audio Herr Kitzler verlässt die Bundesseppoblik

brexit


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Am geschichtsträchtigen Datum des 18. März habe ich in diesem Jahr meinem sepporatistischen Drang nachgegeben und die Wohnung meiner Mitbewohnerin und mir zur unabhängigen Bundesseppoblik Deutschland erklärt. Das hatte schlaflose Nächte zur Folge, da ich natürlich befürchten musste, dass Deutschland es nicht einfach so hinnehmen würde, dass ich einige Quadratmeter seines Staatsgebietes abtrenne. So hielten meine Mitbewohnerin und ich stets Nachtwache am Fenster mit Blick auf die Straße der alten Bundesrepublik in der Befürchtung, dass diese ein paar Leoparden 2 vorbeischickt, um die Muskeln spielen zu lassen. Denn Staatenlenker lassen ja grundsätzlich die Muskeln spielen.

Inzwischen ist mein Eindruck eher der, dass das „alte“ Land gar nicht mitbekommen hat, dass ich einen eigenen Staat ausgerufen habe, was mich ehrlich gesagt in meinem Ego ein wenig beleidigt. Sie, meine Verteidigungsministerin, sieht darin aber auch durchaus positive Aspekte:

„Sei froh, denn ein Panzer hätte genügt und wir hätten kapitulieren müssen!“

„Ich hätte bis zum letzten Atemzug gekämpft. Beziehungsweise du für mich. Ich bin ja Staatsoberhaupt, ich hätte mich im Bunker verschanzt.“

„Die Bundesseppoblik hat einen Regierungsbunker?!“

Die Frage war gut, denn an sich hat sie noch keinen. Und da kommt unser Nachbar Herr Kitzler ins Spiel. Der nämlich war Maurer. Wie der Zufall es so will. Und auch er trug sich seit geraumer mit dem Gedanken, in eine Union mit der Bundesseppoblik einzutreten. Er würde dann im Keller einen Bunker errichten für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass der Verfassungsschutz der Bundesrepublik einmal vorbeischaut. Wir könnten uns dann dort verstecken, bis die Herren wieder weg sind, weil ja niemand die Tür öffnen würde. Bisschen feige, allerdings darf man nicht vergessen, dass Saudi-Arabien sich noch scheut, was die Panzerlieferungen an die Bundesseppoblik angeht. An sich haben sie auf mein Schreiben noch gar nicht geantwortet. Ziemlich ignorant. Sie unterschätzen offenbar meine Macht. Allerdings habe ich in humanitären Fragen auch nie ein Blatt vor den Mund genommen.

Für Herrn Kitzler standen, das wurde im Laufe der Wochen immer deutlicher, besonders die wirtschaftlichen Vorteile im Vordergrund, während ich unsere Union auch als eine politische betrachtete, vielleicht sogar eine, die den Frieden im Mehrparteienhaus bewahren könnte, nachdem es vor einigen Monaten einen heftigen Streit gab, bei dem im Grunde alle alle bekriegt hatten. Es ging da um den unglücklichen Umstand, dass zwei Mietparteien sich zusammen getan hatten, um den Kellerraum einer dritten zu erobern, was auch blitzartig funktioniert hatte, in der Folge aber zu massiven Umwerfungen in der Verteilung der Kellerräume kam. Die Grenzen der Raumverteilung hatten sich zu ungunsten einiger massiv verschoben.

Immer deutlicher forderte Herr Kitzler in der Vergangenheit Ausnahmeregelungen für sich, die ihm zum Vorteil gereichten, dem Rest aber nicht. Gemeinsamer Binnenmarkt unserer Wohnungen – ja. Da profitierte er von. Aber wenn jemand aus dem Haus gegenüber mal bei ihm um Salz oder gar um Unterschlupf bat, zeigte er sich erstaunlich geizig. Wo wir denn hinkämen, wenn er überall sein Salz verteile?! Salz sei hier nur exemplarisch für die anderen Dinge, die man sich mal gerne vom Nachbarn „ausleiht“.

Auch der neue Putzplan für das Treppenhaus stieß Herrn Kitlzer übel auf. Weil Frau Hasenmann, die ihm gegenüber wohnt, nicht mehr gut zu Fuß ist, beschloss unsere Union, also ich, dass Herr Kitzler ihre Putzschicht einfach übernimmt. Das gebietet ja schon allein der Anstand, doch der Eindruck, Herr Kitzler picke sich die Rosinen aus unserer Union, erhärtete sich nur noch mehr, als er die Kooperation verweigerte, und so schlug er zunehmend Sonderregelungen für sich heraus. Beispielsweise zahlt Herr Kitzler noch mit dem Euro und verschmäht den Seppo, eine Währung, die nur zufällig meinen Namen trägt und leider auch einem dramatischen Werteverlust unterliegt. Ich kann es hier mal im Rahmen eines nicht zitierfähigen Hintergrundgespräches sagen: Finger weg vom Seppo, man bekommt im Grunde nichts dafür. Aber das bitte, wie gesagt, nicht zitieren.

