Mein zweites Leben (VI): Zimmer 265

zweiteslebenvi

Rosonsko Rosenbaum, Deutschlands großer Investigativjournalist, ist Opfer seiner größten Geschichte geworden. Der rutztekischen Regierung auf der Spur, war diese ihm auf der Spur und hat ihn nachts in seinem Hotelzimmer perfide um sein Leben gebracht. Es ist nun an mir, in den Besitz seines Tagesbuches zu gelangen. In einer heißkalten Augustnacht will ich in sein Hotelzimmer eindringen, wo mich seine Leiche erwartet. Nur seine Leiche?

Dort stehe ich nun und stelle fest, dass die Tür ein Hindernis darstellt. Daran hatte ich nicht gedacht, da ich des Einbrechens nicht mächtig bin. Ich klopfe. Übersprungshandlung.

Doch zu meiner Überraschung öffnet mir jemand die Tür. Es ist …

„Aschenputtel?!“

Kleiner Scherz. Das wäre wirklich etwas albern. Es ist …

„Herr Hitler?!“

Jetzt wird es wirklich albern. Es ist …

„Lara?!“

Also bei aller Liebe, Lara muss nicht auch noch hier mit reingezogen werden. Es ist …

„Mitbewohnerin?!“

Nein, das wäre zu viel des Guten. Klar, ich hab darüber nachgedacht, aber nein. Das will ich weder ihr noch dem Leser zumuten. Es ist …

„Frauke Petry?!“

„Da machen Sie Augen, nicht wahr?!“

„Ich mache was?! Achso. Augen. Im übertragenen Sinne. Ja, mache ich. Sollten Sie nicht irgendwo sein und Menschen beschimpfen?!“

„Ich habe nun einen Twitter-Bot. Der neueste Schrei. Kann massiv die Wählerstimmung beeinflussen. Davon abgesehen sollte ich mich wohl eher in Ihrem Besenschrank befinden!“

Ja, denke ich, da habe ich sie zuletzt gesehen. Sie klingelte vor langer Zeit an meinem Fenster, nein, an meiner Tür und ich wusste nicht, wohin mit dem ungebetenen Gast und quartierte sie in meine Besenkammer ein. Hatte gedacht, da kann sie keinen weiteren Schaden anrichten. Doch ich soll nun erfahren, dass ich damit alles nur viel schlimmer gemacht hatte.

Ich trete in das Hotelzimmer und sehe Rosonskos lautstark verwesenden Leichnam.

„Dass sie Geräusche machen beim Verwesen, sagt man uns in Krimis nie“, sage ich zu Frau Petry.

„Ich war auch etwas überrascht. Habe Ohropax in seiner Nachttischschublade gefunden. Wir sollten sie uns reinstecken.“

Vielleicht die erste gute Idee im Leben dieser Frau, denke ich, und beide schieben wir uns – nicht einander – die Ohrstöpsel ein. Doch das war ein Fehler!

„…“, sagt sie.

„…“, antworte ich laut. Was sie verärgert, sodass sie wild gestikulierend ruft:

„…“

Ich bin bass erstaunt und sage:

„…“, was sie mit einem

„…“ pariert, was mich nur noch mehr reizt, sodass ich ihr ein

„…“ entgegenschmettere, was sie plötzlich erheitert:

„…“

„…“, schreie ich erbost, da ich es hasse, wenn man mich nicht ernst nimmt. Das merkt sie und sagt süffisant:

„…“

Das aber lasse ich nicht auf mir sitzen und werfe ihr ein wohl überlegtes

„…“ an den Kopf.

Doch denken tue ich: „Das hat mit den Ohrstöpseln einfach cainen Cweg“, und nehme sie heraus. Sie tut es mir nach und auch sie realisiert:

„Das bringt nichts. Wir hören uns ja nicht.“

„Ja, wegen der Stöpsel.“

„Ja, schon klar.“

„Ich sag’s nur, damit auch der letzte Leser das Schauspiel von eben einordnen kann.“

„Er ist ja nicht doof.“

„Doch, sind auch AfD-Anhänger dabei. Und was hat die AfD mit der rutztekischen Regierung zu tun?! Reicht es nicht, wenn ihr euch an Le Pen ranmacht? Oder an Putin?! Kennt ihr denn keine Grenzen?!“

„Wir tun, was nötig ist. Die rutztekische Regierung hat uns früh angesprochen. Wir helfen ihr bei der Verwirklichung ihres Planes.“

„Sie wollen die ‚Tausendjährige Welt der Rutzteken feat. Nazis‘ errichten. Ich weiß“, sage ich.

