Sex im Hinterhof

1280px-Certosa_di_Pavia_chiostro_piccolo(Mein Hinterhof, Abbildung ähnlich)

Für jeden Beitrag benötige ich immer ein Foto, das möglichst gemeinfrei ist. Da ist Wikipedia immer eine empfehlenswerte Anlaufstelle. Wenn es um Sex im Hinterhof geht, wird die Nummer etwas komplizierter. Gucke ich aus dem Fenster meines so genannten Medienraumes, blicke ich in einen Hinterhof, den ich aber natürlich nicht unbedingt fotografieren und onlinestellen darf. Darum wählte ich das Bild eines Hinterhofes, das meinem optisch sehr nahe kommt, das mich aber auch in eine Zwickmühle bringt, denn es zeigt den Kreuzgang des Klosters Certosa die Pavia in Italien und der Titel dieses Beitrages lautet „Sex im Hinterhof“. Ich stelle also fest, dass im oben gezeigten Hinterhof mit göttlicher Sicherheit kein Sex stattfindet und mir Blasphemie sehr fern liegt.

Ich habe Zeit für diese Zeilen, da mich die Frankfurter Allgemeine Zeitung nicht mehr beliefert. Da sei noch eine Rechnung offen, die ich aber vergangene Woche beglichen habe. Was ich dem Rechnungswesen des darbenden Zeitungshauses just mitgeteilt habe, aber irgendwie scheint es da Friktionen zwischen uns zu geben, sodass ich jetzt einer weiteren Lieferung harren muss. Ich bin überaus beunruhigt und stelle bei nächster Gelegenheit auf eine Einzugsermächtigung um.

Ich las gestern den jüngsten seppolog-Artikel von mir in meiner Küche korrektur, als meine Hochkonzentration von lauten Schreien unterbrochen wurde, die da aus dem Innenhof kamen oder eben aus einer zum Innenhof hin liegenden Immobilie. Ich wohne im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk, was meiner Kreditwürdigkeit eher nicht zugute kommt, und da überlegt man schon mal, ob es angezeigt ist, die Polizei zu rufen, wenn man Schreie hört. Mir wurde dann aber schnell klar, dass es sich um Schreie der Lust einer Dame gehandelt haben muss, denn als sie plötzlich schwieg, gesellten sich männliche Brunftrufe dazu, woraus sich folgende Orgasmus-Reihenfolge ergibt: erst die Frau, damit die sich dann unbeschwert und unabgelenkt um die Freuden des Sexualpartners kümmern kann. Mir wurde mal gesagt, gleichzeitiges „Kommen“ sei schwer bis unmöglich und wenn eintretend, dann läge Betrug durch die Frau vor. Ich widerspreche dem vehement, ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, stehe aber für Sexualberatung über PN gerne zur Verfügung.

Und nun hat mich zu einer früheren Version dieses Textes eine aufmerksame Leserin darauf aufmerksam gemacht, dass gleichzeitiges Kommen möglicherweise auch gar nicht anzustreben ist. Und auch ich bin mir der Komik bewusst, wenn da beide so ineinander verschachtelt liegen, schreien und verkrampft zucken. Ich fürchte nun, ich werde bei nächster Gelegenheit genau darüber nachdenken müssen, was selbst mich Tier hemmen wird. Ohnehin gibt es so viele komische Situationen, die zum Stimmungskiller werden können. Einst hörte ich mal irgend etwas von Adam Green beim Akt. Das Lied wechselte plötzlich aus dem Nichts seinen Rhythmus, wurde kurios schnell mit viel Tammtamm und nahm Züge deutscher Marschmusik an. Das mündete bei meiner damaligen Partnerin und mir in einen nicht mehr zu stoppenden Lachanfall und Adam Green war damit für uns gestorben.

