schuhe!“

Was?“

„Seppo! Den Mord!“

„Ach ja, wir gehen ja gerade morden.“

„Dein Kurzzeitgedächtnis schon wieder …“

„Ich stürze definitiv zu oft.“

Wir erreichen nach einer gefühlten halben Stunde etwa 90 Sekunden nach dem Verlassen unserer Wohnung Laras Wohnungstür, die freilich dem Vermieter gehört. Lara darf sie nur leihweise öffnen und schließen. In diesem Falle öffnet sie.

„Hallo! Ich hab euch schon kommen gehört. Was war denn los?!“, fragt sie.

„Äh, ich stürzte ungünstig und Herr Fahrgescheit sucht nen Schreiner. Übrigens, er war auch im Treppenhaus. Sollte also etwas Ungewöhnliches hier passieren-„, kann den Satz nicht beenden, da meine Mitbewohnerin interveniert.

„Lara! Lass dich erstmal drücken!“

Das ist seltsam. Meine Mitbewohnerin kann Lara nicht leiden, würde sie niemals drücken! Ich halte das für etwas auffällig unauffällig. Doch dann bemerke ich, dass meine Mitbewohnerin Lara betont fest umarmt und auch Lara entgeht das nicht, womit sich mich schon wieder fast beeindruckt, weil ihr doch so vieles entgeht:

[Name meiner Mitbewohnerin], du erdrückst mich ja!“, stöhnt sie.

„Tue ich das?!“, fragt sie betont unschuldig.

„Ist auch mein Eindruck“, mische ich meine Einschätzung der ulkbeladenen Szene bei.

Und sie lässt nicht los. Dann, ganz plötzlich, macht es plopp.

Hinweis an den Leser: Humor ist manchmal nicht einfach und ich habe lange überlegt, ob das folgende nun wirklich Gegenstand dieser Erzählung sein soll, die auf wahren Begebenheiten beruht. Ich entschied mich dazu, es einfach mal auszuprobieren.

„Nanu?“, fragt Lara unterlegt von einem gewissen Schreck in ihrer Mimik.

„Nanu was?“, frage ich.

Meine Mitbewohnerin lacht laut auf: „Ihre Implantate! Sie sind geplatzt! Ich wusste, sie sind nicht echt!“

„Ich hab aber nur ein Plopp gehört!“, besserwissere ich.

„Es ist auch nur eines geplatzt“, weiß Lara, die es ja wissen muss.

„Solch ein Busen kann nicht echt sein!“, freut sich meine Mitbewohnerin.

„Busen übrigens“, weiß ich besser, „ist lediglich der-“

„Ja, doch, der Bereich zwischen den Brüsten. Wir haben alle deinen tollen Blog gelesen“, meine Mitbewohnerin genervt.

„Wusstet ihr eigentlich“, versuche ich es mit einem anderen Thema, „dass Männer sich über falsche Brüste anders als Frauen gar nicht aufregen, weil es ihnen egal ist?“

Hinweis an den Leser: Ich verallgemeinere hier und nehme an, dass es vielen Männern dann doch nicht egal ist. Wobei ich noch nie eine falsche Brust in der Hand hatte. Aber schon einmal ein gekochtes Straußen-Ei.

„Geht erstmal in die Küche, ich hole mal ein Handtuch. … Vorsicht, nicht ausrutschen. Ganz schön glibberig.“

Meine Mitbewohnerin und ich setzen uns an den Küchentisch, während Lara im Bad rumwabert.

„Das hat ja prima geklappt mit dem Zerdrücken von Lara!“, sage ich.

„Es hätte klappen können! Ich hatte ja nichts zum Üben!“

„Nach dem kleinen Welpen von Fahrgescheits hätten wir eben fragen sollen.“

Hinweis an den Leser: Das Zerdrücken von Welpen klingt erst einmal schlimm. Tatsächlich aber ist das Zerdrücken von Hundwelpen mit großen Augen der eigentliche Grund dafür, dass sie überhaupt große Augen haben.

„Wie bringen wir sie nun um?“, frage ich meine Mitbewohnerin, die plötzlich hämisch auflacht.


Gott, ist das spannend! Was für ein Cliffhanger! Ohne Cliffhanger: meine Facebook-Seite.

8 Kommentare

  1. Ich plädiere weiterhin für einen Sinneswandel und das Kanalisieren der Mordenlust in etwas anderes, weniger zerstörerisches, wobei der zweite Busen nun auch dran glauben muss. Der Mensch steht auf Gleichmäßigkeit. Ein großer Busen stört. Es müssen zwei sein, oder aber eben zwei kleine.
    Auf einem Bein kann man nicht stehen… mit einem Busen nicht säugen.. oder so ähnlich.

    Gefällt 2 Personen

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