„Ja, doch wird das ‚Nazis‘ noch durch ‚AfD‘ ersetzt.“

„Ja, wobei, das ist doch im Grunde dass…“

„Elbe. Ich spazierte mal entlang der Elbe. War schön. Doch nun zu etwas völlig anderem. Zu dieser Situation hier. Wir mussten Herrn Rosenbaum ausschalten. Diese Drecksarbeit machen wir natürlich nicht selbst, das haben wir den Rutzteken überlassen. Ich bin hier, um das Tagebuch zu finden.“

„Ja, guck! Ich auch! Schon gefunden?“

„Nein, nur die Ohropax bislang. Er hat sie seltsamerweise unterhalb der Bodenplatte der Schublade aufbewahrt. Oder eben oberhalb der darunter liegenden Schublade. Das ist Ansichtssache. Aber er hat sie versteckt!“

Das hätte sie nicht sagen sollen. Denn mir wird sofort klar, dass Rosonsko so etwas nicht ohne Grund tut. Nur ein Idiot kommt jetzt nicht auf die Idee, dass Rosonsko seine Ohropax als Speichermedium für seine geheimen Aufzeichnungen benutzt hat. Zu meinem Glück entpuppt sich aber Frau Petry genau als das. Als …

„Idiot. Sebastian, Sie sind ein Idiot! Hier nachts herzukommen! Sie sollten sich Ihrem Schicksal fügen und mit uns zusammenarbeiten.“

„Nein. Nur noch ich kann das sympathische Volk der Deutschen vor den zwei größten Gefahren erretten: vor den Rutzteken und der AfD. In umgekehrter Reihenfolge. Und mit Verlaub, Frau Petry, umbringen werden Sie mich ja jetzt wohl nicht. Das kann ich Ihnen in dieser Geschichte nicht auch noch andichten.“

„Das stimmt. Aber ich kann laut und hysterisch herumdemagogieren!“

Verdammt. Dass sie dieses Ass ziehen würde, ist mir nicht klar gewesen.

„Sie können das Tag und Nacht?!“

„Ich kann im Grunde nichts anderes!“

„Das ist schlimmer als Tod. Ich muss Ihnen Respekt zollen, damit habe ich nicht gerechnet. Sie haben gewonnen. Die Welt gehört Ihnen.“

Sage dieses und stoße Frau Petry aus dem Fenster.

Natürlich weiß ich, dass sie weich landet, denn wie der Zufall es will, parke ich direkt unter dem Fenster mit meinem kleinen „Fiat Punto“, den ich kürzlich anderen vor der Nase weggekauft habe, und transportiere eine besonders weiche Matratze auf dem Dach. Weitsichtig genug war ich, dieses exakt so zu planen, da ich (selbst) eine Frau Petry nicht einfach so aus irgendwelchen Fenstern stoßen würde. Ich rate dringend davon ab. Richten wir sie doch lieber mit Argumenten nieder, denn wir haben die besseren ohnehin auf unserer Seite.

Ich blicke aus dem Fenster und bin schockiert.

„Welcher Idiot hat mein Auto abgeschleppt?!“

Kleiner Scherz. Auto steht noch da, Frau Petry liegt auf der Matratze und kreischt:

„Sie Narr! Das werden Sie bereuen!“

Ich habe auch den Eindruck, lasse mich aber nicht beirren und schnappe mir die Ohrstöpsel. Haste aus dem Hotelzimmer, nehme die Treppe und fliehe aus dem Hotel, vorbei am Pförtner, der noch ruft:

„Und Sie kennen wirklich Sebastian Flotho?!“

Ich rufe „Jaha!“, setze mich in mein Auto und fahre davon. Und höre ein Rumpeln.

„Verdammt. Die Petry liegt auf dem Dach. So weit hatte ich nicht geplant.“

Ich trete in die Eisen und sehe Frau Petry nach vorne fliegen. Sie berappelt sich, steht auf und rennt in großen Schritten auf meinen neuen Punto zu. Weil neu, finde ich den Vorwärtsgang nicht sofort, rase also rückwärts unkontrolliert in die Hotellobby. Der Pförtner:

Den Sebastian Flotho?!“

Frau Petry vorwärts erweist sich als schneller als der Punto rückwärts, sie liegt auf meiner Windschutzscheibe und hämmert auf diese ein. Ich in Todesangst gebe Gas, dieses Mal vorwärts, sehe aber nichts. Finde den Schalter für das Scheibenwischwasser. Dieses schießt Frau Petry in ihre Augen, sodass sie schreiend Halt verliert und von meiner Motorhaube unter das, haha, Scherz, sanft seitlich von der Motorhaube rutscht und sicher auf dem Bürgersteig landet, wo gerade Pegidaanhänger gegen irgendetwas demonstrieren. Sie helfen ihr freundlich auf. Sie ist unversehrt. Alles andere wäre mir auch nicht Recht. Sie schließt sich spontan den Pegiden an. Zusammen überlegen sie, wie sie es denen da oben mal so richtig zeigen könnten.

Ich fahre eiligst nach Hause zu meinem Kumpel Sägemann, der freilich anders heißt. Denn Sägemann ist Dechiffrierexperte. Ihm wird das Kunststück gelingen, die geheimen Aufzeichnungen auf Rosonskos Ohropax zu entschlüsseln.


Welche Geheimnisse werden dort offenbar? Wir erleben es bald! Bis dahin besucht meine Facebook-Seite!

2 Kommentare

  1. Wär der mal nach Maghrebinien gereist, der Herr Rosenbaum. Da wurde keiner umgelegt, es sei denn, das reichliche Angebot der Einheimischen von Bohnensuppe mit reichlich Zwiebeln und Knoblauch gilt als Mordversuch. Metropolsk ist schön!

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