Inzwischen genügt aber schon ein knatterndes Moped, das draußen vorbei fährt. Ich musste grinsen, verbarg aber mein Gesicht in einem Kissen, damit sie nicht auch noch zum Schmunzeln bewegt wird. Doch Gesicht im Kissen kann eben auch signalisieren: „Freunde, ich komme nun!“ – „Wie, schon fertig?“, ihre berechtigte Frage darauf und so musste ich doch noch auf das knatternde Moped aufmerksam machen.

Ebenfalls als Stimmungskiller bewiesen hat sich das Stoßen des Kopfes, das jetzt hier nicht doppeldeutig gemeint ist. Ich neige dazu, mir pathologisch häufig den Kopf am oberen Bettende zu stoßen, was je nach Heftigkeit in der Tat das Aus für den Liebesakt bedeuten kann. Aber zurück zum Hinterhof!

Bislang hörten meine Mitbewohnerin und ich nur zwei Geräusche aus dem Hinterhof. Zum einen den Nachbarn, der intensiv mit seinem Vogel kommuniziert. Er pfeift und sein Vogel pfeift zurück – in einer nicht enden wollenden Schleife, bis der Zuhörer Mensch und Tier akkustisch nicht mehr auseinander halten kann. Wie können sich Mensch und Vogel soviel zu sagen haben?! Das zweite Geräusch geht wieder in die Richtung Stöhnen; ein Mann, der offenbar viel Spaß mit sich selbst hat – und das sehr oft. Oder er hat eben eine stille Partnerin, die sich bei möglicherweise offenem Fenster schamvoll zurückhält.

Nun, wie komme ich jetzt zu mir, ohne zuviel zu verraten? Erzähle ich von einem Brief, den uns ein Münsteraner Nachbar einst in den Briefkasten schob, mit der Bitte „Nächstes Mal gerne leiser ficken!“ oder davon, dass ich nur so darauf warte, dass auch bei uns einmal die Polizei vor der Tür steht, da es durchaus mal so klingt, als würde ich mit mehreren Messerstichen – und da sei Gott vor – niedergestreckt?! Ich schweige besser.

Diverse Onlinemedien beschäftigen sich mit der Frage, warum Frauen beim Akt stöhnen. Die Frage hätte ich mir gar nicht gestellt, weil ich immer von großer Erregung unter mir ausging. Ich stöhne ja auch. Nun spekuliert manch Autor aber, sie tue das, damit er schneller fertig werde. Das ist wenig schmeichelhaft. Und diverse Studien untermauern dieses, wobei von Studien nicht viel zu halten ist. Es gibt ja solche und solche. Je leiser Frau, desto mehr Orgasmus, heißt es da in einer. Die „Berliner Zeitung“, die mich ebenfalls nicht beliefert (habe sie aber auch nicht abonniert), will wissen, dass 87 Prozent der Frauen das Stöhnen als Orgasmusbeschleuniger beim Manne benutzten. Das macht mich nachdenklich. Es reichte ja aus, würde sie sagen „Du hast drei Minuten“. Damit könnte ich arbeiten, da ist mann sehr unkompliziert und alles, was zum Ziel führt, ist genehm.

Man schmunzelt natürlich, wenn man da so in seiner Küche sitzt und es wieder losgeht. Laut lachen allerdings muss man, wenn sich zur Lust noch das Pfeifen des anderen Nachbarn und das seines Vogels gesellt. Das würde mich übrigens anstelle des vor Lust stöhnenden Nachbarn völlig aus Konzept und Rhythmus bringen, wenn der Vogelmann den Akt pfeifend begleitet.

Es ist schön, dass man durch das Fenster zum Hof nicht nur Morde beobachten kann. Und da die FAZ sich gerade gemeldet hat, um mir eine weitere Belieferung in Aussicht zu stellen, stehe ich ab sofort wieder vor der Frage, Nachbarn beobachten oder Feuilleton lesen?

33 Kommentare

  1. Ein weiterer Beweis dafür, dass zumindest im Sommer ein Fernseher komplett überflüssig ist (meiner dient eigentlich auch nur noch als Monitor für diverse Import-DVDs mit TV-Produktionen aus UK, aber das ist eine andere Geschichte).