Es war an einem Tag, als Herr Kitzler ankündigte, darüber abzustimmen, ob er in der Union mit der Bundesseppoblik verbleibe oder nicht. Er selber wolle ja, aber er brauche die demokratische Legitimation durch sein Volk, also durch ihn, um sich dann endlich zur Union uneingeschränkt bekennen zu können.

Das Ergebnis der Abstimmung steht nun fest. Knapp, aber dennoch unausweichlich: Herr Kitzler hat dafür gestimmt, sich von der Bundesseppoblik zu trennen, die nun an Herrn Kitzler ein Exempel statuieren wird. Denn für mich gilt: Wer raus ist, ist raus. Auf keinen Fall dürfen andere Nachbarn diesem Beispiel folgen, denn auch Frau Fahrgescheit hat ein ähnliches Referendum angekündigt. Ich setze allerdings darauf, dass sie als Frontfrau der Front Fahrgescheit sich möglichst bald selber demontiert.

Die Reaktionen auf das Votum: Frauke Petry, nach wie vor in meiner Besenkammer, twittert voller Stolz, dass das eben ihre Union wäre und auch die Bundesseppoblik dem Beispiel Herrn Kitzlers folgen sollte. Ich bin erleichtert, dass sie hier noch kein Amt bekleidet, allerdings flirtet sie bereits mit Frau Fahrgescheit.

Meine Mitbewohnerin schlägt vor, Panzer zu Herrn Kitzlers Wohnung zu schicken, ahnt aber selber, dass das wohl eine Überreaktion wäre, zumal Saudi-Arabien ja nicht liefert.

Ich bin der Meinung, dass dieses Ende mit Schrecken ja wohl hoffentlich nicht in der Lage ist, eine stabile Union, der der politisch legitimierte Überbau leider fehlt, die aber auch eine Friedensunion ist, sich vom Abgang eines permanenten Nörglers und Haderers, der sich leider nicht vollumfänglich über die Konsequenzen seines Votums im Klaren zu sein scheint, sich von diesem kleinen Schock aus der Ruhe bringen zu lassen. Einer weniger, was soll’s. Und das Badezimmer Herrn Kitzlers, so höre ich, möchte in der Union verbleiben, es wird sich zu diesem Zwecke wohl von Herrn Kitzler lossagen müssen.

Zweck der Union war einmal, Frieden zu sichern, da unsere Nachbarn Angst vor einem Erstarken der Bundesseppoblik Deutschland hatten. Eine Mietpartei wollte uns deindustrialisieren und das war ausgerechnet Herr Kitzler, der überrascht war, dass ausgerechnet ich hier eine Führungsrolle übernahm, die ich aber gar nicht wollte. Das war mal anders. Aber mit einer aufgedrängten Führungsrolle ist schwer umzugehen. Wenn es kriselt, soll ich führen. Aber nur, solange es niemandem außer mir Opfer abverlangt. Die Nachbarn drucken Flugblätter, auf denen ich eine Nazi-Uniform trage! Ja, darf denn Satire alles?! Ich denke über eine Anzeige wegen Majestätsbeleidung nach. Meinungsfreiheit ja, aber bitte nicht gegen mich.

Herrn Kitzler wünsche ich alles Gute zu seinem selbst gewähltem Untergang, wie ich höre, tritt er noch bis Ende des Jahres von seinem Amt als Oberkitzler zurück, da er sein Schicksal mit seiner eigenen Entscheidung verknüpft hat. Wie doof kann man eigentlich sein und die Vorteile einer Union seinem Volk nicht ordentlich verkaufen zu können? Es gibt einen Grund, warum Demokratie nicht zu direkt sein darf, denn dann entscheiden Menschen Dinge, die sie nicht im vollen Umfang in ihrer Konsequenz überschauen können, während sie sich von Vorurteilen und Halbwahrheiten lenken lassen. Mir ist das aber egal. Es wird schon ohne gehen. Es geht immer irgendwie weiter.


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29 Kommentare

  1. Ich schließe mich da an: Toller Beitrag!

    Ich frage mich allerdings, ob mich mein Gedächtnis im Stich lässt… Ist Herr Kitzler nicht vor geraumer Zeit mittels Einsatzes einer Schusswaffe tragisch zu Tode gekommen? In welcher Zeitlinie befinden wir uns denn jetzt schon wieder… ? 😉

    Gefällt 4 Personen

  2. Kitzler, Hasenmann… mann, mann, mann… Sind das Anspielungen?! Du könntest ja mal die Femen oder wie die sich schreiben anschreiben, ob die mal eine Demo vor deiner Bundesseppoblick-Grenze machen. Dann freut sich Herr Kitzler. Und Petry würde richtig fuchsig. Hihi.

    Gefällt 2 Personen

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