    Wir hatten vor etlichen Jahren auch mal einen Nachbarn in unserem großen, sehr gut beschallten Karree, der mit seiner Freundin sehr gerne in den Zoo gegangen sein muss. Anders kann ich mir die lautstarken Erlebnisberichte, in denen Vokabeln wie „Affe“, „Kamel“ und „Sau“ besonders betont vorkamen, nicht erklären. Aber es war immer sehr unterhaltsam, wenn man sommertags mit einem erfrischenden Kaltgetränk auf dem Balkon saß.

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  2. Wow, das ist ein überaus faszinierender und interessanter Beitrag, von dem ich glaube, ihn erstmal auf mich wirken lassen zu müssen. Obwohl ich tatsächlich auch glaube, dass man irgendwie unkontrolliert stöhnt und damit, genauso wie man lächelt, wenn man sich freut und es sich eben nicht verkneifen kann, sozusagen „befreit“. Ich glaube, es gibt einen unterschied zwischen dem gefaktem Stöhnen, dass vielleicht tatsächlich etwas wie „komm mal zum Ende“ suggeriert und dem genussvollen Stöhnen, dass letztlich nur ein Nebengeräusch ist, wie das Quietschen des Lattenrosts 😀
    Was ich sagen will: toller Beitrag und wunderbarer, gut und flüssig zu lesende Schreibstil! 🙂

    LG, Maret

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  3. Und auch hier muss ich jetzt meine unqualifizierte aber doch meiner Meinung nach sehr passende Antwort formulieren ich war bis zu meiner Erblindung Messdienerkreuzgänge hin oder herund wir haben auch die ein oder andere Feier im Kirchenturm gehabt! Weil da unsere Jugendräume lagen! Und wisst ihr was ziemlich blöd istwenn man nur zwei Klos hat man auf Klo muss und auf dem einen der erste Licht und kotzt und beim zweiten Mal rein geht sich nichts Böses denkt und dann unseren Obermaker mit der Perle des besten Freundes erwischt! So viel zur Blasphemy in Kirchen beziehungsweise Gotteshäusern!

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  4. Die dritte Usache der Stöhnerei der Frau könnte auch ´mal sein, dass „Mann“ (ich will dir um Gottes Willen nicht zu nahe treten,auch alle „Schreiber und Leser“ sind natürlich von dieser Annahme ausgschlossen!) nicht nur seinen Kopf zu doll stößt…

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  5. Lieber Seppo! Genussvoll sitze ich gerade in meiner Küche bei der Lektüre Deines Blogs. Laut gelacht und viel geschmunzelt – ähm… mit dem abgebildeten Hinterhof – ohne groß das Wort Blasphemie zu Papier zu bringen – ich glaube früher ging da wenigstens genau so viel wie heute. In der Nacht, in einem abgeschatteten Bereich… Wo kein Kläger, da kein Richter. Lust ist überall 🙂
    Gespannt folgend was da noch kommt!

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  6. Ich muss ja gestehen, wenn ich meine Nachbarin stöhnen höre, nervt es mich kurz, und dann denke ich mir, stöhnen und stöhnen lassen. Es gibt nämlich Frauen, die machen das einfach weil sie Lust empfinden und sich der Lust hingeben und dann kommen eben Stöhngeräusche. Und wenn dem so ist, dann sollte man jeder Frau und jedem Mann seine Lust gönnen. Es gibt so wenig Paare die guten Sex haben, daher: ich plädiere fürs Stöhnen, im Hinterhof oder sonstwo! Die Menschheit sollte weniger denken und mehr vögeln!!!

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  7. Guten Sex hatte ich dann – wenn die Nachbarn die Zigarette danach rauchen. 😉

    Danke das du über meinen Blog ‚gestolpert‘ bist, so habe ich gerade tatsächlich 2 sehr vergnügliche Stunden hier verbringen dürfen!
    Ich mag deinen Schreibstil und Humor!

    Heute ist nicht aller Tage – ich komm wieder keine Frage!

    Liebe Grüße J.

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